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Forex - Tageskommentar

von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank

12. Januar 2010

Ifo, Isae und Insee mit konjunkturellen Vorbehalten – Herr Rehn (EU) bezieht Position!

Der Euro eröffnet (07.10 Uhr) bei 1.4495, nachdem gestern im europäischen Handel Höchstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.4556 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 92.25. In der Folge notiert EUR-JPY bei 133.75, während EUR-CHF bei 1.4755 oszilliert.

Drei Wirtschaftsinstitute der Eurozone (Ifo, Isae, Insee) erwarten in diesem Jahr eine unterproportionale Erholung der Wirtschaft in der Eurozone. Als Begründung führen sie rückläufige Konjunkturprogramme, restriktive Kreditvergabe, zunehmende Sparneigung und ansteigende Arbeitslosigkeit an. Wir nehmen diese Sichtweisen, die von konjunkturellen Vorbehalten geprägt sind, zur Kenntnis.
Im Hinblick auf den „Trackrecord“ der wissenschaftlichen Institute, die sich Anfang 2008 im konjunkturellen Überschwang befanden und auch nicht ansatzweise das Krisenszenario erkannten oder begriffen, die Anfang 2009 nahezu eine Depression ausriefen und damit den „Turnaround“ der Weltwirtschaft vollkommen verpaßten, ist Vorsicht geboten.
Die angeführten Argumente sehen auf ersten Blick charmant aus. Bezüglich der auslaufenden Konjunkturprogramme ergeben sich aktuell in Japan und China und in der Diskussion in den USA entgegengesetzte Entwicklungen. In einer global vernetzten Welt macht es nicht Sinn, sich solitär auf europäische Programme zu fokussieren, um zu einer Trendaussage bezüglich der Konjunktur zu kommen.
Die restriktive Kreditvergabe ist in der Tat ein Problem. Banker, die erst den Begriff Risiko nicht verstanden, sind heute von diesem Begriff in der Ausgestaltung ihrer Tätigkeit vollständig eingenommen. Mit anderen Worten wird hier zweimal von derselben Klientel ein Versagen in der Wahrnehmung der volkswirtschaftlichen Funktionen geliefert. Das läßt Aussagen über die Qualität dieser Eliten“ zu. Hier besteht in der Tat Handlungsbedarf, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten.
Die zunehmende Sparneigung ist fraglos in den USA erkennbar. Darüber hinaus sind Festlegungen im Hinblick auf die globale Situation als ambitioniert zu betrachten.
Gleiches gilt für die Arbeitslosigkeit. Es stellt sich schon die Frage, ob das Ifo-Institut die rückläufige Arbeitslosigkeit in Deutschland in den letzten sechs Monaten erwartet hatte?
Die nächste Frage bezieht sich auf den internationalen Lagerzyklus. Sind die Lager zu leer oder zu voll? Wir verweisen auf unseren Jahresausblick 2010. Aus dem Lagerzyklus sollte in den nächsten Monaten eine deutliche Belebung der globalen Konjunktur gespeist werden, die zu positiven Überraschungen bezüglich der befürchteten Annahmen zunehmender Arbeitslosigkeit als auch der erwarteten Konsumverweigerung führen sollte.
Schauen wir mal!

Der angehende Kommissar der EU Herr Rehn bezog gestern Stellung. Rehn (EU) sagte, daß die EU eine sehr kritische Situation wegen Griechenland erleben wird. Wieso wird? Das ist bereits der Fall. Griechenland ist auf dem Weg, sich zu restrukturieren. Der IWF mischt jetzt auch mit. Dann muß es doch klappen!
An dem Beispiel Griechenland sollte deutlich werden, daß bei dem Eintritt eines Landes in die Eurozone schärfste Aufmerksamkeit obwalten sollte, um die aktuelle Erfahrung zu vermeiden. Das war bei Griechenland und einigen anderen Aspiranten nicht der Fall!
Estland sei der nächste wahrscheinliche Kandidat für die Aufnahme in die Eurozone sagt Herr Rehn. Werfen wir einen Blick auf einige Daten Estlands: BIP -15,30%, Arbeitslosenrate 14,6%.
Das ist schon sexy! Offensichtlich sind die Lernkurven aus der Vergangenheit nicht sehr ausgeprägt.
Der Euro stelle ein potentielles Risiko für die wirtschaftliche Erholung der Eurozone dar, behauptet Herr Rehn. Nun, man könnte eher sagen, daß die Verwässerung bei den Aufnahmestandards in die Eurozone ein reales und nicht nur ein potentielles Risiko für die Eurozone darstellt!
Ein fester Euro hat seine Vorteile:

  • Keine importierte Inflation,
  • Erhaltung der Kaufkraft für Konsum,
  • Und Verbilligung der Rohstoffeinkäufe auf USD-Basis mit daraus resultierenden komparativen Vorteilen für die Unternehmen.

Wollen wir darauf verzichten Herr Rehn?

Heute steht lediglich die Veröffentlichung der US-Handelsbilanz per November auf der Agenda.
Analysten erwarten ein Defizit in Höhe von -34,8 nach zuvor -32,9 Mrd. USD. Es ist auffällig, daß mit der stabilisierten US-Konjunkturlage ein Wiederanstieg der Defizite einhergeht. Mit anderen Worten wird hier der Beleg geliefert, daß es sich bei diesem Defizit um ein strukturelles Problem handelt.

chart

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den EUR gegenüber dem USD favorisiert. Ein nachhaltiges Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.4370-00 dreht den Bias des Euros auf „Neutral“.

 

Termine am 12.1.2010:

  Daten zuletzt: Konsensus: Bewertung:
USA Handelsbilanz Nov.
-32,94 Mrd.
-34,80 Mrd.
(14.30) Tendenz zu höheren Defiziten bei verbesserter Wirtschaftslage.

 

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