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KID Konjunktur-Indikator-Deutschland

Untersuchung Konjunktur, KID sowie Aktien- und Rentenmarkt

Investieren am Rentenmarkt mittels Konjunkturzyklen


kid bundfuture chart

 

Um den Rentenmarkt zu untersuchen, wurde in der Grafik der KID invers dargestellt. Dies verdeutlicht die grundsätzliche Korrelation mit dem (unadjustierten) Bund-Future-Endloskontrakt auf den ersten Blick. Ab etwa 1991 fand eine längere Aufwärtsbewegung in Anleihen statt, der Chart beginnt 1993 mit einer sichtbaren Divergenz (D), was stets zur Vorsicht mahnt. Der weitere Anstieg des Rentenmarktes bei gleichzeitigem Konjunkturaufschwung endet dann erwartungsgemäß jäh im Februar 1994 in einer Rentenbaisse bis zurück auf den Stand von 1992. Nach einer "Bodenbildung" im (inversen) KID bringt der Februar 1995 den ersten Impuls für langlaufende Anleihen. Dieser Trend endet Januar 1996 nach 11 Monaten mit einem Wechsel im Konjunkturtrend. Kurz darauf bildet sich erneut eine Divergenz aus, in deren Folge der Anleihemarkt über ein Jahr stagniert. Dem Markt gelingt es einfach nicht, während des laufenden Konjunkturaufschwungs über die alten Hochs zu steigen.

Das zweite Kaufsignal zum Konjunkturabschwung im November 1997 folgt rechtzeitig vor dem Rentenanstieg bis Januar 1999 - die erzielten Kursgewinne sind steuerfrei und zum Ausstieg wird wieder laut geklingelt. Nach kurzer scharfer Baisse weist ab März 2000 trotz vieler Unsicherheiten am Rentenmarkt der Konjunkturabschwung stetig den Weg aufwärts für die Anleihen, in der Folge sind bequem zweistellige Erträge p.A. möglich, während es an den Aktienmärkten immer steiler bergab geht. Erst die "emotionale Wende" nach dem Herbst 2001 setzt dieser Bewegung ein Ende. Da sich die Konjunktur-Hoffnungen jedoch nicht wie erwartet in der Realwirtschaft bestätigen, folgt zum Juni 2003 wieder ein Anleihen-Kaufsignal. Der Februar 2003 bringt eine erneute Wende, die Skepsis ist jedoch gross. Erst nachdem die Aktienmärkte ab März zu drehen beginnen, kippt der Trend am Rentenmarkt. Das letzte sichtbare Signal (stand 3-2004) leitet das erste Renten-Revival des Jahres 2004 ein, das den Markt kurzzeitig bis 116.81 brachte, bevor die plötzlichen Zinsängste dem Trend ein Ende setzten. Zur weiteren Tendenz siehe in den aktuellen KID-Ausgaben.

Fazit: Insbesondere der langfristig orientierte strategische Anleger kann von den Konjunkturtrends am Rentenmarkt profitieren, indem er zu Beginn eines konjunkturellen Abschwungs in langlaufende Anleihen investiert. Zum Zinsertrag addieren sich damit Kursgewinne, die nach Ablauf der Spekulatonsfrist steuerfrei bleiben. Dies kann durch Auswahl niedriger Coupons und zusätzliches Engagement in Calls noch gesteigert werden. Dreht der Trend kurz vor Erreichen der Steuerfreiheit, kann man mit Puts absichern. Zu Beginn eines konjunkturellen Aufschwungs empfehlen sich Gewinnmitnahmen am langen Ende, Umschichten in kürzere Laufzeiten, Absicherung durch Hedging falls die Bestände weiter gehalten werden sollen sowie natürlich Investitionen in langlaufende Puts. Durch die Berücksichtigung konjunktureller Trends lassen sich am Rentenmarkt weitaus höhere Erträge erzielen als mit den konventionellen aber immernoch weit verbreiteten einfachen Buy-and-Hold-Strategien. Die Trends sind oft eher lang und verlaufen oft vergleichsweise ruhig und stetig.

 

Investieren am Aktienmarkt mittels Konjunkturzyklen

 

kid aktienmarkt chart

 

Beim Aktienmarkt zeigt sich wiederum auf den ersten Blick eine deutliche Korrelation zur Konjunktur. Bei V-förmigen Erholungen laufen die Aktienmärkte mit ihrem Tiefpunkt häufig etwas voraus, speziell wenn es sich um die technische Erholung nach einer scharfen Baisse oder einem kurzen Crash handelt. Hier wird die Verhaltensstruktur vieler Anleger maßgeblich: da oft erst zum Ende einer Konsolidierung oder Baisse massiv abverkauft wird (Sell-Off), erscheinen schnell antizyklische Investoren am Markt.

Viel interessanter ist das Bild bei einem beginnenden Konjunkturabschwung - denn hier zeigt fast immer die Konjunktur den Vorlauf und damit die zukünftige Richtung an, während die Anleger noch in Euphorie schwelgen oder erst zögernd an ihren Investments zu zweifeln beginnen. Die Konjunkturentwicklung stellt hier also regelmäßig ein wertvolles Warnzeichen für den Aktienmarkt dar. Ob die Aktien bei einem Konjunkturabschwung nur stagnieren oder früher oder später einbrechen, hängt offenbar mit von der Stärke der vorangegangen Aufwärtsbewegung ab.

Das Jahr 1993 bringt zunächst eine Hausse - zu deren Einstieg konjunkturell rechtzeitig geklingelt wurde. Mit der auf hohem Niveau aussergewöhnlich lange verharrenden Konjunktur folgt eine zähe und lange Seitwärtsbewegung am Aktienmarkt. Der kurze Einbruch Frühjahr 1995 wird vom KID rechtzeitig angezeigt - falls man sich nicht schon vorher entnervt langsam zurückgezogen hat. Nach dem erfolgreichen Überwinden der 2000er Marke legt der DAX von 1994-1996 eine lange Konsolidierungspause ein und überwintert den kurzen Konjunkturabschwung mehr oder weniger in der Waagrechten - ein müder Tradermarkt.

Obwohl der folgende Konjunkturaufschwung grünes Licht gibt und schnell Dynamik entwickelt, reagiert der Markt nur sehr träge und bietet damit lange Zeit Gelegenheit zum Einstieg. Erst zum Jahreswechsel 1996/97 gewinnen auch Aktien an Fahrt, die erst mit den Turbulenzen der Russland- und Emerging Market-Krise ins Stocken gerät. Hier folgt kurz darauf bereits der nächste konjunkturelle Wendepunkt. Doch der Markt, der erst lange mit der Reaktion auf den Aufschwung gezögert hatte, setzt dies nun ebenso verzögert mit einer Wiederaufnahme und Fortsetzung des Haussetrends gegen die konjunkturelle Entwicklung fort. Im Folgenden baut sich damit eine sehr starke Divergenz (D) auf - dieses "Fehlverhalten" wird mit dem "98er Crash" dann prompt und sehr schmerzhaft abgestraft. Die während der Divergenz erzielten Index-Gewinne gehen vollständig verloren - was zwangsläufig logisch erscheint.

Davon wiederum sind die Anleger nach der technischen Reaktion zunächst so nachhaltig beeindruckt, daß sie das frühe Einstiegssignal des nächsten positive Konjunktursignals erneut erst mit großer Verspätung, dafür dann aber um so heftiger befolgen. Die Grafik zeigt deutlich, daß die "Spekulationsblase" keinesfalls nur Illusion darstellte - primäre Basis des Anstiegs war ein kräftiger Konjunkturaufschwung. Dennoch war die Euphorie am Ende fast grenzenlos - sodaß wiederum das negative Signal der abdrehenden Konjunktur, mit idealem Timing im März 2000 sichtbar, mit stoischer "Ignoranz" der Anleger überfahren wurde. Die Folgen sind bekannt.

Der Konjunkturtrend zeigt in den Folgemonaten gnadenlos eine Richtung: abwärts - während die Medien fröhlich jedes kleine Bröckeln zu neuen "Kaufkursen" deklarieren und die Anleger weiter von neuen Höchstständen, von Frühjahrs-, Sommer- und Jahresendrallies träumen. Die Indices laufen nur sehr zögerlich und langsam abwärts. Dadurch bildet sich erneut eine extrem gefährliche Divergenz (D) aus. Schließlich wird sogar der positive Grundtrend der Konjunkturentwicklung der 90er Jahre gebrochen.

Parallel dazu findet auch der erste große Trendbruch seit 1995 im Dax statt. Dennoch hält der trügerische Optimismus den Aktienmarkt weiter relativ stabil, sodaß bei immer weiter steil fallendem Konjunkturtrend die Divergenz noch weiter anwächst. Diese Spannung löst sich schlagartig mit dem 11.. September 2001 und den steil fallenden Indices. Die folgende technische Reaktion und die auf den ersten Schock folgende Erleichterung trieb die Aktienmärkte schnell wieder in die Höhe - jedoch war dies ursächlich nur den weichen, also emotional bestimmten Komponenten der Konjunkturentwicklung zu verdanken. Die Stimmung pendelte vom extremen Schock hoch zu gelöster Spannung, nicht jedoch die "harten" realwirtschaftlichen Daten. Optimistische Grundstimmung während einer eher dramatischen Wirtschaftslage am Rand der Rezession. Diese "psycho-technische Gegenreaktion" machte die schnelle Erholung suspekt, zumal sich damit nur ein Pullback unter den alten gebrochenen Konjunkturtrend ausbildet. Erwartungsgemäß kippte mit dem Pullback die Stimmung wieder ab, gerade noch rechtzeitig für Skeptiker, um sich aus dem Markt ohne Verluste zu verabschieden.

Die fortschreitende Baisse erzeugte wiederum eine Stimmung, die weit schlechter war als die tatsächliche konjunkturelle Lage. Das BIP zeigte Stabilisierungstendenzen und nicht die befürchtete tiefe Rezession. Die angezeigte Wende im März 2003 verpassten viele Privatanleger und stiegen erst später in die parallel zur Weltkonjunktur verlaufende Rally 2003 ein. Erst im Jahresverlauf besserte sich die Stimmung - hin zu einem Konjunktur-Optimismus, zu dem speziell in Deutschland kaum Anlass bestand. Der KID lieferte zum Jahresanfang 2004 bereits ein deutliches Warnzeichen. Inzwischen hat sich allgemein die Erkenntnis durchgesetz, daß wir derzeit keinen Aufschwung sondern allenfalls eine leichte Belebung sehen. Der Aktienmarkt schwächelt und stagniert. Zitat: "Die emotionalen "Schockwellen des 11. September" werden uns mit ihrem phasenverschobenen Ausschwingen wahrscheinlich noch länger beschäftigen." Im Moment erleben wir mit den Ängsten um die Zinspolitik der FED die "Echo-Welle" dieser Schwingung. Siehe dazu die aktuellen KID-Texte (April/Mai).

Fazit und praktische Schlußfolgerungen

Als Fazit läßt sich mit einiger Überraschung feststellen: Aktienmärkte laufen der Konjunktur keinesfalls einfach immer nur voraus. Im Gegenteil, über den Beobachtungszeitraum verhalten sich die Anleger vorzugsweise emotional und "unvernünftig" und schwanken zwischen langem ängstlichem Zögern und ebenso zu langer euphorischer Übertreibung oder fast bockigem Beharren gegen den Trend der realen Wirtschaft - und das nicht etwa erst seit der "Jahrhundert-Hausse". Das Modell des "Rational Investor" scheint in der Wirklichkeit der Aktienmärkte tasächlich nicht sehr verbreitet. Konjunkturelle Trendwenden werden häufig nicht oder zu spät beachtet, mit entsprechenden Folgen. Die oft angenommene direkte Leader-Funktion des Aktienmarktes für den "Rest der Welt und der Wirtschaft" beruht aber offenbar nur auf "overconfidential bias" der entsprechenden Auguren ("Masters of the Universe").

Besonders interessant ist der Quervergleich zum Rentenmarkt: der Bond-Investor agiert vergleichsweise oft viel vernünftiger und rationaler als die Aktionäre und befindet sich damit mehr im harmonischen Einklang mit den Schwingungen der realen Wirtschaft. Während der Aktien-Investor, von höheren Gewinnchancen verleitet, das deutlich höhere Risiko fährt und damit offenbar regelmäßig auch zu entsprechend heftigen Ausfallerscheinungen und Emotionen wie (zuviel) Angst oder Gier zu neigen scheint. Und eindeutig zum gelegentlichen Verdrängen oder zumindest "Nichterkennen" der jeweils konkreten konjunkturellen Wirklichkeit. Dementsprechend werden lange Zeiträume am Markt eher von Hoffnungen, Illusionen und Wunschvorstellungen bzw. von Unsicherheit, Zögern und Ängsten bestimmt. Grade hier liefert die Konjunktur wertvolle und sehr nervenschonende Hinweise auf die zukünftige Entwicklung und zeigt besonders häufig rechtzeitige deutliche Warnsignale für den Aktienmarkt. Dies gilt sowohl für den Langfrist-Investor als auch für den Trader, dem die Kenntnis des wahrscheinlichen zukünftigen Hauptrichtung ein besseres Risiko-Management ermöglicht.

Da sich Märkte oft nicht rational verhalten, besteht der Nutzen in erster Linie darin, "irrationale Divergenzen" zu identifizieren und damit deutlich mehr Sicherheit in die eigenen Investments zu bringen. Speziell bei Übertreibungen und in unsicheren Phasen ist ein Wissen um die mögliche zukünftige Grundtendenz der Konjunktur von entscheidender Bedeutung. Die grundlegende BASIS von Aktien- und Rentenkursen bleibt trotz aller zwischenzeitlich kurzfristigen emotionalen Bewegungen stets die Entwicklung der Konjunktur und der Gesamtwirtschaft und damit der Unternehmensgewinne und Gewinn-Perspektiven. Deutliche Lektion der Aktienbaisse: Eine Mißachtung dieser realwirtschaftlichen "Fundamentals" kann weitreichende und teure Folgen haben. Die Beobachtung der Konjunkturzyklen und ihres Vorlaufs z.B. mit dem KID kann entscheidend dazu beitragen, den hohen Aktiengewinnen nicht auf längere Sicht immer wieder fast ebenso hohe Verluste hinzuzufügen. Und sie ermöglicht dem Bond-Investor mit der konjunkturellen Zyklik deutlich lukrativere Erträge am Rentenmarkt.

Thomas A. Spörer, 2004

 

 

 

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