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Konjunktur-Indikator Deutschland, Thomas Spörer


Forex - Tageskommentar

von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank

15. November 2011

Solides Wachstum in Deutschland und Frankreich im dritten Quartal …

Der Euro eröffnet heute (07.47 Uhr) bei 1.3585, nachdem im asiatischen Handel Tiefstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.3579 markiert wurden. Der USD stellte sich gegenüber dem JPY auf 77.00. In der Folge notiert EUR-JPY bei 104.60, während EUR-CHF bei 1.2385 oszilliert.

Die ersten Schätzungen für die Entwicklung des BIP im dritten Quartal 2011 für Deutschland und Frankreich implizieren eine solide Entwicklung.
Das deutsche BIP hat laut erster Schätzung im 3. Quartal 2011 im Quartalsvergleich um 0,5% zugelegt nach zuvor 0,3% (revidiert von 0,1%). Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 2,5% nach zuvor 3,0% (revidiert von 2,8%).
Laut erster Schätzung legte das BIP Frankreichs per 3. Quartal im Quartalsvergleich um 0,4% zu.
Die Prognose lag bei 0,3%. Das 2. Quartal wurde von 0,0% auf -0,1% revidiert.
Beide Daten implizieren, dass die aktuelle Konsensusprognose für das BIP der Eurozone per 3. Quartal bei +0,2% mindestens erreicht werden sollte.
Griechenland und Italien hatten politisch geliefert. Der Markt zeigte sich jedoch weiter skeptisch.
Risikoaktiva verloren nach anfänglichen Gewinnen an Boden. Vermeintliche Sicherheit war gesucht.

Ob Bundesanleihen mit 1,784% Rendite bei 3% Verbraucherpreisniveau Sicherheit darstellen, sei dahin gestellt. Ob italienische Staatsanleihen mit 6,5% bei enorm hohen Staatsvermögen und vorhandenem Geschäftsmodell hohes Risiko darstellen, mag diskussionswürdig sein. Nun denn, Märkte sind ja laut Theorie aus den USA effizient. Dann muss das wohl so sein ….

Fraglos gab es gestern auch belastende Nachrichten aus der Eurozone:

  • Die Slowakei hat mangels Nachfrage eine Anleiheauktion über magere 150 Mio. Euro abgesagt. Bei einer Staatsverschuldung 41% des BIP ist das sachlich fraglos geboten.
    Anleihen von Ländern mit 81% (D) oder 100% (USA) Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP sind „en vogue“. Selbst Japan bei mehr als 230% des BIP ist gefragt und die Währung wird von freundlicher Spekulation latent begleitet. Das unterstützt das Theorem der Markteffizienztheorie umfänglich. Der „Homo Oeconomicus“ ist ein wirklich verlässlicher Partner, oder?
  • Die italienische Großbank UniCredit machte im dritten Quartal einen Verlust in Höhe von knapp 10 Mrd. Euro. Hintergrund sind einmalige Abschreibungen auf Beteiligungen in der Ukraine und in Kasachstan. Das sind fraglos Wirtschaftsräume, die perfekt in so ein italienisches Portfolio passen. Das Volumen der Abschreibungen ist heftig und kommt fraglos zur Unzeit. Hier ist zunehmende Risikoaversion nicht erstaunlich. Herr Monti wird wenig begeistert sein.

Die Aussage von Frau Dr. Merkel, dass Europa vor der größten Herausforderung seit Ende des zweiten Weltkriegs steht, ist nicht falsch. Dabei sollte Frau Dr. Merkel jedoch auch anmerken, dass die Eurozone eben im Unterschied zu USA und Japan Hausaufgaben macht, die Vertrauen verdienen. Die Diskrepanz zwischen der Eurozone einerseits und USA und Japan andererseits könnte nicht dramatischer ausfallen. Unverändert ist es irritierend, wie wenige Ökonomen, Analysten und Selbstberufene daraus die notwendigen Schlussfolgerungen ziehen, um Fehlallokationen des Produktionsfaktors Kapital zu verhindern.

Fakt ist, dass der naive und helotenhafte Glaube und das damit verbundene Vertrauen gegenüber den Freunden aus NY und London entscheidender Katalysator der Krisen der letzten 15 Jahre ist.
Dass es hier keine Lernkurven bei entscheidenden Marktteilnehmern und Ökonomen gibt, ist mehr als erstaunlich.
Dass aggressive Reformpolitik der Eurozone von diesen Kreisen von mangelnder Reformpolitik in den USA und Japan nicht über angemessene Analyse und sachliche Diskontierung an den Märkten unterschieden wird, nehmen wir mit Bedauern zur Kenntnis.

Wenden wir uns den gestrigen Veröffentlichungen zu:

Die Industrieproduktion der Eurozone sank per September um -2,0% im Monatsvergleich. Die Prognose lag bei -2,2%. Der Vormonatswert wurde von +1,2% auf +1,4% revidiert. Ergo war das Zweimonatsergebnis deutlich besser als erwartet. Im Jahresvergleich ergab sich eine Zunahme um 2,2% nach zuvor 6,0%.

chart

Der OECD Frühindikator sank per September von zuvor 100,9 (revidiert von 100,8) auf 100,4 Punkte. Seit Februar, ausgehend von einem Höchstwert bei 103,0 Punkten, kam es zu Rückgängen. Der Blick auf den Chart verdeutlicht einerseits die negative Tendenz und andererseits das unverändert komfortable Niveau im historischen Vergleich.

chart

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das zunächst eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Ein Ausbruch aus der Bandbreite 1.3350 – 1.3880 eröffnet neue Opportunitäten.

 

 

Termine 15.11.2011:

  Daten zuletzt: Konsensus: Bewertung
D ZEW Index Sentiment / Conditions Nov.
-48,3/+38,4
-52,0/+33,0
(11.00) Pessimismus in „full mode“.
EU Handelsbilanz Sep.
-3,4 Mrd.
+0,3 Mrd.
(11.00) Keine neuen Erkenntnisse.
EU BIP 1. Schätzung (Q/J) 3.Q.
0,2%/1,6%
0,2%/1,4%
(11.00) Positive Überraschungen nicht ausgeschlossen.
USA NY Fed Manufacturing Index Nov.
-8,48
-2,10
(14.30) Besserung favorisiert.
USA Erzeugerpreise (M/J) Okt.
0,8%/6,9%
-0,1%/6,3%
(14.30) Passt das zu einem Nullzins?
USA Einzelhandelsumsätze (M) Okt.
1,1%
0,3%
(14.30) Weiteres Wachstum, aber nur ohne Inflationsbereinigung …
USA Lagerbestände Sep.
0,5%
0,1%
(16.00) Leichtes Wachstum unterstellt.

 

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