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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
19. Januar 2010
Unwesentliche Veränderungen am Devisenmarkt
Der Euro eröffnet heute morgen (07.35 Uhr) bei 1.4395, nachdem im asiatischen Handel Höchstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.4414 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 90.45. In der Folge notiert EUR-JPY bei 130.20, während EUR-CHF bei 1.4750 oszilliert.
Die griechischen Budgetpläne sind Almunias Meinung nach angemessen, um das Defizit zu verringern. Der Plan beinhalte ambitionierte Ziele, die Ausgaben zu verringern und Steuereinnahmen zu erhöhen. Die Finanzminister werden regelmäßige Gespräche mit der griechischen Regierung hinsichtlich der Umsetzung per 2010 führen.
Diese Bewertung durch Almunia erfreut. Sie beinhaltet eine qualitative Aussage. Genauso wichtig ist jedoch die Tatsache, daß über die Fortsetzung der Gespräche eine „Kontrolle“ erfolgt. Die Finanzkrise hat nur zu deutlich gemacht, daß Selbstbeschränkung und Selbstregulierung nicht die Erfolge mit sich bringen, die nicht nur wünschenswert, sondern notwendig sind.
Noyer betonte, daß Griechenland das eigene Budgetproblem selbständig lösen müsse. Er sei zuversichtlich, daß Griechenland dabei erfolgreich sein werde. Die Mitgliedschaft in der Eurozone sei für diesen Prozeß sehr hilfreich.
Diese Bemerkung ist zu begrüßen. Zunächst ist Griechenland für sein eigenes Schicksal verantwortlich. Implizit erfährt Griechenland in der Tat durch die Mitgliedschaft in der Eurozone eine Risikoabschirmung, die Zimbabwe beispielsweise nicht hatte.
Almunia sagte, daß die konjunkturelle Erholung in der Eurozone fragil sei. Es gebe ein höheres Maß an Unsicherheit. Die Fiskalpolitik sollte weiter expansiv gestaltet werden.
Derzeit hören wir von all denen, die die Erholung in 2009 nicht in der Form antizipiert hatten, daß die Erholung fragil sei und Unsicherheit gegeben sei.
Zunächst gilt das nicht für China oder Brasilien und Indien, die deutlich Anzeichen selbst
tragenden Aufschwungs liefern. Schwellenländer haben einen Anteil von circa 47% an dem Welt BIP. Das beruhigt schon mal und hat mindestens stabilisierende Auswirkungen auf starke Exportländer.
Natürlich ist die Erholung hinsichtlich der Tatsache, daß die fiskalische Intervention neben der zins- und geldpolitischen Intervention wesentlicher Katalysator der konjunkturellen Belebung war und ist, als fragil zu bezeichnen. Das kann nicht abgestritten werden. Das ist aber überhaupt keine Neuigkeit. Die Interventionen sollten ja genau diese Belebung mit sich bringen.
Hinsichtlich der Tatsache, daß weder die EZB noch die EU oder der IWF und andere Prognoseeinrichtungen diese Erholung per 2009 erwartet hatten, sollte die positive Überraschung bei diesen Damen und Herren dominieren. Das ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil wird fortgesetzt Skepsis öffentlich gesät. Wir nehmen das nicht vollkommen unirritiert zur Kenntnis.
Heute steht der deutsche ZEW-Sentimentindex per Januar auf der Agenda. Der Index soll laut Konsensusprognose von zuvor 50,4 auf 49,5 Punkte sinken. Damit ergäbe sich der vierte Rückgang in Folge seit dem letztjährigen Höchstwert per September bei 57,7 Zählern.
An der Entwicklung der letzten Monate läßt sich die Nervosität der Finanzmarktteilnehmer deutlich erkennen. Der beigefügte langfristige Chart verdeutlicht, daß losgelöst von der antizipierten Veränderung sich das Indexniveau auf positivem Terrain bewegt.

Aus den USA stehen die „TIC“-Kapitalzuflüsse per November auf der Agenda. Hier wird nur die Teilmenge der Bewegung der Zu- und Abflüsse im langfristigen Sektor erfaßt. Die zeitliche Nähe fehlt. Die Revisionsanfälligkeit ist sehr hoch. Die Veränderungen der Kapitalbilanz hatte im November Auswirkungen am Devisenmarkt. Wir nehmen diese Datenreihe zur Kenntnis.
Im Vormonat lag der Zufluß bei 20,7 Mrd. USD. Für den Berichtsmonat ist keine Prognose erhältlich.

Heute abend erfolgt die Veröffentlichung des viel beachteten „NAHB-Housing Market Index“ per Januar. Dieser Index gilt als Frühindikator für den Wohnimmobilienbereich.
Dieser Index markierte zu Anfang des Jahres 2009 historische Tiefstwerte bei 8 Punkten. Per September ergab sich ein Anstieg auf 19 Zähler. Seitdem kommt es zu leichten Rückgängen auf 16 Punkte per Dezember. Analysten erwarten einen Anstieg auf 17 Punkte.
Hinsichtlich der überwiegend negativen Meldungen aus dem Wohnimmobilienbereich bezüglich auslaufender Steuersubvention sind negative Überraschungen nicht ausgeschlossen.
Wir verweisen darauf, daß der neutrale Wert dieses Index bei 50 liegt. Mithin beschreibt das aktuelle Niveau losgelöst von der antizipierten Veränderung eine unverändert virulente Krisenlage!

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Ein nachhaltiges Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.4200-30 dreht den Bias des Euros auf „Negativ“, während ein deutliches Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.4690-1.4720 verstärktes Aufwärtspotential impliziert. Dieses Widerstandsniveau ist gegenüber gestern nach oben angepaßt worden, um das Risiko von Fehlsignalen zu minimieren.
Termine am 19.1.2010:
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
|---|---|---|---|---|
| D | ZEW-Sentimentindex Jan. | 50,4 |
49,5 |
(11.00) Die Befindlichkeit der befragten Finanzmarktteilnehmer ist nervöser. |
| USA | TIC-Kapitalzuflüsse Nov. | +20,7 |
--- |
(15.00) Es fehlt die zeitliche Nähe |
| USA | NAHB-Housing Market Index Jan. | 16 |
17 |
(19.00) Enttäuschung nicht ausgeschlossen. |
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