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Forex - Tageskommentar

von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank

2. November 2011

Fokus auf Griechenland und Cannes – leichte Stabilisierung bei Risikoaktiva

Der Euro eröffnet heute Morgen (07.45 Uhr) bei 1.3730, nachdem im europäischen Geschäft Tiefstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.3609 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 78.10. In der Folge notiert EUR-JPY bei 107.25, während EUR-CHF bei 1.2150 oszilliert.

Nachdem sich gestern zunächst eine äußerst profunde Marktreaktion in Richtung Risikoaversion ergeben hat, ist mittlerweile eine leichte Stabilisierung bei der Bewertung der Risikoaktiva und dem Euro feststellbar.
Fraglos ergibt sich weiter Unsicherheit, wie sich die Situation in Griechenland entwickelt und wie die Reaktionen seitens der EU-Kommission, des IWF, der EZB und den nationalen Regierungen ausfallen.
Fakt ist, dass die Entscheidung für ein Referendum die Welt unvorbereitet traf und entsprechend kritische Reaktionen provozierte. Fakt ist, dass dieser Weg aus griechischer Sicht im Hinblick auf demokratische Gepflogenheiten und Tragweite der Entscheidung, als auch zur Befriedung der Volksseele durchaus verständlich und mehr noch vertretbar ist.
Andererseits ist es ein Affront gegen die Verantwortlichen der Eurozone, der EU-Kommission, der EZB und dem europäischen Steuerzahler, der seinen Namen für eine Erneuerung Griechenlands zur Verfügung gestellt hat. Es ist ein Affront, weil damit theoretisch eine Lunte für ein globales Debakel gelegt wurde. Die Lunte brennt aber noch nicht. Das gilt es, positiv festzustellen.
Das griechische Kabinett hat gestern den Plan, ein Referendum über die Hilfen und Reformpolitik, abgesegnet. Ministerpräsident Papandreou sagte, dass damit eine Abstimmung über das Reformund Hilfspaket, eine Abstimmung über Griechenlands Verbleib in der Eurozone und eine Abstimmung über Griechenlands Status in Europa verbunden ist. Das Referendum werde so zügig wie nur möglich abgehalten. Ein Termin im Dezember ist realistisch.
Wir haben zuvor gesagt, die Lunte brennt noch nicht. Wie lässt sich diese Einschätzung begründen? Vor der Ankündigung des Referendums zeigten sich laut Umfrage 60% der Bevölkerung unzufrieden über das aktuelle Reformpaket. Das ist bei derartigen Einschnitten emotional verständlich. Wir gehen davon aus, dass der Schuldenerlass von 100 Mrd. Euro nicht Stein des Anstoßes ist. Ebenso ist es auch nicht die weitere Unterstützung in Höhe von 100 Mrd. Euro bis 2014 oder die Rekapitalisierung der griechischen Banken in einem Volumen von 30 Mrd. Euro. Es wird sicherlich auch nicht die Unterstützung über EU-Kohäsionsfondmittel sein.
Zwischen einer instanten emotionalen Willenskundgebung und der Abstimmung in einem Referendum, das eben nicht nur die Reformen, sondern auch die imposanten Hilfen für Griechenland inkludiert, ist zu differenzieren. Mehr noch, wer sich gegen das Reform- und Hilfspaket ausspricht und einer Beschäftigung nachgeht, entlässt sich quasi selber, da sich diese Person für einen Staatsbankrott und gegen jedwede Hilfe von außen entscheidet.
Vor diesem Hintergrund ist Zuversicht mehr als nur angebracht. An dieser Stelle stimme ich Herrn Papandreou zu!
Vor dem G-20 Treffen in Cannes treffen sich heute Kanzlerin Merkel und Präsident Sarkozy zu einer Sondersitzung, um die neue Situation zu diskutieren und die weitere Strategie abzustimmen.
Vertreter der EU, des IWF nehmen gleichfalls teil. Ministerpräsident Papandreou trifft im Verlauf des Tages ein.
Finanzminister Schäuble betonte in einem Interview, dass man Griechenland unterstützen werde, sofern Griechenland in der Eurozone bleiben will. Diese Einlassung und auch Geste ist angemessen.

Nicht nur Bilanzprofis bei der HRE und den Wirtschaftsprüfern haben mit Zahlen Probleme. Jetzt ereilen uns Nachrichten aus Irland. Irland „trumpft“ mit revidierten Haushaltsdaten auf. Per Ende 2010 stellte sich die irische Staatsverschuldung auf 92,6%. Die bisherige Berechnung lag bei 94.9%. Die Verschuldung stellte sich auf 144,4 Mrd. nach einer Berechnung zuvor in Höhe von 148,0 Mrd. Euro.
Wir freuen uns über gute Nachrichten bezüglich des Defizits. Hinsichtlich der Tatsache, dass Irland eine Schuldentragfähigkeit von 250% des BIP laut IWF hat (USA STF 180%, aktuell 100% des BIP) und einen starken produzierenden Sektor (25% des BIP versus USA 9%) vorzuweisen hat, ist die Situation recht übersichtlich.
Wir sind erstaunt, dass Irland sich bei den Ratingagenturen immer noch im Sektor der Kapitalmarktunfähigkeit bewegt. Wer schnell herunterstuft, sollte auch zügig heraufstufen, oder?

Werfen wir einen kurzen Blick auf die gestern aus den USA veröffentlichten Daten:
Die Bauausgaben legten per Berichtsmonat September im Monatsvergleich um 0,2% zu. Die Prognose lag bei +0,3%. Der Vormonatswert wurde von +1,4% auf +1,6% revidiert, so dass das aggregierte Ergebnis die Erwartungen leicht übertraf. Der Chart belegt, dass eine nachhaltige Erholung anders aussieht ….

chart

Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sank per Berichtsmonat Oktober von 51,6 auf 50,8 Punkte. Die Prognose war bei 52,0 Zählern angesiedelt.

chart

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das zunächst eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Ein Ausbruch aus der Bandbreite 1.3350 – 1.3880 eröffnet neue Opportunitäten.

 

 

Termine 2.11.2011:

  Daten zuletzt: Konsensus: Bewertung
D Arbeitslosenrate saisonal bereinigt Okt.
6,9%
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(10.00) Es bleibt sehr freundlich!
EU Einkaufsmanagerindex Okt.
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47,3
(10.00) Dem Index nach solide Kontraktion ...
USA Challenger Report Okt.
115.700
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(12.30) Keine Prognose für angekündigte Massenentlassungen.
USA ADP Employment Report Okt.
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(13.15) Neue Jobs in der Privatwirtschaft.
USA Offenmarktausschusssitzung Nov.
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(18.30) Keine Änderung der Zinspolitik, Fokus auf Verbalakrobatik.

 

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