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Wochenrückblick Rohstoff-Terminmarkt - 21. - 25. Juli 2008

von Jens Rabe

 

bannerDas Preisverhalten der meisten Rohstoffe in den letzten beiden Wochen war durchweg ähnlich, so dass wir uns einen detaillierten Rückblick auf einzelne Märkte an dieser Stelle sparen. Sowohl die Softcommodities wie Zucker, Kaffee, Kakao, die Getreidemärkte mit Weizen, Sojabohnen und Mais, als auch die Edelmetalle, die Energierohstoffe etc. mussten in den vergangenen Tagen teilweise erhebliche Verluste hinnehmen. Diese gingen in einigen Fällen auch sehr
deutlich über das Maß einer normalen Korrektur hinaus. So gab beispielsweise der Preis für Erdgas innerhalb von nur drei Wochen über 33% nach und vernichtete damit die Gewinne der vorherigen 15 Wochen. Auch Erdöl verlor von der Spitze an fast 24 USD/Barrel, Gold gab in den letzten Tagen über 60 USD ab, Kaffee verlor 14%, usw. Stark betroffen war auch der Getreidesektor, hier fiel beispielsweise Mais regelrecht in sich zusammen und die Bullen mussten Verluste von über 28% hinnehmen.
Dies alles geht wie schon erwähnt weit über das Maß einer normalen Korrektur hinaus und man muss sich ernsthaft fragen, ob die Haussetrends bei den Rohstoffen noch intakt sind!

Betrachtet man die einschlägigen Rohstoffindizes wie den S&P Goldman Sachs Commodity Index oder den CRB Index, dann sind in diesen Indizes mittlerweile alle kurzfristigen Trends nach oben nicht nur gebrochen, sondern gleichzeitig haben sich Abwärtstrends entwickelt.
Und so ist es dann auch nicht verwunderlich, dass wir verstärkt Meldungen erhalten, dass es besonders die Indexfonds sind, welche in den vergangen Tagen massiv Positionen in den Rohstoffmärkten liquidiert haben.

Obwohl es natürlich in den letzten Jahren auch eine Menge gewichtiger Gründe gab, warum die Rohstoffe eine solche steile Bewegung nach oben hingelegt haben (Nachfrage aus China, geringe Lagerbestände bei den Getreiden, Missernten, usw.) war es doch nicht zuletzt auch der massive Zufluss von Kapital in die Rohstoffmärkte, welche diese ansteigen ließ. Und hier liegt dann auch die Problematik einer solchen Entwicklung.
Da diese Fonds in der Regel ausschließlich auf der Longseite agieren, folgen diese bei ihren Anlageentscheidungen lediglich den Zu- und Abfluss von frischem Kapital in ihre entsprechenden Investmentvehikel.
Kommt jetzt dieser Zustrom von immer neuem Kapital zum Erliegen oder kehrt sich wie zuletzt gesehen sogar um, dann sind diese Fonds gezwungen, bestehende (Long-) Positionen zu liquidieren. Dies setzt dann wiederum eine Spirale in Gang, da immer mehr Anleger aufgrund der fallenden Preise aus den Märkten drängen und die Fonds weiter verkaufen müssen.GSCI

Die seit Beginn des Jahrtausends bestehende Rohstoffhausse hatte besonders in den letzten Jahren eine Vielzahl neuer und damit auch unerfahrener Anleger angezogen.
Nun ist es aber eine Gesetzmäßigkeit, dass eine Hausse sich immer dann ihrem (temporären) Ende nähert, wenn die Masse auf diese Hausse aufmerksam wird und sich dieser Bewegung anschließen will.
Die mediale Aufmerksamkeit, welche zuletzt beispielsweise der Ölpreise erfuhr, ist da nur ein Ausdruck der Massenbewegung, welche in den letzten Monaten in den Rohstoffmärkten stattfand. Und so steht zu befürchten, dass einige der zuletzt aufgesprungenen Anleger (übrigens sind dies nicht nur Kleinanleger, sondern auch große Adressen) erst noch durch ein Tal der Tränen laufen müssen, bevor sich die Hausse fortsetzen kann.

Für die nächsten Wochen erwarten wir sehr unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Teilmärkten.
Märkte, die von Sondersituationen profitieren können, wie beispielsweise die Agrarmärkte Mais und Sojabohnen, sollten in den kommenden Tagen Gegenbewegungen einleiten und aus ihrer überverkauften Situation heraus gute Zuwächse erzielen können.
Wer dagegen eine deutliche Eintrübung der Weltwirtschaft auf seinem Plan hat, den dürfte es kaum überraschen, dass industriesensible Rohstoffe wie etwa die Metalle vorerst weiter Schwäche zeigen dürften. In anderen Märkten, wie etwa beim Öl, erwarten wir für die kommenden Monate sehr volatile Seitwärtsbewegungen, wobei wir hier kurzfristig keine neuen Hochs erkennen können.

Das langfristige Bild bleibt aufgrund der fundamentalen Rahmendaten für die Masse der Rohstoffe positiv. Dennoch sollten sich Anleger immer bewusst machen, dass auch die Rohstoffmärkte keine Einbahnstraßen sind und die Bäume eben doch nicht in den Himmel wachsen. Wer glaubt, mit einer einfachen Buy- and Hold-Strategie dem Zuwachs seiner Investition sorgenfrei (und nervenschonend) zuschauen zu können, dürfte daher noch einige Male bitter enttäuscht werden.

Dieser Beitrag ist bereits vorab im Rohstoff-Spiegel 13/2008 erschienen. Hier kostenloser Download - pdf
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