von Thomas A. Spörer

Ausbruch nach oben !
Die 3. KW
... brachte zunächst die Meldung, dass der staatliche SOFFIN weiterhin ein sehr lukratives Geschäft für den Bund darstellt, bis zum Jahresende lag das Plus aus Zinsen und Gebühren bei 650 Mio Euro. Nachzutragen wäre außerdem die Meldung, dass laut Deutschem Aktieninstitut die Zahl der Aktionäre 2009 weiter zurückgegangen ist. Es nahmen also nur noch 8.8 Mio oder 13.6% der Bundesbürger am lukrativsten Börsenjahr der jüngeren Geschichte teil. Erst kurz vor dem nächsten (Risiko-)Höchststand wird diese Zahl vermutlich prozyklisch wieder kräftig zugelegt haben. Der ZEW-Index zeigte im Januar einen weiteren leichten Rückgang, er gab von 50.4 auf 47.2 nach, liegt aber weiter komfortabel über dem historischen Mittelwert von 27.1 Punkten. Die Lage-Einschätzung verbesserte sich um 4 Zähler, dafür gaben die Erwartungen nach. Dennoch, es war der vierte leichte Rückgang in Folge und somit ein klares Warnsignal. "Die Einschätzung der Finanzmarktexperten bestätigt, dass wir im Jahr 2010 bestenfalls eine Erholung aber noch keinen Aufschwung bekommen. Der Weg aus dem tiefen Rezessionstal ist beschwerlich und lang," kommentiert ZEW-Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz. Unwissentlich bestätigt er damit auch den Januar-KID, der direkt am Entscheidungspunkt zwischen "Nur-Erholung" und Beginn eines neuem Aufschwungs angekommen war. Die Erwartung scheint nach vielen positiven Monaten langsam etwas zu ermüden, nun kommt es darauf an, ob die Lage, sprich die harten Daten, ausreichend "von unten nachschieben" werden, um eine stetige Fortsetzung der dynamischen Aufwärtsbewegung auch oberhalb der Null-Linie zu gewährleisten. Spannende und entscheidende Wochen liegen vor uns.
Der NAHB US Housing Index ("Immobilien-Klima") wurde im Januar erneut leicht abgeschwächt mit 15 nach zuvor 16 Punkten festgestellt. Ebenfalls ein warnender Rückgang kam aus Japan, wo das Verbrauchervertrauen zum zweiten Mal nachgab, aktuell von 39.5 auf 37.6 Punkte. Einen knalligen Rebound meldete dagegen ICSC, die US Chain Store Sales kompensierten den kräftigen Rückgang der letzten Woche über und kletterten über den Dezemberschluss nach oben. Die deutschen Erzeugerpreise blieben im Preisindex zum fünften Mal in Folge praktisch fast unverändert, die Jahresvergleichsrate kletterte weiter von -5.91% auf -5.25%. Auf das Gesamtjahr 2009 ergab sich ein Minus von -4.2%, wodurch der starke Anstieg 2008 von +5.5% korrigiert wurde. Jenseits des Atlantiks war man den berühmten einen Schritt weiter, hier wurde parallel ein Monats-Anstieg von +0.3 Punkten beim PPI gemessen, die Jahresvergleichsrate landete jedoch bereits wieder bei +4.71%. Weiterhin kontroverse Daten kamen vom US-Immobilienmarkt: bei den Hausneubaubeginnen gab es per Dezember wetterbedingt einen -4%igen Rückgang von revidiert 580.000 auf 557.000, während die Baugenehmigungen so allgemein unerwartet wie überaus kräftig um +11% von 589.000 auf 653.000 nach oben schnellten. Stimmung (NAHB) und Realität driften also auch hier deutlich auseinander.
Bei den Vorabzahlen zur Stimmung der europäischen Einkaufsmanager konnte sich das verarbeitende Gewerbe erneut leicht von 51.6 auf vorläufig 52.- glatt und damit auf einen neuen 22-Monate-Höchststand verbessern, der Index der Dienstleister sank jedoch von 53.6 auf 52.3 Punkte, sodass sich der Gesamtindex nach neun Monaten erstmals leicht um -0.6 Zähler von 54.2 auf vorläufig 53.6 abschwächte. Deutschland und Frankreich zeigten ein ähnliches Bild, Verbesserung bzw. Stagnieren im verarbeitenden Gewerbe und eine Verschlechterung bei den Dienstleistern. Zwar lagen alle Werte noch klar über der 50er-Wachstumsschwelle, und bei den Dienstleistern erreichte die Erwartungskomponente ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch, doch auch hier zeigen sich summa summarum erste ganz leichte Bremsspuren, deren Entwicklung aufmerksam verfolgt werden sollte. Einen weiteren Rückschlag brachten die wöchentlichen Unemployment Claims, die aktuell 482.000 nach revidiert 446.000 Erstanträgen auswiesen. Kräftig zulegen konnte dagegen der TCB US Leading Index, der per Dezember von revidiert 105.20 auf 106.40 anstieg. Der regionale "Phili-FED" schwächte sich dagegen beim Januarwert vom vorher gesehenen 4-Jahres-Hoch von 22.5 auf 15.2 ab, die Erwartung hatte hier bei 18 Punkten gelegen. Die insgesamt eher durchwachsenen und einzelne klar schwächere Stimmungs-Werte führten die begonnene Korrektur quer durch alle Assetklassen verstärkt fort. Euro/Dollar erreichte nach erfolgtem Durchbruch durch die 200- und 500-Tage-Linie fast die 1.40er Marke. Den Abschluss der Woche bildeten der TCB Leading Index Germany sowie der wöchentliche ECRI. Ersterer gab (im jetzt veröffentlichten Wert für November nach kräftiger Aufwärtsrevision der Gesamtzeitreihe) minimal von 98.- auf 97.90 ab, der ECRI WLI kletterte ebenso marginal auf 132.20 weiter. Beim Baltic Dry gab es nach etlichen Schwankungen einen leichten Rückgang auf 3204 Punkte.
Die 4. KW
... eröffnete mit dem GfK-Index für das Konsumklima. Er lieferte für Februar ein uneinheitliches Bild. Der Januar wurde von 3.3 auf 3.4 Punkte heraufrevidiert, der Februar zeigte einen kleinen Rückgang auf 3.2 Punkte, die Erwartung hatte bei 3.1 Punkten gelegen. Konjunktur- und Einkommenserwartung gingen leicht zurück, dafür zog die Anschaffungsneigung wieder etwas an. Als bremsender Faktor für den insgesamt verhaltenen Start ins Neue Jahr wurde aufkommende Angst um die Sicherheit des Arbeitsplatzes genannt, die zu "persönlicher Betroffenheit" trotz Erwartung weiterhin stabiler Wirtschaftsentwicklung geführt habe - also ein überwiegend psychologischer Faktor, der auf das Konto des neu aufgeflammten Krisengeredes und der allgemein leichten Stimmungseintrübung bei den Zukunftserwartungen geht. Die Sentix-These "Kaufen ohne Überzeugung" (erst am Aktienmarkt, inzwischen ebenso am Rentenmarkt) greift also möglicherweise demnächst auch beim deutschen Konsum. Skepsis, neue Ängste und per Stop schneller, massiver Abbau von hohen Investitionsquoten bringen die lange erwartete emotionale "Echo-Welle". Klare Entwarnung dagegen beim deutschen Auftragseingang. Hier wurde der Novemberwert ausser der Reihe überaus kräftig nach oben korrigiert, sodass statt den zuvor gemeldeten +0.2% nun +2.8% in den Büchern stehen - eine Bestätigung der guten Perspektive für das erste Quartal, die laut BMWi "die Zweifel am Aufholprozess der deutschen Wirtschaft zerstreut". Grund für die Korrektur waren zahlreiche wegen der vielen Feiertage verspätet abgegebenen Meldungen und dadurch ein hoher Schätz-Anteil. Die US Eigenheimverkäufe aus Bestand wurden im Dezember annualisiert mit 5.45 nach 6.54 deutlich unter Erwartung festgestellt, hier spielte jedoch Auslaufen und Verlängerung der Steueranreize eine bremsende Rolle. Es wird nun zunächst mit weiteren Rückgängen, anschließend im Frühjahr mit einem weiteren kleinen Boom und danach erneutem Rückgang gerechnet, der US-Immobilienmarkt bleibt also auf unruhigem Gelände.
Weiter ruhig aufwärts ging es dagegen beim ifo-Index, wo sich prozyklisch jetzt sogar die Textwahl des Kommentars aufhellte. Bei leicht abwärts revidiertem Vormonat stieg die Lagekomponente weiter auf 91.2, die Erwartung auf 100.6 und das Geschäftsklima damit auf 95.8 Punkte. Beim Klima ist es der zehnte Anstieg in Folge auf ein 17-Monatshoch, bei den Erwartungen wurde sogar ein 30-Monatshoch erreicht. Der Chart zeigt. wie im Jahr 2003, das typische Aufwärtsmuster aus vorlaufender Erwartung und nachfolgender Klima- und Lagekomponente mit dabei seit sechs Monaten stabil hohem Abstand. Die US Chain Store Sales waren, mit im Moment (wetterbedingt?) hohen Schwankungen, nach dem starken Anstieg der Vorwoche diese Woche erneut sehr schwach. Der Case Shiller Hauspreisindex gab insgesamt leicht um -0.2% gegen Vormonat ab, erstmals gab es dabei jedoch wieder leichte Preissteigerungen in mehreren Regionen. Das TCB US Verbrauchervertrauen wurde per Vormonat deutlich aufwärts revidiert und setzte im Januarwert noch kräftig eins oben drauf. Mit aktuell 55.90 Punkten wurde ein 16-Monatshoch seit dem Absturz im Herbst 2008 erreicht, der Tiefpunkt hatte im Februar 2009 bei 25.30 gelegen. Die Lagekomponente legte deutlich von 20.2 auf 25.- zu, die Erwartung stieg leicht von 75.9 auf 76.5 Zähler. Der regionale Richmond FED Index verbesserte sich ebenfalls wieder von -4 auf -2 Punkte.
Der IWF äußerte sich zur konjunkturellen Lage wie folgt: "Die Weltwirtschaft lässt die schlimmste Rezession seit Jahrzehnten überraschend schnell hinter sich". Für alle wichtigen Volkswirtschaften wurde die IWF-Erwartung deutlich noch oben korrigiert, allen voran die USA und Deutschland. Die Prognose für das amerikanische Wachstum 2010 wurde von bisher +1.5% auf +2.7% fast verdoppelt, für Deutschland verfünffachte (!) der IWF seine Vorhersage glatt von +0.3 auf +1.5% Wachstum. Die Prognose für die gesamte Weltwirtschaft wurde um ein gutes Viertel von +3.1% auf nun +3.9% angehoben. Am Dienstag hatte noch Großbritannien mit einem erstmals wieder kleinen Wachstum über Null das offizielle Ende der Rezession verkündet. Auch die deutschen Experten kamen inzwischen "langsam aber gewaltig" in Fahrt. Das Prognosespektrum verschob sich, wie hier vor zehn Monaten schon angekündigt, trendfolgend kräftig nach oben und reicht momentan von +1.2 bis +2.5% Wachstum für 2010. Der Ausblick der Bundesregierung bleibt mit +1.4% vorsichtig. Der KID liegt momentan noch klar unterhalb dieses Zielkorridors. Ob wir die Erfüllung der optimistischen Erwartungen tatsächlich erleben werden, hängt in erster Linie davon ab, ob am aktuellen Entscheidungspunkt auch der zweite Abwärtstrend der Konjunktur erfolgreich und dauerhaft überwunden werden kann und die schrittweise vorsichtige Rücknahme der staatlichen Maßnahmen gelingen wird - ohne dass eine sentimentale "Echo-Welle" dazwischenschwappt oder die weiterhin eher pessimistische Medienberichterstattung verspätet in heillos unbegründete neue Euphorie umschlägt.
Nach der zuvor gesehenen US-Daten erwartungsgemäß fiel auch die Zahl der verkauften Neubauten im Dezember. Der November wurde von 355.000 auf 370.000 aufwärts revidiert, der Dezember brachte annualisiert 342.000 New Home Sales. Anzumerken wäre evtl. dazu noch, dass in den (US-)Kommentaren eine grundsätzlich leicht verdrehte Wahrnehmung vorherrscht - man spricht meist von einer mühsamen und wackeligen "Erholung". Dies suggeriert, dass baldmöglichst "der Normalzustand" wiederhergestellt werden müsse. Es ignoriert, dass vorher eine extreme Übertreibung stattgefunden hat, die anschließend scharf korrigiert wurde - sodass man heute wahrscheinlich der schlichten Realität viel näher ist als erwartet und momentan wahrgenommen. Andernfalls wäre man nämlich mit der bislang erreichten Stabilisierung des US-Immobiliensektors durchaus zufrieden. Erfreulichere Zahlen lieferte die US Statistik der angekündigten zukünftigen Massenentlassungen (Mass Layoffs), hier wurde im Dezember der niedrigste Stand seit Juli 2008 erreicht. Die vorläufigen deutschen Verbraucherpreise für Januar dümpelten weiter vor sich hin, die Jahresrate liegt bei moderaten +0.8% Inflation. Australien als derzeitiger Vorreiter der Zins- und Inflationsentwicklung meldete im vierten Quartal +2.1% nach +1.3% Teuerung im Jahresvergleich. Das FED FOMC-Meeting brachte erwartungsgemäß unverändert niedrige Leitzinsen, dabei aber heftigen Streit um den zukünftig richtigen Kurs. Angesichts moderater Inflationsraten und des eben erst gelungenen Wiedereintritts vieler früher Zeitreihen in den Normalbereich scheint die Angst vor einer neuen Blase zeitlich irgendwie deplaziert - aber typisch, da man zuvor über sieben bis acht Jahre eine unübersehbare Riesenblase nicht nur verdrängt, sondern sogar noch fleißig gefördert hatte.
Möglicherweise ist trotz medialer Klimaphobie dem einen oder anderen aufgefallen, dass die letzten Jahre keine glutheißen Sommer mehr, dafür aber deutlich kältere und schneereichere Winter gezeigt haben. Dies wirkte sich, neben dem Jahresanfangstermin, negativ auf den deutschen Arbeitsmarkt aus, der eine Zunahme der Arbeitslosenzahl um rund 342.000 gegen Dezember brachte. Beim Vorjahresvergleich standen knapp 129.000 Arbeitslose mehr in der (bereinigten) Statistik, die erwartete 2009er Katastrophe am Arbeitsmarkt ist ausgeblieben. Für 2010 wird im Jahresverlauf nun überwiegend nur noch mit einer leichten weiteren Zunahme gerechnet. Die Arbeitslosenquote legte im Januar um 0.8 Punkte auf 8.6% zu, vor einem Jahr hatte sie nur um 0.3 Prozentpunkte niedriger bei 8.3% gelegen. Destatis meldete dazu beim Jahres-Bierausstoß der deutschen Brauereien die kontinuierliche Fortsetzung des laufenden Abwärtstrends. Der Bierabsatz ging über die letzten zehn Jahre von knapp 110 auf nun 100 Millionen Hektoliter per Anno zurück. Jammern und Picheln lag ergo trotz Krise nicht mehr wirklich im Trend. Entsprechend stiegen die ESI-Stimmungswerte (Economic Sentiment Indicator) in der Eurozone im Januar zum zehnten Mal in Folge, allein die kräftige Dezember-Aufwärtsrevision von 91.3 auf auf 94.1 übertraf dabei schon deutlich die Januar-Konsenserwartungen, sodass im Ergebnis ein ESI von 95.7 statt erwarteter 92.3 resultierte. Auch der deutsche Wert kletterte weiter auf 96.1 Punkte. Im Detail lagen die Steigerungen beim Industrie-, Dienstleistungs- und Einzelhandelssektor, die Verbraucherstimmung blieb unverändert, im Bausektor gab es wetterbedingt einen leichten Rückgang.
Bei den Unemployment Claims meldete DoLab diese Woche wieder eine leichte Verbesserung, die Vorwoche wurde von 482.000 auf 478.000 revidiert, aktuell lagen die Erstanträge bei 470.000. Ebenso leicht verbessert der vorläufige US-Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter für Dezember, hier lag das Plus bei +0.3% und die Jahresveränderungsrate strebt zügig weiter aufwärts. Ex Transport betrug das Plus 0.9%. Deutlich oberhalb der Erwartung kam die erste Schätzung zum US-BIP im 4. Quartal 2009. Annualisiert ergab sich ein Anstieg von +5.7%, der in schlichter europäischer Berechnungsweise zwar weniger dramatisch mit +0.1% im Jahresvergleich daherkommt, aber dennoch zum Ende 2009 wieder eine schwarze Null zeigt. Überraschend stark kletterte auch der regionale Chicago Einkaufsmanagerindex, der im Januar von 58.7 auf 61.5 stieg, statt wie allgemein erwartet auf 57.2 zu fallen. Eine Konsolidierung der Stimmungswerte scheint ein weiteres Mal nicht wirklich stattzufinden. Denn auch das endgültige US Verbrauchervertrauen der Uni Michigan für den Januar, das zur Monatsmitte nur einen kleinen Anstieg von 72.5 auf 72.8 gezeigt hatte und expertenseits danach mit 73.- erwartet wurde, sprang bis auf 74.4 und ein neues Zwei-Jahres-Hoch. Mit 131.4 nach 132.2 zeigte der ECRI WLI diese Woche nach eben absolviertem 83-Wochen-Top eine leichte Konsolidierung. Als Sorgenkind präsentierte sich wiederum der Baltic Dry, der Ende Januar unter 3000 Punkte abrutschte und mit 2848 schloss. Im Fazit eine Woche mit etlichen positiven Überraschungen, die einige Divergenzen zur neuen Angst auf den Märkten zeigte. Der KID kletterte schon vor dem Monatswechsel erstmals über den Entscheidungspunkt durch den möglicherweise entscheidenden Abwärtstrend.
Die 5. KW
... begann mit den endgültigen Werten der europäischen Einkaufsmanagerindices, wo neue 2-Jahreshochs zu verzeichnen waren. Im verarbeitenden Gewerbe überraschte der Index mit einem neuerlichen Anstieg über den Vorabschätzwert, der endgültige Wert wurde mit 52.4 nach vorab 52.- und 51.6 im Vormonat festgestellt. Der deutsche Industrie-PMI stieg ebenfalls stärker von 52.7 über vorab 53.4 auf endgültig 53.7 Punkte an. Damit befindet sich die europäische Industrie im vierten Monat wieder in der Wachstumszone, allerdings mit weiter deutlichem Gefälle zwischen starken und schwächeren Staaten. Von den chinesischen Einkaufsmanagern wurde dagegen diesmal ein leichter Indexrückgang von 56.6 auf 55.8 gemeldet - der erste seit acht Monaten. Dafür legte der ISM Einkaufsmanagerindex der US-Industrie im Januar einen Riesensatz aufs Parkett, er schnellte von revidiert 54.9 auf 58.4 Zählern in die Höhe. Dies ist der höchste Stand seit August 2004. Wir sehen nach dem verstolperten Marktstart 2010 also kräftig steigende Konjunkturstimmungswerte bei deutlich rückläufiger Marktstimmung - eine interessante Konstellation. Die US-Bauausgaben wurden adäquat zu den anderen Immobilienmarktdaten für Dezember mit -1.2% schwächer festgestellt. Die FED meldete außerdem, dass sich im ersten Quartal 2010 die Kreditbedingungen (Zinsdifferenz, Kreditnachfrage, Kreditvergabekonditionen) erneut deutlich verbessert haben, sodass einer weiterhin positiven Investitionsdynamik in der Industrie nichts mehr im Wege steht, während im Immobiliensektor weiterhin Risiken festzustellen sind. Neues gab es auch von der australischen Notenbank, sie überraschte die Märkte mit einer unerwarteten Zinspause, um den Hypothekenmarkt zu entlasten.
Die wöchentlichen US Chain Store Sales schlossen zum Monatsende stabil leicht oberhalb der schwachen Vorwoche. ICSC sprach vom gesamten Januar mit den Worten "Surprisingly Good Performance". Der deutsche Einzelhandel berichtete für Dezember mit +0.8% Zuwachs gegen Vormonat die erwartete Erholung im Weihnachtsgeschäft. Gegen Vorjahr ergab sich ein Monatsrückgang von -2.5% sowie relativ unkatastrophale -1.8% im Gesamtjahresvergleich. Bei den schwebenden US-Hausverkäufen überraschte ein Anstieg von +1% im Dezember, erwartet worden war ein Rückgang von -1.1% gegen Vormonat, gegen Vorjahr wurde ein deutliches Plus von 10.9% errechnet. Bei den Einkaufsmanagern der europäischen Dienstleister war vorab ein Indexrückgang von 53.6 auf 52.3 angekündigt worden, der endgültige Wert lag mit 52.5 etwas verbessert und blieb zum fünften Mal in der Wachstumszone. Der Gesamtindex für die europäische Privatwirtschaft schwächte sich dadurch trotz und wegen der Verbesserung im verarbeitenden Gewerbe insgesamt leicht von 54.2 auf 53.7 ab, liegt aber damit nun seit sechs Monaten stabil im Wachstumsbereich. Auch die US-Dienstleister blieben etwas hinter den Erwartungen zurück, der ISM-Index der DL-Einkaufsmanager überstieg zwar wieder die wichtige 50er-Marke mit 50.5 nach 49.8, blieb aber unter den erwarteten 51.- Punkten. Die Erstanträge wurden in dieser Woche mit 480.000 nach revidiert 472.000 festgestellt. Von der EZB kam ein klares Signal, dass in absehbarer Zeit kein Zinssignal folgen wird. Außerdem bemühte sich Monsieur Trichet, die zahlreichen Bedenken wegen der griechischen und anderen Staatsschulden zu dämpfen.
Ein weiterer kleiner Dämpfer kam vom deutschen Auftragseingang für Dezember. Nach dem positiven Knall mit den gewaltig revidierten Novemberzahlen brachte das Jahresende wieder eine Konsolidierung von -24% gegen Vormonat. Der Jahresvergleich bringt aber nach wie vor die positive Grundtendenz zum Vorschein, hier lag der Dezember-Auftragseingang mit +8.43 insgesamt sowie +7.43% aus dem Inland und +9.19% aus dem Ausland weiter im positiven Trend. Wer hier Enttäuschung zeigt, hat die bis zu -41.91% aus dem Februar 2009 wohl schon erfolgreich verdrängt. Der Dezember war wegen der vielen freien Tage und der Januar wird wegen des kräftigen Wintereinbruchs leicht gebremst daherkommen, entscheidend wird sein, wie es danach weitergeht. Deutlich positiv überraschten dagegen die endgültigen US-Auftragseingänge des Dezembers, die mit insgesamt +1.0% gegen November deutlich über der Erwartung von +0.3% ausfielen. Ex Transport lag das Plus bei 1.2%, bei den zivilen Investitionsgütern sogar bei +2.2% ohne Flugzeugbestellungen. Im prozentualen Jahresvergleich haben die New Orders insgesamt mit +3.61 erstmals wieder den Sprung deutlich über Null geschafft, bei den Durables stehen noch -2.46%, bei den Non-Durables schon +9.32% in den Büchern. Die Wirtschaft hat also allen Grund, im Trend optimistisch auf 2010 zu blicken, die Märkte spielen dagegen die Echo-Wellen-Karte. Focus Money titelte "Alles verkaufen?", andere notorische Crash-Guru´s posaunten mit neuem Oberwasser ihre üblichen Warnungen von Deflation über Hyperinflation und Staatsbankrott bis weltweit "soziale Unruhen" in die friedliche Schneelandschaft und an allem sind wie üblich die Spekulanten schuld. Nur der Handel mit raubkopierten Daten-CD´s zwischen organisiert kriminellen und staatlichen Stellen gestaltete sich trotz Schnee und Glatteis erneut schwungvoll.
Überraschend für die Märkte, kaum überraschend für Betrachter der Vorlauf-Indikatoren (Unemployment Claims, Mass Layoffs, Challenger Report) sank die US-Arbeitslosenrate im Januar von 9.97 auf 9.69% und den niedrigsten Stand seit August 2009. Die ohnehin relativ ungenaue Statistik des Nonfarm Payroll Employments wurde rückwirkend kräftig (negativ) revidiert, dennoch ändert dies nichts am Trend, der für Januar noch -20.000 abgebaute Stellen außerhalb der Landwirtschaft auswies, im Januar vor einem Jahr waren es noch -773.800 gewesen. Zudem fand bei der Lohnentwicklung eine deutliche Aufwärtsrevision statt. Der japanische Leading Index wurde für Dezember mit einem kräftigen Sprung von 91.- auf 94.- gemeldet, es war der zehnte Anstieg in folge. Einen leichten Dämpfer gab es erwartungsgemäß bei der deutschen Industrieproduktion im Dezember, sie wurde bei unterdurchschnittlicher Anzahl an Großaufträgen mit -2.6% gegen Vormonat gemeldet, was zum guten Teil vom Auslaufen der Abwrackprämie bestimmt war. Auf Jahresvergleichssicht bleibt noch ein moderater Rückgang von -7.1% aufzuholen. Der wöchentliche ECRI Leading Index gab zum Februar leicht von 131.4 auf 130.9 ab. ECRI gab außerdem den Januarwert für das USFIG, die zukünftigen US-Inflationserwartungen, bekannt. Hier war ebenfalls ein zehnter Anstieg in Folge von revidiert 99.0 nach zuvor 98.2 im Dezember auf 102.- im Januar zu verzeichnen - von Hyperinflation trotzdem nach wie vor keine Spur. Der Baltic Dry bröckelte zunächst weiter bis auf 2673 und schloss die Woche mit 2715 Punkten.
Die 6. KW
... startete mit dem monatlichen Konjunktur-Sentix. Er war von einem sehr kräftigen Einbruch der Erwartungen geprägt, während die Lage-Komponente nur leicht zurückging. Insgesamt gab der Index für Euroland -4.50 Punkte ab, die Erwartungen sanken dabei um -7.50, die Lagekomponente um -2 Zähler. Ein ähnliches Bild zeigte sich auch global - die zukünftige Erwartungsstimmung schwächelt auf Sechsmonatssicht merklich, sodass sich die Perspektive für das zweite Halbjahr 2010 einzutrüben beginnt. Dies betrifft auch den asiatischen Raum, während die USA momentan sehr stabil eingeschätzt werden. Für Europa werden die Exportchancen zunehmend skeptisch betrachtet, eine dauerhafte Euro-Abschwächung als mögliches Gegengewicht offenbar noch nicht gesehen. Wenigstens der Superbowl-Indikator sah höchst emotional ein gutes Omen im unerwarteten Außenseitersieg der Saints aus dem untergegangenen und sichtlich wieder auferstandenen New Orleans, die trotz 10 Punkten Rückstand mit einem bullischen Finish am Ende vorn lagen. Die endgültige deutsche Inflationsrate für Januar wurde mit +0.8 festgestellt, Fazit: keine Inflation, keine Deflation, relative Preisstabilität mit Ausnahme des Energiesektors. Stabil lag auch der deutsche Außenhandel im Dezember, Ausfuhren wie Einfuhren legten parallel zu, das Exportaufkommen stieg erstmals leicht über das des Vorjahresmonats und der Außenhandelssaldo blieb auf dem hohen Vormonatsniveau. Die wöchentlichen US Chain Store Sales kletterten in dieser Woche kräftig und erreichten wieder "Normalniveau". Ebenfalls kräftig weiter unterwegs zum gewohnten Normalniveau war das US-Handelsbilanzdefizit, das im Dezember mit -40.2 nach -36.4 Milliarden den höchsten resp. tiefsten Wert der letzten 12 Monate erreichte. Ebenfalls wieder deutlich auf dem richtigen Weg zeigten sich zum Februarbeginn die US Unemployment Claims, nach revidierten 483.000 zeigte die erste Woche des Monats einen Rückgang auf 440.000 Erstanträge.
Das deutsche BIP im vierten Quartal brachte nach der erfolgten Vorabschätzung des Gesamtjahres keine Überraschungen, die Revision der Vorquartale war nur marginal. Als Belastungsfaktoren erwiesen sich das Ende der Abwrackprämie, der kräftige Wintereinbruch und die vielen Ferientage, somit ergab sich lediglich eine Stagnation zum Vorquartal. Dennoch bleibt die zu Jahresanfang noch völlig unerwartete Erholung im Vergleich mit den Vorjahresquartalen beeindruckend: -6.70% im ersten, -5.76% im zweiten, -4.77% im dritten und -2.38% im vierten Quartal. Das hochgesteckte Klassenziel einer roten Fast-Null wurde damit zwar nur in den USA mit +0.1% im vierten Quartal erreicht, dennoch straft die Entwicklung alle Propheten des Untergangs vom Jahresanfang eindeutig Lügen. Dies läßt sich auch an der Wachstumsdynamik erkennen, die für die 2009er Quartale so aussieht: -3.52% im ersten, +0.44% im zweiten, +0.73% im dritten und +0.01% im vierten Quartal. Das deutsche BIP in jeweiligen Preisen zeigt (in Milliarden Euro), also in absoluter Höhe inzwischen wieder den Stand von Anfang 2007, wenn man die letzten zwei Quartale 2009 (606.99 und 606.10 Mia) mit den ersten beiden in 2007 (601.12 und 605.57 Mia) vergleicht - dazwischen lagen Boom und Absturz. Die Normalität hat uns wieder, wenn auch mit Mühe. Die überraschend starken Auftragseingänge sprechen für eine positive Fortsetzung des Trends 2010, die zuletzt allgemein eher mickrigen Stimmungs- und Erwartungswerte momentan dagegen. Hier zeigt sich auch wieder die typisch neudeutsche Mentalität: im Absturz Anfang 2009 war die Mehrzahl aller Experten und Medienvertreter von einer Fortsetzung des extrem negativen Trends fest überzeugt, heute, ein Jahr später, wird allgemein sehr intensiv an der Fortsetzung des positiven Erholungstrends gezweifelt. Das erste Quartal 2010 dürfte im Jahresvergleich ohnehin "überraschend" kräftig ausfallen - ihm steht das Absturzquartal 1/2009 gegenüber, bereits eine nicht wirklich wahrscheinliche, allenfalls erneut wetterbedingte Stagnation im BIP würde beim Jahresvergleich schon +1.18% Wachstum im laufenden Quartal generieren - die Zahlen folgen im Mai.
Das vierteljährliche ifo-Wirtschaftsklima für die Eurozone zeigte nicht nur den vierten Anstieg (entsprechend 12 Monaten) in Folge, sondern legte mit dem Sprung von 91.- auf 101.3 Punkte im Schlussquartal 2009 dazu einen gewaltigen Aufwärtsschub vor. Stabilisierend wirkt dabei, dass vor allem die Lage-Einschätzung eine deutliche Besserung erfuhr und die Erwartungen nur moderat zulegten. Die US-Einzelhandelsumsätze wurden für die letzten beiden Monate kräftig aufwärts revidiert und zeigten im Januar mit +0.5% dazu ein neues 16-Monats-Hoch. Sowohl das Weihnachtsgeschäft als auch der Start in 2010 fielen damit sehr robust und über Erwartung aus. Das Januar-Plus lag gegenüber dem Vorjahr bei satten +4.5%. Beim Verbrauchervertrauen der Uni Michigan zur Februar-Mitte folgte auf den unerwarteten Sprung Ende Januar prompt die erneut unerwartete minimale Konsolidierung, der Index gab einige Zehntel von 74.40 auf 73.70 ab. Der wöchentliche ECRI Leading Index gab erneut leicht nach, diesmal von 130.9 auf glatt 130 Punkte. ECRI titelte daraufhin, insbesondere wegen der adäquat nach Rekordhoch wieder rückläufigen zukunftigen Wachstumsrate "US growth to begin 'throttle back' mid-year". Nachgeschlagen ergab dies nicht die kommende Rückkehr der Trottel in der zweiten Jahreshälfte, sondern ein nach der kräftigen Erholung ein mehr oder weniger stark gedrosseltes Wachstum im Jahresverlauf. Ähnlich wie beim "übergeschossenen" KID-Oszillator sind diese Voraussagen aber vage mit Vorsicht zu sehen, denn die rechnerisch annualisiert angezeigten Wachstumsraten (über 20%) waren und sind ohne Zweifel mehr als utopisch. Fakt bleibt ergo zunächst nur, dass beim bisher dynamisch V-förmig steilen Aufwärts-Verlauf wieder Gas weggenommen werden wird. Ob daraus ein weiter gepflegt zügiges Rollen der Wirtschaft oder eine deutliche Bremsung entsteht, muss zunächst abgewartet werden und hängt nicht zuletzt von der Stimmung und den nächsten politischen Schritten auf dem Weg der Normalisierung ab. Der Baltic Dry schwächelte auch in dieser Woche weiter, er wurde (per Donnerstag) mit 2575 Punkten festgestellt.
Fazit: Der KID im Februar 2010
... steigt unermüdlich weiter und hat inzwischen nach dem kurzen Abwärtstrend C auch den mittelfristigen Abwärtstrend D deutlich überwunden. Die offene Januar-Frage nach der zukünftigen Richtung am nächsten Entscheidungspunkt ist damit ganz klar beantwortet. In den letzten drei bis vier Monaten gab es innerhalb des Monats mehrfach Ansätze zu einer Korrektur in Form eines kurzzeitig seitlich oder leicht abwärts geneigten "Regenschirm-Griffs" oben am KID - die jedoch stets durch nachdrängende positive harte Daten und darauf folgende Stimmungserholung wieder in die gewohnte Steigungsrichtung gebracht wurden. Aus der V-förmigen Erholung entwickelt sich somit momentan der erste Ansatz zu einem echten kleinen Aufschwung, wir befinden uns inzwischen in dem Bereich, der früher schon einmal als "wirtschaftliches Mittelmaß" bezeichnet und gekennzeichnet war. Wer hätte damit vor knapp einem Jahr tatsächlich gerechnet? In der Grafik gab es neben etlichen externen Zeitreihen-Revisionen einige kleinere Korrekturen. Die beiden "alten" Trendkanäle A und B wurden auf den Tiefpunkt Anfang 2009 neu justiert. Der Übersichtlichkeit wegen zeigen sie aktuell nur noch ihre 50%-, 75%- und 100%-Linien. Nach unten ist der Indikator charttechnisch aktuell mehrfach "abgesichert" (rötlicher Bereich). Bereits sehr früh im Jahr sind wir deutlich in den im Herbst 2009 angedeuteten "grünen Bereich" für 2010 aufgestiegen. Nächster Widerstand wäre ein Kreuz aus der 100%-Linie des alten Abwärtstrends B mit der 75%-Linie des alten Aufwärtstrends A (grüner Pfeil). Zwar ist bis dahin noch ein Stückchen Weg zurückzulegen - dennoch sensationell, dass sogar der alte flache Abwärtstrend B seit 2000/2001 inzwischen schon in Griffweite liegt und damit zumindest theoretisch auch zur Disposition stünde.
Der alte Aufwärtstrend A würde mit seiner 100%-Linie sogar noch eine weitere Perspektive darüber erlauben, doch das erscheint momentan doch noch sehr vermessen "ins Blaue hinein" gedacht. Deshalb wurde dieser Bereich in Blau untergelegt und ganz oben mit einem blauen Pfeil gekennzeichnet. Ein fortgesetzter Anstieg bis hinein in diese Zone würde nach dem krassesten Absturz der Nachkriegsgeschichte in direkt nahtloser Folge auch den größten Aufschwung der Nachkriegsgeschichte bedeuten. Doch das ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt eindeutig noch absolute Zukunftsmusik für den Grand Prix d´Eurovision 2010 in Oslo. Trotzdem ist und bleibt die bisher ungebremste Aufwärtsdynamik beeindruckend, sie hatte alle zwischenzeitlichen Zweifel und erwarteten leichten Konsolidierungen einfach überholt. Beim KID-Oszillator geht die Korrektur auf das vorherige Überschießen entsprechend nur langsam weiter, bald wird hier interessant was passiert, wenn der Normalbereich wieder erreicht ist. Entweder folgt dann noch ein "klassischer" Test der Ausbruchslinie, oder, adäquat zu einer weiter stürmischen Entwicklung, sogar längeres Verweilen im oberen positiven Sektor. Bei den Komponenten "harter" und "weicher" KID ist inzwischen wieder ungefährer Gleichstand eingetreten, die harten Fundamentals haben die Stimmung eingeholt - man hat hier also zurück in die Wirklichkeit gefunden. Bei den vier Vorlaufkomponenten zeigen die beiden "harten" weiterhin Stärke, während, wen wunderts, die Sentiments zuletzt zur Konsolidierung neigten. Ob daraus eine Wende wird, bleibt abzuwarten.
Damit zu den Märkten,
... wo zuletzt die These "Alles verkaufen" trotz weiterhin überwiegend positiver Konjunkturdaten schwungvoll in die Tat umgesetzt wurde. Aktien/Indices, Rohstoffe, Energie, Edelmetalle, Euro - es wurde querbeet erneut mit Volumen "deleveraged" und schnell liquidiert. Allein Staatsanleihen schienen vielen Anlegern noch als "sicherer Hafen" angesichts der phobischen Ängste ausgerechnet vor Staatsbankrotten und steigenden Inflationsraten geeignet und konnten entsprechend stark zulegen. Der Volksmund sagt zwar, man solle sich tapfer seinen Ängsten stellen, um sie zu überwinden - von Direktinvestments mitten hinein in diese Ängste ist dabei aber beim Volksmund nachweislich keine Rede. Insofern lief diese kollektive Fluchtbewegung wahrscheinlich eher ziemlich genau in die falsche Richtung, denn die dürftigen Renditen können wahrlich nicht der auslösende Impuls für die zugrundeliegenden Anlageentscheidungen gewesen sein. Vielmehr hat sich offenbar ein diffuses Gemisch aus Ängsten, Skepsis, Zweifeln, verstärkendem Mediengeschwätz und nach dem langen von nur wenigen Marktteilnehmern wirklich genutzten Anstieg ein Gefühl allgemeiner Ratlosigkeit gebildet. Konjunktur und Märkte sind im ungefähren Gleichschritt in und durch die Erholung gelaufen. Das (seinerzeit hier zitierte) "Häschen" ist viel schneller als erwartet aus der tiefen Grube entkommen - doch was nun?
Wer einmal im Leben in eine dramatische Situation geraten ist, kennt wahrscheinlich diesen Ablauf. Man reagiert und agiert mitten in der Situation besonnen und fast emotionslos, spürt möglicherweise weder Gefahr noch Schmerz oder Verletzungen. Erst später und wieder in Ruhe kommt dann der Stress, ein möglicher Schock, Erschöpfung, Angst oder Verwirrung - die psychologische "Echo-Welle" des zuvor aktiv durchlebten Geschehens. Um so fieser kommt bei dieser Betrachtungsweise der sensationsheischende Katastrophen-Prophet daher, der als systematisch typischer "Warner nach der Krise" mit sachlich haltlosen, dafür reißerischen Phrasen diese Gesamtsituation ausnutzt, um für sich mediale Aufmerksamkeit zu ergattern und um seine Bücher, Artikel, Börsenbriefchen oder Abonnements, resp. sogar noch eine verkappt dahinter stehende Ideologie, leicht und billig verkaufen zu können. Damit steht er faktisch wie moralisch in einer Reihe mit den geistigen Urhebern und Profiteuren der Krise, die rein populistisch trotz klar gegenteiliger Fakten- und Sachlage die "menschliche Gier" und die "bösen Spekulanten" als allein verantwortliche Ursache an Stelle von Notenbanken und Ratingagenturen, staatlichen Bankaufsichtsbehörden, politisch besetzten Aufsichtsräten oder wirkungslos ineffizienten bürokratischen Kontrollgremien propagieren - um mittels der vorhandenen Krisenängste hinterrücks elementare Grundlagen von Bürgerrechten, Freiheiten, Demokratie und freier Marktwirtschaft heimlich aushöhlen und über ein Nochmehr an ebenso teurer wie der Allgemeinheit völlig nutzloser Kontrollmachtbefugnis schrittweise weiter demontieren zu können.
Wie beliebt und verbreitet das faschistoide Denunzieren, Benennen und Hetzen vermeintlicher Sündenböcke zur Ablenkung von problematischem Eigenverschulden innerhalb des vermeintlich demokratischen Spektrums inzwischen wieder geworden ist, zeigen auffällige einzelne Entgleisungen. So z.B. wenn Griechenland erst die EU offiziell mit falschen Zahlenangaben betrügt und anschließend von "ausstehenden deutschen Reparationen" fabuliert. Oder wenn deutsche Politiker und Funktionäre so oft wie fälschlich behaupten, Bänkergehälter würden auf dem Rücken von Hartz4-Empfängern erwirtschaftet. Oder wenn "Wissenschaftler" und Philosophen nach ihrem Climagate die Abschaffung der Demokratie, eine Weltregierung und die kontrollierte Zuteilung eines persönlichen CO2-Kontingents pro Erdenbürger fordern. Oder wenn staatliche Institutionen vorbildhaft die Zusammenarbeit mit Kriminellen suchen und fördern, um der vermeintlichen "Gerechtigkeit" zum Sieg zu verhelfen. Hier hat die Krise ihren Zweck erfüllt, aus vorgeblicher "Not" im Hintergrund elementare Veränderungen durchführen zu können. Wer sich zufällig einmal mit dem frühen Stalinismus der Zwanziger Jahre beschäftigt hat, findet in dem zentral gesteuert endlos wuchernden ineffizienten Apparat sich gegenseitig kontrollierender Kontrollkommissionen peinliche, amüsante oder erschreckende Parallelen zum derzeitig krisenbedingten Kontrollfimmel auf allen Ebenen. Damals stand am Ende tatsächlich eine relative Gleichheit und Gerechtigkeit: jeder, egal ob Minister oder Hilfsarbeiter, konnte jederzeit grundlos verhaftet, erschossen oder per Schauprozess verurteilt werden. Statt Solidarität blühte das Denunziantentum, statt "Wohlstand für alle" blieben Wirtschaft und Gesellschaft auf Jahrzehnte gelähmt und der staatliche Verteil- und Misswirtschaft ausgeliefert.
Was allgemein schon seit Monaten in der Breite fehlt, ist die einfache befreiende Erkenntnis der gelungenen Erholung, deren größte Gefahr und Labilität nicht in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklung, sondern in der gegenwärtigen allgemeinen Verunsicherung und ihren propagandistischen Nutznießern liegt. So wie momentan die Angst vor einer großen Blase zur direkten Flucht in eine gegenüberliegende kleine Blase treibt, könnte es früher oder später passieren, dass eine sich langsam aber sicher durchsetzende Erkenntnis dann eine erneute Gegenwelle von Begeisterung und Euphorie auslöst. Der "Homo Oeconomicus" agiert eben überwiegend emotional und wahrlich nicht immer rational. Aktuell passen Wirtschaftsdaten und Wirtschaftsstimmung mit Marktdaten und Marktstimmung absolut nicht zusammen. Am Rand des Geschehens wartet sowohl bei Investoren als auch in Unternehmen und bei den Bürgern eine große Zahl "grundsätzlich Unentschlossener" verunsichert auf ein befreiendes Signal. Die darin liegende Dynamik sollte man keinesfalls unterschätzen, weder im positiven wie im negativen Sinne. Mit Ausnahme der (Staats-)Anleihemärkte und des Edelmetall- und Devisenbereichs befinden sich alle klassischen Märkte weiterhin in einer "Make-or-Break"-Situation, mitten in dem hier bereits hinlänglich beschriebenen "dicken Brett" als Grenze zwischen Gut und Böse. Der Marktausbruch nach oben ist im ersten Anlauf bei nur geringem Volumen gescheitert und nahe des oberen Randes entsprechend heftig abgeprallt. Nun wird, nach langem Hangeln fast ausschließlich im oberen Drittel der neuen mittelfristigen Aufwärtstrendkanäle, endlich auch deren fast vergessener unterer Rand ausgelotet und auf seine Haltbarkeit hin getestet.
Noch zeigen die wirtschaftlichen Ampeln trotz mieser Marktstimmung grün, jedoch deuten die auf hohem Niveau ins Stagnieren übergehenden Erwartungswerte an, dass hier in Zukunft eine erneute zyklische wende angesagt sein könnte. Damit droht den "späten Prozyklikern" eine (fast schon üblich gewordene) Gefahr: die viel zu späte befreiende Erkenntnis der Erholung, angereichert mit mehr oder weniger starker spontaner Begeisterung, die ausgerechnet zu einem Zeitpunkt erfolgt, wo die Party sich bereits ihrem Höhepunkt und vorläufigem Ende zu nähern beginnt - weil die Bäume eben nicht ungebremst und pausenlos weiter in den Himmel wachsen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Der "frühe Vogel" dagegen hat sowohl die heraufziehende Krise als auch die zwangsläufige Erholung rechtzeitig erkannt und achtet, grade in einer noch möglichen anstehenden Euphorie, mit einer relativen Skepsis besonders sorgfältig auf seinen Wurm. Ob wir in der zweiten Jahreshälfte 2010 nur eine Konsolidierung oder bereits wieder eine echte Trendwende erleben werden, ist dabei momentan noch in keinster Weise absehbar. Skeptisch stimmt zusätzlich der Baltic Dry Future, den es allerdings noch nicht sehr lange gibt. Ob hier demnächst der Schwanz dem Hund oder der Hund dem Schwanz folgen wird, ist wegen der kurzen Existenz des Vehikels ebenfalls schwer einzuschätzen. Wer als chronischer Pessimist aber alles bereits schon lange vorher gewusst hat, darf sich gern damit rühmen, als bremsender Teil des Systems kräftig zu entgangenen Gewinnen und möglichen kommenden Verlusten vieler Zuspätberufener beigetragen zu haben.
Der DAX hat in der Korrektur bislang eine Mehrfach-Dip-Landung auf den 200-Tage-Schnitt hingelegt, dabei aber noch nicht ansatzweise den unteren Rand des aktuell mittelfristigen Aufwärtstrendkanals erreicht. Anfang März wird sich voraussichtlich zwischen 5450 und 5500 Punkten die 200-Tage-Linie mit dem 2-Jahres-Schnitt kreuzen. Die weitere Entwicklung an dieser Kreuzunterstützung dürfte den Ausschlag geben, ob der Index den Frühling freudig oder mit leichter Winterdepression begrüßt. Der MDAX hat das gleiche Linienkreuz zwischen 6800 und 6850 als Support, schwebt aber anders als der DAX noch deutlich darüber auf Herbstniveau. Beim TecDAX sieht es noch günstiger aus, er hat sein Linienkreuz bereits "hinter sich", korrigierte bislang nur bis auf den 100-Tage-Schnitt und hat deutlich unter sich die 200-Tage-Linie bei 730 sowie das bereits überwundenen "Brett" zwischen 740 und 630 Punkten. Nikkei und Dow Jones Industrials beschäftigte zuletzt intensiv die Frage, ob vier- oder fünfstellig der Situation wohl angemessener seien, während sich beim S&P500 demnächst das dem DAX und MDAX identische Linienkreuz bilden wird, vorausssichtlich um die 1050 Punkte herum. Von Rohstoffen, Energie und Edelmetallen wurde relative Schwäche berichtet - bei genauerem Hinsehen reflektiert sich hier jedoch vornehmlich der stärkere US-Dollar, der selbst wiederum auch ohne genaueres Hinsehen mehr eine Euro-Schwäche darstellt, die uns wirtschaftlich momentan eher entgegenkommt.
Bei den US-T-Bonds reichte es bislang nicht dazu, einen relativ langen Abwärtstrend endgültig zu überwinden. Der Bund-F nutzte parallel die Gelegenheit, invers zu den korrigiernden Aktien in seiner Schaukelbewegung ein neues Hoch auszubilden. Er gab sofort mit der Stabilisierung der Aktienindices einen Teil der Gewinne wieder ab, die 121.50 wird hier möglicherweise in Zukunft schicksalhaft, als Termin sollte man sich den nächsten Kontraktwechsel im März vormerken. Im Hintergrund stehen nach wie vor Inflations- und Zinserhöhungsbefürchtungen. Insgesamt bedrohlicher erscheint aber eher die Tendenz, aus populistisch geschürter Angst den Erholungsaufschwung unbedingt möglichst schnell kaputtsparen zu wollen und die weltweit wieder erstarkende Wirtschaft möglicherweise abzuwürgen. Elementare Grundregeln, wie in den wirklich guten Zeiten zu sparen, statt in bzw kurz nach einer Not, der man grade erst mit knapper Not entronnen ist, scheinen letztendlich zu vernünftig und zuwenig ideologisch nutzbar. Die Krise eignet sich, wie manches andere auch, natürlich hervorragend dafür, ihr sämtliche Missetaten und Versäumnisse der Vergangenheit kollektiv in die Schuhe zu schieben. Unterstützt wird dies noch durch immer neue Auflagen von sog. markt- und finanzwirtschaftlicher "Enthüllungsliteratur", die die momentane Ratlosigkeit vieler etablierter Experten geschickt dafür nutzt, wirre Thesen und abstruse Ideen publikumswirksam verbreiten zu wollen. Das passt sowohl zur bevorstehenden Leipziger Buchmesse als auch besonders trefflich zur aktuellen fünften Jahreszeit. In diesem sinne: Narrhallamarsch!
Thomas A. Spoerer
& Team
Nachtrag in eigener Sache:
Einfach, schnell und bequem automatisch informiert werden, sobald der neue KID-Konjunktur-Indikator jeden Monat online ist?
Tragen Sie sich kostenlos, unverbindlich und jederzeit per Click wieder abbestellbar für den automatischen email-Benachrichtigungs-Service ein. Außer einer monatlichen KID-Info-Mail erhalten Sie keine weiteren emails, keine Werbung, kein Spam, und Ihre Daten bleiben selbstverständlich vertraulich. Hier direkt anmelden (neues Fenster)!