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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
28. Mai 2010
EUR/USD auf bekanntem Terrain
EUR/USD eröffnet heute bei 1.2315 (07.30 Uhr), nachdem im US-Handel Höchstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.2394 markiert wurden Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 91.15. In der Folge notiert EUR/JPY bei 112.25, während EUR-CHF bei 1.4240 oszilliert.
Es bleibt am Devisenmarkt ein unverändertes Bild. Die Marktpsychologie bleibt gegenüber dem Euro negativ ausgerichtet. Es kommt zu Gegenbewegungen der Euro-Schwäche, die jedoch schnell und auch bisweilen markant konterkariert werden.
Andererseits ist auch auffällig, daß sich im Bereich von 1.2120 – 50 offensichtlich zunehmend eine solide Basis aufbaut. Die Bemühungen der Politik, Ruhe und Sachlichkeit am Devisenmarkt zu implementieren, sind fraglos eine Ursache dieser Stabilisierung.
Ebenso wird das Thema der Budgetdefizite Südeuropas mittlerweile etwas sachlicher diskontiert.
Fraglos geschieht das erst jetzt, nachdem ein massiver Imageschaden der Eurozone ausgelöst wurde als auch die Bewertung des Euros als angeschlagen gelten muß. „Food for thought!“
Ich halte absolut an der Sichtweise fest, daß die „Musterregion“ in Sachen Defizitgröße (Eurozone 6,5%, Japan 9%, USA circa 12%, UK circa 13%) als auch in der Adressierung des Problems (stärksten Strukturreformen in der Historie der EU), die Eurozone, einseitig belastet wurde und die eigentlichen Defizitsünder USA und Großbritannien in unsachlicher Manier (bisher) vollkommen ungeschoren davongekommen sind. Nein , sie sind sogar die Begünstigten in diesem „Spiel“!
Nachdem sich die internationalen Finanzmärkte in ihrer Bewertung bezüglich des neuen Marktes ein „antiautoritäres“ Fiasko geleistet haben (Cash Burn Rate) und im Rahmen der USWohnimmobilienhype diese Verhaltensweise noch einmal getoppt hatten (Immobilien Burn Rate), steht nun der nächste Anlauf hinsichtlich der Staatsdefizite im Raum, in dem im übertragenen Sinn Böcke zu Gärtnern gemacht werden.
Daß ein USD oder ein GBP mit einer „Kaufkraft Burn Rate“ (= Zins deutlich niedriger als Preisanstieg) am Markt so nachhaltig reüssieren kann, paßt in dieses Bild unsachgemäßer Analyse und Bewertung.
Wir dürfen uns auf unsere „Fahne der Sachlichkeit“ schreiben, daß wir bisher keiner dieser Anwandlungen der letzten Dekade gefolgt sind und kritische Mahner bezüglich der „antiautoritären“ Ausgestaltung der Analyse und der Marktstimmung waren, die leider zu großen Teilen ungehört blieben.
Schlußendlich haben wir uns bisher aber mit unserer Sachlichkeit durchgesetzt. Opportunismus und nicht nüchterne Sachlichkeit gehört insbesondere heute zu den Eigenschaften, die am Finanzmarkt gepflegt werden. „Food for thought!“
Fakt ist, daß mit diesen „antiautoritären“ Phasen an den Finanz- und Immobilienmärkten die Markteffizienztheorie der „Chicago School“ der Volkswirtschaftslehre in dieser Dekade umfänglich widerlegt wurde. Nun müssen daraus nur noch die notwendigen Schlußfolgerungen in der Elite der volkswirtschaftlichen Prognostik folgen …
Gestern standen Daten aus den USA auf dem Veröffentlichungskalender, die in der Gesamtheit bezüglich der Erwartungshaltung als enttäuschend klassifiziert werden müssen.
Die US-Arbeitslosenerstanträge stellte sich in der Berichtswoche per 22. Mai 2010 auf 460.000 nach zuvor 474.000 (revidiert von 471.000). Die Prognose lag bei 455.0000.
Der beigefügte Chart belegt die stabilisierte Lage in dieser Datenreihe. Arbeitsmarkttechnische Blüte nach deutschen Vorbild sieht jedoch anders aus!

Das US-BIP ist per 1. Quartal 2010 laut erster Berechnung (nach der Schätzung zuvor bei 3,2%) um 3,0% auf annualisierter Basis gewachsen. Die Prognose lag bei 3,4%. Der private Konsum war für die leichte Enttäuschung bei dem Wachstum nach Berechnung des BEA maßgeblich verantwortlich. Wir nehmen diese Zahlen zur Kenntnis.

Der „Kansas City Fed Manufacturing Survey” lieferte im Produktionsindex einen markanten Rückgang von zuvor 24 auf 5 Punkte. Dieser Index sank damit auf das niedrigste Niveau seit Oktober 2009.
Der Auftragsindex brach von 15 auf -2 Punkte ein. Der Beschäftigungsindex verlor von 5 auf 1 Punkt.
In der Region Kansas verliert die Konjunktur im Bereich Produktion offensichtlich deutlicher an Fahrt.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das nach wie vor eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Ein nachhaltiger Ausbruch aus der Bandbreite 1.2130 – 1.2670 eröffnet neue Opportunitäten.
Termine am 28.5.2010:
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
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| USA | Persönliche Einnahmen/Ausgaben April | 0,3%/0,5% |
0,5%/--- |
(14.30) Weitere positive Entwicklung der Einkommen unterstellt. |
| USA | Einkaufsmanagerindex Chicago Mai | 63,8 |
62,0 |
(15.45) Trotz voraussichtlichen Rückgangs weiterhin solide Expansion. |
| USA | Verbrauchervertrauen Uni Michigan (final) Mai | 72,3 |
73,3 |
(15.55) Leichte Stimmungsaufhellung erwartet. |
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