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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
27. Oktober 2009
Korrekturmodus auf breitester Ebene – Risikofreude weicht Risikoaversion!
Der Euro eröffnet heute (07.35Uhr) bei 1.4910, nachdem im US-Handel Tiefstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.4845 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 92.05.
In der Folge notiert EUR-JPY bei 137.15, während EUR-CHF bei 1.5150 oszilliert.
War zu Wochenbeginn noch das Thema Risikofreude mit stabilen Aktienmärkten, stabilen Goldpreisen (als Ausdruck der verbesserten Konjunkturlage), freundlichen „Carry-Trades“ und einem dazu passenden schwachen USD „en vogue“, änderte sich die Marktideologie gestern am späten europäischen Nachmittag. Einsetzende Risikoaversion führte zu Gewinnmitnahmen.
Da mögen Einlassungen vom Vorstand der Deutschen Bank eine Rolle gespielt haben. Man erwarte im kommenden Jahr noch ordentlichen zyklischen Abschreibungsbedarf, der den Banken bilanziell schwer zusetzen könnte. Ist das eine Neuigkeit? Unser Vorstand hat dieses Thema bereits vor sechs Monaten in die Öffentlichkeit getragen. Es stellt für Profis des Finanzsektors
keine neue Erkenntnis dar, daß sich markanter Abschreibungsbedarf zyklischer Natur erst mit Zeitverzögerung einstellt. Bisweilen erlauben sich Märkte eben auch auf Platitüden zu reagieren.
Aber auch der Aufstand der deutschen Landesfürsten bezüglich der vereinbarten Steuerreform im Koalitionsvertrag mag Zuversicht am Finanzmarkt eingedämmt haben. Selten haben Landesfürsten schneller gerechnet. Dieser Eindruck drängt sich zumindest auf, obwohl es gar keine klar definierten Eckdaten der Reform gibt. Die potentiellen positiven Dynamikeffekte derartiger Reformen (USt. Usw.) werden in dieser kameralistischen Sichtweise ohnehin die ersten „Opfer“ gewesen sein. Nun denn, wenigstens rauscht der Blätterwald!
Vielleicht waren es aber auch nur Ermüdungserscheinungen, die diese technische Korrektur erforderlich machen. Fakt ist, daß die Reaktionsmuster auf positiv überraschende Zahlen sich tendenziell abschwächten.
Voraussichtlich war es die Gesamtheit dieser Einflüsse, die das aktuelle Bepreisungsniveau bedingen. Märkte atmen und das ist auch gut so!
Gestern stand lediglich der „Chicago Fed National Activity Index” per September auf der Agenda.
Dieser Index ist ein Sammelindex aus 85 nationalen US-Wirtschaftsindikatoren.
Per September ergab sich ein Rückgang von revidiert -0,65 (zuvor -0,90) auf -0,81 Punkte. Der Juliwert wurde von -0,56 auf -0,42 Punkte angepaßt. Mithin kam es zu durchaus signifikanten Aufwärtsrevisionen in den beiden Vormonaten.
In der Folge liefert der aussagefähigere 3-Monatsdurchschnitt einen Anstieg von zuvor -0,96 auf -0,63 Punkte.
Nach Definition dieses Index sind Werte unterhalb der Marke von -0,70 Ausdruck verstärkter Rezessionsrisiken. Ergo impliziert das aktuelle 3-Monatsergebnis das erste Mal seit November 2007 (-0,53), daß dieses Risiko nicht mehr ausgeprägt ist.

Heute beginnt der Datenreigen mit der Veröffentlichung der Geldmenge M-3 per September.
Analysten unterstellen eine Zunahme im Jahresvergleich um 2,2% nach zuvor 2,5%. Die Tendenz bleibt rückläufig. Die EZB hat diesbezüglich also keinen Handelsdruck.

Von hervorgehobener Bedeutung ist heute der „Case/Shiller Home Price Index“ per August. Wir fokussieren uns auf den breit angelegten 20 Städtevergleich.
Im Vormonat ergab sich im Monatsvergleich ein Anstieg um 1,6%. Im Berichtsmonat soll eine weitere Zunahme um 0,7% folgen. Im Jahresvergleich würde dieses antizipierte Ergebnis zu einem Rückgang um -11,9% nach zuvor -13,3% führen.
Der beigefügte Chart verdeutlicht eindrucksvoll die preisliche Entspannung, die sich seit den Tiefstwerten im Jahresvergleich per Januar 2009 ausgehend von -19% ergeben hat.

Das Verbrauchervertrauen nach Lesart des „Conference Board“ soll per Oktober unverändert bei 53,1 Punkten liegen. Im Vormonat kam es zu einem Rückgang von 54,5 auf 53,1 Punkte als Reaktion auf den signifikanten Anstieg im August von zuvor 47,4 Zählern.
Diese Zahlenreihe ist sehr volatil. Ergo ist die Wahrscheinlichkeit, daß die Konsensusprognose bei 53,1 Punkten verfehlt wird, als erheblich zu klassifizieren.
Der beigefügte Chart verdeutlicht, daß die Stimmungstiefs per 1. Quartal 2009 bei 25 Punkten hinter uns liegen. Stimmungshochs werden andererseits auf dem aktuellen Niveau nicht markiert.
Die gab es vor der Lehmanpleite per Juli 2007 bei 111,9 Zählern!

Den Abschluß des Datenreigens macht der „Richmond Fed Composite Index“ per Oktober. Im Vormonat ergab sich hier das dritte Mal in Folge ein unverändertes Ergebnis von 14 Punkten. Der Blick auf den Chart verdeutlicht den markanten Anstieg seit dem 1. Quartal 2009 und die Bestätigung des höchsten Niveaus seit September 2007.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro favorisiert. Erst ein Unterschreiten der Unterstützung bei 1.4670 – 1.4700 neutralisiert den positiven Bias des Euros.
Ergänzung vom Markt-Daten - Blog:
Termine am 27.10.2009:
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
|---|---|---|---|---|
| EU | Geldmenge M-3, Sep. | 2,5% |
2,2% |
(10.00) Fortsetzung der rückläufigen Tendenz. |
| USA | “Case Shiller Home Price Index 20 Städtevergleich (M/J), Aug. | 1,6%/-13,3% |
0,7%/-11,9% |
(14.00) Positive Tendenz im Monatsvergleich setzt sich fort. |
| USA | Verbrauchervertrauen nach Lesart des “Conference Board“ Okt. | 53,1 |
53,1 |
(15.00) Keine Veränderung favorisiert. |
| USA | Richmond Fed Composite Index Okt. | 14,0 |
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(15.00) Keine Prognose erhältlich. |
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