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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
28. Januar 2010
Euro weiter unter Druck – „What a funny world…”
Der Euro eröffnet heute morgen (07.35 Uhr) bei 1.4005, nachdem in Fernost Tiefstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.3933 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 90.15. In der Folge notiert EUR-JPY bei 126.30, während EUR-CHF bei 1.4720 oszilliert.
Nach zwei Tagen in Zürich auf der hochkarätig besetzten Kapitalanlegertagung der ZfU im Vorwege des Wirtschaftsforums in Davos und leichter Distanz zum Tagesgeschäft drängen sich einige Themen zu dem EUR-USD Geschehen auf.
Der US-Offenmarktausschuß hat die Leitzinsen erwartungsgemäß nicht verändert. Die Leitzinsen werden für eine längere Periode auf dem niedrigen Niveau bleiben. Hoenig (Fed Kansas) votierte gegen dieses Statement.
Damit signalisiert der Offenmarktausschuß, daß die wirtschaftlichen Konditionen diese Zinspolitik erlauben oder sogar erfordern. Die Hoffnungswerte einer zügigen Veränderung der Zinspolitik in den USA, die zunächst (November/Dezember) als Vehikel für USD-Käufe herhalten mußten, sind nicht haltbar. Diese Sichtweise wurde auch in Zürich unter anderem von Herrn Mauldin und anderen „Großkopferten“ geäußert.
US-Präsident Obama betonte in seiner gestrigen Rede, den Fokus auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze in den USA zu legen. Nachdem Obama deutlich an Unterstützung in der USBevölkerung verloren hat, sollte man seine Aussagen nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Obama ist in einer Lieferpflicht, wenn er die Kongresswahlen im November nicht aufs Spiel setzen will. Hier stellt sich die Frage, ob ein festerer USD für die Schaffung von Arbeitsplätzen in den USA hilfreich sein kann. Die Exportchancen werden mit einem festen USD nicht forciert. Im Gegenteil verschlechtert sich die Ausgangsposition am US-Arbeitsmarkt. Ergo darf die USRegierung wie gewohnt von der Politik des festen USD reden, aber eine Politik eines graduell fallenden USD verfolgen.
Wenden wir uns dem Thema Griechenland zu. Ich habe mich sehr gefreut, daß Norbert Walter in Zürich das Thema Griechenland ähnlich begleitet, wie wir in diesem Format vor geraumer Zeit.
Sein O-Ton lautete, daß Griechenlands Signifikanz in der Eurozone der des Saarlands für die Bundesrepublik entspricht. Weder scheitere die Bundesrepublik am Saarland trotz latent verfehlter Politik noch die Eurozone an Griechenland.
Mauldin nahm das an dieser Stelle bereits aufgenommene Thema der Schieflagen der Bundesstaaten Kaliforniens, New Yorks oder Illinois auf. Im Gegensatz zum Thema Griechenland, das adressiert wird, werden die Probleme in den genannten Staaten nicht nachhaltig angegangen.
Das Beispiel Illinois ist hier geeignet, das Problem zu verdeutlichen. Das Gesamtbudget per 2010 steht bei 52 Mrd. USD, das bisher unfinanzierte Defizit wird 7,2 Mrd. USD ausmachen. Die Pensionskassen sind mit 95 Mrd. USD unterdotiert. Pro Jahr sind zukünftig 10 Mrd. USD in die Pensionskassen einzustellen. Das ist doch mal ein Elefant im Porzellanladen!
Asymmetrische Wahrnehmung von Problemen mit folgender Fehlallokation des Produktionsfaktors Kapital ist ein wiederkehrendes Phänomen nicht nur an Finanzmärkten. Märkte sind im Widerspruch zur Theorie der „Chicago School of Economics“ nicht effizient (Neuer Markt, USImmobilienmarkt).
„Genießen wir die asymmetrische Wahrnehmungen, solange sie anhalten …!“
Während die Eurozone mit überwiegend guten Daten aufwartet, bieten die USA ein weniger erbauliches Datenumfeld. Als Beispiel für Europa fügen wir den IFO Index per Januar mit einem unerwarteten starken Anstieg von 94,6 auf 95,8 (Prognose 95,2) Punkten an. Der Index markierte das höchste Niveau seit Juli 2008!

Der Absatz neuer Immobilien enttäuschte per Dezember 2009 mit einem Rückgang von revidiert 370.000 auf 342.000 Objekte auf annualisierter Basis. Seit der Erholung im Juni 2009 mit circa 420.000 Objekten ergibt sich ein ernüchterndes Bild. Im Jahresvergleich stellte sich ein Rückgang um -8,6% ein. Eine nachhaltige Erholung oder Trendwende ist hier nicht erkennbar.

Die Revision der ISM-Indices passt in das Bild einer unbefriedigenden US-Konjunkturlage. Der ISM-Manufacturing Index wurde per Dezember von zuvor 55,9 auf 54,9 Punkte revidiert. Mithin fällt die Expansion weniger deutlich aus. Der Beschäftigungsindex erfuhr eine Anpassung von 52,0 auf 50,2. Das ist ein schelchtes Omen für die Entwicklung des US-Arbeitsmarkts. Der Auftragsindex wurde von 65,5 auf 64,9 Punkte revidiert.
Der ISM-Dienstleistungsindex wurde per Dezember von 50,1 auf 49,8 Punkte zurückgesetzt.
Mithin ergab sich per Dezember in diesem Sektor en leichter Rückgang. Der Beschäftigungsindex wurde von 44,0 auf 43,6 Punkte revidiert. Das impliziert deutliche Arbeitsplatzverluste.
Bezüglich der heute anstehenden Veröffentlichungen verweisen wir auf die unten angeführte Datenbox. Wir werden uns morgen dezidiert
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD favorisiert. Ein Überwinden des Widerstands bei 1.4170 – 00 neutralisiert den negativen Bias des Euros.
Termine am 28.1.2010:
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
|---|---|---|---|---|
| D | Arbeitslosenrate saisonal bereinigt Januar | 8,1% |
8,2% |
(10.00) liegt der Konsensus wieder falsch? |
| EU | „Economic Sentiment“ Januar | 91,3 |
92,4 |
(11.00) Weiterer Anstieg favorisiert. |
| USA | Erstanträge Arbeitslosenhilfe 23.1. | 482.000 |
450.000 |
(14.30) War's nur ein Ausrutscher? |
| USA | Auftragseingang langlebiger WG Dez. | -0,7% |
+2,0% |
(14.30) Optimismus dominiert. |
| USA | Chicago Fed National Activity Index Dez. | -0,32 |
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(14.30) Keine Prognose erhältlich. |
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