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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
7. Dezember 2009
Positiv überraschende US-Arbeitsmarktdaten als Katalysator für stärkeren USD!
Der Euro eröffnet (07.50 Uhr) bei 1.4890, nachdem am Freitag im US-Handel Tiefstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.4821 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 89.90. In der Folge notiert EUR-JPY bei 133.80, während EUR-CHF bei 1.5105 oszilliert.
Am Freitag stand der US-Arbeitsmarktbericht im Fokus des Finanzmarkts. Per November ergab sich eine deutlich positivere Entwicklung, als von Analysten im Vorwege in ihren Prognosen unterstellt.
Die Arbeitslosenrate sank von zuvor 10,2% auf nun 10,0%. Die Prognose war bei 10,2% angesiedelt. Die von uns hinsichtlich der Vergleichbarkeit mit Europa bevorzugte Quote U-6 (Table A12, BLS) sank von einem Jahreshöchstwert bei 17,5% auf den zweithöchsten Wert des Jahres bei 17,2%.
Die Beschäftigung außerhalb des Agrarbereichs setzte positive Signale mit Jobverlusten in Höhe von „nur“ -11.000. Die Prognose war bei -130.000 abgesiedelt. Der Vormonatswert wurde darüber hinaus von -190.000 auf -111.000 revidiert. Der Septemberwert erfuhr eine markante Revision von zuvor -219.000 auf -139.000.

Damit zeichnete sich für die letzten drei Monate ein letztlich entspannteres Bild ab, als zunächst vom Bureau of Labour Statistics veröffentlicht. Der Unterschied zur Konsensusprognose beträgt für diesen Dreimonatsbereich durchaus beachtliche 278.000 Jobs. Gleichwohl darf nicht vernachlässigt werden, daß sich per November der 23. Monat in Folge mit Jobverlusten ergab.
Die durchschnittlichen Löhne legten per November im Monatsvergleich um 0,3% nach zuvor 0,1% zu. Die Wochenarbeitszeit nahm im Monatsvergleich um 0,6% zu, nachdem im Vormonat das historisch tiefste Niveau bei 33,0 Stunden markiert wurde. Der aktuelle Wert stellt sich auf 33,2 Stunden.
Mithin ist der Datenpotpourri auf ersten Blick als Ausdruck einer sich anbahnenden Trendwende am US-Arbeitsmarkt interpretierbar. Die Betonung liegt auf „ersten Blick“!
Den Rückgang der Quote von 10,2% auf 10,0% als Trendwende zu interpretieren ist gewagt, da sich die Partizipationsrate am Arbeitsmarkt von 65,1% auf 65,0 abschwächte.
Hier wurde der schwächste Wert seit 24 Jahren (1985) markiert! Genau dieser Wert mahnt zur Vorsicht bei einer allzu überschwenglichen Reaktion am Finanzmarkt!
In diese Richtung zielen die Einlassungen des US-Finanzministers. US-Finanzminister Geithner erklärte, daß es Fortschritte am US-Arbeitsmarkt gäbe. Das sei aber nicht gut genug. Er zeigt sich zuversichtlich, daß die Arbeitslosigkeit in einem Jahr unterhalb der Marke von 10% liegen wird.
Der Finanzmarkt spielte adhoc in der USD-Bewertung das Inflationsthema. Hinsichtlich unserer Einwertung insbesondere bezüglich der Partizipationsrate ist dieses Reaktionsmuster bezüglich endogen forcierter Inflation aus dem Arbeitsmarkt heraus als lächerlich einzustufen. Herr Bullard von der Fed stimmt uns diesbezüglich umfänglich zu. Bullard (Fed) erklärte, daß Inflation 2010 kein Problem darstellen werde. Es sei nicht auszuschließen, daß es später ein Problem werden könne
Zusammenfassend läßt sich konstatieren, daß die aktuellen US-Arbeitsmarktdaten in vielen Facetten ermutigend sind. Es handelt sich jedoch nicht um den großen Wurf. Die Quote U-6 bei 17,2% und die Partizipationsrate bei 65,0% mahnen hier zu einer nüchternen Betrachtung.
Unsere These, daß die USA der konjunkturellen Entwicklung der Weltwirtschaft hinterherhinken, läßt sich auch nach diesem Datensatz unverändert nachhaltig belegen.
Aus diesen US-Arbeitsmarktdaten dauerhafte Attraktivität für den USD ableiten zu wollen, ist ein ambitioniertes Unterfangen. Seit 23 Monaten ergaben sich in den USA durchgehend Arbeitsplatzverluste.
Nehmen wir Deutschland als Vergleich:
Seit Juli 2009 sinkt die Anzahl der Arbeitslosen. Der Tiefpunkt der Arbeitslosigkeit wurde per Oktober 2008 markiert. Mithin ergab sich nur für einen Zeitraum von 8 Monaten eine Zunahme der Arbeitslosigkeit.

Werfen wir einen Blick auf die Eurozone:
Die Arbeitslosigkeit verharrte per Oktober (letzter Berichtsmonat) bei 9,8% (Vergleich zu 17,2%).
Der Tiefpunkt der Quote wurde per März 2008 bei 7,2% markiert. Ergo ergibt sich hier eine zunehmende Tendenz seit 20 Monaten mit einer Amplitude von 2,6%. (USA 32 Monate vom Tiefpunkt 4,4% per 03/2007 mit einer Amplitude con +5,8%).

Werfen wir einen Blick auf Brasilen:

© Reuters
Werfen wir einen Blick auf Rußland:

©Reuters
Werfen wir einen Blick auf Japan:

Alle diese Daten und Charts bestätigen eine Aussage. Die US-Wirtschaft und der US-Arbeitsmarkt hinken dem Rest der Welt hinterher und das trotz eines US-Budgetdefizits in der Größenordnung von circa 10%. Mithin ist die Qualität der Stabilisierung oder potentiellen Expansion in den USA ungleich kritischer zu würdigen als im Rest der Welt.
Der Auftragseingang legte in den USA per Oktober im Monatsvergleich um 0,6% zu (Prognose 0,0%). der Vormonatswert wurde von +0,9% auf +1,6% revidiert. Das Thema Erholung der USWirtschaft erfährt hier eine Bestätigung.

Bezüglich der heute anstehenden Veröffentlichungen verweisen wir auf die unten angeführte Datenbox. Wir werden uns morgen dezidiert mit den Ergebnissen auseinandersetzen.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den EUR gegenüber dem USD favorisiert. Ein nachhaltiges Unterschreiten der Unterstützung bei 1.4800 - 30 neutralisiert den positiven Bias des Euros.
Termine am 7.12.2009:
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
|---|---|---|---|---|
| D | Auftragseingang Industrie Okt. | +0,9% |
+0,6% |
(12.00) Fortsetzung des Aufschwungs. |
| USA | Verbraucherkredite Okt. | -14,8 Mrd. |
-9,3 Mrd. |
(21.00) Sparen ist eine Tugend ... |
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