von Jens Rabe
Das
Preisverhalten der meisten Rohstoffe in den letzten beiden Wochen war
durchweg ähnlich, so dass wir uns einen detaillierten Rückblick
auf einzelne Märkte an dieser Stelle sparen. Sowohl die Softcommodities
wie Zucker, Kaffee, Kakao, die Getreidemärkte mit Weizen, Sojabohnen
und Mais, als auch die Edelmetalle, die Energierohstoffe etc. mussten
in den vergangenen Tagen teilweise erhebliche Verluste hinnehmen. Diese
gingen in einigen Fällen auch sehr
deutlich über das Maß einer normalen Korrektur hinaus. So
gab beispielsweise der Preis für Erdgas innerhalb von nur drei
Wochen über 33% nach und vernichtete damit die Gewinne der vorherigen
15 Wochen. Auch Erdöl verlor von der Spitze an fast 24 USD/Barrel,
Gold gab in den letzten Tagen über 60 USD ab, Kaffee verlor 14%,
usw. Stark betroffen war auch der Getreidesektor, hier fiel beispielsweise
Mais regelrecht in sich zusammen und die Bullen mussten Verluste von über
28% hinnehmen.
Dies alles geht wie schon erwähnt weit über das Maß einer
normalen Korrektur hinaus und man muss sich ernsthaft fragen, ob die
Haussetrends
bei den Rohstoffen noch intakt sind!
Betrachtet man die einschlägigen Rohstoffindizes wie den S&P
Goldman Sachs Commodity Index oder den CRB Index, dann sind in diesen
Indizes mittlerweile alle kurzfristigen Trends nach oben nicht nur
gebrochen, sondern gleichzeitig haben sich Abwärtstrends entwickelt.
Und so ist es dann auch nicht verwunderlich, dass wir verstärkt
Meldungen erhalten, dass es besonders die Indexfonds sind, welche in
den vergangen Tagen massiv Positionen in den Rohstoffmärkten liquidiert
haben.
Obwohl es natürlich in den letzten Jahren auch eine Menge gewichtiger
Gründe gab, warum die Rohstoffe eine solche steile Bewegung nach
oben hingelegt haben (Nachfrage aus China, geringe Lagerbestände
bei den Getreiden, Missernten, usw.) war es doch nicht zuletzt auch
der massive Zufluss von Kapital in die Rohstoffmärkte, welche
diese ansteigen ließ. Und hier liegt dann auch die Problematik
einer solchen Entwicklung.
Da diese Fonds in der Regel ausschließlich auf der Longseite
agieren, folgen diese bei ihren Anlageentscheidungen lediglich den
Zu- und Abfluss von frischem
Kapital in ihre entsprechenden Investmentvehikel.
Kommt jetzt dieser Zustrom von immer neuem Kapital zum Erliegen oder
kehrt sich wie zuletzt gesehen sogar um, dann sind diese Fonds gezwungen,
bestehende (Long-) Positionen zu liquidieren. Dies setzt dann wiederum
eine Spirale in Gang, da immer mehr Anleger aufgrund der fallenden
Preise aus den Märkten drängen und die Fonds weiter verkaufen
müssen.
Die seit Beginn des Jahrtausends bestehende Rohstoffhausse hatte besonders
in den letzten Jahren eine Vielzahl neuer und damit auch unerfahrener
Anleger angezogen.
Nun ist es aber eine Gesetzmäßigkeit, dass eine Hausse sich
immer dann ihrem (temporären) Ende nähert, wenn die Masse
auf diese Hausse aufmerksam wird und sich dieser Bewegung anschließen
will.
Die mediale Aufmerksamkeit, welche zuletzt beispielsweise der Ölpreise
erfuhr, ist da nur ein Ausdruck der Massenbewegung, welche in den letzten
Monaten in den Rohstoffmärkten stattfand. Und so steht zu befürchten,
dass einige der zuletzt aufgesprungenen Anleger (übrigens sind
dies nicht nur Kleinanleger, sondern auch große Adressen) erst
noch durch ein Tal der Tränen laufen müssen, bevor sich die
Hausse fortsetzen kann.
Für die nächsten Wochen erwarten wir sehr unterschiedliche
Entwicklungen in den einzelnen Teilmärkten.
Märkte, die von Sondersituationen profitieren können, wie
beispielsweise die Agrarmärkte Mais und Sojabohnen, sollten in
den kommenden Tagen Gegenbewegungen einleiten und aus ihrer überverkauften
Situation heraus gute Zuwächse erzielen können.
Wer dagegen eine deutliche Eintrübung der Weltwirtschaft auf seinem
Plan hat, den dürfte es kaum überraschen, dass industriesensible
Rohstoffe wie etwa die Metalle vorerst weiter Schwäche zeigen
dürften. In anderen Märkten, wie etwa beim Öl, erwarten
wir für die kommenden Monate sehr volatile Seitwärtsbewegungen,
wobei wir hier kurzfristig keine neuen Hochs erkennen können.
Das langfristige Bild bleibt aufgrund der fundamentalen Rahmendaten für die Masse der Rohstoffe positiv. Dennoch sollten sich Anleger immer bewusst machen, dass auch die Rohstoffmärkte keine Einbahnstraßen sind und die Bäume eben doch nicht in den Himmel wachsen. Wer glaubt, mit einer einfachen Buy- and Hold-Strategie dem Zuwachs seiner Investition sorgenfrei (und nervenschonend) zuschauen zu können, dürfte daher noch einige Male bitter enttäuscht werden.
| Dieser Beitrag ist bereits vorab im Rohstoff-Spiegel 13/2008
erschienen. Hier kostenloser Download -
pdf Melden Sie sich noch heute kostenlos und unverbindlich unter www.rohstoff-spiegel.de an! |