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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
30. September 2011
Kanzlermehrheit steht – Datenpotpourri überwiegend mit positiver Tendenz
Der Euro eröffnet heute Morgen (07.55 Uhr) bei 1.3555, nachdem gestern im europäischen Geschäft Höchstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.3678 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 76.55. In der Folge notiert EUR-JPY bei 103.80, während EUR-CHF bei 1.2185 oszilliert.
Gestern haben Estland und Deutschland dem EFSF Rettungsschirm zugestimmt. Frau Dr. Merke erhielt die Kanzlermehrheit. Die Marktreaktion fiel wenig spektakulär aus. Die Tatsache, dass die Opposition weitestgehend auch zu Gunsten des EFSF-Rettungsschirms votierte, verdeutlicht, dass die Notwendigkeit der Integrität der Eurozone für die weitere ökonomische und politische Entwicklung in der deutschen Politik erkannt worden ist. Die Tatsache, dass die Eurozone in der Gesamtheit bezüglich der Neuverschuldung Paradepferd der Stabilität im Vergleich zu USA, UK und Japan ist, wurde damit gewürdigt. Ebenso wurde damit der Tatsache Rechung getragen, dass die europäischen Reformländer ihre Geschäftsmodelle den Zukunftsanforderungen anpassen und sich damit fulminant von den USA und Japan abheben.
Die slowenische Regierung plant eine Schulden- und Ausgabegrenze. Diese Tendenz, Schuldengrenzen rechtlich zu verankern, ist Ausdruck einer veränderten Stabilitätskultur in der Eurozone. Diese Stabilitätskultur unterscheidet die Eurozone zunehmend von den wirklichen Defizitsündern USA und Japan. Die aktuellen politischen Tendenzen in der Eurozone sind ermutigend. Die Tatsache, dass sie vom Finanzmarkt weitgehend ungewürdigt bleiben, wirft mehr Fragen auf, als dass Antworten gegeben werden.
Mit Markteffizienz hat das nichts zu tun, vielleicht aber mit Politik?
Wer sich die Eigentümerstruktur der NY Fed und der Ratingagenturen anschaut, mag Kongruenzen erkennen. Wer sich dann noch die maßgeblichen Player am unregulierten derivativen CDS-Markt anschaut, kann unter Umständen tiefe Erkenntnisse schürfen.
Wir diskutieren intern die Begriffe Interessenkollision und Potential der Marktmanipulation, natürlich aus rein semantischen Gründen …☺
Der Datenpotpourri lieferte überwiegend positive Tendenzen.
Der deutsche Arbeitsmarktbericht setzte per September einmal mehr positive Akzente. Saisonal bereinigt kam es zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 26.000. die Prognose lag bei nur 8.000.
Die saisonal bereinigte Quote sank von 7,0% auf 6,9%. Unbereinigt liegt die Quote bei nur 6,6%.
Die Anzahl der Beschäftigten stieg auf über 41 Millionen. Damit wurde ein neuer historischer Höchstwert markiert. Die Qualität der Beschäftigung verbessert sich. Der Anteil sozialversicherungspflichtiger Jobs steigt.
Bei aller Freude gehört natürlich auch ein Quäntchen Wasser in den Wein. Der Arbeitsmarkt ist ein nachlaufender Indikator. Ergo ist die Aussagekraft für die weitere Entwicklung nicht ausgeprägt.
Der beigefügte Chart bildet die Anzahl der Arbeitslosen in der saisonal bereinigten Form ab.

Der „Economic Sentiment Index“ der Eurozone enttäuschte dagegen per Berichtsmonat September mit einem Rückgang von zuvor 98,3 auf 95 Zähler. Die Prognose lag bei 96 Punkten. Damit sank der Index auf das niedrigste Niveau seit Dezember 2009. Die Stimmungseintrübung ist und bleibt zunächst Ausdruck der politischen Risiken innerhalb der Eurozone.

Die US-Arbeitslosenerstanträge sanken unerwartet in der Berichtswoche per 24.09. von zuvor 428.000 auf 391.000. Laut Definition sind Werte unterhalb der Marke von 400.000 Ausdruck von einer Verbesserung am US-Arbeitsmarkt. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Sofern dieser Trend jedoch anhalten sollte, ergäbe sich ein Indiz einer unerwarteten Stabilisierung am USArbeitsmarkt, was wiederum Rückschlüsse auf eine verbesserte US-Konjunktur zuließe.

Die Revision des US-BIP des 2. Quartals ergab eine Anpassung von zuvor 1,0% auf 1,3% Wachstum in der annualisierten Darstellung. Der Markt hat eine Anpassung auf 1,2% unterstellt.
Hintergrund sind höhere Exporte und höherer Konsum als zuvor unterstellt.

Der „Kansas City Fed Manufacturing Index” legte per September von zuvor 3 auf 6 Punkte zu .Die Subindices bestätigen diese Tendenz. Der Produktionsindex verbesserte sich von -2 auf +3 Zähler.
Der Auftragsindex legte von 1 auf 5 Punkte zu. Der Beschäftigungsindex stieg von 8 auf 12 Zähler.

Wir haben an dieser Stelle insistierend auf die Qualität der globalen Zyklik verwiesen. Die positiven Widerstandskräfte in der Wirtschaft sind bisher hinsichtlich der von der Politik kreierten Anfechtungen Beleg für unsere These.
Die sich abzeichnende Entspannung bezüglich der politischen Problematik aus der Eurozone dürfte auf das Thema erhöhter Risikoaversion in Richtung Jahresende deutlich entspannend auswirken und damit bisher durch die Politik unterdrückte Wachstumskräfte freisetzen.
Die aktuellen Daten dürfen als erste zarte Indizien dieser Entwicklung interpretiert werden.
Aber auch wenige Schwalben machen noch keinen Sommer. Es bleibt eine politische Unfallgefahr gegeben. Dabei schweifen die Gedanken in Richtung Slowakei. Europäische Solidarität ist schon klasse ….
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Erst ein Ausbruch aus der Bandbreite 1.3350 – 1.3800 eröffnet neue Opportunitäten.
Ergänzung Markt-Daten.de:
Die eingetrübte Stimmung in einigen Staaten:

Termine am 30.9.2011:
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung | |
|---|---|---|---|---|
| EU | Verbraucherpreise 1. Schätzung Sep. | 2,5% |
2,5% |
(11.00) Preisanstieg trotz konjunktureller Abkühlung recht hoch! |
| EU | Arbeitslosenrate August | 10,0% |
10,0% |
(11.00) Die Reformländer sind und bleiben hier zunächst Hypothek. |
| USA | Persönliche Einkommen (M) August | 0,3% |
0,1% |
(14.30) Keine neuen Erkenntnisse. |
| USA | Einkaufsmanagerindex Chicago Sep. | 56,5 |
55,5 |
(15.45) Leichter Rückgang erwartet. |
| USA | Verbrauchervertrauen nach Lesart der Uni Michigan (Finaler Wert) Sep. | 57,8 |
57,8 |
(15.55) Keine wesentliche Veränderung unterstellt. |
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