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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
12. Juli 2010
Euro in leichter technischer Korrektur – Paul Volcker macht nachdenklich…
Der Euro eröffnet heute bei 1.2595 (07.45 Uhr), nachdem am Freitag im europäischen Handel Höchstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.2722 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 88.95. In der Folge notiert EUR-JPY bei 112.00, während EUR-CHF bei 1.3310 oszilliert.
Der Euro hat sich gegenüber den Höchstständen vom letzten Freitag bei 1.2722 merklich abgeschwächt. Wir sehen in dieser Bewegung eine Korrektur des deutlichen Anstiegs zuvor.
Die Basis der Euro-Schwäche, die Defizitprobleme Südeuropas, sind adressiert und erste von den „Bären“ völlig unerwartete Erfolgsmeldungen machen die Runde.
Dagegen bewegen sich die USA immer tiefer in den Sumpf der Defizite, ohne auch nur ansatzweise den Begriff Reform ernsthaft zu erörtern.
Diese Divergenz in der Frage der Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit zu Lasten der USA wird uns aller Voraussicht die nächsten Monate oder sogar auch Jahre beschäftigen.
An dieser Stelle gilt es Paul Volcker (nach ihm Greenspan und Bernanke), dem letzten Chef der Fed ohne Fehl und Tadel, Aufmerksamkeit zu schenken:
Paul Volcker äußerte sich kritisch zu den Kompromissen, die in Washington dank unnachgiebiger Lobbyarbeit der Bankenaristokratie derzeit als Finanzreformwerk zur Abstimmung stehen. Er sagte, wäre er Lehrer, würde dieses Reformprogramm nur eine durchschnittliche Note erhalten.
Seiner Meinung nach gehen die jetzt im Raum stehenden Reformen nicht weit genug.
Wir stimmen Paul Volcker zu. Das Herauszögern ist die maßgebliche Taktik der Bankenlobby. Je weiter die „Tat“ zurückliegt, desto weicher fallen die ultimativen Maßnahmen aus.
Wenden wir uns den Fakten zu. Eine global organisierte Bankenelite,
schafft es, für diese Handlungsweisen nur unterproportional reguliert zu werden?
Wir müssen uns heute fragen, ob dieser Mechanismus, der offen erkennbar ist, zu einem demokratischen Grundverständnis paßt?
Hierarchisch aufgestellte Teilnehmer der Bankenaristokratie spielen das demokratische System der Nationalstaaten in Fragen der Aufsicht und Steuer aus. Die Gewinne werden privatisiert. Im Verlustfall zahlt die öffentliche Hand der Nationalstaaten. Verluste werden also sozialisiert.
Damit bestimmt ultimativ nicht die Politik über die Verwendung der öffentlichen Mittel, sondern die Bankenaristokratie bedingt durch ihr Wissen um ihre systemische Macht und ihre
volkswirtschaftliche Funktion. Die Bankenaristokratie ist jedoch nicht gewählt!
Der Druck auf die Politik der Nationalstaaten, über den dieser Mechanismus implementiert wird, ist in der Größe der Banken zu erkennen, die erst den Begriff systemisches Risiko eröffnet.
Hier wird ein Unterordnungsprinzip der Politik der Nationalstaaten unter die Interessen der hierarchisch (und damit undemokratisch!) organisierten Bankenaristokratie erkennbar.
Wenn die Größe der Banken das primäre Problem ist und die Politik die Aufgabe hat, den ordnungspolitischen Rahmen zu stellen, dann ist es die Pflicht der Politik, die Banken auf eine Größe zu beschneiden, die garantiert, daß systemisches Risiko sich nicht wiederholt und volkswirtschaftliche Funktionen unbestechlich gelebt werden.
Werden wir plakativ:
Aus dieser Struktur dieser einen deutschen Großbank lassen sich eine Bank, ein Broker eine Vielzahl von Hedge Funds und eine Versicherung neben einer Investmentbank strukturieren. Das wäre Ziel führend.
Es ist nicht Ziel führend Broker, Hedge Funds oder eine Investmentbank in die Vollkaskohaftung der öffentlichen Hand zu stellen. Was hier am Beispiel einer deutschen Großbank exemplarisch dargestellt wurde, gilt grundsätzlich für alle Teilnehmer der internationalen Bankenaristokratie!
Für diejenigen, für die sich der Begriff Freiheit nicht nur eine billige Worthülse oder auf Freizügigkeit beschränkt, mögen diese Umstände beunruhigend sein. „Food for thought!“
Wenden wir uns kurz der Entwicklung der US-Großhandelslagerbestände per Berichtsmonat Mai zu. Es ergab sich ein Anstieg um 0,5% (Prognose 0,4%) nach zuvor 0,2% (revidiert von 0,4%) im Monatsvergleich. Gleichzeitig sanken die Absätze per Mai um -0,3%. Hier stellte sich der erste Rückgang seit 15 Monaten ein. In der Folge legte das Verhältnis zwischen Lagerbestand zu Absatz um 0,01 Punkte auf 1,14 Monatsumsätze zu.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.2140 – 1.2170 neutralisiert den positiven Bias.
Termine am 12.7.2010:
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