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März 2011
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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
8. August 2011
USA bei S&P „nur“ noch AA+ - Politische Aktivitäten – „Is failure an option?“
Der Euro eröffnet heute Morgen bei 1.4320 (07.15 Uhr), nachdem Höchstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.4431 im asiatischen Markt markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 77.95. In der Folge notiert EUR-JPY bei 111.55, während EUR-CHF bei 1,0845 oszilliert.
Für verantwortliche Politiker der Hemisphäre der westlich orientierten Industrienationen war das ein heißes und ein aufreibendes Wochenende.
Die politische Aktivität war hoch, nachdem durch die nachhaltig gestiegene Risikoaversion an den Finanzmärkten die Frage implizit aufgeworfen wurde, ob „Failure“ doch eine Option sei.
Das galt um so mehr, als dass die angekündigte Herabstufung der Bonität der USA von S&P auch tatsächlich umgesetzt wurde. Erst einmal „Chapeau“ vor dieser Entscheidung. Sie war faktisch mehr als überfällig. Das verbale Getöse seitens der US-Administration ist sachlich nicht geboten. Bis zuletzt hat man sich ehrlicher Reformpolitik verweigert. Die aktuellen Sparbeschlüsse sehen charmant aus. Sie adressieren jedoch nicht die Strukturschwächen der USA. Mehr noch sind die unterlegten fiskalischen Annahmen als sportlich oder sogar als ambitioniert zu bewerten. Der Unterschied zu Europa könnte nicht augenfälliger sein. Die Eurozone setzt auf aggressive Veränderung durch Reformpolitik seit Ende 2009.
Wenden wir uns den Entscheidungen der Politik zu und bewerten, ob „Failure“ nun eine Option ist oder eben nicht.
Wir beginnen bei der G-7 Veranstaltung. Hier hören wir grundsätzliche Töne. Die G-7 Regierungen haben nach fernmündlicher Absprache klargestellt, dass die Liquidität und Stabilität an den Finanzmärkten gewährleistet wird. Gemeinsame Devisenmarktinterventionen werden nicht ausgeschlossen. Diese Einlassung kann nur in die Richtung interpretiert werden, dass der globale konjunkturelle Aufschwung (zyklisch beste Qualität seit den 50ern) nicht gefährdet wird. An diesem Aufschwung hängt beispielsweise auch die fiskalische Gesundung Deutschlands.
Werfen wir einen kurzen Blick auf die USA. Laut Finanzminister Geithner hat S&P ein wirklich schreckliches Urteil gefällt. Das Unternehmen hätte sich damit einen Bärendienst erwiesen. Die USA hätten jede Kapazität ihren Verpflichtungen nachzukommen (Druckpresse).
Selbst das fiel zuletzt schwer, oder? Herrn Geithner sei zugerufen, dass man über die Druckerpresse einen Ausfall verhindern kann, der daraus im Vergleich zu anderen Währungen resultierende überproportionale Kaufkraftverlust ist aber ebenso ein faktischer Ausfall. Der technische Vorteil, den die USA auch durch ihren Leitwährungsstatus im US-zentrischen Finanzsystem innehaben, wurde die letzten Jahre missbraucht. Damit haben sich die USA diese Herabstufung mehr als verdient. Die empörte Reaktion Chinas als maßgeblicher Gläubiger der USA lässt diesbezüglich keine Fragen offen.
US-Präsident Obama verteidigte seine Finanzpolitik und mahnte alle Verantwortlichen zu Ziel führender Politik. Das wäre bitter notwendig. Wir nehmen das zur Kenntnis.
Eine Abfolge von Herabstufungen nach den Mustern Griechenland, Irland oder Portugal steht bei den USA unserer Ansicht nicht auf der Agenda. Dafür ist die politische Macht der USA unverändert zu groß. Dabei sind übrigens alle Ebenen gemeint.
Es gab am Wochenende einen sehr ernsten Warnschuss an die USA, nicht provinziell, nationalistisch oder egozentrisch orientiert mit dem Status der USA umzugehen. Es war höchste Zeit!
Kommen wir zu der Eurozone. Die Eurozone ist und bleibt das Paradepferd der internationalen Reformpolitik. Spanien und Italien haben angekündigt, neue und schärfere Defizitreduktionsmaßnahmen und Reformen auf den Weg zu bringen. Die EZB hat diese Initiativen begrüßt. Wir schließen uns voll und ganz an. Die entschlossene und schnelle Umsetzung sei entscheidend. Auch das ist richtig und wichtig. Es ist schlicht weg und ergreifend sensationell, wie Europa sich neu erfindet. Hätte man das aktuelle Reformprogramm vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 als Prognose in den Raum gestellt, wäre man nicht ansatzweise ernst genommen worden. Das ist unsere Realität.
Wir sind gespannt, ob die volkswirtschaftliche „Elite“ Deutschlands diese Umstände irgendwann einmal in ihrer Bewertung sachlich angemessen berücksichtigen wird.
Die EZB hat angekündigt, das SMP (Securities Market Programme) aktiv umzusetzen, ohne dabei explizit Aufkäufe spanischer oder italienischer Titel zu thematisieren. Klar ist, dass die EZB sich alle Optionen offen hält. Taktisch ist das richtig. Bisweilen ist Berechenbarkeit hinderlich, die sachlich gebotenen Ziele zu erreichen.
Es sei wichtig, dass die Regierungen für eine Aktivierung des EFSF am Sekundärmarkt bereit stehen. Auf Basis einer EZB-Analyse kann die EZB dann aktiv werden. Dem ist zuzustimmen. Die Aktionsfähigkeit im Rahmen der Beschlüsse vom 21. Juli 2011 ist so zügig wie nur möglich herzustellen.
Die Eurozone, das Paradepferd der Reformpolitik sollte nicht billig auf die Opferbank geführt werden.
Die daraus resultierenden Kollateralschäden für Europa, das Weltfinanzsystem und die Weltkonjunktur einerseits, aber auch andererseits die Tatsache, dass damit die größten Defizitsünder indirekt belohnt würden, wären im höchsten Maße unangemessen und mehr noch sie wären verstörend.
Fassen wir zusammen. Die von uns seit Ende 2008 gehaltene These, dass „Failure no Option“ sei, steht meines Erachtens weiterhin.
Wir haben eine vortrefflichen Konjunkturzyklus, der zwar in der Dynamik während der letzten vier bis fünf Monate leicht beschädigt wurde. Er ist aber weiter bestechend, da es keine opportunistischen Übertreibungen (wie 2003-2008) gibt. An diesem Zyklus hängt die fiskalische Erholung, die in circa 60% der Weltwirtschaft schon Traktion gezeigt hat.
Wir haben am Freitag die Prognose 2011/2012 ausgesetzt. Das bleibt kurzfristig auch so.
Grundsätzlich lässt sich aus der angespannten Situation an den Finanzmärkten ableiten, dass die positiven Dynamiken der Ökonomie global gedämpfter ausfallen werden und damit auch die Bewertung etwas moderater an den Finanzmärkten ausfallen wird. Im Zuge der nächsten zwei Wochen werden diese Themenfelder mit dezidierten Inhalten gefüllt.
Werfen wir einen kurzen Blick auf die Veröffentlichungen vom letzten Freitag.
Die deutsche Industrieproduktion enttäuschte mit einem Rückgang um –1,1% per Juni im Monatsvergleich. Die Prognose lag bei +0,1%. Mehr noch wurde der Vormonatswert von 1,2% auf 0,9% revidiert. Brückentage waren maßgeblich verantwortlich. Der Auftragsbestand eröffnet keinen Raum für eine kurzfristige Trendwende.

Der US-Arbeitsmarktbericht setzte per Juli überraschend positive Akzente. Die Quote sank von 9,2% auf 9,1%. Unsere skeptische Haltung zur Aussagefähigkeit der Quote setzen wir als bekannt voraus.
„Nonfamr Payrolls“ nahmen um 117.000 zu. Die Prognose war bei 85.000 angesiedelt. Der Vormonatswert wurde von 18.000 auf 46.000 revidiert.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro favorisiert. Ein Unterschreiten der Tiefstkurse 1.3835 neutralisiert den positiven Bias.
Termine am 8.8.2011:
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung | |
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| OECD | OECD Composite Leading Indicator Juni | 102,5 |
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Die Stimmungslage sollte sich per Juni leicht eintrüben, Juli und August werden schmerzhaft! |
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