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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
29. September 2008
Interventionen auf globaler Ebene in vollstem Umfang und der USD gewinnt an Boden … !
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.4460 (08.00 Uhr). Im frühen europäischen Geschäft kam es zu weiteren Kursverlusten des Euros, die zu einem Unterschreiten der kritischen Unterstützung bei 1.4420-50 führten. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY bei Eröffnung auf 106.35. „Carry-Trades“ haben an Boden verloren. EUR-JPY notiert bei 153.80 (08.00 Uhr), während EUR-CHF bei 1.5870 oszilliert.
Die Resultate dieses Wochenendes, nahezu allesamt geschuldet global
stattfindender öffentlicher Interventionen (zumindest als Arrangeur),
darf man grundsätzlich zunächst als stabilisierend für
die globale Finanzarchitektur bezeichnen. Die Betonung liegt auf „zunächst“ als
auch auf „grundsätzlich“.
Unternehmen, die sich in ihrer Geschäftspraxis für zu hohes „Leverage“ entschieden
haben, erhalten in der aktuellen Phase von der Gemeinschaft derer,
die sich verantwortungsvoll verhalten haben, die Unterstützung,
die ihnen sachlich nicht gebührt.
Ist schon klasse, so ein System der Solidarität, das von denen,
die jetzt die Hilfe erfahren und dabei solitär auf den neoliberalen
Markt setzten, vor kurzem noch als anachronistisches Modell des Sozialismus
verteufelt wurde.
Das US-Rettungspaket im Volumen von 700 Mrd. USD wurde an diversen
Stellen überarbeitet. So erfolgt jetzt eine sukzessive Vergabe
der Mittel. Ein Schaden soll den Steuerzahlern aus dem Programm nicht
erwachsen. Die Abstimmungen im Repräsentantenhaus und dem Senat
sollen in dieser Woche erfolgen.
Im Hinblick auf die Virulenz der Krise muten die Einlassungen der Eliten
der internationalen Politik der vergangenen 12 Monate wie Hohn an.
Sprachen die Paulsons und Bernankes nicht laufend von einer Krise,
die begrenzt sei. Die beiden haben ihren Job trotz massivster Irrtümer
und Mitverantwortung für die Situation immer noch. Glaubte Herr
Trichet nicht genau diesen beiden Herren. Erkannte Herr Ackermann nicht
laufend das Ende der Krise.
Fakt ist, dass wir heute mit der global größten Subventionswelle
konfrontiert sind. Diese gesamte Entwicklung wurde nicht ansatzweise
von den Märkten diskontiert. Ist schon klasse, dass vor diesem
Hintergrund Edelmetalle als ultimativer Hort der Sicherheit unbeweglich
von der Trägheit der Ignoranz bestimmt sind, ach ja und der USD
gewinnt natürlich überall an Boden. „Foul is fair and
fair is foul!” (Shakespeare Macbeth) „Food for thought!“.
Wirtschaftsdaten spielen derzeit keine wesentliche Rolle für
die Bewertung an den Devisenmärkten. Ohnehin ist in Frage zu stellen,
ob es sich hier am Devisenmarkt um einen funktionsfähigen Markt
im Sinne angemessener Risikobewertung handelt. Der politische Einfluss
ist fraglos eine nicht zu unterschätzende Größe.
Der Vollständigkeit halber bieten wir einen Rückblick auf
die Veröffentlichungen vom Freitag. Beide US-Veröffentlichungen
enttäuschten und waren sachlich nicht geeignet, dem USD Unterstützung
zu verleihen.


Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Morgen werden wir zu wesentlichen Chartmarken dezidiert Stellung beziehen.
Termine am 29.9.2008
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
|---|---|---|---|---|
| EU | Geschäftsklimaindex, Sep. | 88,8 |
87,5 |
(11.00) Weitere Schwäche favorisiert. |
| USA | Persönliche Einkommen, Aug. | -0,7% |
0,2% |
(14.30) Leichte Zunahme erwartet. |
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