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KID Konjunktur-Indikator-Deutschland

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Wozu noch ein Konjunktur-Indikator Deutschland ?

Nach Börsenboom und Aktienbaisse und Jahren sorglosen Wachstums und Wohlstands gefolgt von Verunsicherung und Ängsten über globale Veränderungen sowie Strukturkrisen im Inland hat das Interesse an Konjunktur auch bei Investoren wieder zugenommen. Meist richtet sich das Interesse dabei auf die Veröffentlichung einzelner Daten, deren jeweilige Mode jedoch im Zeitverlauf wechselt. Warum noch ein Konjunktur-Indikator Deutschland, nachdem wir doch längst im Euroland leben? Der Grund für einen "deutschen" Konjunktur-Indikator liegt in der Statistik: Vielen Euroland-Zeitreihen fehlt, auch aufgrund der EU-Erweiterungen, schlicht noch die nötige Datenkontinuität bzw. ausreichende Historie. Zusätzlich werden viele Datenreihen "harmonisiert", was eine gewisse "Verflachung" ihrer Aussagekraft bewirkt. Auch für den KID gibt es keine "rückwärtsgerichtete" lange Historie, da die Wiedervereinigung mit ihren Wirtschaftlichen Veränderungen einen deutlichen Bruch zu den Datenreihen des "alten Westdeutschland" verursacht hat.

"Trau keiner Statistik ..."

Die amtliche Statistik wird in der Bevölkerung häufig angezweifelt, hauptsächlich deshalb, weil statistische Messwertreihen oft keinen direkten Zusammenhang zur individuellen und erlebten Wahrnehmung haben müssen. Den "statistischen Durchschnittbürger" gibt es in der Wirklichkeit des täglichen Lebens praktisch nicht. Trotzdem benutzt er sehr gern das bekannte Churchill-Zitat: „Trau keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!“ Ein Vorurteil, weil aus dem Zusammenhang gerissen. Winston Churchill bezog sich mit seiner Aussage ausschließlich auf die offiziell bekanntgegebenen und damit „amtlichen“ Verluststatistiken im Krieg – die als aktiver Teil psychologischer Kriegführung zur Irreleitung des Gegners und dessen Lageeinschätzung, Planung und Strategie gezielt „manipuliert“ und verfälscht wurden. Die Militärstatistik als eigenständiges „Kampfmittel“ der Propaganda hat also, nicht trotz sondern wegen des Zitats, nichts mit unserer sehr zivilen amtlichen Statistik zu tun.

Statistik und persönliche Wahrnehmung

In Fortführung des Churchill-Zitats wird Statistik oft unterstellt, einer gewissen „Manipulation durch Machtinteressen“ zu unterliegen. Abgesehen davon, daß dies nur in totalitären Systemen praktisch überhaupt durchführbar wäre, liegt der Grund für solche Zweifel oft in unserer individuellen Wahrnehmung und der Neigung, diese direkt mit den amtlichen Zahlen zu vergleichen. Als Beispiel kennen wir vom Wetterbericht die Unterschiede zwischen „gefühlter Kälte“ und den gemessenen Werten. Ähnlich die amtliche Statistik: sie ist ausserstande, das Leben oder Empfinden eines einzelnen Individuums „richtig“ wiederzugeben. Stattdessen liefert sie gemittelte Meßwert-Reihen unter fest vorgegebenen und dazu noch meistens wenig bekannten Annahmen und wird deshalb gern angezweifelt. Die Medien tragen mit häufig unqualifizierter Sensationsberichterstattung dazu bei, die bekannten Vorurteile eher zu verstärken, statt durch Hintergrunderläuterung zu einem sachlicheren Bild beizutragen.

KID Indikatoren-Beschreibung

Der KID Konjunktur-Indikator Deutschland versucht, Wendepunkte der Konjunktur möglichst sehr frühzeitig anzuzeigen. Vergleichsmaßstab ist dabei das deutsche Brutto-Inlandsprodukt in prozentualer Veränderung zum Vorjahresquartal auf Basis von Zahlen der Deutschen Bundesbank. Da Trendwechsel und Trendstärke i.d.R. mehr Bedeutung haben als die später errechnete prozentuale BIP-Veränderung, lag das Schwergewicht der Optimierung auf Geschwindigkeit und Trendrichtung, weniger auf der absoluten Höhe des Indikators. Auf eine Skalierung wurde deshalb verzichtet. In die Berechnung fliessen zahlreiche Datenreihen meist in daraus speziell errechneten Ableitungen ein. Die eingezeichneten Signale entstehen durch Schnitt des Indikators mit seinem 5-Monats-Mittelwert im Folgemonat, sind durch die erreichte Glättung aber oft schon früher erkennbar. Neue Zahlen fließen fast täglich in die Berechnung ein, sodaß die jeweils vorliegende Abbildung und Kommentierung nur eine Momentaufnahme des aktuellen Standes darstellt. Wer den Indikator im Zeitlauf verfolgt stellt fest, daß "am harten rechten Rand" oft muntere Bewegung herrscht. Ausser durch neue Daten wird dies auch durch die übliche Revision der Zahlen der vergangenen 1-2 Monate bedingt. Bei den einmal jährlichen Revisionen der gesamten Basisdatenreihen kommt es gelegentlich sogar zu leichten Veränderungen des Gesamtbildes, meistens zum Jahreswechsel. Im zeitlichen Vorlauf, in Schnelligkeit, Präzision und in der sauberen Glättung kann sich der KID mit seinen Signalen ohne Probleme mit vielen anderen Konjunktur-Indikatoren messen.

Fuzzy Logic: Unscharfe Informationen erzeugen scharfe Bilder

Das Grundprinzip des Indikators entspricht der "Fuzzy Logic": aus vielen bekannten, für sich allein aber "unscharfen" Einzelinformationen wird versucht, durch Filterung, Bearbeitung und Kombination eine neue, aber nun "scharfe" Information zu gewinnen. Dies geschieht in der Form, daß aus einzelnen Zeitreihen zunächst die "relevanten Schwingungen" als nutzbare Information betrachtet werden. Daraus entstehen im nächsten Schritt zusammengefaßte Einzel-Komponenten, die wiederum optimiert und kombiniert den Indikator bilden. Anders als bei üblichen Modellen existiert für den KID keine "spezielle Formel", er entsteht vielmehr durch ein Netz bzw. Geflecht relativer Einzelinformationen. Dies entspricht prinzipiell der Funktionsweise des menschlichen Gehirns bei der Informationsverarbeitung - und steht im Widerspruch zur digitalen Informationsverarbeitung des Computerzeitalters. Die einzelne Information wird nicht als nur "wahr" oder mur "falsch" (digital als 0 oder 1) kategorisiert, sondern es wird versucht, eine Vielzahl von differenzierten Abstufungen zu erkennen, zu relativieren und weiterzuverarbeiten. Aus vielen "unscharfen" einzelnen und scheinbar in sich chaotischen Schwingungen wird damit eine erkennbare Bewegung mit Richtung, Trend-Dynamik und natürlich mit Wendepunkten.

Schwingungen und Schwingungsmuster

Als bildhafter Vergleich eignet sich vielleicht das Meer, wo aus einer Unzahl von kleinen, mittleren und großen Bewegungen erkennbare Wellenmuster, grössere Wellen und letztendlich die Gezeiten als Ebbe und Flut entstehen. Dies bedeutet in der praktischen Konsequenz, daß es beim KID z.B. relativ schwer festzustellen wäre, wieviel Prozent einer einzelnen Ausgangsdatenreihe am Ende tatsächlich im aktuellen Indikatorstand enthalten sind. Zusätzlich gibt es noch eine weniger geglättete Version, die ausschließlich aus "harten" realwirtschaftlichen Basisdaten besteht und einen Quervergleich zum KID ermöglicht, in dem auch ein Anteil "weicher", also mehr stimmungsabhängiger Daten enthalten ist. Ausserdem gibt es "Vorlaufkomponenten", ausgekoppelte Anteile, die einen zeitlich noch grösseren Prognosevorlauf zeigen, der aber stets mit Unsicherheit behaftet ist und nur gelegentlich mit in die Kommentierung einfliesst. Der KID Konjunktur-Indikator beeinhaltet also ein etwas anderes Grundkonzept, nicht nur "eine neue Formel". Die offene Komponenten-Bauweise ermöglicht eine gute Einsicht in die jeweilige Entwicklung und liefert außerdem wertvolle Hinweise für die Interpretation von Konjunktur und Märkten. Am einfachsten läßt sich dies nachvollziehen, wenn man eine Zeitlang den Indikator im Verlauf verfolgt - es handelt sich beim KID um einen „Fortsetzungsroman“.

Historie

Seit über 2 Jahren wird der KID gegen Monatsmitte unter www.technical-investor.de bzw. www.tradesignal.com veröffentlicht. Via Startseite unten über "Sitemap" und dann "Autoren" lassen sich mit der Suchfunktion auch ältere Texte und Grafiken im jeweils gewählten Zeitfenster einsehen. Alle Berechnungen und Aussagen zum KID werden nach bestem Wissen und Gewissen auf Basis der jeweils vorliegenden Informationen und Daten getroffen und stellen keine Beratung dar. Dies gilt speziell für die Schlußfolgerungen zur konjunkturellen Grundtendenz bei anderen Märkten - denn hier stellt die Konjunktur immer einen von mehreren Einflußfaktoren dar. Eine Haftung hinsichtlich der Aussagen ist ausdrücklich ausgeschlossen.

Thomas Spörer, 2004

 

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