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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
19. November 2009
EUR/USD stabil – Weltkonjunktur auf guten Pfad – USA hinken deutlich hinterher!
Der Euro eröffnet heute (07.30 Uhr) bei 1.4925, nachdem im US-Handel Höchstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.4989 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 89.10. In der Folge notiert EUR-JPY bei 132.90, während EUR-CHF bei 1.5110 oszilliert.
Die Konjunktur in Asien, in Lateinamerika und in Europa läuft weiter gut. Der Datenkranz impliziert nach vorne schauend überwiegend positive oder sogar überraschend positive Signale. In diesen Regionen liegt der Treibsatz der Weltkonjunktur!
In den letzten beiden Tagen standen US-Daten im Mittelpunkt. Hier entwickelt sich der Datenkranz weit weniger erfreulich.
Die Tatsache, daß die USA einer zügig genesenden Weltwirtschaft hinterherhinken wird immer deutlicher.
Damit stellt sich die elementare Frage, ob die US-Märkte geeignet sind, als primäre Signalgeber für die internationale Marktkulisse zu dienen. Immer noch geht der erste Blick in die USA, wenn es um Marktausrichtungen geht. Vor dem Hintergrund der konjunkturellen Entwicklung erscheint dieses Verhalten der Marktteilnehmer fragwürdig zu sein.
Nun sind es nicht nur gewöhnliche Marktteilnehmer, die für diese Verhaltensweise verantwortlich sind. Der Computerhandel (automatische Vernetzung mit allen Märkten) ohne direkte Einmischung des „Humankapitals“ ist ebenso dafür verantwortlich. Was hat ein schlechter Quartalsbericht von Unternehmen X der Branche Y mit dem gesamten DAX zu tun? Was haben Neubaubeginne in den USA für Auswirkungen auf Bayer oder BASF? Es stellt sich die Frage, ob diese hochkomplexen Systeme der Sache einer angemessenen Bewertung dienen oder vor allen Dingen den pekuniären Interessen ihrer Herren.
Diese Diskussion ist zukünftig zu führen, schließlich geht es um eine angemessene Bewertung der wirtschaftlichen Aktiva dieser Welt. „Food for thought!“
Wenden wir uns damit den US-Daten zu. Der Frühindikator des Wohnimmobilienmarkts, der „NAHB-Housing Market Index“ (Dienstag), sank per November unerwartet von 19 auf 17 Punkte.
Analysten hatten einen Anstieg auf 20 Punkte erwartet. Die befragten Bauträger zeigen sich damit in einer verstärkt depressiven Gemütslage.
Der aktuelle Indexstand bei 17 Punkten ist Ausdruck einer weiter voranschreitenden Krise in diesem Sektor. Das neutrale Niveau des Index ist bei 50 Punkten angesiedelt. Der Blick auf den Chart verdeutlicht einerseits eine Bodenbildung und andererseits das unverändert kritische Niveau, das historisch einmalig ist.

US-Neubaubeginne (Mittwoch) lieferten gestern die nächste kalte Dusche. Hier kam es per Oktober zu einem völlig unerwarteten Einbruch von annualisiert 592.000 auf 529.000 Objekte.
Analysten hatten einen leichten Anstieg auf 600.000 Objekte unterstellt.
Dieser Rückgang im Monatsvergleich um -10,6% und im Jahresvergleich um -30,7% nach zuvor -28,0% ist signifikant und belegt mindestens, daß es sich im gegenwärtigen Umfeld in diesem Sektor bestenfalls um eine Bodenbildung mit dem Potential zur Trendwende handelt.
Die Baugenehmigungen verzeichneten gleichfalls einen unerwarteten Rückgang von annualisiert 575.000 auf 552.000, der jedoch deutlich milder als bei den Neubaubeginnen ausfiel. Der Blick auf den Chart der Neubaubeginne verdeutlicht das prekäre Gesamtbild.

Die US-Industrieproduktion (Dienstag) enttäuschte per Oktober mit einem Anstieg um nur 0,1% im Monatsvergleich. Analysten hatten einen Anstieg um 0,4% erwartet. Darüber hinaus wurde der Vormonatswert von +0,7% auf +0,6% revidiert. In der Folge legte die Kapazitätsauslastung von 70,5% auf 70,7% zu. Hier lag die Konsensusprognose bei 70,8%.
Positiv bleibt anzumerken, daß es sich per Oktober um einen Anstieg der Produktion handelt und, daß damit der vierte Anstieg in Folge zu verzeichnen war.

Bezüglich des zuletzt enttäuschenden Ergebnisses des Verbrauchervertrauens der Uni Michigan ergab sich in dem von uns favorisierten „ABC News Money Magazine Consumer Comfort Index“ eine Fortsetzung einer positiveren Bewertung. In der Berichtswoche legte der Index von -46 auf -45 Punkte zu.

Die US-Verbraucherpreise nahmen per Oktober um 0,3% zu. Die Prognose war bei +0,2% angesiedelt. Im Jahresvergleich führte dieses Ergebnis zu einem Rückgang der Verbraucherpreise um -0,2% nach zuvor -1,3%. Die Kernrate stieg um 0,2% im Monatsvergleich. Das übersetzte sich in eine Zunahme um 1,7% nach zuvor 1,5%. Die Ergebnisse liefern keine nachhaltigen neuen Erkenntnisse. Das Thema Preisdeflation steuert erwartungsgemäß das Finale an.

Bezüglich der heute anstehenden Veröffentlichungen verweisen wir auf die unten angeführte Datenbox. Wir werden uns morgen dezidiert mit den Ergebnissen auseinandersetzen.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den EUR gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützung bei 1.4600 - 30 neutralisiert den positiven Bias des Euros.
Termine am 19.11.2009:
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
|---|---|---|---|---|
| USA | Erstanträge Arbeitslosenhilfe 14.11. | 502.000 |
505.000 |
(14.30) Jüngste Tendenz ermutigend, Niveau immer noch problematisch. |
| USA | Frühindikatoren „Conference Board“ Okt. | +1,0% |
+0,5% |
(16.00) Aussage voraussichtlich ermutigend. |
| USA | Philadelphia Fed Business Index Nov. | 11,5 |
12,0 |
(16.00) Leichte Verbesserung favorisiert. |
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