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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
1. Oktober 2008
Euro bricht ein – USD-Liquidität stark gesucht – US-Rettungsplan wieder auf dem Plan!
EUR-USD hat in den letzten 48 Stunden massiv an Boden verloren und notiert aktuell bei 1.4100, nachdem im US-Handel gestern Tiefstkurse bei 1.4010 markiert wurden. USD-JPY konnte sich erholen und stellt sich aktuell auf 106.00. Der schwache Tankan-Bericht (siehe „Letzte Nachrichten“) unterstützt diese Tendenz. „Carry-Trades“ zeigen sich leicht stabilisiert. EUR-JPY stellt sich auf 149.50, während EUR-CHF bei 1.5780 oszilliert.
„Letzte Nachrichten“:
Der Tankan Bericht aus Japan enttäuschte umfassend.
Der Index für große produzierende Unternehmen sank
von +5 auf -3 Punkte. Für große Dienstleister ergab sich
ein Einbruch von +10 auf +1 Punkte. Kleine
produzierende Unternehmen verzeichneten einen Rückgang von -10
auf -17 Zähler. Der Index für kleine
Dienstleistungsunternehmen sank von -20 auf -24 Punkte.
USD-Liquidität ist derzeit extrem gesucht. Die Notwendigkeit
für auf USD-Basis bilanzierende Finanzinstitutionen im Zuge der
Deflation an den Anlagemärkten, Mittel zu repatriieren, ist sehr
ausgeprägt. Ebenso ist der globale Bedarf an USD-Refinanzierungsmitteln
sehr hoch, da eine Vielzahl von Finanzinstitutionen keinen direkten
Zugang zu dem Primärmarkt in den USA hat und in der USD-Refi auf
einen funktionierenden internationalen Geldmarkt angewiesen ist. Genau
dieser Markt ist jedoch nicht funktionsfähig. In der Folge dieser
zunehmenden Problematik wurden die USD-Swaplinien der Fed mit anderen
Zentralbanken noch einmal massiv ausgeweitet, um an dieser Front der
Kreditkrise Entspannung zu liefern.
Das Volumen wurde insgesamt um weitere 330 Mrd. USD erhöht. Damit
steht das Gesamtvolumen bei mehr als 600 Mrd. USD. Diese Notwendigkeit
der Swaplinien unterstreicht den aktuellen USDLiquiditätsbedarf,
der sich schlussendlich auch auf den Devisenmarkt durch USD-Nachfrage
auswirkt.
In den USA wird ein neuer Versuch unternommen, das Rettungspaket über
die parlamentarischen Hürden zu bringen. Das Paket wird angereichert
mit einer massiv erhöhten Einlagensicherung (von USD 100.000,--
auf USD 250.000,--). Für heute ist die Abstimmung im Senat vorgesehen.
Das Repräsentantenhaus wird voraussichtlich morgen folgen, sofern
der Senat zustimmt (was angenommen wird). Das Muster der Wiederholung
der Abstimmung mit neuen Nuancen muss so interpretiert werden, dass
dieser Rettungsplan ultimativ essentiell für die Stabilisierung
der USFinanzwirtschaft und damit der Gesamtwirtschaft ist.
Strauss-Kahn (IWF) betonte, auch wenn der US-Rettungsplan nicht perfekt
sei, sei er besser als gar kein Plan. Na, das ist doch mal eine Aussage.
Quantität der Maßnahme und nicht Qualität steht damit
laut Strauss-Kahn auf der Agenda. Die Notwendigkeit, dass der Kongress
schnell agiere, sei gegeben. Es sei auch an der Zeit, dass Europa einen
Notfallplan vorbereite. Grundsätzlich bedürfen die Staatsinterventionen
im Rahmen der Krise klarer Objektiven und einer effektiven Aufsicht.
Die Interventionen müssen Transparenz im Hinblick auf die Verfahrensweisen
bieten.
Ein Gruppe von 60 Abgeordneten hat sich in den USA bei der SEC dafür
eingesetzt, dass das „Fair Value“ Prinzip in der Bilanzierung
ausgesetzt werden soll. Im Hinblick auf die illiquiden Märkte
sei das „Fair Value“-Prinzip in der aktuellen Lage kontraproduktiv,
da es zu einer Verschärfung der Krise führt.
Der Status der aktuellen Krise, die sich in der Tendenz verschärft
(Wo ist Herr Ackermann?), verdeutlicht in zunehmender Maße, dass
verstärkte staatliche Interventionen notwendig sind, um die Realwirtschaft
nicht sehenden Auges in eine Abwärtsspirale abtauchen zu lassen.
Der Mangel an Funktionsfähigkeit der internationalen Finanzmärkte
mit der Folge massiv erhöhter Zinssätze ist geeignet, die
Rezessionsszenarien für die industrialisierten Länder nachhaltig
auszuweiten. Dem gilt es fraglos entgegen zu wirken. Das Kind sollte
schlussendlich nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden.
Die aktuell diskutierten Maßnahmen, beispielsweise die Aussetzung
des „Fair Value“-Prinzips, dürfen als eine Tendenz
zu einer Abkehr von einer auf Kurzfristigkeit gepolten Finanzwelt in
Richtung einer stärker auf Nachhaltigkeit orientierten Ausrichtung
verstanden werden. Das wäre in der Tat zu begrüßen.
Wirtschaft ist schlussendlich Marathon und nicht
Sprint! Diese Erkenntnis
war zu viele Jahre unterdrückt!
Werfen wir kurz und prägnant einen Blick auf die gestrigen Veröffentlichungen, die am Markt allesamt keine wesentliche Traktion mit sich brachten:

Heute stehen erneut viele Daten auf der Agenda. Von besonderer Bedeutung ist heute der ISMIndex aus den USA. Wir werden uns morgen an dieser Stelle dezidiert mit den Ergebnissen auseinandersetzen.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD nach dem nachhaltigen Unterschreiten der Unterstützung bei 1.4300 favorisiert. Erst ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.4470 – 00 neutralisiert den negativen Bias des Euros.
Ergänzungen aus dem Markt-Daten Blog:
Termine am 1.10.2008
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
|---|---|---|---|---|
| EU | Einkaufsmanagerindex (Produktion und Verarbeitung), Sep. | 47,6 |
45,3 |
(10.00) Verschärfte Kontraktion im produzierenden Gewerbe. |
| EU | Arbeitslosenrate, Aug. | 7,3% |
7,3% |
(11.00) Keine Veränderung unterstellt. |
| USA | Challenger Report, Sep. | 88.736 |
--- |
(13.30) Auskunft über angekündigte Massenentlassungen. |
| USA | „ADP Employment Report“, Sep. | -33.000 |
-60.000 |
(14.15) Entwicklung der privaten Beschäftigung nach Lesart ADP. |
| USA | Bauausgaben, Aug. | -0,6% |
-0,5% |
(16.00) Der „Baublues“ setzt sich fort. |
| USA | ISM-Index, Sep. | 49,9 |
49,5 |
(16.00) Leichter Rückgang = leichte Kontraktion. |
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