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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
7. Januar 2010
Offenmarktausschuß thematisiert Schwächen und Risiken in der Erholung und zeigt sich uneinig in der Bewertung…
Der Euro eröffnet (06.35 Uhr) bei 1.4390, nachdem heute im asiatischen Handel Höchstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.4446 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 92.20. In der Folge notiert EUR-JPY bei 132.70, während EUR-CHF bei 1.4795 oszilliert.
Das Protokoll der letzten Offenmarktausschußsitzung lieferte bekannte Positionen. Die USZentralbank unterstellte die Fortsetzung der langsamen Erholung, die im Vergleich zu früheren Erholungsphasen bezüglich Wachstum und Beschäftigung unterproportional ausfällt. Dieses bisherige Ergebnis muß vor dem Hintergrund der aggressivsten Stimulierungsmaßnahmen in der Geschichte der USA als ernüchternd klassifiziert werden. Es ist insbesondere Ausdruck der strukturellen US-Problematik, die geprägt ist von einem unausgeglichenen Mix der Volkswirtschaft
mit zu wenig Produktion und zu viel Konsum als auch unverändert hoch verschuldeten privaten Haushalten, die von der prekären Arbeitsmarktsituation und den unverändert nachhaltigen Verwerfungen am Immobilienmarkt betroffen sind. Genau diese strukturelle Problematik führt neben weiteren Themen (Glaubwürdigkeitsdefizite, u.a. Basel II, Bilanzierungsstandards, Aufsichtsproblematik) dazu, daß die USA dem Tempo der Erholung der Weltwirtschaft hinterherlaufen.
Der Offenmarktausschuß erkennt keinen nachhaltigen Inflationsdruck. Man wird an der Niedrigzinspolitik längerfristig festhalten. Hier wird deutlich, daß die zuletzt häufiger thematisierte Erwartungshaltung mancher Marktteilnehmer einer zügigen Neuausrichtung der USZentralbankpolitik in Richtung Zinserhöhung mindestens als ambitioniert betrachtet werden muß.
Einige Teilnehmer äußerten die Sorge, daß die geplante Beendigung des MBS-Ankaufprogramms die Stabilisierung am Wohnimmobilienmarkt gefährden könnte. Fakt ist, daß gerade die aktuellen Daten diese Sorgen unterfüttern. Der US-Wohnimmobilienmarkt ist offensichtlich nicht in der Lage, ohne Steueranreize (aktuell auslaufend) und Fed-Intervention im MBS-Bereich Stabilität zu liefern.
Die Bewertungen bezüglich der Wachstums- und Inflationsrisiken fallen im Gremium unterschiedlich aus. Zentralbanken, die Uneinigkeit nach außen dokumentieren, bieten damit
grundsätzlich keine erhöhte Attraktivität für die eigene Währung. Zusammenfassend muß das Protokoll als ernüchternd für USD-Bullen bezeichnet werden.
Die Veröffentlichungen aus der Eurozone lieferten gestern ein uneinheitliches Bild, ohne das Thema Fortsetzung der Erholung zu gefährden.
Der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor verzeichnete einen Anstieg von 53,0 auf 53,6 Punkte und verfehlte damit die Konsensusprognose bei 53,7 Punkten unwesentlich. Fakt ist, daß die Expansion an Traktion gewinnt und zunehmend den Begriff solide verdient.
Der Auftragseingang der Industrie sank im Monatsvergleich unerwartet stark per Oktober um -2,2%. Die Prognose war bei „nur“ -1,1% angesiedelt. Wir sehen hier Verwerfungen, die mit dem
Auslaufen der Abwrackprämie in Deutschland (Okt -2,1%) in Zusammenhang stehen. Ergo handelt es sich um eine temporäre Anomalie. Der Vormonatswert wurde von +1,5% auf +1,7% revidiert. Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um -14,5% nach zuvor -16,3% (revidiert von -16,5%)

Die Erzeugerpreise der Eurozone legten im Monatsvergleich um 0,1% zu (Prognose +0,2%). Der Vormonatswert wurde von +0,2% auf +0,3% revidiert. Im Jahresvergleich ergab sich damit ein Preisrückgang um -4,4% nach zuvor -6,6%. Die Veröffentlichung zeitigte keine Marktwirkung. Das deflationäre Umfeld in dieser Datenreihe steht im Zenit.

Der US-Challenger Report per Dezember, der Auskunft über angekündigte Massenentlassungen gibt, offerierte weiter entspannende Daten. Im Monatsvergleich ergab sich ein Rückgang um -10,4% auf 45.090 nach zuvor 50.350 betroffene Jobs. Im Jahresvergleich lag der Rückgang bei -72,9% nach zuvor -72,3%. Der beigefügte langfristige Chart belegt, daß das Niveau der angekündigten Massenentlassungen nach Erfassung des „Challenger Reports“ damit im Bereich der „Durchschnittlichkeit“ gelandet ist.

Der ADP-Beschäftigungsreport per Dezember enttäuschte die Marktbeobachter leicht mit angeblich 84.000 verlorenen Jobs in der Privatwirtschaft. Die Prognose war bei -73.000 angesiedelt. Im Buschfunk wurde auch von nur -50.000 gesprochen. Der Chart verdeutlicht die Stabilisierung am US-Arbeitsmarkt. Die negative Dynamik ebbt nachhaltig ab. Fakt ist aber weiterhin, daß Jobs verloren werden. Ergo nimmt die Arbeitslosigkeit noch zu.

Der ISM-Dienstleistungsindex konnte die positiven Erwartungen per Dezember nicht erfüllen. Der Index legte von zuvor 48,7 auf 50,1 Punkte zu. Die Konsensusprognose lag bei 50,5 Punkten. Der Index hat sich damit knapp auf expansives Niveau mit über 50 Punkten „gerettet“.
Die Subindices lieferten ein gemischtes Bild. Der Geschäftsaktivitätsindex legte von 49,6 auf 53,7 Zähler deutlich zu. Dagegen sank der Auftragsindex von 55,1 auf 52,1 Punkte. Der Beschäftigungsindex verbesserte sich von 41,6 auf 44,0 Punkte.

Bezüglich der heute anstehenden Daten verweisen wir auf die unten angeführte Datenbox. Der Fokus liegt auf europäischen Daten. Der „Sentiment Index“ und die Zinsentscheidung/Begründung der BoE sind von hervorgehobener Bedeutung. Wir werden uns morgen mit den Ergebnissen dezidiert beschäftigen.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das zunächst eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Ein nachhaltiges Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.4450-80 dreht den Bias des Euros auf „Positiv“.
Termine am 7.1.2010:
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
|---|---|---|---|---|
| EU | „Economic Sentiment Index“ Dez. | 88,8 |
90,0 |
(11.00) Weiterer Anstieg erwartet. |
| EU | Einzelhandelsumsätze (M/J) Nov. | 0,0%/-1,9% |
0,1%/-1,9% |
(11.00) Keine neuen Erkenntnisse. |
| D | Auftragseingang Industrie Nov. | -2,1% |
+1,5% |
(12.00) Unordnung aus Abwrackprämie bereinigt?. |
| UK | Bank of England Jan. | 0,50% |
0,50% |
(13.00) „Steady hand!“ |
| USA | Erstanträge Arbeitslosenhilfe 2.1. | 432.000 |
447.000 |
(14.30) Keine neuen Erkenntnisse. |
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