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Forex - Tageskommentar

von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank

19. August 2011

Risikoaversion nimmt aggressiv zu – US-Daten ernüchternd

Der Euro eröffnet heute Morgen (07.25 Uhr) bei 1.4305, nachdem gestern im europäischen Geschäft Tiefstkurse bei 1.4272 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 76.55. In der Folge notiert EUR-JPY bei 109.45, während EUR-CHF bei 1.1370 oszilliert.

Bevor wir uns mit dem gestrigen Verlauf auseinandersetzen, ist eine Replik auf die Einlassungen von Herrn Stark angebracht.
Natürlich liegt Herr Stark richtig, dass Eurobonds nicht die Ursachen der Defizitprobleme neutralisieren. Das wurde hier auch nicht behauptet. Nur die Reformen können diesen Dienst leisten. Da stimmen wir vollständig überein.
Fakt ist jedoch auch, dass die latente Spekulation gegen europäische Länder, vergleichbar mit der EWS-Krise 1992, mit hoher Präzision losgelöst von der Faktenlage, mit einem medialen Hintergrund, der sich solitär auf kritische Aspekte einschießt und die Erfolge vollständig ausblendet, den Erfolg der Reformen nivelliert oder sogar neutralisiert, da damit Kapitalzuflüsse verhindert werden und Kapitalabflüsse forciert werden.
Der Umstand, dass ein Land nach dem anderen in den Fokus der Spekulation kommt und weder die wahren Defizitsünder (mit massiven Strukturproblemen der Wirtschaft) USA noch UK davon betroffen sind, impliziert eine politische Agenda.

Gegen genau diese Entwicklungen wirkt der Eurobond, da dann nicht mehr kleine Einheiten von der Marktmacht nach Gutdünken unter Druck gebracht werden können.
Der Euroraum bietet eine kritische Größe, die die Beliebigkeit der Spekulation auch bei einer politischen Agenda nicht möglich macht. Ein Eurobond muss auch nicht von der Reformverpflichtung entbinden, wie häufig medial fälschlicherweise verbreitet wird.
Sanktionsmechanismen sind in dem Konstrukt möglich und sogar zwingend geboten.
Mit der Einführung eines Eurobonds würde dem Markt dann bewusst; dass die Eurozone bei Neuverschuldung, Struktur der Gesamtwirtschaft und Reformfähigkeit das Paradepferd im Bereich der großen Industrieregionen ist.
Diese Aspekte in der Debatte nach den Erfahrungen der letzten 18 Monate, die an Eindeutigkeit nicht zu übertreffen sind, über den Eurobond auszublenden, wäre „ambitioniert“, oder?

Im Tagesverlauf nahm gestern die Risikoaversion aggressiv zu. Dabei gab es vor der US-Sitzung keine belastenden Nachrichten von der Wirtschaftsfront. Dennoch legte der Bund-Future massiv zu und der Aktienmarkt sank in enger Korrelation. Derartig stringente Bewegungen ohne ersichtlichen Hintergrund bieten ein hohes Maß an Anomalie. „Food for thought!“
Noch erstaunlicher ist es, dass deutsche Aktien, die global mit am konservativsten bewertet sind, die größten Verlierer sind. Die USA bieten die Ursachen der Konjunkturschwäche in Reinkultur und der Dow Jones verliert circa 4%, Asien verliert 2% - 3% und Europa wird trotz bester Lage der Unternehmen mit historisch hohem Gewinnniveau, mit konservativer Bilanzierung (im Gegensatz zu US-GAAP), hoher Dividendenrendite und ohnehin zuvor niedriger Bewertung in die Abgründe geschickt? „Chapeau“ – dann kauft man lieber 10 jährige Bundesanleihen mit 2% Zins bei 2,5% Preisinflation. Der Markt hat schon einen bemerkenswerten „Balanced View“.
Es scheint, als hätte die Spekulation das Pferd gewechselt. Bisher war der CHF Signal für Unruhe.
Nach der politischen Ansage aus Zürich und Bern traut man sich wohl nicht so recht. Gestern war der Bund-Future das präferierte Instrument, um die Risikoaversion plakativ voranzutreiben. Wir nehmen diesen „Pferdewechsel“ zur Kenntnis.

Gestern standen Zahlen aus den USA im Mittelpunkt. Die Daten aus den USA belegen, dass sich die strukturellen Schwächen der USA auswirken. Im Aufschwung hinkte man hinterher, bei abflauender Dynamik nimmt man die Spitzenposition ein.
Die Verbraucherpreise legten in den USA unerwartet stark um 0,5% im Monatsvergleich zu (Prognose 0,2%). Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 3,6% nach zuvor 3,4%. Das passt gut zu einer Nullzinspolitik bis 2013 und verdient das Vertrauen …..

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Die Arbeitslosenerstanträge per 13. August legten von zuvor 399.000 (revidiert von 395.000) auf 408.000 zu. Die Prognose war bei 400.000 angesiedelt.

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Der Absatz bereits bestehender Wohnimmobilien per Juli konnte nicht überzeugen. In der annualisierten Darstellung sank der Umsatz von 4,84 Mio. auf 4,67 Mio. Objekte. Die Prognose lag bei 4,90 Mio. Objekten. Der Blick auf den Chart verdeutlicht das prekäre Bild.

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Der Lichtblick wurde durch die Frühindikatoren des „Conference Board“ geliefert. Per Juli kam es zu einem Anstieg um 0,5%. Analysten hatten einen Anstieg um 0,2% erwartet. Seit Mai sind hier Anstiege zu verzeichnen, die im diametralen Widerspruch zu der realen Welt der USA stehen. Wir nehmen das zur Kenntnis.

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Der „Philadelphia Fed Business Index“ per August lieferte einen negativen Paukenschlag. Der Index brach von zuvor 3,2 auf -30,7 Punkte ein. die Prognose lag bei 3,7 Zählern. Damit hat dieser Index den niedrigsten Wert seit Frühjahr 2009.
Der Blick auf die Subindices unterstreicht den Einbruch des Index. Der Auftragsindex kollabierte von +0,1 auf -26,8 Punkte. Der Beschäftigungsindex verlor von 8,9 auf -5,2 Punkte. Der Index, der die Investitionsbereitschaft abgreift sank von 18,1 auf 5,2 Punkte.
Ob sich der Fed-Bezirk Philadelphia als Indikator für die Weltwirtschaft eignet, sei dahingestellt.
Fakt ist, die Daten sind prekär und unterstreichen die strukturelle Schwäche der US-Wirtschaft.

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Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro favorisiert. Ein Unterschreiten der Tiefstkurse 1.3835 neutralisiert den positiven Bias.

 

 

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