August
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Juni
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Mai
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April
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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
Der Forex Report vom 6. Juni wird ergänzend zum Verständnis empfohlen
EZB deutet überraschend Zinserhöhung an – Euro legt massiv zu!
7. August 2008
Euro Daten prekär – Gedanken zum JPY-Carry-Trade - EZB im Kreuzfeuer der Kritik?
Der Euro eröffnet heute bei 1.5435 (07.45 Uhr), nachdem im US-Handel gestern Tiefstkurse bei 1.5399 markiert wurden. Der USD konnte gegenüber dem JPY nachhaltig an Boden gewinnen und notiert bei 109.65 (Höchstkurse NY 109.87). In der Folge gewann der Euro gegenüber dem JPY an Boden und stellt sich auf 169.15. EUR-CHF verharrt dagegen wenig verändert bei 1.6320.
Es drängt sich der Eindruck auf, dass der JPY-Carry-Trade in
der fragilen Lage des Finanzsystems eine unverzichtbare Größe
darstellt, um billigste Refibedingungen für angeschlagene Assetklassen
zu gewährleisten.
Die damit forcierte massive Fortsetzung und Verschärfung der Fehlbewertung
des JPY ist fraglos eine der schiefsten Ebenen in der Historie des
modernen Devisenmarkts.
Es stellt eine absolute Anomalie dar, dass in der größten
Finanzkrise seit 1929, die geprägt ist vom Abbau von Leverage
(Hebeleffekten), der „Carry-Trade“, der nichts anderes
ist als eine Facette des Aufbaus von Hebeleffekten, weiter blüht
und gedeiht.
Anomalien in Preisbewegungen basieren grundsätzlich häufig
auf der Teilnahme unüblicher Marktteilnehmer. Der Chartverlauf
der Parität EUR-JPY mit den markanten Gegenbewegungen bei Schwäche
im Zuge zunehmender globaler Risikoaversion wirft im Hinblick auf den
GMV (Gesunder MenschenVerstand) und den Gesetzmäßigkeiten
freier Märkte mehr Fragen auf, als dass Antworten gegeben werden
können.

Die gestern veröffentlichten Daten aus der Eurozone enttäuschten
nachhaltig. Sie deuten in Richtung eines markanten Konjunktureinbruchs.
Der Auftragseingang der Industrie sank in Deutschland unerwartet per
Juni im Monatsvergleich um 2,9%. Analysten hatten einen Anstieg um
0,4% prognostiziert. Darüber hinaus wurde der Vormonatswert von
-0,9% auf -1,4% revidiert.
Entscheidend waren Auslandsorders, die um 5,1% sanken. Die Inlandsnachfrage
ging um 0,6% zurück.
Der beigefügte Chart stellt den Rückgang des Auftragsindex
in den letzten Monaten dar (2000 = Indexstand 100).

In diesem Format widmen wir uns grundsätzlich nur den großen
Ländern und den Hauptwährungen. Hinsichtlich der Entwicklung
in Spanien ist ein Abweichen von der Regel nicht nur gewährleistet,
sondern notwendig.
Gestern stand die Veröffentlichung der Industrieproduktion in
Spanien per Berichtsmonat Juni auf der Agenda. Im Jahresvergleich kam
es zu einem Einbruch um 9,0%. Die Prognose war bei -1,3% angesiedelt.
Im Vormonat lag der Rückgang bei -5,8%.
Das Tempo und die Amplitude des Einbruchs der Produktion in Spanien
spiegelt und belegt in nachhaltiger Weise, dass es sich hier um eine
abrupte Kehrtwende handelt, die mindestens den Begriff Einbruch verdient.

© Moody’s Economy.com
Derzeit wird in Fachkreisen diskutiert, ob dieser Konjunktureinbruch kurzfristiger Natur ist oder länger anhält? Grundsätzlich dominiert hier in politisch korrekter Manier erst einmal eine solide Portion Optimismus im Mainstream. Dieser Optimismus ist jedoch nicht angebracht. Hinsichtlich der Homogenität des Konjunktureinbruchs auf globaler Ebene, ob in den USA, Japan, Großbritannien, Dänemark oder der Eurozone, ist ein zügiges Wiedererstarken der Konjunkturkräfte in höchstem Maße unwahrscheinlich. Das gilt umso mehr, da auch im asiatischen Raum (u.a. China) Wachstumskräfte unerwartet, aber deutlich erlahmen. Die aktuelle Schwäche der Rohstoffpreise ist nicht geeignet, nachhaltige Entlastung zu schaffen, die eine Trendwende begründen könnte. Sie muss vielmehr als offensichtlicher Beleg des Konjunktureinbruchs gewertet werden.
Heute steht zunächst die Veröffentlichung der deutschen
Industrieproduktion per Juni auf der Agenda. Marktbeobachter erwarten
einen Anstieg im Monatsvergleich um 0,8% nach dem Einbruch im Vormonat
um 2,4%. Die Auftragsbücher sind trotz zunehmender Stornos noch
bis circa Jahresende gefüllt. Vor diesem Hintergrund ist die Konsensusprognose
sachlich verständlich.
Gleichwohl sind negative Überraschungen im Hinblick auf das Tempo
der Abkühlung nicht ausgeschlossen. Der beigefügte Chart
verdeutlicht mit drei Rückgängen in Folge das aufgezeigte
Risiko.

Bezüglich der BoE Zinsentscheidung und der Veröffentlichungen aus den USA verweisen wir auf die unten angeführte Datenbox.
Die EZB-Ratssitzung steht heute im Mittelpunkt des Interesses. Der
Markt darf sich sicher sein, dass es nicht zu einer Veränderung
in der Zinspolitik kommt.
Der umfänglich gelebte Vollkaskoansatz der Zentralbanken in der
Vorbereitung von Zinsveränderungen impliziert Ruhe an der Zinsfront.
Der Reposatz wird weiter bei 4,25% liegen, nachdem sich die „Falken“ in
der EZB in Julisitzung durchgesetzt hatten.
Hinsichtlich der Veränderungen in der realen Welt bezüglich
Konjunktureinbruch und Rohstoffpreisrückgang und damit gesunkenen
Inflationsdrucks und nicht vorhandener Zweitrundeneffekte (Kernrate
CPI 1,8%) wird es bezüglich der Verbalakrobatik der EZB spannend.
Der Sieg der „Falken“ bei der letzten Sitzung im Juli mit
dem Resultat einer Zinserhöhung um 0,25% auf nun 4,25% mag sich
schlussendlich als ein Phyrrussieg erweisen.
Gleichwohl wollen wir hier nicht frühzeitig das Kind mit dem Bade
ausschütten. Die EZB hat nur ein solitäres Mandat, Sicherung
der Preisstabilität. Dem kommt sie umfänglich nach. Da gibt
es keine Zweifel.
Fakt ist andererseits, dass der Preisauftrieb durch exogene Faktoren
bestimmt war und ist. Diese exogenen Faktoren wiesen und weisen unvermindert
Charaktermerkmale einer „Asset-Bubble“ auf.
Zinspolitik auf exogen hervorgerufene „Asset-Bubbles“ abzustellen,
mag im weiteren Verlauf der Diskussion über die Angemessenheit
der jüngsten Ausrichtung der Zinspolitik der EZB als ambitioniert
betrachtet werden. Der Stand der „Falken“ in der EZB wird
zukünftig nicht leicht sein.
An dieser Stelle erlaube ich
mir ein persönliches Wort. Ich erachte
die EZB als einzige wirklich freie Zentralbank im G-3 Verbund. Ich
unterstütze die EZB in ihrer Stabilitätspolitik umfänglich
und aus vollstem Herzen.
Die solitäre Ausrichtung auf Stabilitätspolitik ist Garant
von Solidität und Nachhaltigkeit und damit von Generationengerechtigkeit
und vor allen Dingen Garant für die Emanzipation von zum Teil
unausgegorener Politik!
Trotz dieser Grundhaltung bin ich jedoch der
Ansicht, dass die letzte Zinserhöhung der größte zinspolitische Fehler der EZB
seit ihrer Gründung war. Der Zinsschritt katapultierte den USD
auf neue historische Höchstkurse und den Ölpreis auf neue
nominale Höchstkurse.
Damit wurde schlussendlich das Inflationsszenario per Juni und Juli
unnötig verschärft. Es steht Zentralbanken gut an, wenn sie
die gegebenen Marktsensibilitäten (hier festerer USD bei 1.54
= niedrigerer Ölpreis =122 USD) in ihren Entscheidungen berücksichtigen.
Wir verweisen diesbezüglich auf unseren Forex Report vom 6. Juni
2008 (der Mail beigefügt).
In den kommenden Monaten ist es durchaus denkbar, dass die EZB wegen
des letzten Zinsschritts im Kreuzfeuer der Kritik stehen wird.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD favorisiert. Erst ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.5700 – 1.5730 neutralisiert den negativen Bias des Euros.
Termine am 7.8.2008
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
|---|---|---|---|---|
| D | Industrieproduktion, Juni | -2,4% |
0,8% |
(12.00) Ist der Optimismus gerechtfertigt? |
| UK | BoE Zinsentscheidung | 5,00% |
5,00% |
(13.00) Wirtschaft schwach, Preise hoch … |
| EU | EZB-Ratssitzung | 4,25% |
4,25% |
(13.45) Auf die Presskonferenz ist zu achten! |
| USA | Erstanträge Arbeitslosenhilfe 2.8. | 448.000 |
423.000 |
(14.30) Festsetzen auf erhöhtem Niveau? |
| USA | Anhängige Hausverkäufe, Juni | -4,7% |
-1,0% |
(16.00) Keine Entspannung absehbar. |
| USA | Verbraucherkredite, Juni | 7,8 Mrd. |
6,0 Mrd. |
(21.00) Weiterer Anstieg favorisiert. |
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