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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
9. Februar 2010
EUR-USD konsolidiert …. Stieglitz verfehlt das Thema….
Der Euro eröffnet heute morgen (07.30 Uhr) bei 1.3700, nachdem im europäischen Handel Höchstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.3713 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 89.45 In der Folge notiert EUR-JPY bei 122.50 während EUR-CHF bei 1.4675 oszilliert.
Moody’s Economy.com erhebt einen globalen Sentimentindex für die Konjunkturentwicklung. Der beigefügte Chart verdeutlicht die positive globale Erholung eindrucksvoll.

© Moody’S Economy.com
Die Indexstände bewegen sich ähnlich zu dem Pendant der OECD (Forex Report 08.02.2010) oberhalb der Marken von 2007/2008 als die globale Konjunkturwelt noch in schillerndsten Farben von den Finanzmarktteilnehmern und Ökonomen geschildert wurden.
Die Divergenz der Bewertung zwischen den befragten Teilnehmern der Realwirtschaft und den Ökonomen und Finanzmarktteilnehmern ist augenfällig. Dem geneigten Leser überlassen wir es, zu entscheiden, wer mehr Vertrauen verdient, die Realwirtschaft oder die Finanzwirtschaft und die Elite der Ökonomen.
Nach Ansicht des Wirtschaftsnobelpreisträgers Stieglitz sind die Aussichten auf einen Bankrott der USA oder des Vereinigten Königreichs als absurde Konstruktion des Finanzmarkts einzustufen.
Beide Nationen verdienen es, ihr AAA-Rating zu behalten.
Für den Moment ist diese Sichtweise zunächst vertretbar. Entscheidend ist jedoch der Blick nach vorn. Diesbezüglich verfehlte Stieglitz das entscheidende Thema.
Das öffentliche Defizit des Vereinigten Königreichs soll sich per Ende 2010 auf circa 82% des BIP stellen. Das US-Defizit wird laut aktueller Planung dann bei 94% auslaufen.
Es fragt sich, wie Stieglitz Irlands aktuelle Verschuldungsproblematik mit 61,2% Staatsverschuldung, Portugals öffentliche Verschuldung bei 80,5% oder Spaniens Staatsverschuldung bei 51,3% vor diesen Hintergründen einwertet.
Sein Schweigen zu dieser Thematik impliziert Zustimmung zu der aktuell von den Finanzplätzen Londons und New Yorks geschürten „Hysterie“ am Finanzmarkt, die Ähnlichkeiten zu den Attacken auf das EWS 1992 aufweisen.
Es stünde Herrn Stieglitz hinsichtlich des Umstands, daß die USA ihre Defizitpolitik laut Präsident Obama ungebremst weiter führen wollen (laufende Fiskaljahr 2010 höchste Neuverschuldung in der US-Historie mit 1.561 Mrd. USD, 2011 1.300 Mrd. USD …. 2020 circa 1.000 Mrd. USD), besser zu Gesicht, wenn er die Reaktion des Finanzmarkts bezüglich der „PIIGS“, die ihre Haushaltsaufgaben mit einer klaren Konsolidierungsausrichtung machen, als absurde Konstruktion des Finanzmarkts bezeichnet hätte!
Diesbezüglich erlauben wir uns noch einmal das Thema Griechenland (Verschuldung 118% des BIP) aufzugreifen. Von der EU-Kommission gab es in der vergangenen Woche Klartext für unsere Freunde in Griechenland, dem Land der Mathematik, dem Herkunftsland des Platon, Pythagoras, des Thales, des Archimedes und des Euklid.
Dieser Maßnahmenkatalog ist in dieser Form für die EU-Kommission einmalig. Das ist kein „Mundspitzen“ nach alter Brüsseler Art. Nein, hier handelt es sich um ein vernehmbares „Pfeifen“, das einer partiellen Machtübernahme bezüglich der Haushaltspolitik durch die EU-Kommission nahekommt, aber mindestens die kürzeste Leine darstellt, die es in der EU je gab. Das ist beeindruckend!
Bildlich gesprochen sitzt Griechenland auf der „EU-Strafbank“ Griechenland hat mit seiner Pinocchio-Politik lange daran gearbeitet, als erstes Land diesen „Posten“ einzunehmen. „Mission accomplished“ – Handeln führt zu Konsequenzen! „Chapeau!“
Das Maß asymmetrischer Wahrnehmung muß bezüglich der Tatsache, daß die Budgetprobleme in der Eurozone mit aggressiven Gegenmaßnahmen angepackt werden, während insbesondere in den USA eine Politik des „Deficits, as you please“ gefahren wird, als nachhaltig bezeichnet werden.
Heute steht die Veröffentlichung des US-Lagerbestands im Großhandel per Dezember auf der Agenda. Analysten unterstellen eine Zunahme der Bestände um 0,5% im Monatsvergleich. Die Absätze sollen um 1,0% angestiegen sein. Mithin wird sich das Lagerbestand/Absatz Verhältnis von zuvor 1,14 Monatsumsätzen weiter zurückbilden. Per Anfang 2009 lag dieser Wert noch bei 1,34 Monatsumsätzen. Das Thema Lageraufbau wird nicht nur in den USA, sondern global positive Akzente in der weiteren Konjunkturentwicklung spielen, die aktuell nicht angemessen diskontiert sind (Aktienmärkte).

In der späten Nacht folgt der „ABC News Money Magazine Consumer Comfort Index“. In der letzten Berichtswoche ergab sich ein enttäuschender Rückgang auf -49 Punkte. Eine Konsensusprognose ist nicht erhältlich. Nachhaltige neue Erkenntnisse erwarten wir nicht.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD favorisiert. Ein Überwinden des Widerstands bei 1.3840 – 70 dreht den negativen Bias des Euros.
.
Termine am 9.2.2010:
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
|---|---|---|---|---|
| USA | Lagerbestände/Absatz Großhandel Dez. | 1,5%/3,3% |
0,5%/+1,0% |
(16.00) Weitere Zunahmen erwartet. |
| USA | ABC News Money Magazine Consumer Comfort Index 6.2. | -49 |
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(23.00) Keine Prognose erhältlich. |
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