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KID Konjunktur-Indikator-Deutschland

Quo vadis, Konjunktur und Märkte im Mai 2013?

von Thomas A. Spörer

KID Mai 2013

Chart grösser

Enttäuschender Jahresstart 2013 mit dem ersten Quartal

Die 17. KW

... begann mit dem CFNAI Chicago Fed Index, der von +0.76 auf -0.23 wieder in den Blues-Rhythmus unter Null zurückfiel. Auch die US Existing Home Sales enttäuschten mit -0.6% bei erwartetem Anstieg. Der HSBC China Flash PMI sank vorläufig von 51.6 auf 50.5 Punkte. Die Vorabdaten der europäischen Einkaufsmanager zeigten mit gesamt 46.5 vorläufigen Stillstand und den 15. Monat in Schrumpfung. Der Servicesektor konnte leicht von 46.4 auf 46.6 zulegen, die Industrie gab etwas von 46.8 auf 46.5 nach. Frankreich erreichte eine kleine Aufhellung, blieb dabei aber unterhalb der Erwartungen. Besonders hart traf es die deutschen PMI´s, wo mit insgesamt -1.8 von 50.6 auf vorläufig 48.8 der rezessive Bereich klar wieder erreicht wurde. Die deutsche Industrie verlor von 49.0 auf 47.9, die Dienstleister von 50.9 auf 49.2 Zähler. Euroland versackt im Abwärtstrend, inzwischen ist Deutschland "unerwartet" auch mit dabei. Der Aktienmarkt setzte umgehend auf EZB-Zinssenkungsfantasie. Der "sparende Schulden-Kontinent" erhöhte seine Schuldenquote am BIP 2012 von 87.3% auf 90.6%.

Die ICSC Chain Store Sales legten +0.8% und im Index von 557.2 auf 561.4 zu. Der FHFA Hauspreisindex gewann im Februar +0.7% bzw auf Jahressicht +7.1%. Die US New Home Sales verbesserten sich im März um deutliche +1.5%. Die Mass Layoff Statistik zeigte eine fast unveränderte Zahl der Ereignisse, die Zahl der Betroffenen ging dennoch leicht zurück. Der Richmond Fed Index fiel mit -6 nach +3 wieder unter Null. Das ifo Geschäftsklima wurde leicht schwächer erwartet, gab aber deutlich um -2.3 von 106.7 auf 104.4 nach. Die Lage verlor kräftige -2.7 von 109.9 auf 107.2, die Erwartungen -2.0 von 103.6 auf 101.6 Punkte. ifo sprach nur von einer "Verschnaufpause", was trotz erkennbar auf Fast-Null fortgesetztem Abschwung noch immer einen nur unterbrochenen Aufschwung suggeriert: abwärts muss i.d.R. niemand verschnaufen. Die vorläufigen US-Auftragseingänge langlebiger Güter krachten im März um satte -5.7% in den Keller, der Vormonat wurde dazu kräftig von +5.7% auf noch +4.3% abwärts revidiert. Ex Transport wurde ein kleiner Anstieg von +0.5% erwartet, hier ergaben sich jedoch -1.4% und für den Februar nach -0.5% revidierte -1.7%. Aufschwung sieht auch hier anders aus.

Die US Unemployment Claims verbesserten sich deutlich von revidiert 355.00 auf 339.000 Erstanträge. Der Kansas City Fed Index wurde bei -1 erwartet, blieb aber wie schon im Vormonat bei -5 Punkten stehen. Das US-BIP blieb in der 1. Schätzung zum 1. Quartal 2013 mit +2.5% nach +0.4% unter den erwarteten +3.0%. Der Sprung in der saisonbereinigt annualisierten Jahresrate wirkt zwar noch halbwegs beeindruckend, in normaler und sinnvoller europäischer Berechnungsweise unterschied sich Q1/2013 mit +1.80% nur wenig von Q4/2012 mit +1.67%. Für Sommer 2013 ist mit einer weiteren "gewaltigen Steigerung" des US-BIP zu rechnen, da dann rückwirkend neue hedonisch verzerrende "Berechnungs-Optimierungen" eingeführt werden sollen. Der eigentliche Grund dafür dürfte sein, dass man damit den gegen BIP gerechneten Verschuldungsgrad der USA optisch verbessern kann - an der Realität ändert sich dennoch nichts.

Das endgültige April-Verbrauchervertrauen der Uni Michigan zuckte nach dem mit 72.3 schwachen Wert zur Monatsmitte wieder hoch, sodass zum Ende April 76.4 nach 78.6 im März verblieben. Der ECRI WLI lag mit 130.6 praktisch unverändert, nur die Vorwoche wurde auf 130.5 abwärts revidiert. Der Baltic Dry landete bei 871 wieder schwächer, der Harpex sprang dagegen von 384 auf 391 Zähler. Die Bundesregierung erwartet in ihrer Frühjahrsprognose eine Arbeitslosenrate von 6.8 Mio im Schnitt 2013 und ein Wachstum von +0.5%, also noch unterhalb des Sachverständigenrats. Die Märkte warten hoffnungsvoll auf eine Zinssenkung der EZB - so als ob die etwas grundsätzlich verändern würde.

Die sehr datenreiche 18. KW

... lieferte die europäischen Sentimentwerte mit einem "unerwartet deutlich" schwächeren ESI Composite von 88.6 nach revidiert 90.1 Punkten. Nur das stets etwas langsamere Verbrauchervertrauen konnte sich von -23.5 auf -22.3 verbessern. Die Industrie verlor von -12.3 auf -13.8, die Dienstleister von -7.0 auf -11.1, der Einzelhandel von -17.1 auf -18.1 und der Bausektor von -30.4 auf -31.8 Zähler. EU-Energiekommissar Oettinger bestätigte die zunehmende Deindustrialisierung, binnen 15 Jahren ist der Anteil der Industrie am EU-BIP um mehr als 20% gesunken und 3 Millionen Produktions-Arbeitsplätze sowie erhebliches technisches Innovationspotenzial vernichtet worden. Die vorläufigen deutschen Verbraucherpreise gingen im April wieder zurück, die Jahresrate sank von +1.4% auf +1.2%. Die US Pending Home Sales legten per März +1.5 gegen den auf -1.0% abwärts revidierten Februar zu, gegen Vorjahr errechnen sich +7.0%. Der Dallas Fed Index wurde mit +5.0 nach +7.4 erwartet, er stürzte jedoch auf -15.6 Punkte ab.

Das GfK Konsumklima blien mit 6.2 nach revidiert 6.0 freundlich, erstmals sahen die Verbraucher jedoch auch die Konjunkturabschwächung, die Konjunkturerwartungen mussten leichte Einbußen hinnehmen. Einkommenserwartungen und Anschaffungsneigung blieben davon aber noch unberührt und konnten jeweils leicht zulegen, letztere auch wegen der sinkenden Sparneigung. Der deutsche Arbeitsmarkt zeigte im April eine späte und schwächere Frühjahrsbelebung. Die Zahl der Arbeitslosen verringerte sich um -77.500 auf 3.02 Millionen, die Rate ging von 7.3% auf 7.1% zurück. Der Eurozone gelang mit 12.1% oder 19.2 Millionen ein neuer trauriger Rekord. Aber auch dem deutschen "Jobwunder" droht weiteres Ungemach, das ifo Beschäftigungsbarometer sank gerade auf ein Dreijahrestief. Der lange Winter setzte dem deutschen Einzelhandel zu, Textilien, Schuhe und Bekleidung verloren im März -10.7%. Der Umsatz der Einzelhändler stagnierte gegen Februar nominal und ging real um -0.3% zurück, der Jahresvergleich erbrachte nominal -1.4% und real -2.8%.

Die US Chain Store Sales legten +0.4% oder im Index von 561.4 auf 563.7 zu. Der Case Shiller Hauspreisindex zeigte für Februar mit +1.2% den stärksten Anstieg seit Mai 2006. Die Chicagoer Einkaufsmanager schrumpften ihren PMI unerwartet mit nur noch 49.0 nach 52.4 bis unter die Wachstumsschwelle. Das TCB US-Verbrauchervertrauen wurde für März von 59.7 auf 61.9 revidiert und holte im April den verbliebenen Einbruch mit 68.1 wieder vollständig auf. Der halboffizielle CFLP China PMI wurde mit 50.6 nach 50.9 schwächer ermittelt. Die US-Einkaufsmanager brachten ihren ISM-Index nach dem März-Absturz mit per April noch 50.7 nach 51.3 weiter nahe an die Schwelle zur nächsten Rezession. Die US Bauausgaben wurden erneut leicht höher erwartet, gaben im März aber kräftig um -1.7% nach. Der FED Offenmarktausschuss FOMC sah die wirtschaftliche Lage etwas "durchwachsener" als beim letzten Mal und schloss notfalls auch eine Ausweitung statt Reduzierung der Anleihekäufe nicht aus.

Der HSBC China PMI sank mit noch 50.4 nach 51.6 unter die Vorabschätzung. Auch der HSBC PMI für Indien sank mit 51.0 nach 52.0 auf ein 17-Monats-Tief. Die europäischen Einkaufsmanager der Industrie blieben mit final 46.7 nach 46.8 zwar über der Vorabschätzung, eine Frühjahrsbelebung sieht aber anders aus. Die deutschen Industriekollegen erreichten abwärts 48.1 nach 49.0 Punkten. Die EZB senkte die Leitzinsen von 0.75% auf das neue Rekordtief 0.50% - ein Ende der Rezession dürfte damit dennoch Illusion bleiben. Die US Unemployment Claims verbesserten sich Ende April weiter von revidiert 342.000 auf 324.000 Erstanträge. Auch der Challenger Report berichtete von einer Verbesserung, gegen den schlechteren März sanken die Entlassungsankündigungen wieder um -22.6%, was gegen April 2012 -6% bedeutet. Das US-Handelsbilanzdefizit schrumpfte im März mit -38.83 nach -43.63 Mrd USD im Jojo-Rhythmus wieder deutlich, erwartet wurden -42 Mrd. VDMA meldete die vorläufigen Auftragseingänge im deutschen Maschinenbau mit gesamt -4%, aus dem Inland sogar -15%, die von einem leichten Plus aus dem Ausland nicht kompensiert werden konnten.

Der US-Arbeitsmarkt zeigte eine minimale Frühjahrsbelebung, die Zahl der nonfarm neu geschaffenen Stellen wurde für Februar und März aufwärts revidiert, der April brachte 165.000 neue Jobs. Die Arbeitslosenrate sank nur leicht von 7.57% auf 7.51%, die durchschnittlichen Stundenlöhne legten zu. Der ISM-Index der US-Dienstleister verlor -1.3 von 54.4 auf 53.1 Punkte. Die endgültigen US-Auftragseingänge büßten im März über den erwarteten -3.0% volle -4.0% ein, der Februar wurde dazu von +3.0 auf +1.9% abwärts revidiert. Langlebige Wirtschaftsgüter verloren -5.8%, ex Transport errechneten sich insgesamt -2.0%, ex Rüstung -3.5%. Investitionsgüter konnten nach -4.8% zuvor im März leicht um +0.9% aufholen. Der ECRI WLI stagnierte bei 130.6 Zählern. Das monatliche ECRI US-Inflationsbarometer USFIG zog nach revidiert 103.9 im April mit 105.4 wieder an. Das einen Monat nachhängende europäische Pendant EZFIG sank von 92.8 auf 92.4 Punkte, Inflation ist im Euroland auch weiterhin noch kein Thema. Der Baltic Dry verlor bis 862 und drehte dann aufwärts bis 878, der Harpex kletterte von 391 auf 396 Zähler, die Bodenbildung bleibt aber hier sehr schleppend. Fazit dieser Woche: die Daten teils grottenschlecht, die Märkte zum Schluss hellauf begeistert und im "Buy-In-May-Your-Brain-Away-Modus".

Die 19. KW mit vordergründig positiven deutschen harten Daten

... eröffnete der Konjunktur-Sentix mit etwas Licht in Europa und dunkleren Schatten über Deutschland. Der Euroland-Gesamtindex zeigte eine Mini-Erholung von -17.3 auf -15.6, die Lage wurde mit -32.3 nach -33.5 etwas entspannter gesehen, die Erwartungen prallten zunächst von der Null ab und stiegen von +0.5 auf +2.8 Punkte. Die Hoffnungsdifferenz bleibt, für "Trendwende abgewendet!" ist es evtl. noch etwas früh. Die USA wurden trotz miserabler harter Daten deutlich positiver gesehen, ebenso Japan wo sich die Lage von -3.3 auf +0.3 verbesserte. Das globale Aggregat zeigte insgesamt eine kleine Stabilisierung von +10.4 auf 10.8 bei mit +9.8 unveränderter Lage und von +11.1 auf +11.8 gestiegenen Erwartungen. Gegen den allgemeinen Trend sackte die Lage-Einschätzung für Deutschland von +30.2 auf +24.8 ab, die Erwartungen legten minimal von +5.7 auf +6.0 zu, der Gesamtindex verlor von +17.6 auf +15.2 Punkte. Deutschland ist keine Insel und trägt des höchste Risiko beim unaufhaltsamen Niedergang der Eurozone.

Es folgten die europäischen Einkaufsmanager der Dienstleister sowie die finalen PMI-Gesamtwerte. Die deutschen Dienstleister rutschten mit final 49.6 nach 50.9 wie erwartet unter die Wachstumsschwelle, der deutsche Gesamtindex verlor ebenso von 50.6 auf 49.2 Punkte. Damit sinken die Chancen auf eine erhoffte Erholung im zweiten Quartal. Der europäische Servicesektor konnte sich über Erwartung von 46.4 auf 47.0 steigern, der Euroland-Gesamtindex legte damit +0.4 von 46.5 auf 46.9 zu. In Europa geht die Talfahrt somit nur etwas gebremst, in Deutschland dafür beschleunigt weiter. Der deutsche Auftragseingang kam im März preis-, kalender- und saisonbereinigt dank eines weit überdurchschnittlichen Anteils an Großaufträgen mit gesamt +2.2% deutlich über den zuvor erwarteten -0.5%. Das Inland bestellte gegenüber Februar um +1.8%, das Ausland um +2.7% mehr, aus der Eurozone kamen +4.2% mehr Orders. Investitionsgüter gewannen +2.0%, Vorleistungsgüter +3.6%, Konsumgüter verloren -0.7%. Der Jahresvergleich mit unbereinigten Volumenoriginaldaten liefert dennoch mit gesamt -6.0% sowie Inland -7.5% und Ausland -4.9% keinerlei Grund zum Jubeln.

Die ICSC Chain Store Sales gaben Anfang Mai um -1.0% bzw. im Index von 563.7 auf 558.0 nach. Die deutsche März-Produktion wurde mit leichtem Minus erwartet, stattdessen errechnete sich durch wetterbedingt um +4.0% höhere Energie-Erzeugung sowie Nachholeffekte mit +2.1% im Investitionsgütersektor ein Plus von gesamt +1.2% gegen Februar. Gegen das Vorjahr setzte sich der laufende Abwärtstrend mit aktuell -2.5% nach revidiert -1.7% jedoch ungebremst weiter fort. Die US Unemployment Claims gaben leicht von revidiert 327.000 auf 323.000 nach. Der deutsche Export brachte als dritte harte Größe das selbe Bild, gegen den schwachen Februar gab es im März ein kleines Plus von +0.5%, der Jahresvergleich zeigt aber -4.2% mit sogar -7.0% Rückgang aus dem Euroraum. Der Jahresquartalsvergleich erbringt -1.5%. In Nicht-EU-Länder wurden -2.6% weniger ausgeführt - der deutsche Exportboom geht sichtlich zuende, was auch der Außenhandelsverband nach den Zahlen bestätigte.

Beim ECRI WLI wurde mit glatt 131.- nach 130.6 der höchste Stand seit April 2011 erreicht. Der Baltic Dry legte bis 892 zu und endete bei 884, der Harpex gewann einen von 396 auf 397 Punkte. Die deutschen harten Daten wirkten im Monatsvergleich bestenfalls leicht beruhigend, trieben aber den DAX auf ein neues Allzeithoch. Kiel Economics kommentierte, "der Optimismus passe zur robusten deutschen Konjunktur". Der Jahresvergleich zeigt jedoch ein klar anderes Bild - Minuszeichen und summa summarum bestenfalls zunächst nur "robuste Nullen" in einem europäischen Umfeld stetig fortschreitenden Niedergangs, wie nicht zuletzt der parallele französische Rückschlag demonstriert.

Die 20. KW mit dem deutschen BIP im ersten Quartal 2013

... brachte zunächst die US Einzelhandelsumsätze im April, die bei erwarteten -0.4% mit +0.1% verbessert kamen. Tankstellen setzten allein -4.7% weniger um, ein Minusrekord seit Dezember 2008. Das Handelsblatt Insiderbarometer vermeldete entgegen sonst eher antizyklischen Verhaltens aktuell etliche prozyklische Aktienkäufe, sodass der neutrale Bereich damit fast wieder erreicht wurde. Sentix prägte den Satz "Aktien sind trotz Krise toll!", wies aber auch darauf hin, dass relativ voll investierte Institutionelle nun langsam beginnen könnten, den erst auf neuen Allzeithochs nachziehenden Bedarf spätberufener Privater zu bedienen. Die endgültigen deutschen Verbraucherpreise wurden für April mit +1.2% nach +1.4% bestätigt. Nach dem Einbruch des Vormonats kamen die ZEW Konjunkturerwartungen aktuell mit 36.4 nach 36.3 nicht vom Fleck. Nur die Lage wurde mit +8.9 nach +9.2 erneut etwas schwächer beurteilt. Die Erwartungen für die Eurozone stiegen von +24.9 auf +27.6, die Lage fiel von -76.0 auf -76.8 zurück. Der OECD Composite Leading Index legte nach Abwärtsrevision den schon gewohnten Zehntelpunkt von 100.4 auf 100.5 zu, der Abwärtstrend seit 2011 bleibt intakt. Die US Chain Store Sales verloren -2% bzw. von 558.0 auf 546.9 Punkte.

Das mit Spannung erwartete deutsche BIP im ersten Quartal 2013 blieb mit nur +0.06% nach zuvor -0.69% deutlich unter den erwarteten +0.3%, zeigte im Vergleich zum abwärts revidierten Vorquartal aber wenigstens noch eine knapp schwarze Null. Der KID lag hier mit "Fastnullkommanix" wieder näher an der Realität als die Experten, obwohl eine präzise Vorhersage in den momentan "rein sentimentalen Aufschwüngen" und zinsmanipulierten Märkten denkbar unmöglich erscheint. Gegen Vorjahr errechnete sich bereinigt mit -0.25% nach +0.31% ein klares Minusquartal, unbereinigt betrug das Minus -1.4%. Als vermeintlich schuldiger Verursacher war "das Wetter" schnell gefunden. Der "E-Mix" aus permanenter Eurorettung, regierender Eurokratie und misslungener Energiewende bekommt der deutschen Wirtschaft sichtlich schlecht. Die Medien verlegten sich auf den schwachen Trost, dass es Frankreich in der Rezession mit erneut -0.2% gegen 4/2012 noch schlechter ergeht, sowie dass "die Aufwärtsbewegung" sich 2013 dank unseres Binnenkonsums weiter fortsetzen werde. Kanzlerin Merkel hatte zuvor schon betont, dass das rein quantitative BIP nichts über unser "qualitatives Wachstum" aussage - wie früher in der DDR, wo die Moralqualität auch stets um einiges höher lag als der Wohlstand in der BRD.

Das BIP der Eurozone schrumpfte mit -0.2% bei zuvor erhofften -0.1% munter rezessiv weiter, tatsächliche Lichtblicke gab es nirgends, weder in der Peripherie noch bei den größeren Staaten. Die US April-Erzeugerpreise rauschten ordentlich abwärts, die Jahresrate sank von +1.13% auf +0.67%. Der Empire State Index drehte bei erwartet +4.0 "überraschend" von +3.05 auf -1.43 zurück ins negative Terrain. Auch die US-Industrieproduktion schrumpfte mit -0.5% stärker als um die erwarteten -0.2%. Der Vormonat wurde dazu abwärts revidiert, die Kapazitätsauslastung ging mit 77.78% nach 78.32% sehr deutlich zurück. Der NAHB Housing Index stieg von abwärts revidiert 41 auf 44 Punkte. Die deutschen Großhandelsverkaufspreise blieben im April mit +1.1% gegen Vorjahr stabil.

Die US Unemployment Claims lagen mit 360.000 nach revidiert 328.000 Erstanträgen deutlich schlechter. Die US April-Verbraucherpreise gaben deutlich nach, die Jahresrate sank von +1.48% auf 1.11%. Die US Baubeginne sackten mit -16.5% kräftig ab, die zukunftsweisenden Baugenehmigungen legten jedoch parallel um +14.3% zu. Der Philly Fed Index kippte "überraschend" von +1.3 auf -5.2 und klar unter Null ab. Der TCB US Leading Index wurde für die vergangenen Monate deutlich abwärts revidiert und zog aktuell dafür wieder von 94.4 auf 95.0 an. Das US Verbrauchervertrauen der Uni Michigan kam zur Monatsmitte mit +7.3 von 76.4 auf 83.7 überraschend stark. Lage und Erwartungen zogen gleichermaßen an und erreichten zusammen den höchsten Wert seit Sommer 2007. Der ECRI WLI gab dagegen von 131.0 auf 130.2 nach und landete nach kurzem Anstieg wieder beim Stand von Anfang April. Der Baltic Dry rutschte bis Donnerstag auf 850, der Harpex gewann erneut einen auf 398 Punkte.

Der KID im Mai

... bestätigte zunächst das vorangegangene Negativsignal und die seit Längerem gehegte Annahme, dass wir hier nur den zweiten substanzlosen "Stimmungsaufschwung" gesehen haben. Das deutsche BIP im ersten Quartal unterstrich mit +0.06% gegen Q4/2012 und -0.25% im Jahresvergleich den erwarteten Flatliner und die unakademisch flappsige aber dafür voll zutreffende "Fastnullkommanix"-Prognose. Die aktuelle Momentaufnahme brachte jedoch wieder eine leichte Erholung, die die Prognose nicht eben einfacher macht. Erst ein weiterer Monat harter Daten und emotionaler Schwankungen dürfte mehr Klarheit bringen, ob wir, wie es sich momentan vorsichtig andeutet, ein halbwegs stabiles oder erneut sogar minimal verbessertes zweites Quartal sehen werden. Die harten Daten für sich allein laufen nun schon seit einem Jahr mehr oder weniger auf niedrigem Niveau nur noch seitwärts, ohne von der Stimmung bislang irgendwie beflügelt zu werden. Was sich aufgrund der hohen Erwartungen mitten in einem fortgesetzt fundamental deutlich schwachen Umfeld und einer laufenden europäischen Dauerkrise ohnehin schwer genug sein dürfte.

Ein schweizer Blog beschrieb den momentanen Zustand relativer Sorglosigkeit und europäischer Selbstgefälligkeit recht treffend und benannte den zugrundeliegenden und bereits mehrfach wiederholten typischen Ablauf als das "KASS-Muster", definiert wie folgt:
1.) Krise
2.) Aktion
3.) Stabilisierung
4.) Selbstgefälligkeit/Sorglosigkeit
Seit dem EZB-Bekenntnis zur bedingungs- und alternativlosen "Euro-Rettung" bewegen sich Politik und Märkte wieder in Phase 4, die Renditen und Spreads der beiden "schweren Krisenländer" Spanien und Italien sinken gekauft durch gezielte Manipulation, der heftig fortschreitende Niedergang Frankreichs und die allgemein völlig unerwartete Schwäche der deutschen Konjunktur werden bewusst verdrängt bzw. hoffnungsfroh mit Verweis auf den kommenden Aufschwung heruntergespielt. Dabei bedeutet gerade Letzteres nichts anderes, als dass nun auch der bis dato noch "starke Norden" unausweichlich mit in den Krisen-Sog und -Sumpf hineingerät. Da ist lautes Pfeifen im dunklen Wald zwar absolut verständlich, aber angesichts des gesamteuropäischen Niedergangs mit katastrophalen Arbeitslosenzahlen, weiter sinkenden Länder-BIP´s und parallel dazu prozentual wachsender Verschuldung trotz und wegen der Sparzwänge nicht zielführend.

Blog-Zitat zum "wirklich kranken Mann Europas": "Frankreich, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone wird das ultimative Schlachtfeld sein, auf dem sich das Schicksal der Währungsunion dereinst entscheiden wird." Das könnte früher oder später, kräftig unterstützt durch die sozialistische Hollande-Wirtschaftspolitik, noch zur bitteren Wahrheit werden. Aber auch jenseits des Euro-Kernlands zerbröselt der europäische Gemeinschaftsgedanke zunehmend an der Realität seiner dilettantischen Umsetzung. Die britische "Anti-Euro-Partei" UKIP (U.K. Independence Party) liegt in Umfragen aktuell bei 23%. Das ist durchaus zwiespältig, denn falls die Briten sich zunehmend bis endgültig von Europa verabschieden, fehlt zukünftig auch noch die letzte Bastion des Marktliberalismus wider die dauerhaft euro-sozialistische Krisenplanwirtschaft - mitsamt ihren Kreisläufen von Verschuldung, Umverteilung und letztendlich Enteignung und Kastration der Starken zugunsten der Schwachen bis zum finalen gemeinsamen Untergang ihres von Anfang an nicht konkurrenzfähigen und fehlkonstruierten Modells im internationalen Wettbewerb. Der Grundgedanke "One Size Fits All in Europe" war von vornherein katastrophal und zum Scheitern verurteilt.

Die KID-Grafik sah zwischenzeitlich ohne das aktuelle Häkchen am rechten Rand knapp unter den gleitenden Schnitt schon schlechter aus, nach einiger Überlegung wurde der Abwärtspfeil jedoch noch nicht in einen ausnahmsweisen und eher undefinierbaren "gelben Seitwärtspfeil" als Notnagel umgetauscht. Dafür ist schlicht zuviel Stimmung und Erwartung und noch zuwenig wirkliche Substanz enthalten. Der deutsche BIP-Verlauf spricht eine "wegen zukünftig guter Konjunkturaussichten" zwar völlig vernachlässigte, aber dennoch absolut klare Sprache: Es geht hier sichtbar fortgesetzt nur abwärts, und weder der Stimmungsaufschwung von Ende 2011 auf Anfang 2012 noch der von Ende 2012 auf Anfang 2013 haben real erkennbare Verbesserungen gebracht. Zu hoffen ist, dass sich 2013 nicht erneut wie schon 2002/2003 und 2004 eine mehltauschwere und praktisch auf der Stelle herumwackelnde Seitwärtsphase entwickelt, bei der das BIP trotz aller Hoffnungen stetig und leise weiter dahinbröckelt. Zu befürchten ist dies allerdings, denn auch der KID-Oszillator liefert nach seiner Abwärtswende bislang keine neuen Erkenntnisse. Und nach dem "KASS-Modell" wäre als nächstes wieder "K" wie Krise mitsamt unsanftem Erwachen aus Sorglosigkeit und Selbstgefälligkeit angesagt

Die Märkte

Der DAX turnte zunächst mehrere Tage erfolgreich auf seiner 200-Tage-Linie, was technisch zusammen mit der erneuten EZB-Geldverbilligung und den im Monatsvergleich besser als erwartet ausgefallenen harten Daten ein neues Allzeithoch Im Performance-DAX generierte. Der DAX Kursindex überbot knapp sein 2013er Märzhoch sowie das Zwischenhoch vom Juni 2011, ist aber von alter Herrlichkeit (im Frühjahr 2000 mit 6266 Punkten) noch sehr weit entfernt. Er nähert sich nun langsam dem entscheidenden Widerstandskreuz zwischen 4500 und 4700 Zählern. Ansonsten bleibt es im DAX prinzipiell weiter beim Arbeitstitel "Aktienzeichen ungelöst", denn Allzeithochs und Abschwung bis hart an den Rand der Rezession mit zukünftig sicher sinkenden Unternehmensgewinnen passen nunmal einfach nicht zusammen - egal wie lange und intensiv man verbal daran herumbiegt. Auch zu den hohen Zeiten des "Neuen Markts" waren Aktieninvestments selbstverständlich so "alternativlos" wie real substanzlos und dazu mit ausreichend vorhandener Liquidität gegen praktisch jeden konjunkturellen Abwärtstrend "abgesichert".

Ebenso wie Anno 2000 ist ein Ende der EZB-garantierten Begeisterung schwer absehbar, zumal viele Private angeblich jetzt erst einsteigen und den Institutionellen in der finalen Rallye ihre Buchgewinne teuer abkaufen sollen. Der DAX wie der MDAX beginnen auf dünnem Eis heißzulaufen, allerdings unterfüttert mit nach wie vor reichlicher Liquidität anstelle von Substanz. Der Nikkei macht es schließlich vor - wobei natürlich nach wie vor in abgestürzter Landeswährung gerechnet werden muss und zweitens ein hier eindeutiger Nachholeffekt aus den zuvor noch nicht aufgeholten Krisen der letzten Jahre hinzukommt. Der Acht-Jahres-Schnitt um 12.000 wurde noch mit etwas Mühe und einem Pullback überwunden, der Zwanzig-Jahres-Schnitt bei 13.800 stellte kein nennenswertes Hindernis auf dem Weg bis 15.000 mehr dar. Beide Schnitte werden nun vom Widerstand zur Unterstützung, es bleiben bis 18.000 die Horizontalwiderstände, ansonsten ist ein Crack-Up-Boom so wenig wirklich berechenbar wie ein Crack-Konsument.

Der Rentenmarkt reagierte nach Allzeithoch im Bund und Allzeithoch im DAX zunächst mit Korrektur, die aber bislang nicht sonderlich stark ausfiel. Eventuell wird mit dem Kontraktwechsel im Juni erneut der untere Rand getestet. Wobei der Begriff "Rentenmarkt" in Zeiten der Zinsrepression eigentlich keinerlei allgemein gültige Bedeutung mehr hat. Bunds und Euro-Staatsanleihen, Eurokrisenland-Anleihen, Emerging Markets, Corporates, Mittelstandsbonds, Bank-Nachränge und Tier1-Kapital führen ihr absolutes Eigenleben in ihrem jeweiligen Segment, zumeist völlig losgelöst voneinander und von früheren Korrelationen. Papier ist noch immer geduldig. Ungeduld hingegen treibt sichtlich weiter die Edelmetall-Investoren. "Gold gab ich für Eisen" liegt in Europa wieder im Trend, nur mit Glück schafft Gold in Euro vielleicht einen Doppelboden. Der ermäßigte Preis trieb allerdings viele Chinesen mit Inflationssorgen in einen wahren Gold-Kaufrausch, auch in Deutschland gab es trotz angeblich stark rückläufigem Kleinanlegerinteresse weiter Lieferengpässe.

Rätselhaft und fast verdächtig ruhig blieb der Devisenmarkt. EUR/USD pendelte permanent "plus minus Zwei" um die 1.30, Zinsdifferenz und Wirtschaftsdaten sprechen dennoch eher für den Dollar. EUR/JPY "klebte" förmlich wie magnetisch an den 130.-, erst zuletzt folgte ein ebenfalls rund zwei Cents betragender Anstieg über die überwundenen beiden langen gleitenden Schnitte. Ein ähnliches Bild bot die USD/JPY-CrossRate, zunächst ein kleiner enger Tanz zwischen dem langen GD bei 0.98 und der 1:1-Parität, dann ein fortgesetzter Anstieg. Die relative Ruhe wirkt insgesamt trügerisch, ein Vola-Break könnte jederzeit erfolgen, aber auch noch länger auf sich warten lassen. Die Ferien- und Feiertagszeit zwischen Ostern und Pfingsten ist mit ihren Brückentagen und Kurzreisen oft insgesamt unstet mit stark und wenig aussagefähig schwankenden Umsätzen.

In diesem Sinne: Sonnige Pfingsttage !

 

Thomas A. Spoerer
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