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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
29. Oktober 2009
Die EUR-USD testet wichtiges Unterstützungsniveau bei 1.4670 – 1.4700!
Der Euro eröffnet heute (07.10 Uhr) bei 1.4725, nachdem im asiatischen-Handel Tiefstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.4684 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 90.35. In der Folge notiert EUR-JPY bei 135.25, während EUR-CHF bei 1.5125 oszilliert.
Gestern setzte sich die Korrekturbewegung an den Finanzmärkten dynamisch fort. Aktienmärkte verloren nachhaltig, Ölpreise sanken signifikant, Edelmetallpreise litten unter Liquidationen und „Carry-Trades“ wurden aufgelöst. Mithin konnten sich die Verschuldungswährungen USD und JPY besonders stark befestigen.
Einige Herren der Zentralbankszene sahen sich veranlaßt, die aktuelle Korrektur zu Gunsten des USD verbal zu unterstützen. Herr Trichet und Herr Noyer sprachen einem festen USD das Wort.
Es wäre durchaus interessant, zu eruieren, ob die beiden Herren auch den Euro bei einer Neuverschuldung von 12% des BIP (Maastricht 3%) wie derzeit in den USA (die restlichen Probleme blenden wir hier aus …) verbal derartig unterstützen würden oder ob ihre Kritik an der Ausgestaltung der Budgetpolitik der Länder der Eurozone laut und heftig wäre mit entsprechenden Folgen am Devisenmarkt. Bisweilen kommt man offensichtlich mit den Maßstäben durcheinander … „Food for thought!“
Die gestern oder in der Nacht veröffentlichten Daten lieferten einmal mehr ein ambivalentes Bild der globalen Wirtschaftssituation. Immer deutlicher wird, daß die USA der Weltwirtschaft hinterherhinken. Diesbezüglich dann US-Entwicklungen als wesentliche Katalysatoren für die Weltfinanzmärkte zu „mißbrauchen“, erscheint durchaus eine ambitionierte Form der Antizipation zu sein. Es ist zunehmend an der Zeit, sich an den Finanzmärkten geistig von dem Thema Dominanz der US-Märkte zu distanzieren! Schauen wir nach Asien, schauen wir nach Lateinamerika. Wer sich nach diesen Regionen ausrichtete, wurde in diesem Jahr reichlich belohnt. Dort wird nun zu großen Teilen die Musik gemacht, die die Qualität hat, uns frühe und vor allen Dingen belastbare Indikationen zu liefern. Die aktuelle Fokussierung auf US-Daten im Rahmen der derzeitigen Korrektur ist vor diesem Hintergrund kritisch zu hinterfragen.
So nahm per September die Industrieproduktion in Japan um 1,4% im Monatsvergleich zu. Die Prognose war bei +1,0% angesiedelt. Damit ergab sich im Monatsvergleich seit März 2009 der sechste Anstieg in Folge.
Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um -17,9% nach zuvor -18,9%. Hier wurden im Februar Tiefstwerte bei -36,9% markiert. Mithin läuft die Erholung in Japan seit sechs Monaten.

Der Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter legte in den USA den Erwartungen entsprechend per September im Monatsvergleich um 1,0% zu. Der Blick auf den Chart zeigt seit dem Frühjahr ein sehr erratisches Muster nach zuvor deutlichen Rückgängen. Hier gibt es offensichtliche Unterschiede zu anderen Wirtschaftsnationen und Regionen, die eine signifikant bessere Performance ausweisen.

Der Absatz neuer Immobilien in den USA per September enttäuschte gestern. Analysten hatten einen Anstieg von zuvor 429.000 auf 440.000 Objekte erwartet. Tatsächlich stellte sich von revidiert 417.000 ein Rückgang auf 402.000 Objekte ein. Auslaufende steuerliche Subvention für den Erwerb von neuen Immobilien mag dabei ein wesentlicher Einflußfaktor gewesen sein. Die Daten belegen, daß trotz Stabilisierung am Wohnimmobilienmarkt eine markante Trendwende nicht auf der Agenda steht. Positiv anzumerken bleibt, daß sich der Absatz deutlich von den Tiefstwerten bei circa 310.000 per Januar 2009 entfernt hat.

Bezüglich der heute anstehenden Veröffentlichungen verweisen wir auf die unten angeführte Datenbox. Der Markt wird sich stark auf die erste Schätzung des US-BIP kaprizieren. Das Thema Ende der Rezession in den USA steht im Raum. Auch dieser Umstand macht deutlich, daß die USA der Weltwirtschaft hinterherhinken.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro favorisiert. Erst ein Unterschreiten der Unterstützung bei 1.4670 – 1.4700 neutralisiert den positiven Bias des Euros.
Termine am 29.10.2009:
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
|---|---|---|---|---|
| D | Arbeitslosenrate saisonal bereinigt Okt. | 8,2% |
8,3% |
(10.00) Erneut eine positive Überraschung? |
| EU | „Business and Consumer Survey“ Okt. | 82,8 |
84,0 |
(11.00) Weiterer Anstieg favorisiert. |
| USA | BIP 1. Schätzung (annualisiert) 3.Q. | -0,7% |
+3,3% |
(13.30) Rezession beendet? |
| USA | Erstanträge Arbeitslosenhilfe 24.10. | 531.000 |
521.000 |
(13.30) Das Niveau bestätigt ... |
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