von Jens Rabe
Getreide - CBOT
Die Getreide bzw. deren Preissteigerungen weltweit waren die beherrschenden
Themen der letzten Wochen in den Medien. Das dabei nicht immer die
tatsächlichen Ursachen für die derzeitigen Preise genannt
werden, soll aber nicht das Thema dieses Marktreports sein. In Chicago
erreichten zuletzt vor allem die Notierungen für Reis und Mais
neue historische Höchststände.
Nachdem die letzten Reporte des USDA die fundamental hervorragenden
Aussichten für die Getreide belegten, richtet sich jetzt das Interesse
der Händler mehr und mehr auf die Wetterlage. In den USA gibt
es Modelle von Meteorologen, die darauf hindeuten, dass es in 2008
zu einem sehr trockenen Sommer in den Hauptanbaugebieten kommen könnte.
Dies würde die ohnehin angespannte Versorgungslage weiter verschärfen.
Zusätzlich unterstützend für die Preise kommt hinzu,
dass viele Länder die von den starken Preisanstiegen besonders
betroffen sind, jetzt beginnen, sehr restriktiv in die Märkte
einzugreifen. So senkten einige Länder die Importzölle und
erhöhten gleichzeitig massiv die Exportzölle auf Getreide.
Andere Staaten gehen sogar noch weiter und haben die Ausfuhr von verschiedenen
Getreiden wie Weizen oder Reis komplett untersagt. Dies alles schafft
ein bullisches Umfeld für mittelfristig orientierte Anleger, da
die Preise weiter deutlich ansteigen sollten.
Kurzfristig muss man allerdings darauf achten, dass die derzeitig hohe
Euphorie und das entsprechende Medieninteresse auch zu schnellen Einbrüchen
führen können.
Diese sollten sich dann aber als langfristig hervorragende Kaufgelegenheiten
herausstellen.
Fleisch - CME
Da die Kosten zur Produktion von Fleisch durch gestiegene Energie,
Medizin und Futtermittelkosten immer weiter ansteigen, haben die Züchter
begonnen ihre Herden zu reduzieren. Die Märkte wiederum honorieren
dies mit ansteigenden Notierungen, da dies natürlich mittelfristig
das Angebot verringert.
Bei den Preisen für Schweine konnte man in den vergangenen Tagen
schon sehen, wohin dies führen kann. Hier stiegen die Preise seit
Beginn des Monats um 10% an und wie wir aus Chicago hören, beginnen
jetzt auch die großen Fonds nach und nach Positionen zu akkumulieren.
Schon seit Beginn des Jahres sind wir sehr positiv für die Entwicklung
der Preise gestimmt und nun könnte sich dies auch in die Realität
umsetzen. Da diese Entwicklung längere Zeit anhalten wird, erscheinen
uns grundsätzlich alle entfernteren Kontrakte die geeignete Wahl
zu sein, um davon zu profitieren.
Softs - ICE US
Bei den Soft-Commodities gab es in den vergangenen 14 Tagen recht
unterschiedliche Entwicklungen. Am positivsten verlief wieder einmal
die Entwicklung bei Kakao, welcher um fast 20% ansteigen konnte. Kakao
ist und bleibt – so scheint es – das Lieblinskind der Fonds
zu sein.
Ebenfalls noch gut im Rennen war die Entwicklung bei Zucker, auch hier
gab es eine deutlichere Aufwärtsbewegung.
Nahezu unverändert dagegen die Entwicklung bei Kaffee, wobei es
auch hier Anzeichen von Leben gibt. Bei Baumwolle gab es dagegen eine
interessante, wenn auch eher bearische Entwicklung.
Stiegen anfangs die Preise noch an, kam es in den letzten drei Tagen
zu einer deutlichen Trendumkehr.
Hier sieht es jetzt danach aus, als ob die fundamental negative Lage
besonders auf die nahen Kontrakte durchschlägt. Longpositionen
erscheinen daher hier alles andere als angebracht. Die Chance einer
Bodenbildung gibt es bei Orangensaft, hier konnten die Preise in den
letzten beiden Wochen eine Seitwärtsrange ausbilden.
Energie - NYMEX
Wenn an den Rohstoffmärkten derzeit der Bulle tobt, dann ist
dies bei den Energiefutures. Am eindrücklichsten wird dies, wenn
man sich die Entwicklung allein in der letzten Woche beim Erdöl
anschaut.
Sowohl am Mittwoch als auch am Freitag gaben die Preise intraday jeweils
deutlich nach, nur um dann jeweils am Tagesende auf einem
neuen Allzeithoch zu schließen.
Dies ist Ausdruck eines intakten Bullenmarktes. Das dabei auch die
Preise für Benzin und Heizöl mit ansteigen, dürfte logisch
sein.
Nachrichten aus China – China importierte 25% mehr Öl im
März 2008 als im März 2007 – sowie aus Russland – hier
gibt es Meldungen, man habe die maximale Fördermenge überschritten – sind
Ausdruck eines von starker Nachfrage getriebenen Marktes. Für
absolut erstaunlich halten wir in diesem Zusammenhang die absolute
Nichtanteilnahme der Medien an dieser Entwicklung. In den letzten Tagen
haben wir fast keine Meldung über die Rekordpreise bei den Energieträgern
gefunden, das Kleid von Angela Merkel erregte deutlich mehr Aufmerksamkeit
als ein Preis von 117 USD pro Barrel Öl. Solange dies so bleibt,
halten wir weitere Preissteigerungen für sehr wahrscheinlich.
Erdgas zieht ebenfalls weiter mit und nimmt Anlauf an seine alten Hochs.
Edelmetalle & Kupfer (COMEX)
Enttäuschend dürfte die Entwicklung bei Silber und Gold
in den letzten Wochen von vielen Händlern gesehen werden. Denn,
obwohl der Euro mittlerweile auf
dem höchsten Stand seit seiner Einführung gegenüber
dem USD notiert und auch die Meldungen aus den USA zum Thema Finanzkrise
nicht wirklich besser werden, notieren die Edelmetalle doch deutlich
unter den Höchstständen vom März. Dass dann der Rückgang
des Euro am Freitag gleich wieder von einem deutlichen Rückgang
bei den Preisen von Gold und Silber begleitet wurde, lässt austechnischer
Sicht nicht viel Gutes erahnen. Zwar dürften die Preise nach unten
relativ gut abgesichert sein und auch die langfristigen Aussichten
erscheinen hervorragend, das schnelle Heranlaufen an die Märzhochs
erscheint uns derzeit aber wenig realistisch. Kupfer kämpft dagegen
mit der Marke des Hochs von Anfang März und ein Überschreiten
dürfte schnell zu deutlichen Preissprüngen führen.
Veranstaltungshinweis:
Am kommenden Samstag werde ich beim VTAD Hamburg einen Vortrag zum Thema „Positionstrading mit Rohstoffen anhalten. Informationen unter www.vtad.net . Am 8./9. Juni 2008 werde ich im Rahmen einer Seminarreihe einen Zweitageskurs zum Thema „Intensiveinführung Rohstoffhandel“ durchführen. Infos dazu beim Veranstalter www. Trainingswochen.
| Dieser Beitrag ist bereits vorab im Rohstoff-Spiegel 08/2008 erschienen. Hier kostenloser Download -
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