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Forex - Tageskommentar

von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank

28. Juni 2010

Das G8/G20 Treffen in Toronto bringt Ansätze für Teilerfolge potentieller Nachhaltigkeit!

Der Euro eröffnet heute bei 1.2380 (07.30 Uhr), nachdem während der letzten 24 Handelsstunden Tiefstkurse im europäischen Handel am Freitag bei 1.2255 und im asiatischen Handel heute früh Höchstkurse bei 1.2397 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 89.40. In der Folge notiert EUR-JPY bei 110.70, während EUR-CHF bei 1.3525 oszilliert.

Das G-8/G-20 Treffen erfordert eine Erörterung. Das Ergebnis angemessen zu präsentieren, fällt nicht leicht, obwohl es schlußendlich unserer Erwartungshaltung entsprach.
Der kanadische Finanzminister Flaherty hatte am Freitag die verbale Steilvorlage geliefert. Er sagte, es gehe darum, daß wie die Länder Wachstum und Defizite in eine Balance bringen.
Auf ersten Blick liefert das G-20 Kommunique eine überraschend positive Botschaft, daß per 2013 die öffentlichen Defizite der Industrienationen halbiert würden. Darüber hinaus würde realer Schuldenabbau per 2016 auf der Agenda stehen.
Diese Formel ist jedoch nicht bindend. Die Sanierung solle nationalen Umständen angepaßt werden.
Die Formel kann nicht bindend sein, da sie im diametralen Widerspruch zu der Budgetplanung der USA steht, die bis 2020 eine aggressive Neuverschuldung vorsieht, um von dem Status „semigriechisch“ zu dem Status „übergriechisch“ zu gelangen, was die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP anbetrifft.
Die heutige gewählte Überschrift, daß das Treffen in Toronto Ansätze für Teilerfolge potentieller Nachhaltigkeit liefere, ist der Versuch einen Minimalkonsens verbalakrobatisch aufzuhübschen.
Auch das können wir hier …

  • Fakt ist, daß die Ansätze für potentielle Nachhaltigkeit gegeben sind. Sie müssen in der Breite mit Leben gefüllt werden.
  • Fakt ist, daß entscheidende Industrienationen (Europa) ihre Hausaufgaben bei dem fiskalischen Exit in nahezu unbestechlicher Natur in der Breite und der Tiefe machen.
  • Fakt ist, daß die USA sich verbal beteiligen, real aber hinsichtlich der Budgetplanung erst beweisen müssen, daß sie aktiv werden wollen!

Wir haben darauf verwiesen (Forex Report vom Donnerstag), daß die USA derzeit circa 12%-13% des BIP als Input über Budgetdefizite (10%) und die „Kaufkraft Burn-Rate“ (Real negativer Zins bei -2% - -3%) benötigen, um 2%-3% BIP-Wachstum minderer Qualität zu generieren.
Budgetkonsolidierung bedeutet für die USA mit anderen Worten, ein erhebliches Risiko einzugehen, in eine markante Rezession zurückzufallen.
Da Schwellenländer und nicht die USA der Konjunkturmotor der Welt sind, kann die Weltwirtschaft einen potentiellen Wachstumsausfall der USA ungleich besser verkraften als in den Dekaden zuvor.

Einigungen zu Bankenabgaben und der Finanzmarkttransaktionssteuer wurden in Toronto nicht erzielt. Das ist mehr als bedauerlich. Offensichtlich hat die Lobbyarbeit der „Täter“ der globalen Bankenaristokratie Erfolg. Faktisch heißt das nichts Anderes, als daß der ehrliche Steuerbürger, der diese Veranstaltungen vor den Konsequenzen ihres eigenen Handelns bewahrt hat, der Verlierer dieser Debatte ist. Ihm stehen jedoch an sich die Boni der Rettung zu, nicht den Investmentbankern, die zu großen Teilen aktuell Lernkurven um den Nullpunkt beweisen!
Einmal mehr zeigt sich hier, daß der Machtapparat der global agierenden Bankenaristokratie zu groß ist und diesbezüglich eine Zerschlagung dieser globalen Spieler, die zu wenig Loyalität für die nationalen Staaten in der Wahrnehmung ihrer volkswirtschaftlichen Funktionen leben, erforderlich ist. Es kann und darf nicht sein, daß globale Spieler, die hierarchisch organisiert sind, faktisch Macht in Demokratien ausleben, die nicht legitimiert ist.
Noch ist die Messe jedoch nicht gelesen. Das Verschieben auf der Zeitachse kann jedoch nur als Teilerfolg der Banken gewertet werden. Die Wahrscheinlichkeit, daß einige Regionen Alleingänge umsetzen, nimmt zu.
Damit nimmt die Homogenität der G-20 Veranstaltung ab. Genau diese Homogenität war in dem Krisenmanagement 2007 – 2009 jedoch der Schlüssel für den Erfolg. Die Tatsache, daß sich Alleingänge mehren (auch „Angies“ Griechenlandexkurs reiht sich hier ein), können nicht wirklich beruhigen. Das ist die eigentliche Quintessenz der aktuellen G-8/G-20 Veranstaltung!

Wenden wir uns den US-Veröffentlichungen vom letzten Freitag zu:

Das US-BIP per 1. Quartal 2010 enttäuschte mit einem Anstieg von nur 2,7% auf annualisierter Basis. Die Prognose lag bei 3,0%. Konsumausgaben wurden leicht nach unten angepaßt und Importe wurden höher gesetzt. Bezüglich unsere kritischen Haltung zu der Qualität der US-Daten erlauben wir uns heute den Verweis auf „Shadow Government Statistics“ von John Williams, der in seiner alternativen (und nach unserer Sichtweise realistischeren) Berechnung auf -1,5% kommt.
„Food for thought!“
Der Chart belegt losgelöst von obiger Einlassung, daß die Wachstumsdynamik in den USA nicht allzu ausgeprägt ist.

chart

Dagegen lieferte das Verbrauchervertrauen nach Lesart der Uni Michigan in seiner finalen Berechnung einen Anstieg von zuvor 73,6 auf 76,0 Punkte. Die Prognose lag bei unverändert 75,5 Punkten des vorläufigen Werts. Diese Abweichung ist erfreulich. Der Chart belegt die fortgesetzte Erholung seit Sommer 2009. Es wird aber auch deutlich, daß die Werte jenseits der 90 Punkte, die im ersten Halbjahr 2007 vor Ausbruch der Krise vorherrschten unverändert weit entfernt sind!

chart

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD leicht favorisiert.
Ein Überwinden des Widerstands bei 1.2670 – 1.2700 eröffnet erhöhte Aufwärtsdynamik. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.2080 – 1.2110 neutralisiert den leicht positiven Bias.

 

Termine am 28.6.2010:

  Daten zuletzt: Konsensus: Bewertung:
EU Geldmenge M-3 Mai
-0,1%
+0,3%
(10.00) Es kommt Bewegung ins Spiel.
USA Chicago Fed National Activity Index Mai
0,29
---
(14.30) Keine Prognose erhältlich.
USA Persönliche Einnahmen/Ausgaben Mai
0,4%/0,0%
0,5%/---
(14.30) Weitere Zunahme bei den Einkommen erwartet.

 

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