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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
14. April 2008
US-Verbrauchervertrauen ernüchternd – G-7 verschärft die Verbalakrobatik bei USD
Der Euro eröffnet heute bei 1.5740, nachdem in Fernost Tiefstkurse
bei 1.5658 markiert wurden.
Der USD notiert gegenüber dem JPY aktuell bei 100.90. „Carry-Trades“ stehen
unter Druck. EURJPY stellt sich aktuell auf 158.90 und EUR-CHF oszilliert
bei 1.5790.
Die Daten aus den USA lieferten am Freitag keine Entspannungssignale
für die Bewertung des USD.
Importpreise legten per März unerwartet stark um 2,8% im Monatsvergleich
zu. Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 14,8% nach zuvor
13,4%: Energiepreise spielten einmal mehr eine dominante Rolle in der
Preisentwicklung.

Das Verbrauchervertrauen nach Lesart der Uni Michigan brach per April von zuvor 69,5 auf 63,2 Punkte ein. Analysten hatten einen Rückgang auf 69,0 Punkte unterstellt. Damit markierte dieser Index den tiefsten Stand seit 1982. Sowohl die Bewertung der aktuellen Lage mit einem Rückgang von 84,2 auf 78,4 Punkte als auch die Einschätzung der zukünftigen Situation geprägt von einem Rückgang von 60,1 auf 53,4 Zähler trugen zu dem ernüchternden Ergebnis bei. Hinsichtlich der Tatsache, dass mehr als 70% des US-BIP durch den privaten Verbrauch bestimmt sind, erübrigt sich zunehmend die Diskussion, ob sich die USA in einer Rezession befinden.

Das G-7 Kommunique lieferte folgende Erkenntnisse:
Die Finanzminister der G-7 Veranstaltung zeigen sich besorgt über
den Verfall des USD und sehen Risiken, dass sich die globale Konjunkturlage
im Zuge der Finanzkrise weiter abschwächt. Man beobachte die Märkte
und kooperiere auf G-7 Ebene bei Bedarf. Im dem Sektor der Währungen
kommt es damit zur ersten Veränderung der Verbalakrobatik seit
2004. Der Begriff Kooperation kann und darf als Ausdruck potentieller
oder auch realer verdeckter Aktionen am Devisenmarkt interpretiert
werden.
Man einigte sich auf einen 100-Tageplan, um Regulierungen an den Kapitalmärkten
zu deren Stabilisierung zu verstärken. Finanzunternehmen wurden
aufgefordert, ihre Risiken vollständig transparent zu machen.
Ebenso wurde zu weiteren Kapitalverstärkungen in der Finanzbranche
aufgerufen.
Die Unruhe an den Finanzmärkten bleibe unerwartet hartnäckig.
Man werde weitere unterstützende monetäre und fiskalische
Maßnahmen nach Bedarf veranlassen.
Die G-7 Veranstaltung signalisiert mit ihrem Kommunique, dass sie sich
der kritischen Themen ernsthaft annimmt und konzediert, dass die Teilnehmer
die Krise zuvor unterschätzten.
Heute erwarten wir zunächst die Veröffentlichung der Industrieproduktion
der Eurozone per Februar. Analysten unterstellen einen Anstieg um 0,2%
im Monatsvergleich und 2,9% im Jahresvergleich.
Im Mittelpunkt des Interesses stehen die Einzelhandelsumsätze
per März in den USA. Analysten erwarten im Monatsvergleich ein
unverändertes Ergebnis nach dem Rückgang um 0,6% per Februar.
Diese Zahlenreihe ist nicht inflationsbereinigt. Entsprechend ist bei
dem derzeitigen Preisklima ein unverändertes nominales Ergebnis
keine Verbesserung!
Den Abschluss des Datenreigens machen die US-Lagerbestände per
Februar. Hier wird eine Zunahme um 0,6% prognostiziert.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das zunächst unverändert eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.5620 – 50 dreht den Bias des Euros auf negativ. Erst ein deutliches Überwinden der bisherigen historischen Höchstmarken liefert ein Kaufsignal.
Aus dem Markt-Daten-Blog:
Termine am 14.4.2008
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
|---|---|---|---|---|
| EU | Industrieproduktion (M/J), Feb. | 0,9%/3,8% |
0,2%/2,9% |
(11.00) Leichter Anstieg unterstellt. |
| USA | Einzelhandelsumsätze, Mrz. | -0,6% |
0% |
(14.30) Nominaler Optimismus ungleich realer Verbesserung. |
| USA | Lagerbestände, Feb. | 0,8% |
0,6% |
(16.00) Weitere Zunahme erwartet. |
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