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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
17. November 2009
EUR/USD stabil – US-Daten enttäuschen die Erwartungshaltung – IWF - Fed - USD!
Der Euro eröffnet heute (07.35 Uhr) bei 1.4945, nachdem im US-Handel Tiefstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.4881 dank der Einlassungen von Herrn Bernanke markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 89.10. In der Folge notiert EUR-JPY bei 133.20, während EUR-CHF bei 1.5095 oszilliert.
Gestern meldete sich aus Peking der Chef des IWF zu Wort. IWF-Chef Strauss-Kahn behauptet, daß der USD die nächsten zehn Jahre die wichtigste Leitwährung bleiben wird.
Diese Sichtweise nehmen wir zur Kenntnis. Voraussichtlich wird dieser Prozeß der nächsten zehn Jahre mit einem latenten Bedeutungsverlust in der Funktion als Leitwährung korrespondieren, um
dann in einem neuen System mit multipolarer Ausprägung zu münden. Diesbezüglich sind seine weiteren Einlassungen eine angemessene Arrondierung. Strauss-Kahn merkte an, daß sich die Welt nicht dauerhaft nur auf eine Währung verlassen könne. Er wiederholte seinen Standpunkt, daß eine neue globale Währung aus den Sonderziehungsrechten abgeleitet werden könne.
Laut Bernanke wird die Stärke der US-Wirtschaft die Stärke des USD absichern. Fakt ist, daß sich die USA als letzte Nation mit einem schweren Ballast ungelöster Probleme struktureller Natur aus der Rezession mühselig mit Hilfe von Budgetdefiziten in der Größenordnung von 12% des BIP befreien (Eurozone circa 6% des BIP). Diesen Vorgang als Stärke zu definieren, um die Stärke des USD abzusichern, erfordert eine gehörige Portion Phantasie. „Chapeau!“
Man beobachte den USD genau. Diese Form der Verbalakrobatik impliziert die Androhung von Interventionen welcher Couleur auch immer. In Folge dieser Äußerungen konnte der USD kurzfristig zulegen. Drohungen wirken. Bei zu häufiger Applikation wirken sie jedoch immer weniger dynamisch, zumal wenn sie dabei finanzökonomische Realitäten vernachlässigen.
Der Offenmarktausschuß sieht sehr niedrige Zinssätze in den USA für einen längeren Zeitraum, da nach wie vor konjunkturelle Gegenwinde durch reduzierte Kreditvergabe und schwache Arbeitsmärkte gegeben seien. Na, hier sieht Herr Bernanke dann Hemmschuhe für die Konjunktur in den USA, wobei eben noch von Stärke der US-Wirtschaft die Rede war. So weit ein Ausflug in das Thema „Kognitive Distanz“. Das wird dem USD schon helfen, oder?
Der gestrige Datenreigen begann mit der Veröffentlichung der Verbraucherpreise der Eurozone per Oktober. Im Monatsvergleich stellte sich ein Anstieg um 0,2% ein. Dieses Ergebnis übersetzte sich im Jahresvergleich in einen Rückgang um -0,1% nach -0,3% per September. Damit kam es bezüglich der Konsensusprognose zu einer Punktlandung.
Im Hinblick auf die wesentlichen Basiseffekte aus der Rohstoffpreisentwicklung steuern wir derzeit sukzessive auf das Ende der deflationären Preisentwicklung zu.
Die Kernrate der Verbraucherpreise, also die Preisentwicklung der Güter „ohne Spaß“ (Tabak, Alkohol, Energie), verzeichneten einen Anstieg um 1,2%. Das entsprach exakt dem Vormonatsergebnis. Hier wurde der Höchstwert bei 2,0% im März 2008 markiert. Zu diesem Zeitpunkt lag der gesamte Anstieg der Verbraucherpreise bei 3,6%. Auch daran wird klar, daß das Thema endogener Inflationsdruck auf kleiner Flamme brennt. Mit anderen Worten ist der Preisanstieg, der sich aus der inneren volkswirtschaftlichen Dynamik ergibt, unverändert stabil auf einem Niveau, das Herrn Trichet nicht beunruhigt.

Aus den USA folgte der „NY Fed Manufacturing Survey” per November. Hier kam es zu einem deutlichen Einbruch von zuvor 34,57 auf 23,51 Punkte. Die Prognose war bei 30,00 Zählern angesiedelt.
Die Subindices entsprechen dem aus dem Gesamtindex ableitbaren Bild. Der Auslieferungsindex brach von 35,1 auf 13,0 Punkte ein. Der Auftragsindex verlor von 30,9 auf 16,7 Zähler, während der Beschäftigungsindex von 10,4 auf 1,3 Punkte nachgab.
Alleine der Blick auf den Chart mag etwas entspannen. Das aktuelle Ergebnis ist der zweitbeste Indexwert seit 24 Monaten.

Die US-Einzelhandelsumsätze überraschten im Monatsvergleich positiv mit einem Anstieg um 1,4%. Analysten hatten lediglich eine Zunahme um 1,00% erwartet.
Die Revision des Vormonatswerts war ernüchternd mit einer Anpassung von -1,5% auf -2,3%.
Ergo war das aggregierte Ergebnis für die Zweimonatsperiode September/Oktober bezüglich der Konsensusprognose mit einer Abweichung um -0,4% enttäuschend.
Fraglos hat das „Cash for Clunkers“ (= US-Abwrackprämie) Programm gewisse Verwerfungen zur Folge. Ohne Berücksichtigung der Automobilbranche kam es per September zu einem Anstieg um +0,4% (revidiert von +0,5%) und per Oktober um +0,2% (Prognose +0,4%). Ergo dominierte auch ohne KFZ ein enttäuschendes Ergebnis im Hinblick auf die Erwartungshaltung.

Heute steht ein umfassendes Angebot an Daten insbesondere aus den USA auf der Agenda der Veröffentlichungen.
Die Handelsbilanz der Eurozone nach Berechnung von Eurostat wird voraussichtlich per September ein Defizit in Höhe von -2,0 Mrd. Euro nach zuvor -4,0 Mrd. Euro ausweisen. Der Chart belegt eindrucksvoll, daß nach fünf Monaten mit Überschüssen die derzeitige Entwicklung keinen Grund für andauernde Sorge bereiten sollte. Marktwirkung sollte von dieser Veröffentlichung nicht ausgehen.

Aus den USA folgen die Erzeugerpreise per Oktober. Analysten unterstellen einen Anstieg um 0,5% im Monatsvergleich. Das sollte sich in einen Preisrückgang um -1,8% nach zuvor -4,8% im Jahresvergleich übersetzen. Die deflationär wirkenden Kräfte aus dem Rohstoffsektor ebben ab.
Genießen wir diese Phase, solange sie anhält!

Die „TIC“-Kapitalzuflüsse schließen sich an. In dieser volatilen und revisionsanfälligen Datenreihe, der es an zeitlicher Nähe mangelt, kam es per August angeblich zu einem Zufluß in Höhe von 28,6 Mrd. USD. Eine Konsensusprognose ist hier nicht erhältlich. Wir nehmen diese Daten zur Kenntnis und widmen uns wesentlicheren Veröffentlichungen.

Die US-Industrieproduktion per September soll um 0,4% zugelegt haben. Per August wurde ein Anstieg um 1,2% verzeichnet. Seit Juli kam es den dritten Monat in Folge zu einer Erhöhung im Monatsvergleich.
Mithin stehen hier die Zeichen auf Verstetigung. In der Folge soll die Kapazitätsauslastung von zuvor 70,5% auf 70,8% zulegen.
Der beigefügt Chart verdeutlicht, daß die Erholung in diesem Sektor als zartes Pflänzchen tituliert werden muß! Hier ist weitere intensive Pflege erforderlich.

Der „NAHB-Housing Market Index” per November beendet den heutigen Datenreigen. Dieser Index, der als Frühindikator des Wohnimmobilienmarkts bezeichnet werden darf, soll laut Prognose von 18 auf 19 Punkte zulegen.
Wir freuen uns über den voraussichtlichen Anstieg. Es ist aber darauf zu verweisen, daß der neutrale Indexwert bei 50 liegt. Wie heißt es noch: „It’s a long way to Tipperary ….!“
Andererseits, ja, der Boden bezüglich der negativen Dynamik ist aller Voraussicht nach drin! Das bleibt positiv anzumerken.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den EUR gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützung bei 1.4600 - 30 neutralisiert den positiven Bias des Euros.
Termine am 17.11.2009:
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
|---|---|---|---|---|
| EU | Handelsbilanz (Eurostat) Sep. | -4,0 Mrd. |
-2,0 Mrd. |
(11.00) Fortsetzung der Defizitlage. |
| USA | Erzeugerpreise (M/J) Okt. | -0,6%/-4,8% |
0,5%/-1,8% |
(14.30) Deflationäre Basiseffekte aus dem Rohstoffsektor laufen aus. |
| USA | TIC Kapitalzuflüsse Sep. | 28,6 Mrd. |
--- |
(15.00) Wir nehmen zur Kenntnis … |
| USA | Industrieproduktion Okt. | 0,7% |
0,4% |
(15.15) Fortsetzung des Anstiegs. |
| USA | Kapazitätsauslastung Okt. | 70,5% |
70,8% |
(15.15) Als Folge des Anstiegs der IP. |
| USA | NAHB-Housing Market Index Nov. | 18 |
19 |
(19.00) Leichter Anstieg favorisiert. |
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