von Jens Rabe
Getreide - CBOT
Recht
unterschiedliche Entwicklungen gab es bei den Getreiden in den letzten
14 Tagen. Bei den „Wettermärkten“ Sojabohnen
und Mais haben nun die Bohnen das Zepter in die Hand genommen und ihren
Aufwärtstrend wieder aufgenommen.
Lediglich die Produkte Sojamehl und Sojaöl können noch nicht überzeugen
und notieren noch unter ihren jeweiligen Hochs aus dem April, so dass
hier noch nicht wieder von einem Aufwärtstrend gesprochen werden
kann.
Mais musste dagegen zuletzt etwas abgeben, wobei der größere
Druck auf den Kontrakten der alten Ernte liegt. Weizen befindet sich
weiterhin in einem Abwärtstrend und verlor auch in den beiden
abgelaufenen Wochen. Allerdings fallen die Preise jetzt auf die Tiefs
vom Dezember, welche als starke Unterstützung dienen könnten.
Da die Commercials ihre großen Shortpositionen schon wieder deutlich
reduziert haben und im Chicago Weizen sogar wieder long sind,
spricht derzeit eigentlich nur noch das saisonale Muster und die noch
nicht vorhandenen Kaufsignale gegen eine Trendumkehr. Nachdem die Preise
allerdings rund 40% vom Hoch verloren haben, scheint es ratsam diesen
Markt wieder etwas näher zu betrachten. Der große Verlierer
war allerdings zuletzt Reis. Nachdem hier nun auch das letzte Provinzblatt über
das Thema berichtet hatte, kam, was an solchen Stellen immer kommt
- der Preis machte eine Trendwende und gab mittlerweile um stolze 20%
innerhalb von 4 Wochen nach.
Die letzten beißen die Hunde oder wie es einige Händler
weniger charmant ausdrücken, die letzten Prozente gehören
immer den Dummen!
Fleisch - CME
Eine äußerst positive Entwicklung gab es in den Rindermärkten zu verzeichnen. Die Preise konnten hier sowohl bei den Lebendrindern als auch bei den Mastrindern deutlich zulegen. Kurzfristig scheint der Markt zwar etwas zu schnell nach oben gelaufen zu sein, aber die saisonalen Muster zeigen für die kommenden Wochen nach oben, so dass nach einem Rücksetzer sehr wohl mit weiteren Anstiegen zu rechnen ist. Bei den Schweinen scheint sich dagegen mittlerweile ein Hochpunkt gebildet zu haben. Daher könnten sich in den kommenden Wochen Spreads zwischen Rindern und Schweinen lohnen.
Softs - ICE US
Die rein elektronische Börse ICE machte sich in dieser Woche
keine Freunde, als aufgrund technischer Probleme der Handel ausgesetzt
wurde. Manchmal ist ein Handel durch Menschen auf einem Börsenparkett
und nicht ausschließlich durch Computer eben doch keine so schlechte
Idee. Die an der ICE gehandelten Märkte konnten sich in den vergangenen
Handelstagen nicht in Szene setzen. Kaffee, Zucker, Kakao und Baumwolle
beenden die Handelswoche kaum verändert gegenüber den beiden
Vorwochen. Etwas zum Leben erwacht scheinen dagegen die Bauholzfutures
zu sein, hier gibt es Anzeichen einer Trendwende. Neue Tiefs dagegen
bei den Futures auf
gefrorenes Orangensaftkonzentrat, hier ist der Abwärtstrend intakt.
Metalle - COMEX
Auch wenn am letzten Handelstag der Woche Gold und Silber ansteigen
können, ist doch die Bilanz der letzten 10 Handelstage noch nicht
berauschend. Bei Gold und Silber steht ein knappes Plus in den Büchern.
Positiv ist allerdings die Entwicklung beim Platin, denn dieses nimmt
schon wieder Anlauf an die alten Hochs und hat neue Kaufsignale generiert.
Und daher besteht dann doch Anlass zur Hoffnung, dass die Tiefs von
Anfang Mai schon die Korrekturtiefs waren. Die Preise sollten nun zwar
nicht gleich auf alte Höchststände ansteigen können,
aber immerhin langsam wieder in Aufwärtstrends übergehen
können.
Spannend ist die Situation beim Kupfer. Hier kam es am 5. Mai erst
zu einem Spike nach oben, der sofort wieder verkauft wurde. Der ganz
große Abverkauf setzte dann aber auch nicht ein, so dass die
alte Höchstmarke nach wie vor umkämpft scheint und ein Richtungsentscheid
immer näher rückt.
Energie - NYMEX
Muss man zum Thema Energie eigentlich noch etwas sagen?
Crude Oil notiert auf Allzeithoch bei ca. 126 USD/barrel und Benzin
kostet an den Tankstellen mittlerweile genau so viel in EUR wie vor
einigen Jahren in DM. Immerhin kostet aber ein Liter Mineralwasser
in jedem drittklassigen Hotelzimmer immer noch mindestens das doppelte… Wie
geht es weiter, das ist die 1-Million-Dollar-Frage, die sich derzeit
wohl viele Händler stellen. Betrachtet man das Verhalten der
Hedger an den Märkten, erscheint das Risiko fallender Preise
eher gering zu sein. Wir sind nach wie vor überrascht, dass
es angesichts der hohen Benzin- und Heizölpreise nicht mehr
Berichterstattung in den Medien darüber gibt. An früheren
Hochpunkten haben wir subjektiv sehr viel mehr Euphorie und mediale
Begleitung gesehen. Daher halten wir nach wie vor an Longpositionen
fest, auch wenn natürlich die täglichen Schwankungsbreiten
immer größer werden. 130 USD nächste Woche?
Wir glauben ja!
| Dieser Beitrag ist bereits vorab im Rohstoff-Spiegel 08/2008 erschienen. Hier kostenloser Download -
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