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von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank
9. April 2008
Stabilität bis Entspannung am Devisenmarkt – Globale Finanzkrise zieht Kreise…
Der Euro eröffnet heute bei 1.5700, nachdem sowohl im US-Handel als auch im asiatischen Handel das Niveau von 1.5730 nicht nachhaltig überschritten wurde. Der USD notiert aktuell gegenüber dem JPY bei 102.40. „Carry-Trades“ zeigen sich weiter in freundlicher Verfassung. EUR-CHF steht bei 1.5925, während EUR-JPY bei 160.90 oszilliert.
Die globale Finanzkrise zieht ihre Kreise. Sukzessive werden die Prognosen
angepasst.
Zunehmend entwickelt die globale Finanzkrise ausgehend von den USA
ein realwirtschaftliches Gesicht. So passte der IWF jüngst die
Wachstumsprognosen an. Eine Rezession in den USA ist thematisch nicht
mehr „politisch unkorrekt“. Auch die IWF-Prognose des Verlustvolumens
im Rahmen der globalen Finanzkrise mit 945 Mrd. USD erscheint doch
deutlich realistischer als die Größenordnungen der Fed von
50 – 100 Mrd. USD aus dem letzten Jahr, die wir hier aus mittlerweile
erkennbar guten Gründen kritisch und ein wenig despektierlich
begleiteten. Gleichwohl sind auch bei der Fed zumindest in der Erfassung
und Bewertung der konjunkturellen Lage als auch Aussicht verstärkte
Anflüge von Realitätssinn erkennbar. Das FOMC Protokoll lieferte
gestern dennoch keine wirklich neuen Erkenntnisse. Sich fortsetzende ökonomische
Schwäche mit voraussichtlicher Kontraktion im ersten Halbjahr
2008, Notwendigkeiten verstärkter Liquiditätsversorgung auch
für Investmentbanken, eine anhaltenden Finanzkrise und Risiken
bei der Inflationsentwicklung waren bereits im Vorfeld Themen, die
im Markt diskontiert wurden. Das deutlich ausgeweitete Notfallprogramm
der Fed wirft aus guten Gründen zunehmend Fragen auf.
Paul Volcker, Vorgänger von Alan Greenspan, stellte die Rettung
von Bear Stearns in Frage und bezeichnete die Rettung von Bear Stearns
durch die Fed als am äußersten Rand des legalen Spielraums
der Fed. „Food for thought!“
Der Blick auf die gestrigen Veröffentlichungen aus den USA kann nicht ansatzweise überzeugen:


Heute erwarten wir zunächst die Revision des BIP der Eurozone per 4. Quartal 2007. Analysten prognostizieren unverändert ein Wachstum von 2,2% im Jahresvergleich.
Aus den USA folgt die Veröffentlichung der Lagerbestände
des Großhandels per Februar.
Marktbeobachter erwarten einen Anstieg um 0,5% im Monatsvergleich.
Beide Veröffentlichungen werden voraussichtlich keine wesentliche
Marktwirkung entfalten.
Es bleibt bei dem negativen Bias für den Euro, der zunächst Abwärtspotential bis in den Bereich von 1.5300 – 30 offeriert. Erst ein Überwinden des Widerstandsfelds bei 1.5880 -1.5910 dreht den Bias auf positiv.
Markt-Daten.de:
Im Bild die wöchentlichen Einzelhandelsumsätze im Jahresvergleich; die zuletzt notierten +0,3% sind der tiefste Stand seit gut fünf Jahren :

Termine am 9.4.2008
| Daten | zuletzt: | Konsensus: | Bewertung: | |
|---|---|---|---|---|
| EU | BIP Revision, 4. Q. | 2,2%; |
2,2% |
(11.00) Keine Veränderung erwartet. |
| USA | Lagerbestand Großhandel, Feb. | 1,0% |
0,5% |
(16.00) Weitere Zunahme unterstellt. |
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