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Forex - Tageskommentar

von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank

24. Juni 2010

FOMC hält für erweiterten Zeitraum an Niedrigzinspolitik fest – US-Wirtschaft labil

Der Euro eröffnet heute bei 1.2335 (07.45 Uhr) unweit der Tiefstkurse der letzten 24 Handelsstunden, die im europäischen Geschäft bei 1.2210 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 89.80. In der Folge notiert EUR-JPY bei 110.75, während EUR-CHF bei 1.3620 oszilliert.

Der Offenmarktausschuß hat den Erwartungen entsprechend den Leitzins unverändert in der Bandbreite 0,00% - 0,25% belassen. Das extrem niedrige Zinsniveau soll für einen erweiterten Zeitraum beibehalten werden. Diese Entscheidung, den Zins unverändert zu lassen, entsprach dem Konsensus. Die Tatsache, daß das Niedrigzinsniveau für einen erweiterten Zeitraum beibehalten wird, ist für die Freunde des USD fraglos enttäuschend.

Die USA halten an der freundlichen „Kaufkraft-Burn-Rate“ fest. Die Verbraucherpreise liegen bei +2,0%, die Erzeugerpreise bei +5,1% und die Importpreise bei +8,6%, während der Leitzins knapp oberhalb der 0% Marke liegt.
Diese Daten sind so eindeutig, daß sogar ein Zweitklässler die negative Bedeutung erkennt.
Um so erstaunlicher ist, daß dieser Umstand von der Analystenzunft aber auch den Medien vollständig ausgeblendet wird. Ein Defizit oder ein Problem nicht zu adressieren, löst kein Problem, sondern verschärft es im Zeitverlauf. „Food for thought!“

Die USA haben uns in den letzten 10 Jahren bereits zwei „Burn Rates“ geschenkt. Die erste „Burn Rate“ war die „Cash Burn Rate“ am Neuen Markt und die zweite „Burn Rate“ war die „Immobilien Burn Rate“. Die „Erfolge“ dieser Veranstaltungen waren Kapitalvernichtungen massivsten Ausmaßes, die schlußendlich die größte Finanzkrise seit 1929/1932 verursachten.
Es stellt sich die Frage, wann der Markt und noch wichtiger wann Analysten und Volkswirte ihre positive opportunistische Haltung gegenüber Marktphänomenen mit New Yorker und auch Londoner Hintergrund einer sachlich gebotenen Neuausrichtung unterwerfen und wieder Respekt vor dem gesunden Menschenverstand entwickeln.

Kommen wir zu den Konjunkturthemen, die im Offenmarktausschuß thematisiert wurden:

  • Die unterschwellige Inflation tendiere schwächer. Ja, zuletzt ergaben sich leicht rückläufige Entwicklungen bei den Preisindices, die jedoch vor dem Hintergrund der weiter anziehenden Weltkonjunktur keine Trendwende darstellen.
  • Der Erholungspfad der US-Wirtschaft sei lediglich moderat. Das ist absolut richtig. Die Marktkräfte, die in den USA eine profunde Erholung der Wirtschaft unterstellten, dürfen sich in nachhaltiger Ernüchterung üben und sich Gedanken über die Qualität eines Wachstums machen, daß durch real negative Zinsen in erheblichem Umfang (Kaufkraft Burn Rate) und Budgetdefizite im Dunstkreis von 10% und mehr erzielt wird.
  • Die Verbesserung am US-Arbeitsmarkt sei nur graduell. Das ist absolut richtig. Im Vergleich zu der Entwicklung des deutschen Arbeitsmarkts kann die Situation in den USA nur als sklerotisch bezeichnet werden.
  • Neubaubeginne seien weiter auf einem äußerst schwachen Niveau. Richtig, ohne Steuersubvention läuft hier nichts.
  • Obwohl die Haushaltsausgaben zunehmen würden, sei der Anstieg begrenzt. Auch das ist richtig. Wenn die Schuldenlast hoch ist und Jobs rar sind, ist das die logische Konsequenz!

Fakt ist, daß die US-Wirtschaft ungleich labiler ist als die Konjunktur der Weltwirtschaft. Die USWirtschaft hängt am größten Subventionstropf in der Historie der USA. Aus diesem Umstand Attraktivität des USD oder sogar eine „Save Haven“ Status abzuleiten, ist mindestens ambitioniert.
Die einzig zulässige Frage ist, ob der Hegemon nun Kleider anhat oder nicht … fällt die Antwort schwer?

Nachdem es der Finanzmarkt unter spekulativer Führung der Zentren New York und London und der Hilfestellung einiger europäischer Marktteilnehmer vermocht hat, die Eurozone (Musterschüler bei Gesamtdefiziten im Bereich der großen industrialisierten Regionen 2009) wegen Staatsdefiziten (zur Unzeit, 1. JH 2009 wäre antizipativ der richtige Zeitpunkt gewesen!) bis ins Mark abzustrafen, und den aggressivsten Defizitsünder USA vor allen Konsequenzen unverantwortlicher Politik zu entlasten und sogar als Gewinner dieser Debatte am Devisen- und Bondmarkt zu küren, kommt jetzt ein neuer Zungenschlag ins Spiel.
Da die Eurozone reagiert hat und Südeuropa auf den Kopf gestellt hat und bereits erste Erfolge zu verbuchen hat (u.a. Griechenland) wird nun der Spieß vor dem G-20 Treffen in Toronto umgedreht. Diese Erfolge werden nun als ein Risiko für die Weltkonjunktur von prominenten Vertretern mit US-Hintergrund klassifiziert.
Es handelt sich förmlich um ein Crescendo aus US-freundlichen „Expertenkreisen“ gegen die Stabilitätspolitik der Eurozone. Krugmann schießt auf Weber. Soros schießt auf Deutschland.

  • Fakt ist, daß die Spar- und Reformgramme der Eurozone richtig sind. Sie werden vor einem Hintergrund umgesetzt, in dem die maßgeblichen Wachstumskräfte aus den Schwellenländern herrühren, die 50% der Weltwirtschaft ausmachen und einen nachhaltigen Wachstumsclip von 6% - 8% haben, während die globale Wirtschaft mit mehr als 4% zulegt. Die Refomrprogramme der Eurozone legen die Basis auf mittlere Sicht für nachhaltiges Wachstum. Ein besseres Timing kann es gar nicht geben!

Die Kritik aus den USA fordert ein fortgesetztes Doping der Wirtschaft. Das ist schlicht weg und ergreifend Drogenmißbrauch. Morphium darf einem Kranken kurzfristig temporär verabreicht werden, um den Heilungsprozeß zu begleiten. Die Dauervergabe, die Krugmann und Soros hier thematisieren, schafft neue Probleme.
Die Einlassungen dieser Herren dürfen als US-Interessenvertretung zur Aufrechterhaltung der Kapitalströme in die USA interpretiert werden, mehr nicht, weniger auch nicht! Mit Sachlichkeit oder Unanfechtbarkeit hat das nichts zu tun!
Hier geht es dieser Klientel einzig darum einen neuen Interpretationsspin zu implementieren, um eine sachlich angemessene Debatte und die daraus resultierenden Folgen für die USA und den USA zu verhindern.

Wenden wir uns noch kurz den Absatzzahlen bei neuen Wohnimmobilien per Mai zu, um die hier zuvor geäußerte Position noch einmal zu untermauern.
Hier kommt ein starker „Blues“ zum Tragen. Es ergab sich ohne „Doping“ via Steuersubvention ein Einbruch um solide 32,7% von zuvor 446.000 (revidiert von 504.000 ) auf 300.000 in der annualisierten Darstellung. Die Prognose lag bei 410.000!
Der beigefügte langfristige Chart läßt keine Fragen offen! Hier handelt es sich um „All time Lows“!

chart

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD leicht favorisiert.
Ein Überwinden des Widerstands bei 1.2670 – 1.2700 eröffnet erhöhte Aufwärtsdynamik. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.2080 – 1.2110 neutralisiert den leicht positiven Bias.

 

Termine am 24.6.2010:

  Daten zuletzt: Konsensus: Bewertung:
EU Auftragseingang Industrie (M/J) April
5,2%/19,8%
1,6%/21,5%
(11.00) So sieht ein Aufschwung aus!
USA Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter Mai
2,8%
-1,4%
(14.30) So sieht ein verhaltener Aufschwung aus …
USA Arbeitslosenerstanträge 19.6.
472.000
460.000
(14.30) So sieht kein nachhaltiger Aufschwung am Arbeitsmarkt aus

 

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