von Jens Rabe
Getreide - CBOT
Nach einer längeren Seitwärtsphase zwischen April und Mai
werden die Bullen im Juni jetzt wieder mit deutlich steigenden Preisen
belohnt. Mais konnte zuletzt auf neue historische Höchststände
ansteigen und wie wir von Händlerseiten aus Chicago hören,
fließt eine Menge neuen frischen Geldes in den Markt. Uns würde
es daher nur wenig verwundern wenn wir im Mais in diesem Jahr Preise
erreichen würden, die sich im zweistelligen Bereich bewegen.
Auch Sojabohnen nehmen wieder Fahrt auf und haben die Hochs aus Anfang
März erreicht. Die entfernteren Kontrakte haben sogar schon neue
Hochs erzielt. Fundamental gut informierte Marktbeobachter halten jetzt
sogar Preise von über 20 USD per bushel für möglich.
Beim Weizen haben sich die Preise nach dem Rückgang von annähernd
45% auch schon wieder um über 20% erholt. Hier scheint es aber
derzeit nicht nach neuen Allzeithochs auszuschauen, dafür war
der Rückgang sicherlich zu groß um in einem Schritt gleich überwunden
zu werden. Interessanterweise sind bei Weizen die Commercials, also
diejenigen Marktteilnehmer, welche die Börse nicht als Spekulations-
sondern Absicherungsinstrument nutzen, wieder auf die Longseite zurückgekehrt.
Dies ist bei den anderen Getreiden nicht der Fall. Übergeordnet
kann (und muss) man den gesamten Getreidekomplex weiterhin einen Bullenstatus
zugestehen.
Fleisch - CME
Nachdem die Fleischhändler in Chicago vor vier Wochen jetzt auch
in den neu gestalteten Handelssaal im CBOT Gebäude umgezogen sind,
mussten diese sich zuletzt mit unterschiedlichen Marktbewegungen befassen.
Bei den Rindern gab es eine deutlich entgegen gesetzte Bewegung zwischen
den Lebendrindern und den Zuchtrindern.
Während die Lebendrinder neue Höchststände markieren
konnten, mussten die Zuchtrinder einen Großteil der Aufwärtsbewegung
seit April wieder abgeben. Bei den Schweinen gibt es derzeit kein klares
Bild, die Preise pendeln unter großen Schwankungen in allen Kontraktmonaten
mehr oder weniger seitwärts.
Softs - ICE US
Bei den Soft-Commodities waren zuletzt ebenfalls recht unterschiedliche
Bewegungen zu beobachten.
Kaffee läuft seit Monaten seitwärts wohingegen Kakao einen
Anlauf auf die alten Hochs aus dem März unternimmt und diese teilweise
sogar schon gebrochen hat. Zucker verlor seit März über 30%
und hier scheinen jetzt auch aufgrund der saisonalen Muster die Käufer
zurück zu kommen. Eine Erholungsrallye sollte die Preise noch
um einiges nach oben bringen können.
Ähnliches gilt auch für Baumwolle, wobei hier das saisonale
Tief erst gegen Mitte August zu erwarten ist. Holz läuft weiter
seitwärts und hält sich damit stabil. Dies ist für die
Bullen ein wichtiges Mosaiksteinchen, denn saisonal betrachtet sollten
die Preise derzeit eher unter Druck stehen. Orangensaft ist weiterhin
in einem klaren Abwärtstrend und den Bullen fehlt noch ein Umkehrsignal.
Energie - NYMEX
Der Rohölpreis war in den letzten Wochen das bestimmende Thema
in den Medien. Hier streiten sich auf der einen Seite die Anhänger
der Peak Oil-Theorie und auf der anderen Seite diejenigen, welche im
Preisverlauf eine Blase sehen.
Als Händler sollte man sich an die Fakten halten und diese sagen
derzeit, dass der Aufwärtstrend nach wie vor intakt ist. In den
letzten Tagen lief der Preis etwas seitwärts.
Betrachtet man das Verhalten der Commercials, dann kann man derzeit
nicht wirklich zu dem Schluss kommen, dass eine Trendwende vor der
Tür steht und so würde es uns nicht wundern, wenn wir demnächst
die 150 USD Marke sehen würden. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit
klettert der Preis für Erdgas Woche für Woche nach oben.
Seit Jahresbeginn sind die Preise hier um über 60% angestiegen
und daher erscheint eine Anhebung der Gaspreise von 40% in Deutschland
wie zuletzt angekündigt fast schon ein Schnäppchen zu sein.
Metalle - NYMEX/COMEX
Ein befreundeter Händlerkollege aus Chicago schrieb gestern in
einem Marktbericht sinngemäß: …bis August wird es
noch genügend Gelegenheiten geben, Gold auf einem niedrigeren
Niveau einzusammeln...
Wir sehen dies ebenfalls so. Bei 850 USD wartet jetzt die obere Grenze
einer starken Unterstützungszone, welche bis 800 USD
reicht. Brechen die 850 USD, sollten wir relativ schnell die 800 USD
sehen. Dies stört den übergeordneten Aufwärtstrend nicht,
zeigt aber, dass all diejenigen, die bei 1.000 auf den Zug aufgesprungen
sind, wohl noch eine ganze Weile warten müssen, bis dieser Preis
wieder erreicht werden wird. Die Spreads zwischen Silber und Gold laufen
seitwärts, was ebenfalls zeigt, dass der kurzfristige Trend in
den Metallen momentan eher von Schwäche geprägt ist. Kupfer
fällt stückchenweise nach unten ab, wobei hier kein großer
Druck aufkommen will.
| Dieser Beitrag ist bereits vorab im Rohstoff-Spiegel 12/2008
erschienen. Hier kostenloser Download -
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