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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
18. Dezember 2009
EUR-USD schwach – enge Liquidität als Katalysator stochastischer und politischer Preise
Der Euro eröffnet (07.30 Uhr) bei 1.4375, nachdem gestern im US-Handel Tiefstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.4305 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 89.60. In der Folge notiert EUR-JPY bei 128.85, während EUR-CHF bei 1.4975 oszilliert.
Die letzten Tage führten zu nachhaltigen Verwerfungen an den Devisenmärkten. Dabei spielte und spielt neben Markttechnik die zunehmende Illiquidität der Märkte eine wesentliche Rolle. Die Preisentwicklung fällt vor diesem Hintergrund ein Stück weit zufällig (stochastisch) aus. Die nächste Order gewinnt.
Das politische Interesse der Zentralbanken und Regierungen darf hier nicht vernachlässigt werden. Wir erinnern an Herrn Juncker, aber auch an Herrn Trichet und das Gejammere von EADS/Airbus. Dieses Unternehmen versäumte es offensichtlich bei 1.25 – 1.30 Absicherungsstrategien gegen einen schwachen USD umzusetzen. Wir erinnern an einige Freitage mit ungewöhnlichen Marktreaktionen erheblicher Amplitude zu Gunsten des USD, die die Teilnahme unüblicher Marktteilnehmer nahelegten.
In diesen illiquiden Marktlagen kann verdeckte Intervention sehr nachhaltige Wirkung entfalten.
Das gilt um so mehr, als daß hinsichtlich des Bilanzierungsstichtags am 31.12. die Sensibilität derjenigen Marktteilnehmer, die strategische Positionen unterhalten, als hoch einzustufen ist, Verwerfungen der Ertragssituation zu vermeiden. Diese strategischen und sensiblen Positionen werden derzeit unter anderem aus dem Markt gedrängt.
In der Folge erfreut sich der USD fulminanter Stärke, das GBP reüssiert losgelöst von irgendwelchen britischen Problemen, der CHF ist gesucht, SNB hin oder her, und der JPY erfreut sich solider Nachfrage, was die deflationären Probleme in Japan tendenziell verschärft (siehe „Letzte Nachrichten“ Japan).
Einschub „Letzte Nachrichten“ :
Die Bank of Japan hat erwartungsgemäß den Leitzins bei 0,1% belassen. Nach Ansicht der BoJ nimmt die Konjunktur Fahrt auf. Das Wachstum werde bis Mitte 2010 moderat bleiben. Das Momentum für eine selbsttragende Erholung sei nicht ausreichend. Man sei nicht bereit, Verbraucherpreise unterhalb von 0% zu tolerieren. Das Überwinden der Deflation stelle eine kritische Herausforderung dar. Instabile Währungen können die Wirtschaft zukünftig belasten.
Man könnte beinahe daraus folgern, daß es doch ein „Free Lunch“ für Sünder nicht nur auf Bankenebene gibt, nein, aktuell drängt sich der Eindruck auf, daß ganze Volkswirtschaften diesen Genuß erfahren dürfen.
Die Betonung liegt auf „aktuell“. Das jetzige Marktumfeld stellt eine Anomalie dar, die diese Entwicklungen erlaubt. Mithin geht es um ein temporäres „Free Lunch“!
Das wird an den Einlassungen des chinesischen Zentralbankers Zhu Min deutlich. Der chinesische Zentralbanker Zhu Min sagte, der USD wird sich weiter abschwächen. Es wird im Zeitverlauf kritischer für fremde Nationen US-Treasuries zu erwerben. Wenn die USA ihr Defizit durch die Kombination von erhöhter Ausgabe von US-Treasuries und verstärktem Gelddrucken finanzieren (… wie derzeit), sei es unausweichlich, daß sich der USD weiter abschwäche. Diese Einlassung trifft einen wesentlichen Kern des Problems.
Wenden wir uns den gestrigen Veröffentlichungen aus den USA zu:
Die Arbeitslosenerstanträge enttäuschten per 12.12.2009 mit einem unerwarteten Anstieg von 473.000 (zuvor 474.000) auf 480.000. Die Prognose lag bei 465.000.
Der Chart verdeutlicht die positive Tendenz in Richtung einer Stabilisierung des US-Arbeitsmarkts losgelöst von dem „Getöse“ aus der Wochenbetrachtung.

Die US-Frühindikatoren nach Lesart des „Conference Board“ verzeichneten per November einen Anstieg um 0,9% nach zuvor 0,3%. Die Prognose war bei 0,7% angesiedelt. Der Blick auf den Chart verdeutlicht, daß es seit März 2009 kontinuierlich zu Zunahmen kommt. Mithin ergab sich hier ein positiver Überraschungswert.

Der „Philadelphia Fed Survey“ setzte mit einem nicht erwarteten Anstieg von 16,7 auf 20,4 Punkte positive Akzente. Damit markierte der Index das höchste Niveau seit Anfang 2005. Die Prognose lag bei 16,0 Zählern.
Die Subindices offerierten dagegen ein weniger überzeugendes Bild. Der Auslieferungsindex sank von 15,7 auf 15,3 Punkte. Der Auftragsindex verlor deutlich von 14,8 auf 6,5 Punkte. Der Beschäftigungsindex legte von -0,5 auf +6,3 Punkte zu und erreichte damit das höchste Niveau seit Oktober 2007.

Insgesamt unterstreichen die Daten aus den USA eine positive konjunkturelle Entwicklung.
Hinsichtlich der Konjunkturentwicklung der Weltwirtschaft bleibt es dabei, daß die USA hinterherhinken.
Heute steht der deutsche IFO-Index per Dezember im Mittelpunkt des Interesses. Analysten unterstellen einen Anstieg von zuvor 93,9 auf 94,5 Punkte. Die Hintergrundgeräusche, die für uns aus dem deutschen Unternehmenssektor durchdringen, implizieren ein leicht positives Überraschungspotential.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das zunächst eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Ein nachhaltiges Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.4720-50 dreht den Bias des Euros auf „Positiv“.
Dies war der letzte Forex Report per 2009; ab dem 4. Januar 2010 wird dieser Service wieder aufgenommen.
Ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest sowie ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2010.
Termine am 18.12.2009:
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
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| D | IFO Geschäftsklimaindex Dez. | 93,9 |
94,5 |
(10.00) Weiterer Anstieg erwartet. |
| EU | Leistungsbilanz saisonal bereinigt Okt. | -5,4 Mrd. |
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(10.00) Keine Prognose erhältlich. |
| EU | Handelsbilanz Okt. | 3,7 Mrd. |
5,8 Mrd. |
(11.00) Weiterhin solide Überschuß. |
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