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Konjunktur-Indikator Deutschland, Thomas Spörer
von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
13. Februar 2012
Griechenland liefert – Märkte entspannter
Der Euro eröffnet heute (07.46 Uhr) bei 1.3245, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Tiefstkurse im europäischen Handel bei 1.3156 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 77.65. In der Folge notiert EUR-JPY bei 102.80, während EUR-CHF bei 1.2095 oszilliert.
Nach der Verspannung zum Wochenende bezüglich politischer Unwägbarkeiten in Griechenland, kommt es zu Wochenbeginn zu deutlicher Entspannung. Griechenland lieferte, auch wenn unter Schmerzen.
Das griechische Parlament hat am Sonntag dem umstrittenen Sparpaket zugestimmt. Das ist zunächst erfreulich.
Die Anzahl der Abweichler ist nicht unerheblich. Die Reaktion der Verantwortlichen war sakrosankt. Die konservative und die sozialistische Partei Griechenlands haben Dutzende Abgeordnete wegen ihres Neins zum Sparpaket ausgeschlossen. Die Neue Demokratische Partei trennte sich von 21 Abgeordneten und damit einem Viertel ihrer Fraktion, wie sie in der Nacht zum Montag nach der entscheidenden Abstimmung im Parlament mitteilte. Die sozialistische Pasok schloss 20 ihrer 153 Abgeordneten aus.
Der Preis, den Griechenland heute für das latente Fehlverhalten der Vergangenheit zahlt und absolut selbstverschuldet ist, ist hoch. Das sollten sich auch die Demonstranten vor Augen führen.
Sie haben sich in der Vergangenheit für diesen Weg entschieden.
In der Folge des Leidensdrucks der Öffentlichkeit, der fraglos enorm hoch ist, kommt es zu öffentlichem Ungehorsam in erheblicher Form. Cafés, Geschäfte und Kinos standen am Sonntag in Flammen. Gewalt ist keine Lösung und vollständig unakzeptabel. Demos als gesellschaftspolitisches Ventil sind fraglos verständlich und sogar notwendig, um Frustration auszuleben.
Es führt kein Weg an diesen Reformmaßnahmen vorbei, wenn Griechenland mittel- langfristig gesunden will.
Entscheidend ist jedoch auch die Einsicht in dem Rest Europas, dass in dieser depressiven Situation auch konjunkturelle Hilfestellung erforderlich ist. Ansonsten würde man die Stabilität der gesamten politischen, gesellschaftlichen und auch ökonomischen Struktur riskieren mit erheblichen negativen Rückwirkungen auf Gesamteuropa. Hier ist jetzt Weitsicht und Fingerspitzengefühl (insbesondere von Seiten der deutschen Regierung) gefordert.
Wer am Sonntag den Weltspiegel in der ARD verfolgte, konnte einen Eindruck von Detroit gewinnen. Bezüglich der öffentlichen Verschuldung ergibt sich ein Volumen von circa 14 Mrd. USD. Der Blick auf und in die Stadt ist schockierend. Schulden, Ruinen und Niedergang kennzeichnen diese ehemals stolze Stadt, die für die Stärke des USA von gestern stand, als noch Produktion und nicht vermeintliche Finanzinnovationen das Geschäftsmodell der USA bestimmten.
Im Vergleich zu Detroit & Co. erscheint Griechenland in einer kommoden Situation. Das gilt vor allen Dingen bezüglich der Reformen des Geschäftsmodells. In Hellas ändert sich viel – in Detroit ändert sich strukturell wenig!
Am Freitag standen Daten aus den USA im Fokus:
Das US-Handelsbilanzdefizit stellte sich per Dezember auf -48,8 Mrd. USD nach zuvor -47,06 Mrd. USD (revidiert von -47,8 Mrd.).Die Prognose lag bei -48,0 Mrd. USD. Der Blick auf den langfristigen Chart verdeutlicht, dass sich hier keine wesentlichen strukturellen Änderungen ergeben. nach dem durch die Rezession ausgelösten Rückgang der Defizite, baut sich das Problem erneut auf. Hier wird deutlich, dass sich die USA strukturellen Anpassungen verweigern.

Das „Federal Budget“ als Teilmenge des gesamten öffentlichen Defizits wies per Berichtsmonat Januar einen Fehlbetrag in Höhe von -27,4 Mrd. USD aus. Die Prognose lag bei -50,0 Mrd. USD.
Damit fiel das Defizit um 22 Mrd. USD geringer als im Vorjahresmonat aus. Diese Entwicklung ist positiv. Die verbesserte Konjunkturlage entwickelt fiskalische Traktion.

Das US-Verbrauchervertrauen nach Lesart der Uni Michigan stellte sich laut vorläufiger Berechnung per Februar auf 72,5 Punkte nach zuvor 75,0 Zählern im Januar.
Insbesondere die Bewertung der aktuellen Situation war für den Rückgang verantwortlich ( 79,6 nach 84,2 Punkten. Aber auch die Einschätzung der zukünftigen Situation war nüchterner (68,0 nach 69,1 Zählern).
Der Blick auf den Chart impliziert, dass es sich hier zunächst nach fünfmonatigem Anstieg nicht um eine kritische Situation handelt.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den EUR gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.3000 – 1.3030 neutralisiert den positiven Bias des Euros.
Termine 13.2.2012:
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