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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
25. März 2010
Euro weiter unter Druck – Portugal und Griechenland belasten – starker IFO wirkungslos!
EUR/USD eröffnet heute bei 1.3320 (08.00 Uhr), nachdem im asiatischen Handel Tiefstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.3285 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 91.90. In der Folge notiert EUR/JPY bei 122.40, während EUR/CHF bei 1.4270 oszilliert.
Der gestrige Vormittag wurde von den Problemfeldern Griechenland und Portugal überlagert. Die Deutsche Welle hat als Konsequenz das für Donnerstag vorgesehene TV-Interview aus Gründen der Aktualität einen Tag vorgezogen. Der europäische Kessel steht unter hohem Druck und dampft kräftig. Der Wille im Zweifelsfall Gewürze aus den USA via IWF der europäischen Suppe beizusteuern irritiert. Der Klartext an dieser Stelle war gestern diesbezüglich unmißverständlich.
Im Tagesverlauf ereilte den Markt die zu diesem Zeitpunkt überraschende Nachricht der Herabstufung der Bonität Portugals auf AA- mit negativem Ausblick durch Fitch.
Dieser südeuropäische Cocktail führte zu einer Unverdaulichkeit an den Devisenmärkten, die zu neuen Jahrestiefstkursen führte. Der heute beginnende EU-Gipfel wird die Märkte maßgeblich beschäftigen und damit der wesentliche Katalysator für den Devisenmarkt darstellen.
Der deutsche IFO-Index übererfüllte per Berichtsmonat März unsere optimistischeren Erwartungen mit einem fulminanten Anstieg von zuvor 95,2 auf starke 98,1 Punkte. Die Analysten hatten in der Konsensusprognose lediglich eine Zunahme auf 95,8 Punkte prognostiziert. Der Blick auf den Chart unterstreicht das positive Gesamtbild.

Der Index markiert damit den höchsten Stand seit Juni 2008 bei 101,2 Punkten. Mithin hat der Index ein Niveau erreicht, das weit vor dem Lehman-Debakel lag. „Food for thought!“
Erfrischend ist die Tatsache, das der Anstieg sowohl von der Erwartungskomponente mit einer Zunahme von zuvor 100,9 auf 101,9 als auch der Bewertung der aktuellen Lage mit einem Anstieg von 89,8 auf 94,4 Zähler getragen ist. Gerade letztere Größe impliziert eine imminente Wachstumsbeschleunigung.
Es ist durchaus bemerkenswert, daß diese überraschende positive Datenlage vom Markt vollkommen ignoriert wurde.
Neben dem IFO-Index kamen die ersten Schätzungen der Einkaufsmanagerindices der Eurozone per März zur Veröffentlichung. Auch dieser Datensatz war spektakulär und übertraf die Erwartungen nachhaltig.
Der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor legte von 51,8 auf 53,7 Punkte deutlich zu. Die Prognose war bei 52,0 Zählern angesiedelt.
Das Pendant für den produzierenden Sektor verzeichnete einen Anstieg von 54,2 auf 56,3 Punkte.
Hier hatten Marktbeobachter einen leichten Rückgang auf 54,0 Zähler unterstellt.
Mithin zeichnet sich hier aus der Befragung der betroffenen Unternehmen ein deutlich positiveres Bild ab, als zuletzt unterstellt wurde.
Das Wachstum der Eurozone gewinnt mit Indexständen nachhaltig über 50 Punkten deutlich an Solidität. Das läßt übrigens Rückschlüsse auf den zyklischen Teil der Entwicklung der Budgetdefizite der Eurozone zu.
Es gab jedoch von der Konjunkturfront der Eurozone auch vermeintliches Wasser in den Wein:
Die Auftragseingänge der Industrie der Eurozone sollen (wir betonen „sollen“) per Januar im Monatsvergleich vollkommen unerwartet um markante -2,0% gesunken sein. Die Prognose war bei +1,9% angesiedelt.
Im Jahresvergleich übersetzt sich dieses (bisherige) Ergebnis in einen Anstieg um +7,0% nach +9,5% im Vormonat. Die Prognose per Januar lag bei +14,2%.
Bedenkt man, daß in Deutschland, der größten Wirtschaftsnation der Eurozone, die Auftragseingänge per Januar 2010 um 4,3% im Monatsvergleich zunahmen, ergibt sich eine hohe Wahrscheinlichkeit, daß hier ein erhebliches Revisionspotential vorliegt.
Diese Entwicklung paßt darüber hinaus weder zu dem Einkaufsmanagerindex der Eurozone zu diesem Zeitpunkt noch zu den Einlassungen, die uns aus verschiedenen Unternehmensseiten zugekommen sind.
Wenden wir uns dem Einkaufsmanagerindex der Eurozone per Januar zu. Der Index stellte sich auf 52,4 nach zuvor 51,6 Punkten.
Hier der O-Ton von Reuters zum Einkaufsmanagerindex per Januar 2010:
Wir wissen nicht, was in der Statistikbehörde für Rechenexempel angestellt werden. Hinsichtlich unserer obigen kritischen Darstellung ergibt sich jedoch ein äußerst fader Beigeschmack bezüglich der Aussagekraft dieses Datensatzes!
Wir kennen Statistikämter, die enttäuschenden Daten ein freundliches „Dressing“ verpassen. Uns war bisher nicht bewußt, daß es auch anders herum funktionieren könnte.
Mithin nehmen wir diese enttäuschende Entwicklung per Januar zur Kenntnis und sind auf die kommenden Revisionen gespannt, da die Widersprüchlichkeit äußerst augenscheinlich ist.

© Reuters
Der US-Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter setzte mit einem Anstieg im Monatsvergleich um 0,5% leicht enttäuschende Akzente (Prognose +0,7%). Die Revision des Vormonatswerts von +2,6% auf +3,9% gleicht das jedoch mehr als aus.
Mithin ist auch hier erkennbar, daß das produzierende Gewerbe in den USA reüssiert (Anteil von 10 -12% am BIP). Es stützt unsere These eines deutlich anziehenden globalen Wachstums. Der Teil der US-Wirtschaft, der damit verlinkt ist, zeigt Stärke. Binnenwirtschaftlich bleibt das Bild enttäuschend.

Nehmen wir den eben geäußerten Gedanken erneut auf. Binnenwirtschaftlich bleibt das Bild dagegen enttäuschend.
Genau diese Tatsache wurde gestern bei der Veröffentlichung des Absatzes neuer Wohnimmobilien per Februar deutlich. Hier stellte sich auf annualisierter Basis mit 308.000 Objekten ein historischer Tiefstwert ein.
Das zum Verkauf stehende Volumen an Immobilien stellte sich mit 9,2 Monatsumsätzen auf das höchste Niveau seit Frühjahr 2009.
Der Blick auf den beigefügten Chart mit einer bis zu den 60er Jahren zurückgehenden Historie zeigt die sklerotische Gesamtkonstellation dieses Sektors der US-Wirtschaft auf.
Eine Trendwende ist hier nicht erkennbar. Für die Gemütslage der US-Verbraucher ist der USWohnimmobilienmarkt von hoher Bedeutung. Hier droht offensichtlich Ungemach!
US-Finanzminister Geithner äußerte gestern, daß er viel mehr Stabilität im USWohnimmobilienmarkt erkennen würde. Wir nehmen diese Einlassung zur Kenntnis, ohne
ansatzweise zu erkennen, was Herr Geithner meint. Historische Umsatztiefs beim Absatz neuer Immobilien sind in unserer Erkenntniswelt Ausdruck des genauen Gegenteils dessen, was Herr Geithner erkennen will!

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.3480-10 neutralisiert den negativen Bias des Euros.
Termine am 25.3.2010:
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
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| EU | Geldmenge M-3 Feb. | +0,1% |
-0,1% |
(10.00) Keine wesentliche Veränderung unterstellt. |
| USA | Erstanträge Arbeitslosenhilfe 20.3. | 457.000 |
450.000 |
(13.30) Geringfügige weitere Verbesserung erwartet. |
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