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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
1. April 2011
Ein freundliches „Chapeau“ an die EZB! – Klartext zu Irland – Deutscher Arbeitsmarkt top!
Der Euro eröffnet heute (07.25 Uhr) bei 1.4175, nachdem im europäischen Handel Höchstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.4233 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 83.60. In der Folge notiert EUR/JPY bei 118.50, während EUR/CHF bei 1.3040 oszilliert.
Nachdem wir uns gestern an dieser Stelle äußerst kritisch zu den jüngsten Urteilen der Ratingagenturen eingelassen hatten, gilt es heute, die Beschlussfassung der EZB angemessen zu würdigen.
Die EZB hat sich im Fall Irland entschieden, die Einstufungen der Ratingagenturen wie bereits im Fall Griechenland zu ignorieren. Irische Staatsanleihen werden weiter unabhängig von den Ratingagenturen als Sicherheit akzeptiert. „Chapeau!“ – mehr ist hier zunächst nicht zu sagen!
Die Ratingagenturen drohen, sich komplett aus der Bewertung hochverschuldeter Staaten zurückzuziehen. Der Streit zwischen der EU und den Ratingagenturen nimmt zu. Sollte die EU die Agenturen für eine falsche Einstufung haftbar machen, könnten die Institute ihre Bewertung ganz einstellen, heißt es in Branchenkreisen.
Es ist durchaus verständlich, dass Ratingagenturen sich nicht haftbar machen lassen wollen. Der Trackrecord dieser Veranstaltungen ist schlicht weg und ergreifend katastrophal. Das gilt nicht nur für „Sovereign Ratings“, sondern auch für Unternehmenseinstufungen. Hier sei an Enron, Wolrdcom und Konsorten erinnert. Erkennbar an diesen Fehlurteilen ist latent Prozyklizität und eine aggressive Nähe zu den Interessen der Wall Street und der City of London.
Einige Kollegen behaupten, dass fehlende Einstufungen für die Schuldnerländer Investoren abschrecken könnten. Wir halten dagegen, was nützen latente Fehleinstufungen Investoren?
Gerade die führen ja zu einer Fehlallokation des Produktionsfaktors Kapital. Das war im Fall der Neuen Markt Krise so, das war in der US-MBS Krise der Fall und nun werden in antiautoritärer Art und Weise die USA in der Bewertung geschont und die Reformländer der Eurozone abgestraft.
Das Risiko einer darauf basierenden Fehlallokation muss als erheblich eingestuft werden!
Wir werden am Beispiel Irland den Zusammenhang aufzeigen. Bevor wir das jedoch umsetzen, gilt es, sich den neuesten Entwicklungen in Irland zu stellen.
Man macht sich in Irland also Sorgen, ob der Konjunktur. Das ist als Prophylaxe sinnvoll. Ist es aber auch realistisch? Um das zu eruieren, bedarf es eines Blicks auf die Konjunkturlage Irlands.
Bevor wir das realisieren, muss die Struktur der irischen Wirtschaft näher betrachtet werden.
Dabei werfen wir einen Blick auf den Sektor der Industrie. Der Anteil der USA oszilliert bei circa 10% (Strukturproblem), der Durchschnitt der Industrienationen liegt bei 14%, Deutschland weist circa 20% aus und Irland liefert uns, man höre und staune, 25%! Vor diesem Hintergrund muss man nachfolgende Daten verarbeiten (Daten Eurostat, © Chart Berenberg)

Diese Daten belegen nichts anderes als eine fulminante Konjunkturentwicklung, die 25% des BIP betrifft. Insbesondere der Vergleich mit den Boomjahren vor der Krise hat hier erhebliche Aussagefähigkeit. Es verwundert sehr, dass diese Entwicklungen den Ratingagenturen wohl entgangen sind!
So weit, so gut, aber damit sind wir noch nicht am Ende der Betrachtung:
| Einkaufsmanagerindex produzierendes Gewerbe: | März 2011 | 55,7 |
| Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor: | Februar 2011 | 55,1 |
| Einzelhandelsumsätze Monatsvergleich: | Februar 2011 | +3,2% |
| BIP Jahresvergleich Prognose: | 1. Quartal 2011 | +1,75% |
| Verbraucherpreise Jahresvergleich: | Februar 2011 | 2,2% |
An obigen Daten wird deutlich, dass das Geschäftsmodell Irlands in Ordnung ist. Der hohe Anteil der Industrie wirkt sich auf Irland positiv aus.
Ja, es gibt ein Immobilienmarkt- und ein Bankenproblem. Dieses Problem ist teuer. Es ist aber vor allen Dingen adressiert.
Die aktuellen Wirtschaftsdaten sollten Ratingagenturen nach meiner bescheidenen Ansicht nicht motivieren, Herabstufungen vorzunehmen, sondern ob der Reformen und der Konjunkturlage eine andere Richtung einzuschlagen.
Die EZB ist klug und weise, sich nicht die Sichtweisen der Agenturen anzueignen, sondern sachgerecht vorzugehen.
Danke!
Der deutsche Arbeitsmarktbericht war per März einmal mehr top!.
Im Berichtsmonat wurden auf saisonal bereinigter Basis 55.000 Arbeitslosen weniger registriert.
Der Vormonatswert wurde von einem Rückgang um -52.000 auf -54.000 revidiert. Die Anzahl der Arbeitslosen stellt sich damit in der bereinigten Fassung auf 3.005.000 nach zuvor 3.060.000.
Offene stellen legten von zuvor 417224 auf 442.094 zu.
Die Quote liegt jetzt bei 7,1% nach zuvor 7,3%. Die Prognose lag bei 7,2%. Die aktuellen Werte sind die besten Arbeitsmarktwerte seit der Vereinigung Deutschlands.

© Reuters
Werfen wir einen kurzen Blick auf die US-Veröffentlichungen:
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Erst ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.3720 – 1.3750 neutralisiert den positiven Bias des Euros.
Termine am 1.4.2011:
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung | |
|---|---|---|---|---|
| EU | Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe März | 57,7 |
54,7 |
(10.00) Keine neuen Erkenntnisse auf der Agenda. |
| EU | Arbeitslosenrate Feb. | 9,9% |
9,9%
|
(11.00) Leichte positive Überraschung nicht ausgeschlossen. |
| USA | Arbeitslosenrate März | 8,9% |
8,9% |
(14.30) Unverändert, nicht vergleichbar mit dem Pendant der Eurozone … |
| USA | „Nonfarm Payrolls“ März | 192.000 |
190.000
|
(14.30) Wird’s vielleicht noch besser? |
| USA | Bauausgaben Feb. | -0,7% |
-0,1% |
(16.00) Fortsetzung des „Blues“. |
| USA | ISM-Manufacturing Index März | 61,4 |
61,0
|
(16.00) Niveau signalisiert |
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