von Thomas A. Spörer

Ausflug ins Blaue abgesagt! (trotz idealer Großwetterlage)
Die 25. KW
... startete mit dem ifo-Index. Hier hatten viele nach K-Sentix und ZEW auch einen deutlichen Einbruch erwartet, stattdessen stieg der Indikator leicht weiter von 101.5 auf 101.8 Punkte. Die Erwartungen gaben von 103.7 auf 102.4 nach, die Lage-Einschätzung verbesserte sich jedoch von 99.4 auf 101.1 Zähler. Anders als in den Finanzmärkten ist die Grundstimmung bei den Unternehmen deutlich positiver, die Zufriedenheit mit der Lage größer und beim Ausblick in die Zukunft wird auf eine moderate Fortsetzung der laufenden Entwicklung gesetzt. Auch im allgemeinen Durchschnitt blicken die Deutschen wieder viel zuversichtlicher in die Zukunft, wie die jüngste Allianz-Studie belegt. Die US Chain Store Sales gaben erneut etwas von 499.9 auf 497.6 Punkte nach, ICSC rechnet im Jahresvergleich mit einem Juni-Plus zwischen +3% und +4%. Beim TCB Leading Indicator Germany gab es zur kräftigen Aufwärtsrevision der Vormonatsdaten einen weiteren Anstieg von 100.6 auf 102.2 Punkte. Wenig überraschend gaben die Verkäufe bestehender US Eigenheime im Mai um -2.2% nach, eher überraschte der parallele Anstieg um +0.8% gegen Vormonat im FHFA-Hauspreisindex, der trotz steuerbedingt rückläufiger Umsätze für stabile Nachfrage spricht. Der Richmond Fed Manufactoring Index fiel mit 23 nach 26 Punkten besser aus als die Konsenserwartung von 20 Punkten. Adäquat zur Allianz-Studie zeigte sich der GfK-Konsumklima-Index für Juli mit unverändert 3.5 Punkten stabil. Die Anschaffungsneigung legte deutlich zu, die Einkommenserwartungen gaben trotz guter Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten aber nach, während die Konjunkturerwartungen sich erneut verbesserten.
Die vorläufigen Zahlen der deutschen und europäischen Einkaufsmanager zeigten nur leichte Rückgänge. Für Deutschland wurde der Industrie-Index mit 58.1 nach 58.4, der Dienstleistungs-Index mit 54.6 nach 54.8 Punkten in der Vorabschätzung errechnet. Für die Eurozone ergaben sich 55.6 nach 55.8 im Verarbeitenden Gewerbe und 55.4 nach 56.2 Punkte bei den Dienstleistern. Bei den US-Neubauverkäufen gab es nach Auslaufen der Steueranreize einen Rekordeinbruch von -32.7% auf annualisiert 300.000 Einheiten, hier muss nach Push und Rückschlag abgewartet werden, wo sich die Normalität einpendeln wird. Der Offenmarktausschuss der FED sprach sich klar für eine weitere Fortsetzung der Niedrigstzinsphase aus. Die Unemployment Claims verbesserten sich nach dem Rückschlag wieder von revidiert 476.000 auf 457.000 Erstanträge. Unaufregend zeigten sich die vorläufigen US-Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter für Mai. Hier gab es einen Rückgang von -1.1% gegen die guten Aprilzahlen, der ausschließlich dem volatilen Transportsektor geschuldet war. Ex Transport legten die Auftragseingänge erneut um +0.9% zu, außerdem wurde der ohnehin starke April erneut aufwärts revidiert und im Jahresvergleich errechneten sich für Mai +16%. Zivile Investitionsgüter ohne Flugzeuge verbuchten ein Plus von 2.1%.
Die monatlichen Mass Layoffs sanken im Mai überaus erfreulich von 1.856 auf 1.412 Entlassungs-Ankündigungsfälle, auch die Zahl der Betroffenen ging deutlich von 200.870 auf 135.798 zurück - nach zeitweiliger Stagnation erneut ein gutes Omen für den US-Arbeitsmarkt. Der Kansas City Fed Index gab "slightly" von 5 auf 3 Punkte nach, blieb damit aber über Null. Beim US-BIP ergab die dritte Berechnung erneut einen minimalen Rückgang, der in europäischer Rechnungsweise +2.42% nach 2.50% Wachstum auswies. Die annualisierte Jahresrate ging von +3.00% auf 2.70% zurück. Das endgültige Verbrauchervertrauen der Uni Michigan für Juni wurde mit 76.- nach 73.60 im Mai bzw. 75.50 zur Monatsmitte auf dem höchsten Stand seit Februar 2008 ermittelt - nun kommt es darauf an, ob zwischen und oberhalb 75-80 Punkten wieder Anschluss an frühere Höhen gewonnen werden kann. Die aktuelle Lage wurde mit 85.6 nach 81.- bewertet, die Zukunftserwartungen stiegen nur leicht von 68.8 auf 69.8 Punkte. Beim ECRI WLI gab es einen kleinen Anstieg von revidiert 122.4 auf 122.9 Punkte.
Ein Seitenblick auf die Frachtraten-Indices
Insgesamt eine Datenwoche mit einigen positiven Highlights. Der DAX scheiterte dennoch wie absehbar an den alten Jahreshochs, WTI Crude verfehlte am Wendepunkt um 6 Cents die 80.-USD-Marke. Düster sah es beim Baltic Dry aus, der täglich weiter nach Süden bis 2501 zurückfiel. Der Baltic "CapeSize" (große Massengutfrachter, die nicht durch Suez- oder Panamakanal passen und daher ums jeweilige Kap fahren müssen), gab prozentual noch stärker ab. Doch auch hier ist es momentan schwierig, eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen. Der "China-Faktor" spielt sicher eine Rolle, dennoch bleibt schwer zu trennen, wie viel davon auf Angst und wie viel auf eine real folgende Abschwächung entfällt. Und es gibt auch ganz gegenläufige Signale, denn anders sieht es gleichzeitig beim Harpex (Containerschiffsraten) aus. Hier ist nach elend langer Durstrecke der Turnaround erst 2010 gelungen, der Index hat sich von seinem 317-Punkte-Tief mit extrem breitem Boden inzwischen wieder knapp auf 616 Punkte verdoppelt. Er liegt damit über dem 2-Jahresschnitt bei 540, aber noch deutlich unter seinen langfristigen Schnitten (seit 1985), die nach dem kräftigen Boom zuvor alle noch knapp über 1000 versammelt sind. Auch die deutschen Luftfrachtraten legten im ersten Quartal kräftig um +4.9% gegen Vorquartal und gut 10% gegen Vorjahr zu, auf der China-Route sogar um satte 48.8% und bis auf Vorkrisen-Niveau. Im Fazit liefern also auch die Frachtratenindices leider sehr widersprüchliche Signale, unterm Strich bleibt hier nach gelungener Erholung aktuell ein kräftiger Rückgang der Wachstumsdynamik und, siehe 200-Tage-Linie beim Baltic Dry, eine volatile Seitwärtstendenz. Wie beim KID ist auch hier noch Platz sowohl für einen weiteren Schub nach oben, wie für längere Zeit seitwärts oder auch nach unten ohne die akute Gefahr eines zwangsläufig sofort drastischen Einbruchs. Auch der CRB-Rohstoffindex zeigt das gleiche unsicher unentschlossene Bild mit kurzfristig trendlos offenem Ausgang.
Deutsches Sommermärchen ?
Wie gewohnt skurril zeigten sich die deutschen "Wirtschaftsforschungsinstitute". Ausgerechnet jetzt, wo die Konjunkturerholung ihr mögliches Hoch grade eben erreicht haben könnte, zumindest aber über fünf Sechstel ihres maximalen Weges schon erfolgreich zurückgelegt hat, erhöhten Volkswirte wieder reihenweise ihre Prognosen. Siehe dazu die Grafik unter dem Mai-KID - momentan stagnieren wir ungefähr knapp unterhalb des dort gesehenen Levels in stabiler Seitenlage. Das ifo-Institut, wo viel zu lange tiefschwarzer Pessimismus vorgeherrscht hatte, setzte sich nun mit einem verspätet entschlossenen Sprint vorn an die Spitze der Neu-Optimisten. Zwar ist es richtig, dass Deutschland die Krise überaus erfolgreich hinter sich gebracht und dabei zu unerwartet robuster Stärke gefunden hat. Aber das muss man heute nicht mehr vorhersagen, da es bereits allgemein hinlänglich bekannt ist. Auch eine mögliche Abschwächung der Aufschwung-Dynamik im zweiten Halbjahr 2010 ist längst mehr als wahrscheinlich geworden. Offen bleibt, wie das momentane Duell zwischen Marktpessimisten und Verbraucher- und Wirtschaftsoptimisten ausgehen wird, und ob die "negative Teilstimmung" die Realwirtschaft bremsen oder gar ins Negative drehen kann. Hier wirkt das spät verkündete "deutsche Sommermärchen" der Experten wenigstens einmal nicht schädlich destruktiv.
Die 26. KW
... brachte die vorläufigen deutschen Verbraucherpreise, die für Juni mit +0.1 Punkten im Index geschätzt wurden, woraus sich eine von +1.22% auf +0.93% rückläufige Jahres-Teuerungsrate errechnet. Der Chicago Fed Activity Index gab im Mai von +0.25 auf +0.21 Punkte nach, Null ist bei diesem in sehr kleine Zahlenwerte gefassten Index die Wachstumsgrenze. Die US-Sparquote zog wieder leicht auf 4% des frei verfügbaren Einkommens an. Das 4:1 gegen England beflügelte die Fachpresse, Wirtschaftswoche titelte mit "Jobwunder Deutschland" und das Handelsblatt setzte mit dem "neuen deutschen Wirtschaftswunder" gleich noch eins drauf. Beides erfüllt die schon vor Monaten im KID angesagte "Spätentdeckung der realen Lage", die nun aber bereits unsanft mit fallenden Erwartungen kollidiert. Einen Sprung nach oben absolvierten die Weekly Chain Store Sales, der Umsatzindex sprang von 497.6 auf 508.1 Zähler. Beim ESI, dem kombinierten Vertrauensbarometer der Eurozone, wurde ein Rückgang auf 98.- erwartet, stattdessen stieg der Index leicht weiter von 98.4 auf 98.7 Punkte, der deutsche Subindex legte +0.4 auf 106.2 zu. Im Euroland blieb das Einzelhandels- und Industrievertrauen unverändert, Dienstleister- und Verbrauchervertrauen verbesserten sich, während in der Bauwirtschaft und im Finanzbereich kleine Rückgänge zu verzeichnen waren. "Consumer Confidence drops sharply", meldete dagegen TCB. Das US-Verbrauchervertrauen gab für Juni von revidiert 62.7 auf 52.9 Punkte die kräftigen Zuwächse der beiden Vormonate fast wieder ab, blieb aber auf Jahressicht weiter im gewohnten Seitwärtslevel. Unsicherheit und Verwirrung prägen auch hier das Gesamtbild, denn das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan hatte Ende der Vorwoche grade erst positiv überrascht. Ebenfalls gänzlich unerwartet verbesserte sich der Case Shiller Hauspreisindex zum dritten Mal in Folge deutlich, er stieg per April im Vorjahresvergleich um +3.86% nach +2.43% bzw. um +0.8% gegen März 2010 - dies war der stärkste Monatsanstieg seit September 2006.
Gefühlte und reale Betroffenheitsliga
Laut einer Studie von Boston Consulting fühlen sich nur 29% der Deutschen von der Wirtschaftskrise betroffen, nur China zeigte mit nur 25% einen besseren Wert, während die USA auf der Betroffenheitsskala 49%, Russland und Mexiko sogar 71% buw. 80% erreichten. Dennoch macht sich gut die Hälfte der befragten Deutschen mehr oder weniger viele Sorgen um die Zukunft - quasi präventiv und "sicherheitshalber auf Vorrat" sowie natürlich unter pädagogisch wertvollem Einfluss der Massenmedien. Beim privaten "Sparen ohne Not" liegen die Deutschen mit 77% bekundeter Sparabsicht weltweit vorn, während grade die ärmeren Regionen eine viel geringere Sparneigung ausweisen. Wohlstand macht offenbar ängstlich und geizig, und er schürt die Tendenz zu übertriebener Sorge und einem etwas perfide egozentrischen "Bewusstsein" dafür, dass das Leben trotz allem noch nicht ausreichend gerecht sei. Der deutsche Arbeitsmarkt zeigte sich im Juni aufschwung- und wetterbedingt erneut freundlich, die Arbeitslosenquote sank von 7.7% auf 7.5%, die Bundesanstalt erwartet in Trendfortsetzung noch im Herbst 2010 einen Rückgang unter die 3-Millionen-Grenze. Der Chicago PMI gab leicht von 59.7 auf 59.1 nach, signalisiert damit aber weit über 50 Punkten weiterhin robustes Wachstum. Der Baltic Dry schloss den Monat weiter schwach mit 2406 Zählern. Erfreuliches kam auch aus Japan, im Tankan-Report lagen Stimmung und Vertrauen der Großunternehmen nach 2 Jahren erstmals wieder im grünen Bereich und dazu deutlich über den Erwartungen, dennoch trieb die extrem negative Stimmung den Nikkei weiter kräftig abwärts.
Die deutschen Einzelhandelsumsätze legten im Mai gegenüber April leicht zu, real +0.4% und nominal +0.1%. Gegen Vorjahr errechnete sich ein Minus von real -2.4% und Nominal von -1.4%. Die Angst fordert ihren Tribut. Bei den Daten zu den endgültigen Indices der Einkaufsmanager meldete China einen Rückgang von 53.9 auf 52.1 Punkte. Bei den europäischen Einkaufsmanagern blieb es für Juni im verarbeitenden Gewerbe beim Vorabwert von 55.6 nach 55.8 im Mai. Bei den US-Einkaufsmanagern war Konsolidierung angesagt, der ISM gab von 59.70 auf 56.20 nach, was durch kräftige Rückgänge bei den Einzelkomponenten verursacht wurde, die zuvor deutlich über 60 Punkten notiert hatten. Mit dem elften Monatswert im Wachstumsbereich zeigt sich nun deutlich die Abkühlung der hohen Wachstumsdynamik. Bei den schwebenden Hausverkäufen gab es erwartungsgemäß nach Auslaufen der Steuervorteile einen 30%igen Einbruch von 110.9 auf 77.6 Punkten im PHSI-Index (Pending Home Sales). Die Unemployment Claims liefen diese Woche mit 472.000 Erstanträgen wieder in die Gegenrichtung. Die US-Bauausgaben schwächten sich mit -0.2% deutlich weniger ab als mit -0.8% erwartet worden war. Der KID ging in fortgesetzter Seitenlage durch den Monatswechsel. Beim VDMA berichtete man für Mai ein Plus beim Auftragseingang von +61% gegen Vorjahr. Der VDA meldete ein Plus der inländischen Pkw-Produktion um +23% und eine Zunahme der Exporte um +44% gegen Vorjahr. Die durchschnittlichen US-Stundenlöhne gingen leicht zurück - kein gutes Zeichen. Auch beim Nonfarm Payroll Employment gab es den ersten Rückschlag dieses Jahres, es wurden unterm Strich -125.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft abgebaut. Hier spielt aber das Ende der befristeten Beschäftigungsverhältnisse der zuvor eingestellten Volkszählungskräfte eine Rolle - sie hatten zunächst die Statistik verbessert, nun belasten sie sie entsprechend. Im privaten Sektor wurden dagegen +83.000 neue Stellen geschaffen. Die vom BLS ausgewiesene Arbeitslosenzahl ging insgesamt zurück, die Juni-Arbeitslosenrate sank erneut von 9.70% auf 9.51%.
Die endgültigen US-Auftragseingänge gaben im Mai mit -1.4% gegen April deutlich nach, ex Transport lag das Minus aber nur bei -0.6%, ebenso wie bei den langlebigen Wirtschaftsgütern. Der Jahresvergleich zeigte insgesamt einen Rückgang auf +15.43% nach +18.99%. ECRI erwartet eine zyklische Abschwächung des Wachstums, bei der eine Rezessionsgefahr aktuell zwar noch nicht erkennbar, aber auch nicht völlig ausgeschlossen sei. Der WLI gab zum Juni-Ende leicht von 122.9 auf 122.2 Punkte nach. Die daraus errechnete Wachstumsrate sank weiter von -6.9% auf -7.7%, die man jedoch wahrscheinlich ebenso real nicht sehen wird wie die zuvor angezeigten riesigen Absturz- und danach -Zuwachsraten. Das Auspendeln nach gewaltigen Ausschlägen dauert zwangsläufig weiter an. Zum Monatswechsel kam dazu wieder das ECRI USFIG Inflationsbarometer, mit einem weiteren Rückgang von revidiert 99.7 auf 97.4 Punkte und ein 7-Monatstief im Juni. Das europäische Pendant für Mai zeigte erneut einen Anstieg, der aber mit 95.8 nach abwärts revidiert zuvor 95.6 nun wahrlich nicht bedrohlich ausfiel. Der Baltic Dry gab weiter bis auf 2280 nach, laut einer Branchenexpertenumfrage wird hier jedoch mit einer kräftigen Erholung in der zweiten Jahreshälfte gerechnet. Im Fazit eine Datenwoche mit starken Kontrasten und der erwarteten Abschwächung der Wachstumsdynamik - bei der die größte Gefahr weiter darin besteht, aus blanker Angst einen unnötig starken Rückgang herbeizureden, bei Bombenstimmung in der Wirtschaft und relativer Verzweiflung in der Politik und an den Märkten.
Die 27. KW
... eröffnete der Konjunktur-Sentix mit einem Anstieg von +2.8 Punkten von -4.1 auf -1.3 im Euroland-Gesamtindex. Dabei verbesserte sich die Lage-Einschätzung erneut um +5.5 Punkte von -3.5 auf +2.0 und stieg erstmals seit 2 Jahren wieder über Null, die Erwartungen zogen minimal von -4.75 auf -4.50 an. Ähnlich verlief die Entwicklung in den meisten Weltregionen, Japan jedoch zeigte sich mit -2.4 schwach und der USA-Gesamtindex brach um -8.5 Punkte ein. Beim globalen Aggregat ergab sich trotz Eurozone und Lateinamerika der zweite Rückgang in Folge, die Frage, ob weltweit eine "Nur-Abkühlung" der Erholungsdynamik oder die nächste zyklische Wende droht, bleibt aber bis dato noch unbeantwortet. Für Euroland folgten die Indices der Einkaufsmanager im Dienstleistungssektor, hier hielt sich der deutsche Subindex wacker auf Vormonatsniveau, während in Frankreich und Italien Rückgänge zu verzeichnen waren. Der PMI-Gesamtindex für Euroland bestätigte die Vorabschätzung und gab von 56.4 auf 56.- nach. Beim japanischen Leading-Index gab es nach 14 Monaten Anstieg den zweiten Rücksetzer von 101.7 auf 98.7 für Mai - Bremsspuren zeigen sich langsam überall. So auch beim US-Dienstleistungs-PMI, der für Juni von 55.4 auf 53.8 zurückkam - was aber auch hier einer Korrektur der zuvor sehr stark gestiegenen Komponenten zu verdanken war. Die US Chain Store Sales tendierten weiter fest mit 513.2 nach 508.1 Punkten. Die deutschen Auftragseingänge im Mai fielen mit -0.5% gegen Vormonat minimal schwächer aus, jedoch wurde der April zuvor nach oben revidiert. Dazu blieb der Anteil an Großaufträgen diesmal sehr unterdurchschnittlich, was das Gesamtergebnis verzerrte. Bei Investitionsgütern gab es ein leichtes Plus von +0.4%, bei Konsumgütern sogar um +3.6%. Der glättende Zweimonatsvergleich (April+Mai gegen Februar+März) zeigt weiter ein solides Plus von +5.6%, der direkte Vorjahresvergleich insgesamt +24.69% sowie aus dem Inland +20.15% und aus dem Ausland +28.98%. Hier strebt der Vergleich der Extreme nun aber langsam wieder der Normalität zu.
"Das Märchen geht weiter"
Der deutsche Außenhandel zeigte im Mai mit +28.8% den größten Zuwachs seit zehn Jahren, ein Lehrstück für alle, die zuvor wegen der angeblichen Euroschwäche in Jammern und Wehklagen verfallen waren. Die Importe stiegen sogar um 34.3%, sodass der Außenhandels-Überschuss sich gegen April etwas leichter errechnete. Viel stärker als erwartet kam auch die deutsche Industrieproduktion mit +2.6% für Mai plus Aufwärtsrevision für April, im Konsens waren nur +0.9% erwartet worden. Kapitalgüter glänzten dabei mit +4.6%, langlebige Konsumgüter sogar mit +5.4% gegen Vormonat. Die EZB-Sitzung verlief wie gewohnt ereignislos. Die US Unemployment Claims setzten ihre Berg- und Talfahrt mit aktuell 454.000 nach revidiert 475.000 Erstanträgen auch im Juli fort. Die endgültige deutsche Juni-Inflationsrate wurde mit den genannten +0.93% bestätigt. Destatis meldete außerdem einen mit +1% gegen Vorjahr gestiegenen Neubaupreisindex und einen Rückgang bei Unternehmensinsolvenzen um immerhin -6.2% im April. Der OECD Leading Indicator für die Weltwirtschaft wurde schwächer erwartet, konnte aber erneut mit +0.1 ganz leicht zulegen. Deutschland gelang mit +0.7 Punkten der stärkste Zuwachs aller G7-Staaten. Die OECD sieht zwar regional aktuell einen Wachstumshöhepunkt, geht aber insgesamt nur von einer Wachstums-Verlangsamung statt realer Abschwächung aus. ECRI meldete erneut einen leichten Rückgang im WLI, der von revidiert 122.3 nach 122.2 auf 121.5 Punkte nachgab. Der Baltic Dry rauschte ungebremst unter die 2000er Marke bis 1902 Punkte durch in die Tiefen des Meeres, der Containerindex Harpex stieg dagegen weiter auf 682 Punkte. Moeller-Maersk, wo noch vor kurzem ein Verlust erwartet wurde, erhöhte zum zweiten Mal die Gewinnprognose für 2010. Im Fazit erneut eine gut durchwachsene Woche, die den KID zum Herumkippeln oben auf dem "letzten Entscheidungspunkt" brachte. Der Handelsblatt-Barclays-Frühindikator rechnet inzwischen mit +1.3% und +0.6% BIP-Zuwachs im 2. und 3. Quartal (dies entspräche +2.39% und +2.25% gegen 2009) und verkündete uns freudig "Das Märchen geht weiter".
Die 28. KW
... wurde mit dem ZEW-Index eröffnet, der wiederum ein widersprüchliches Bild bot. Die Lage-Einschätzung verbesserte sich mit +22.5 von -7.9 auf nun +14.6 Zählern erneut sehr deutlich und erreichte erstmals seit Juli 2008 wieder den positiven Bereich sprich das Vorkrisenniveau. Die ZEW-Konjunkturerwartungen gaben jedoch parallel weiter um -7.5 von +28.7 auf +21.2 nach, liegen zwar noch klar über Null, aber jetzt wieder unterhalb des langfristigen Durchschnittswerts von aktuell 27.4 Punkten. ZEW sieht das weitere Aufwärtspotential bis zum Jahresende damit als ausgeschöpft an und erwartet eine nachlassende Wachstumsdynamik. Dies antizipiert jedoch noch keinen neuen Einbruch, sondern zunächst nur ein Verharren auf dem erreichten erfreulichen Level - welches seinerseits bis zur Veröffentlichung der BIP-Zahlen zum zweiten Quartal noch auf Basis der Zahlen des ersten Quartals möglicherweise kräftig unterschätzt wird. Im Fazit geht es uns also erstaunlich gut, doch wir fürchten dass dies vielleicht nicht so bleiben wird. ICSC meldete in vertrautem Wechsel diesmal einen Rückgang bei den Weekly Chain Store Sales von 513.2 auf 505.3 im Index. Das US-Handelsbilanzdefizit vergrößerte sich auch per Mai mit -42.3 nach -40.3 Mrd. USD deutlich über Erwartung. Die US Retail Sales kamen im Juni mit -0.5% gegen Mai etwas schwächer, was hauptsächlich auf den Automobilsektor zurückzuführen war. Ex Automobil betrug das Minus -0.1%, gegen Vorjahr verblieben +5.60% Umsatzzuwachs nach +6.78% zuvor.
Einen erfreulich deutlichen Rutsch auf 429.000 gab es bei den wöchentlichen US-Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe. Zum dritten Mal in Folge gab der Index der US-Produzentenpreise nach, die Jahresrate sank für Juni kräftig von +5.1% auf +2.7%. Einen Einbruch zeigte der Emire State Index, er ging von +19.57 auf +5.08 Punkte zurück. Die US Industrieproduktion im Mai wurde schwächer erwartet, stattdessen gab es eine Aufwärtsrevision für April und darauf noch ein kleines Plus von +0.1% im Mai. Die Kapazitätsauslastung stagnierte. Der PhillyFed-Index
gab entgegen der Erwartung bei +10.1 Punkten von +8.0 auf +5.1 Punkte nach. Damit zeigen sich in der US-Wirtschaft teils zunehmende Bremsspuren, aber noch deutet nichts auf einen Rückfall in den negativen Bereich hin. Die Angst davor manifestierte sich jedoch in sofortigem Ende des kleinen Höhenflugs an den Aktienmärkten. Aus China wurde das BIP im zweiten Quartal 2010 mit +10.3% nach zuvor +11.9% - die erhoffte Abkühlung bei geringem Inflationsdruck. Auch die Juni-Industrieproduktion fiel mit +13.7% nach +16.5% wie gewünscht zurück. Die gleiche Gangart (rückwärts) galt auch für die US-Verbraucherpreise im Juni, die Jahresrate verringert sich von zuvor +1.96% auf +1.11%, vor sechs Monaten hatte sie noch mit +2.78% ihr zwischenzeitliches Top gesehen. Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan folgte zur Monatsmitte verzögert aber um so kräftiger dem des TCB und gab von 76.- auf 66.5 Punkte nach, der Einbruch lag deutlich unterhalb der zuvor zwischen 74- und 75.- angesiedelten Erwartungen. Der ECRI WLI schloss die Woche unverändert mit 120.60 Punkten - allerdings nachdem er zuvor von 121.50 abwärts revidiert worden war. Er hat damit den Stand von vor einem Jahr wieder erreicht, nur in umgekehrter Richtung. Beim Baltic Dry ging die Talfahrt weiter bis auf 1700 Punkte, erst am Freitag wurde die mit 35 Verlusttagen in Folge längste Abwärtsserie der letzten 15 Jahre mit einem 20-Punkte-Zuwachs auf 1720 Zähler beendet.
Fazit: Der KID im Juli 2010
Nach der "Stagnation auf hohem Niveau" wurde im Juli der "Ausflug ins Blaue" kurzentschlossen wieder abgesagt. Trotz sichtlich weiter zunehmend idealer Großwetter-Lage und hohem Optimismus in der Wirtschaft verdarben kräftig rückläufige Zukunftserwartungen das gesamte Stimmungsbild soweit, dass auch in den realwirtschaftlichen Daten nun erste Bremsspuren sichtbar wurden. Der "harte KID" zeigt erstmals seit Frühjahr 2009 und der Erwartungsstimmung folgend wieder ein Abwärtshäkchen - auf hohem Niveau. Ist das (von vielen gerade erst entdeckte) Märchen damit zuende? Definitiv ja - die lange erwartete und ausgesprochen langsam anrollende "Echo-Welle" generierte ein recht klares Wendesignal in Richtung Süden. Dies geschah an einem Punkt, auf dessen Höhe frühere Aufwärtsbewegungen auch schon ihr zyklisches Ende gefunden hatten - nichts Besonderes also. Ein weiteres Überschießen nach oben wäre aufgrund der Nach-Krisen-Erleichterung zwar möglich gewesen, hätte aber wahrscheinlich auch den irgendwann sicher darauf folgenden "Katzenjammer" vergrößert. Bedeutet das "Ende des Märchens" zwangsläufig den zunehmend befürchteten Rückfall in die Abgründe, denen man sich gerade erst entkommen wähnte? Mitnichten - stattdessen droht die hier schon oft zitierte "Rückkehr in die Normalität".
Der KID-Oszillator demonstriert dies, trotz und wegen seines zeitweiligen "Verbrennens" sehr anschaulich. Nach gewaltigem Unterschießen folgte zwangsläufig fast symmetrisch ein ebenso kräftiges Überschießen. Inzwischen ist der Wiedereintritt in die rot definierte "Normalzone" zyklischer Schwankungen erfolgt. Im zeitlichen Vorlauf befinden wir uns per Jahreswechsel fast in der Mitte dieses Normalbereichs. Hier wird es, wie schon seit Langem angekündigt, wieder interessant, als erste Auffangzone (grüner Bogen) einer sanften Landung zurück in der Wirklichkeit fungiert die ehemalige Ausbruchslinie, die ein Pullback in Grün anbietet. Nur wenn die (im Oszillator seit Monaten laufende) Echo-Welle hier zukünftig nicht ausrollen sollte, käme als weitere jahrelang bewährt starke Auffangzone der untere rote Rand des Normalbereichs zum Tragen (zweiter grüner Bogen). Erst bei einem "nachhaltigen" bzw. dynamischen Unterschreiten (roter Pfeil) der Zone mit erneutem "Verlassen der Normalität" wäre es dann an der Zeit, sich ernsthafte Gedanken um ein "Double-Dip" auf Krisen-Niveau zu machen. Die Hauptgefahr besteht aktuell darin, dass die verfrühte Angst davor bei entsprechender Medienpropaganda als selbsterfüllende Prophezeiung zu wirken beginnt und über Erwartungen und Stimmung eine Abwärtsspirale inszeniert. Zum Glück dürften die kommenden BIP-Zahlen für das zweite Quartal Mitte August zusätzlich zur (endlich) wahrgenommenen realen Lage in der Wirtschaft, auf dem Arbeitsmarkt und im Export ein erheblich positives Gegengewicht in die massenmediale Waagschale werfen, sofern sie über Erwartung kräftig genug ausfallen.
Ein weiteres wichtiges Kriterium sollte zukünftig der Lagerzyklus liefern. Die Wirtschaft "brummt" ohne Zweifel speziell in Deutschland auf erstaunlich hohen Touren. Wenn die Produktion in Zukunft aber vermehrt wieder ins Lager und auf Halde erfolgen würde, ohne dass entsprechend stetig fortgesetzter Abfluss in Konsum und Export stattfindet, wird daraus früher oder später ein zunehmender Stau resultieren, der zwangsläufig zum Bremsen zwingt. Insofern hat der abgesagte Ausflug ins Blaue möglicherweise sogar noch eine positive Wirkung - er zwingt ohne Boom-Euphorie direkt in die Realität zurück und schützt vor blau-äugigen Übertreibungen und deren Folgeschäden. In der heutigen KID-Grafik liegen wir nach gescheitertem Ausbruch oberhalb des "grünen Bereichs" noch gut oberhalb des "Mittelmaßes" (M), das sich in den letzten Jahren als relativ zäher Bereich erwiesen hat. Dorthin zeigt der erste grüne Pfeil am rechten Rand. Die Linienkreuze am unteren Rand des grünen Bereichs (Doppelpfeil und Trendlinie A) bieten weitere kräftige Unterstützung. Die Bezugspunkte der Linie C haben sich durch Datenreihen-Revisionen zwischenzeitlich verschoben, sodass sie momentan nicht klar definiert werden kann. Ein zukünftig möglicher Eintritt in den "roten Bereich" wäre zwar unerfreulich, aber auch noch keine neue Katastrophe. Erst ein klares Verlassen nach unten (roter Pfeil) würde das bereits im KID-Oszillator beschriebene Double-Dip-Szenario aktivieren - aber soweit sind wir noch lange nicht.
Im Fazit läßt sich der aktuelle Status Quo ungefähr so beschreiben: Es geht uns nach überstandener Krise erstaunlich schnell wieder erstaunlich gut (kräftig verbesserte Lage-Einschätzung), deshalb fürchten wir uns sofort verschärft vor der nächsten Krise (rückläufige Zukunftserwartungen). Insgesamt ist das mehr typisch psycho-logisch als wirtschaftlich logisch. Gerade Deutschland hat sich in der Krise sichtlich bewährt und ist gestärkt daraus hervorgegangen - was sogar international Bewunderung ausgelöst hat. Aus "unnormalen" zyklischen Extremen müssen wir im zweiten Halbjahr sowie im weiteren Verlauf 2011 heil wieder zurückfinden in die wirtschaftliche Normalität mitsamt ihren vorgegebenen Problemstellungen. Dazu gehört auch die hohe Staatsverschuldung und die geringe Effizienz der politisch bequemen pseudo-sozialen Umverteilmaschinerie - beide sind eindeutig weder in der oder noch durch die Krise entstanden, sondern lediglich mittels dieser Krise unübersehbar deutlich und allgemein bewusst geworden. Darin und im Ausbleiben eines euphorischen Booms (so schön er auch gewesen wäre) liegt eine wirkliche Chance zur Veränderung: Europa scheint endlich aufgewacht und macht sich ernsthaft kontrovers konstruktive Gedanken über die Zukunft, die Fehler und Versäumnisse der Vergangenheit und seine zukünftige Rolle in eine globalisierten Welt. Das aktuell sichtbare Nachlassen der Wachstumsdynamik ist zyklisch naturgegeben und muss keinesfalls einen unausweichlichen Rückfall in eine mehr oder weniger tiefe Rezession bedeuten. Vielmehr sprechen gerade in Deutschland und Europa viele Zeichen eindeutig für ein wahrscheinliches Soft Landing mit auspendelnden Turbulenzen in der wirtschaftlichen Normalzone.
Damit zu den Märkten, ...
... wo die diskutierten Verschuldungsszenarien und resultierende Sparzwänge natürlich keine Begeisterung auslösen. Doch auch hier darf man sich fragen, ob ein ungebremst euphorischer "Crack-Up-Boom" mit anschließend gewaltigem Crack eine sinnvolle und wünschenswerte Alternative dargestellt hätte (Crack Up bedeutet sowohl das emotionale Durchdrehen als auch den schließlichen völligen Zusammenbruch mitsamt Zerfall in Stücke). Die Aktienmärkte haben seit März 2009 parallel zur Wirtschaft eine solide und überaus kräftige Erholung aufs Parkett gelegt. Der euphorisch galoppierende Massen-Ausbruch nach oben hat jedoch nicht stattgefunden, die (zumeist relativ blindwütige) "Verehrungs-Phase" der Aktie ist diesmal komplett ausgefallen - eigentlich ein erstaunliches Stück Realismus der mehr oder weniger stark beteiligten Investoren. Das hier schon oft zitierte "harte Brett" hat gehalten - und es hält auch weiterhin sichtlich stabil, nach oben wie nach unten. Für Buy-and-Hold-Investoren eine unerfreulich zähe Phase, ein Eldorado dagegen für Positionstrader, die in relativ stabilen Schwüngen und kurzen Trends zwischen Long und Short switchen und jedesmal Punkte für eine insgesamt gut erträgliche Performance einsammeln konnten.
Beim DAX ist die Mitte zwischen 4000 und 8000 immernoch 6000, und die langen gleitenden Durchschnitte zeigen weiterhin ihren bekanntlich hohen Magnetismus. Im internationalen Vergleich relativ einsam an der charttechnischen Spitze ist der erneute Ausbruchsversuch über den oberen Rand des "Mittel-Bretts" erneut am fast waagrechten 4-Jahres-Schnitt (bei knapp 6200 Punkten) gescheitert. Anders als bei den meisten anderen Indices bremste die DAX-200-Tage-Linie bislang sämtliche Abschwünge mehr oder weniger schnell und erfolgreich - worauf man sich aber besser nicht ewig verlassen sollte. Kurzfristig wird die 200-Tage-Linie aber noch vom unteren Rand des steileren mittelfristigen Aufwärtstrends sowie von der Mitte des flacheren mittelfristigen Aufwärtstrends untermauert - zusammen ein relativ kompaktes Support-Paket. Darunter entsteht langsam ein weiteres stützendes Linienkreuz aus aufeinander zulaufend weiter fallendem 2-Jahres-Schnitt (ca. 5335) und langsamer ansteigendem 8-Jahres-Schnitt (ca. 5225). Hinzu kommt dort der unterste Rand des flachen mittelfristige Auswärtstrendkanals. Ganz tief unten im Keller grummelt der 20-Jahre-Schnitt langsam auf 4300 Punkte zu und wartet auf zukünftige Katastrophen. Der MDAX hält es parallel im Prinzip mit dem DAX, während der TecDAX derzeit mehr Affinität zum S&P 500 aufweist. Technisch deutlich schwächer als unser DAX zeigen sich weiterhin CAC40, FTSE und andere Euroland-Indices.
Am klarsten definiert zeigt sich die "Brett-Situation" und damit das (immernoch maßgebliche?) Welt-Gesamtbild momentan beim S&P500 und der New Yorker Leidbörse. Hier haben sich die langfristigen gleitenden Durchschnitte in zwei Gruppen sortiert angeordnet. Oben bremsten 4- und 8-Jahres-Schnitt (ca. 1215 und 1170 Punkte) erwartungsgemäß zusammen die Aufwärtsdynamik, unten nähert sich der Index dem zweiten Duo aus 500-Tage- und 20-Jahres-Schnitt (1010 und knapp 970 Punkte). Das 250 Punkte starke charttechnische Mittelstück zwischen Gut und Böse verfügt also in beide Richtungen zur Zeit über einen kräftigen 35 bzw. 40 Punkte breiten "Entscheidungsstreifen". Der Bund-Future hält sich hartnäckig unterhalb der 130 Punkte, der mittelfristige Aufwärtstrend blieb intakt, und eine Zinswende rückt aufgrund der kräftigen Abschwächung der Wachstumsdynamik jetzt weiter vor in die ferne Zukunft. Das Renditeniveau bleibt somit wenig verlockend, die Rentenmarkt-Umsätze zeigten sich zuletzt extrem dünn. Hier sollte man ergo wenig erwarten, aber auch wenig befürchten - zumal die Inflationsraten weiter deutlich zurückkamen. Beim Gold gab es einige Turbulenzen durch vermutete Notenbank-Notverkäufe via der BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich). Auch Euro-Erholung und Seasonality forderte ihren Tribut, die 200-Tage-Linie mitsamt parallelem Trendkanal blieben aber bislang unberührt und dürfen weiter als Trigger angesehen werden. WTI Crude Oil zuckelt nun schon über ein Jahr zwischen 65.- und 85.- USD herum, zuletzt "klemmte" der Kurs regelrecht zwischen 200-Tage- und 2-Jahres-Schnitt.
Klar "trendiges" Geldverdienen (oder -Verlieren) war 2010 außerhalb der Edelmetallwelt eigentlich nur noch am Devisenmarkt möglich, sei es zeitweilig über Fremdwährungsanleihen oder im direkten Devisengeschäft. Um der Charttechnik einen werbewirksamen Gefallen zu tun, bewies dabei €/$ erneut brav seine stetige Affinität zu den langen gleitenden Schnitten. Fast am 20-Jahresschnitt (weiterhin waagrecht bei 1.17) scheiterte der vielstimmig vorhergesagte völlige Euro-Zusammenbruch, die laufende kräftige Gegenbewegung hat inzwischen fast exakt wieder den 8-Jahresschnitt (ca. 1.2850) in der Mitte erreicht, am anderen Ende bilden die restliche drei Schnitte ein "Knäuel" zwischen 1.36 und 1.38 - damit ist praktisch schon alles gesagt. Ohnehin waren die vergangenen Wochen reichlich mehr von Sonne, Bier und Fußball geprägt als von zäher Arbeit am charttechnischen Brett. Wer sich an den gründlich vermurksten Anglizismus des deutschen "Public Viewing" (im Wortsinn die öffentliche Aufbahrung eines prominenten Verstorbenen zum Abschied) allzusehr gewöhnt hat, kann diese beliebte Veranstaltung sicher noch einige sonnig leichtbekleidete Wochen in Freibädern, an Baggerseen und in Biergärten gepflegt fortsetzen. Nur die Vuvuzela sollte dabei tunlichst nicht mehr eingesetzt werden, sonst kann es passieren, dass die zunächst wohlgefällig von vorn Betrachtete und anschließend frech von hinten Angetrötete mit ihrem modisch-trendigen deutschen "Body Bag" (wörtlich übersetzt Leichentransportsack) spontan ausholt und zurückschlägt ...
Thomas A. Spoerer
& Team