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Forex - Tageskommentar

von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank

12. September 2011

Risikoaversion springt an – Endspiel um Griechenland - Endspiel um die Eurozone

Der Euro eröffnet heute Morgen (07.55 Uhr) bei 1.3540, nachdem im asiatischen Geschäft Tiefstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.3501 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 77.10. In der Folge notiert EUR-JPY bei 104.40, während EUR-CHF bei 1.2050 oszilliert.

Die Situation spitzt sich an den Finanzmärkten weiter zu. Deutschland ist mit seinen Protagonisten in der ersten Reihe der Verantwortlichkeit. Es geht in das „Endspiel“ um Griechenland, es geht um das „Endspiel“ der Eurozone.
Einer Eurozone, die in der Gesamtheit das Paradepferd der Stabilität bezüglich Neuverschuldung gegenüber USA, Japan und UK war und ist und das Paradepferd der Reformfähigkeit stellt.
Dieses Paradepferd wird zur Disposition gestellt. Herr Stark sattelt zu einem ungünstigen Zeitpunkt, die Krise verschärfend ab. So schwächt man Paradepferde!
Die Schlachtbank der Spekulation mit den Freunden in London und NY sind begeistert, die Tore der Schlachtbank sind weit geöffnet. Gute Unternehmen werden in ihrer Bewertung an den Börsen damit im Herzen getroffen. Die Börse kann ihre Funktion der Kapitalbeschaffung auf diesem Niveau nicht nachkommen. Der Euro steht unter massivsten Druck. Starke Reformländer werden geschwächt. „Chapeau“ Herr Stark!
Damit nicht genug. Unser Bundeswirtschaftsminister Rösler schließt eine geordnete Insolvenz Griechenlands als ultimative Maßnahme nicht mehr aus. Es dürfe derzeit keine Denkverbote geben sagt er mit Inbrunst. Natürlich muss es Notfallplanungen geben. Diese laute Tonart hat jedoch merkliche Folgen. Wir werden es heute und im weiteren Verlauf der Woche in der Diskontierung der Finanzmärkte feststellen, die die Risikoaversion in der realen Wirtschaft erhöhen wird.
Nun mag man sagen, dass es sich hier ja nur um kurzfristige Schwankungen an Finanzmärkten handelt. Das greift zu kurz. Finanzmärkte können determinieren, was in der Realwirtschaft passiert. Dieses Risiko eines Konjunkturunfalls ist derzeit so ausgeprägt wie nie zuvor (trotz höchster Qualität bezüglich globaler Zyklik, Politik dominiert Wirtschaft).
Länder, die ihre Hausaufgaben in perfekter Manier in der Reformpolitik nachkommen, können in Geiselhaft kommen. Ob solche Wortwahl des Bundeswirtschaftsministers angemessen ist, sei dahin gestellt. Wir sind irritiert. Das gilt umso mehr vor dem nachfolgenden Hintergrund!

  • Deutschland, das in der virulenten Phase der Krise 2008/2009 im Verhältnis zum BIP unter den G-10 wenig im Verhältnis zum BIP für die Gemeinschaft leistete, mit seinem Geschäftsmodell aber mit am stärksten von den Interventionen des Rests in Höhe von 33.500 Mrd. USD profitierte, zeigt politische Hybris.
  • Gerade aus dieser Subvention des deutschen Exportmodells 2008/2009 leitet sich Verpflichtung zur Solidarität im jetzigen Umfeld ab. Mit gelebter Verantwortung hat die deutsche Position bezüglich des grundsätzlichen Erfolgs der Eurozone gegenüber USA, Japan und UK nichts zu tun.
  • Deutschland, das laut unseren Berechnungen mehr als 20 Mrd. Euro (KfW deutlich höherer Wert berechnet, wir sind halt hanseatisch) an Zinskosten am Kapitalmarkt ersparte, zeigt sich hart gegenüber der Gemeinschaft der Eurozone und vernachlässigt, dass es Deutschland war, das den Maastrichtvertrag als erstes Land brach.

Deutschland war in den letzten drei Jahren beschenkt durch die globale Intervention und beschenkt durch die Spekulation gegen die Reformländer, die unser Kapitalmarktzins auf historische Tiefstmarken trotz hoher Preisinflation trieben. Heute liegt die Rendite 10 jähriger Bundesanleihen bei unter 1,75% bei 2,50% Verbraucherpreisniveau und mehr als 5% Erzeugerpreisniveau.
Die deutsche Position ignoriert die gelebte Solidarität mit Deutschland. Sie ignoriert das Geschenk der Zinssubvention. Die deutsche Politik zeigt sich im Nehmen aggressiv, im Geben sind wir recht zugeknöpft. Dass wir unser eigenes Geschäftsmodell damit unterminieren, wird von unseren Protagonisten nicht wahrgenommen.
Konjunkturverläufe sind zyklisch. Auch Deutschland wird nicht ewig auf dem Konjunkturthron sitzen. Was passiert dann?
Wenn die Eurozone zerbricht, wird Deutschland am stärksten betroffen sein, vergleichbar mit dem Einbruch 2009. Wir sind gespannt, wie dann mit Deutschland verfahren wird …
„Food for thought!“

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD favorisiert. Ein Überwinden des Widerstands bei 1.3820 - 50 neutralisiert den negativen Bias des Euros.

Abschätzung des quantitativen Vorteils des Euro für Deutschland gegenüber einer fiktiven D-Mark (PDF)
KfW vom 1.7.2011

 

 

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