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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
28. Juli 2008
Bekannte Fahrwasser am Devisenmarkt – Ruhiger Wochenauftakt!
Der Euro eröffnet heute bei 1.5700, nachdem am Freitag im europäischen Markt mit 1.5753 die höchsten Notierungen der letzten 24 Handelsstunden zu verzeichnen waren. Der USD notiert gegenüber dem JPY aktuell bei 107.80. „Carry-Trades“ zeigen sich stabil oder freundlich. EUR-JPY stellt sich auf 169.15 und hat damit die Vortagsverluste neutralisiert. EUR-CHF oszilliert bei 1.6275.
Der US Kongress hat der „Housing Market Rescue Bill“ zugestimmt.
Diese Maßnahme ist eine klare Subvention. Mit freien Märkten
hat diese Maßnahme nichts zu tun. Hier wird die Verantwortungslosigkeit
von Banken und Kreditnehmern nachträglich durch Hilfsmaßnahmen
der Allgemeinheit sanktioniert. Das ist ein Sündenfall im Hinblick
auf den ordnungspolitischen Rahmen, der zumindest noch in der Theorie
dem Prinzip des freien Marktes huldigt. Nicht die „Anständigen“ werden
belohnt, sondern die „Verantwortungslosen“ werden auf Kosten
der „Anständigen“ subventioniert.
Diese Kritik griffe aber fraglos zu kurz. Der Politik obliegt es schlussendlich,
die Funktionalität der Märkte und der Wirtschaft zu gewährleisten,
sonst würden auch hier maßgeblich die „Anständigen“ den
Preis zahlen. Diesbezüglich sind diese Maßnahmen verständlich
und notwendig. Gleichwohl müssen auch Lernkurven für das
massive Fehlverhalten verankert werden. Hier gilt es vor allen Dingen
in den Entscheidungseliten die Verantwortlichen mit den Konsequenzen
ihres Handelns zu konfrontieren. Damit sind übrigens keine Boni
gemeint!
Was beinhaltet diese „Rescue Bill“? Damit wird ein „Fund“ gegründet,
der in Zahlungsverzug geratene Hauseigner unterstützt. Steueranreize
für den Immobilienerwerb inkludiert dieses Gesetz.
Ebenso wird die Regulierung des Immobilienmarktes neu geordnet. Das
erste Lizensierungsverfahren für Hypothekenmakler wurde damit
beschlossen. Für den Erwerb und die Reparatur zwangsvollstreckter
Immobilien wurden 4 Mrd. USD bereit gestellt.
Eine Betrachtung unter dem Aspekt der deutlich zunehmenden Staatsverschuldung
kann nicht positiv für die USA und damit den USD ausfallen. Fakt
ist laut „Public Debt (US-Treasury)“, dass die verfassungskonforme
Staatsverschuldung im laufenden Fiskaljahr (begonnen am 1.10.2007)
bereits ein Defizit in Höhe von 531 Mrd. USD per Mitte/Ende Juli
erreicht hat. Im vorhergehenden Fiskaljahr lag das Gesamtdefizit bei
500 Mrd. USD.
Die Geldmenge M-3 sank in Juni unerwartet auf eine Jahreszunahme um
9,5% nach zuvor 10,0% per Mai. Damit wurde der niedrigste Zuwachs seit
Januar 2006 verzeichnet. Der Wert per Mai wurde signifikant von zuvor
10,5% auf 10,0% revidiert.
Die Falken der EZB verlieren zunehmend an Argumentationspotential.
Die jüngste Zinserhöhung der EZB hat vor dem Hintergrund
der globalen Konjunkturabkühlung, der Rohstoffpreisentwicklung
als auch der Geldmengenentwicklung zunehmend den faden Beigeschmack
wenig angemessen ausgefallen zu sein. Das gilt insbesondere auch aus
dem Grund, da die volle Wirkung einer Zinsmaßnahme erst mit einer
Zeitverzögerung von 12 – 18 Monaten einsetzt.
Der Datenpotpourri aus den USA überraschte durchgehend positiv und lieferte dem USD damit unterschwellig Unterstützung:
Am Freitag dominierten am Devisenmarkt in der Bewertung des USD gegenüber
dem Euro Gewinnmitnahmen auf USD-Longpositionen als auch Sorgen über
den Status der US-Banken.
Dahinter traten die besser als erwartet ausgefallenen US-Wirtschaftsdaten
in der Diskontierung zurück.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD favorisiert. Erst ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.5870 – 1.5900 neutralisiert den negativen Bias des Euros.
Aus dem Markt-Daten Blog:
Termine am 28.7.2008
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