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KID Konjunktur-Indikator-Deutschland

Quo vadis, Konjunktur und Märkte im Januar 2010?

von Thomas A. Spörer

KID Januar 2010

Chart grösser

Nächster Entscheidungspunkt!

Die 52. KW

... begann mit dem GfK-Konsumklima für den Januar 2010, wo GfK selbst ein "Leichtes Frösteln zum Jahreswechsel" konstatierte. Die Konjunkturerwartungen stabilisierten sich aber wieder, die Einkommenserwartungen legten weiter zu, jedoch gab die Konsum- und Anschaffungsneigung nach, sodass im Gesamtindikator ein Rückgang von revidiert 3.6 auf 3.3 Punkte zu verzeichnen war. Hierbei spielten Inflationsbefürchtungen aufgrund der Energiepreise eine tragende Rolle, auch das heraufbeschworene Arbeitsmarkt-Gespenst geistert trotz guter Zahlen noch im Hintergrund und läßt die Sparneigung in Deutschland wachsen. Die dritte und finale Schätzung zum US-BIP im dritten Quartal wurde marginal abwärts revidiert, in üblicher Berechnungsweise von -2.5% auf -2.6% gegen Vorjahr, bei der saisonbereinigt annualisierten Jahresrate von +2.8 auf +2.2% nach noch -0.7% im Vorquartal. Im Einklang mit den Erwartungen fürs Weihnachtsgeschäft meldete ICSC ein Wochen-Plus von 0.6% bei den Chain Store Sales per 19. Dezember und erwartet insgesamt +2.0% gegen Vorjahr im Dezember. TCB veröffentlichte den Leading Index Germany für Oktober, hier ergab sich unter Aufwärtsrevision der Vormonate der siebte Anstieg in Folge auf nun 93.5 Punkte. Leider wird dieser Indikator sehr spät und mit oft sehr kräftigen Revisionen publiziert. Die US "Existing Home Sales" kletterten lt. Zahlen der NAR im November um 7.4% auf den höchsten Stand seit Februar 2007. Gute Nachricht kam vor Weihnachten vom VDMA, der seine Prognose vom Sommer quasi zurücknahm, dass 2009 rund 60.000 Jobs im deutschen Maschinenbau abgebaut werden müssten. Bis einschließlich Oktober waren es jedoch bislang 28.000 Stellen, "Die Unternehmen tun trotz der enormen Rückgänge beim Auftragseingang wirklich alles, um ihre Belegschaften zu halten."

Positive Nachrichten auch für den zukünftigen US-Arbeitsmarkt folgten (neben dem kürzlichen Challenger Report) erneut vom Labor Department: die "Mass Layoffs" (meldepflichtig angekündigte Massenentlassungen) sanken per November auf ein 16-Monats-Tief. Im Jahresvergleich ergab sich hier ein Rückgang von -23% bei der Anzahl Fälle und um knapp -27% bei den davon Betroffenen. Etwas unter Konsenserwartung landete der Monatsschlusswert beim Verbrauchervertrauen der Uni Michigan mit 72.50 nach 67.40 im November und 73.40 zur Dezembermitte. Dennoch blieb es zum Jahresende damit beim zweithöchsten ermittelten Wert der letzten 23 Monate. Schwach tendierten die US Verkäufe neuer Einfamilienhäuser, hier gab es rückwirkend eine deutliche Abwärtsrevision und dazu einen Rückgang auf nur noch 355.000 Einheiten im November, nachdem auf Basis unrevidierten Zahlen 425.000 erwartet worden waren. Somit verfehlte der DAX am letzten deutschen Handelstag vor Weihnachten eine frühe 6000er-Bescherung intraday mit genau 11.72 Punkten, um die 6000er-Marke im indikativen Heiligabendhandel pünktlich zur amtlichen Bescherungszeit im kleinen Familienkreis feierlich auszupacken.

Überraschend knappe US-Rohöl-Lagerbestände trieben den schon beim monatlichen Kontraktwechsel kräftig angezogenen WTI-Ölpreis zu einem neuen Anlauf in Richtung 80.- USD. An Heiligabend folgten nur noch einige amerikanische Daten, die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung brachten nach unrevidiert 480.000 bei erwarteten 470.000 eine vorweihnachtliche Überraschung mit nur 452.000 "Claims" - ein weiteres Positivsignal für den US-Arbeitsmarkt. Die vorläufigen US-Auftragseingänge für November zeigten erneut einen Anstieg, diesmal um +0.2% gegen Vormonat bei den langlebigen Wirtschaftsgütern. Beim Jahr/Jahr-Vergleich geht es im Trend dabei mit großen Schritten weiter auf die schwarze Null zu. Großaufträge speziell aus dem Transportsektor fielen dabei diesmal nur unterdurchschnittlich ins Gewicht, während die konjunkturtrend-relevanten Ausrüstungsinvestitionen +2.9% zulegen konnten. Der ECRI Leading Indicator gab in dieser Woche minimal von 130.7 auf 130.4 Punkte nach. Mit der Aussage "Recovery and Jobs Growth are Underway" hatte ECRI anläßlich u.a. der oben erwähnten dreifach positiven Vorlaufdaten für den Arbeitsmarkt bereits bessere Zeiten angekündigt. Der Baltic Dry Index gab indes weiter nach und beendete die Weihnachtswoche mit 3005 Punkten. Aus dem deutschen Einzelhandel war von klingelnden Kassen zu hören, die Krise habe das Weihnachtsgeschäft überhaupt nicht beeinträchtigt, da (Zitat) "die Menschen sich nicht verrückt machen lassen haben".

Die 53. KW

... brachte die vorläufigen deutschen Verbraucherpreise für Dezember. Hier wurde ein kräftiger Anstieg im Preisindex festgestellt, der im Monatsvergleich ein Plus von +0.7% und im Jahresvergleich +0.8% ausmachte. Für das Gesamtjahr 2009 ergaben sich vorläufig +0.4%, also wie erwartet keine Deflation, sondern nur ein relatives Verharren nach dem überaus deutlichen Preis- und Lebenshaltungskostensprung nach oben im Jahr 2008. Das amerikanische Verbrauchervertrauen des TCB folgte dem der Uni Michigan, der November wurde hier auf 50.60 heraufrevidiert, der Dezember mit 52.90 ermittelt. Die Erwartungen verbesserten sich, die aktuelle Lagebeurteilung gab etwas nach. Die US Chain Store Sales konnten sich im vorweihnachtlichen Endspurt zum Dezemberschluss weiter verbessern. Ebenfalls verbessert zeigte sich der Case Shiller Hauspreisindex für Oktober, der mit -7.3% gegen Vorjahr nach -9.3% zuvor den besten Wert der letzten zwölf Monate lieferte. Gegen Vormonat lag das fünfte Plus in Folge diesmal bei +0.4%, was die langsame Stabilisierung der US-Immobilienmärkte bestätigte. Ein weiteres positives Signal in Richtung Wachstum lieferte der Einkaufsmanagerindex der Region Chicago mit dem dritten Anstieg des "Business Barometers" in Folge von 56.1 auf glatte 60.- Punkte. Das nächste positive Signal kam von den Unemployment Claims zum Jahresende mit nur noch 432.000 Erstanträgen nach revidiert 454.000 zuvor. Den Schlusspunkt setzte der ECRI Leading Index, der das Jahr auf 77-Wochen-Hoch mit 131.20 beendete und Crude Oil, das nach dem Rücksetzer Mitte Dezember unter 70.- wieder 80.- USD intraday erreichte.

Die 1. KW

... zeigte mit der Headline "Erneut positiver Jahresstart" beim Konjunktur-Sentix einen geglückten Übergang ins Neue Jahr. Lage und Erwartung konnten sich für Euroland parallel weiter verbessern, der Gesamtindex stieg zum sechsten Mal in Folge. Global ergab sich ein neues 2-Jahreshoch, zu dem alle Weltregionen beitrugen. Die Erholung dürfte sich ergo auch 2010 schrittweise weiter fortsetzen. In moderatem Schritt weiter aufwärts lief es auch beim deutschen Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe. Der Index stieg per Dezember von 52.4 auf 52.7, dabei wurde die vorab veröffentlichte erste Schätzung von 53.1 jedoch unterboten. Unverändert zur Vorabschätzung kletterte der Index für die Eurozone von 51.2 auf 51.6 Punkte und bestätigte das 21-Monats-Hoch im Wachstumsbereich oberhalb 50. Getoppt wurden diese Ergebnisse vom chinesischen PMI, der per Dezember über Konsenserwartung weiter von 55.2 auf 56.6 nach oben sprang, was durch unerwartet höhere Binnennachfrage und steigende Preise ausgelöst wurde. Der "halb-offizielle" China-Dienstleistungsindex zeigte mit 57.5 nach 52.3 sogar noch stärkere Aufwärtstendenz. Die amerikanischen Einkaufsmanager zogen ebenfalls mit und brachten den ISM-Index deutlich über die erwarteten 54.- Punkte im Dezember auf 55.90 nach 53.60 im November. Dies bedeutet sowohl ein abschließendes Jahreshoch für 2009 als auch den höchsten absoluten Indexstand seit April 2006. Die Komponenten Auftragseingang, Produktion und Preise lagen dabei klar über 60, lediglich die Lagerbestände haben weiterhin noch Nachholbedarf unter 50 Punkten. Ein überaus gelungener Auftakt ins Jahr 2010. Der Baltic Dry zog nach der Feiertagspause wieder bis 3270 an, Öl überstieg sich im laufenden Kontrakt 82.- USD. Lediglich die US-Bauausgaben für November lagen mit -0.6% gegen Vormonat etwas unter den Erwartungen.

Als nächstes folgten die deutschen Arbeitsmarktdaten für Dezember, wo im Vorfeld bereits wieder düster von einem "großen Einbruch zum Jahresschluss" gemunkelt worden war. Stattdessen durften die Experten einen 2009 insgesamt überraschend robusten Arbeitsmarkt konstatieren, die Arbeitslosenrate zog per Dezember um +0.2 Punkte auf 7.8% an. "Die Arbeitslosigkeit hat im vergangenen Jahr bei Weitem nicht so stark zugenommen wie ursprünglich befürchtet." lautete der offizielle Kommentar der BA, weiteres "Warten auf die Katastrophe" der inoffizielle Slogan der verbliebenen Konjunkturpessimisten und Misanthropen, trotz des unübersehbaren Trends zuletzt deutlich verbesserter Zahlen beim Vergleich mit der ersten Jahreshälfte 2009. Die US Chain Store Sales gingen über den Jahreswechsel mit einem kräftigen Plus von +1.5% gegen Vorwoche und +2.5% gegen Vorjahr ins Jahr 2010. Einen großen Sprung nach oben zeigten auch die finalen US-Auftragseingänge für November. Statt der erwarteten +0.5% gegen Vormonat ergab sich ein Anstieg von +1.1% und der Oktober wurde zuvor noch aufwärts revidiert. Ex des schwankungsintensiven Transportsektors betrug der Anstieg sogar +1.9% und der Vormonat wurde dabei von +0.5 auf +1.0% revidiert. Die "Nondurable Goods Orders" lagen im Jahr/Jahr-Vergleich nach 12 harten Monaten mit teils extrem fetten Minuszeichen erstmals wieder im Plus. Noch im Juli standen hier -23.54%, heute dagegen +1.16% über Null gegen Vorjahr. Insgesamt gaben die Manufactoring New Orders im November noch -3.16% gegen Vorjahr ab, eine in der Tat radikal V-förmige Erholung, die per Dezember oder Januar auch hier schon wieder die zu Jahresanfang für völlig unmöglich gehaltene schwarze Null vor dem Komma in realistisch greifbare Nähe rückt, wenn der Trend demnächst wenigstens nur stabil bliebe.

Die "schwebenden US-Hausverkäufe" (Vertrag unterschrieben, aber noch nicht vollständig abgewickelt) gaben im November deutlich nach, da die Steuervergünstigung für Erwerber von November auf Mitte 2010 verlängert wurde, sodass "Zeitdruck aus dem Markt genommen" wurde. Dennoch verblieb lt. NAR auch im November noch ein sattes Plus von +15.5% gegen Vorjahr, das deutlich die beginnende Erholungstendenz aufzeigt, außerdem rechnet die National Association of Realtors zum Frühjahr nun mit einer weiteren Kaufwelle von 2.4 Mio Einheiten. Der PMI der amerikanischen Dienstleister bügelte zum Jahresschluss seine November-Schwäche wieder aus und stieg von 48.7 auf 50.1 Punkte knapp wieder zurück in die Wachstumszone. Die Geschäftsaktivitäten konnten dabei auf 53.7 zulegen, die Auftragseingänge gingen auf 52.1 zurück, die Beschäftigungskomponente lag dagegen von zuvor 41.6 zwar verbessert, aber mit nun 44.- Punkten immer noch schwächlich. Im europäischen Service-Sektor fand die erwartete Verbesserung von 53.- auf 53.6 Punkte statt, der Gesamtindex der Wirtschaft in der Eurozone kletterte damit von 53.7 auf 54.2 Punkte. Die US Unemployment Claims gingen stabil ins Neue Jahr, die erste Woche zeigte 434.000 nach von 432.000 auf 433.000 revidierten Erstanträgen. Ganz leicht gedämpft fielen die Novemberzahlen beim deutschen Auftragseingang aus. das BMWi wies ein Plus von 0.2% gegen Vormonat aus, der allerdings dabei nach oben revidiert wurde. Im Vergleich mit dem Vorjahr blieb erstmals wieder ein solides Plus von 1.8% in den Büchern, womit eine Serie von 18 teils tiefroten monatlichen Minuszeichen (bis über -37% im April 2009) im Gesamtindex beendet wurde. Erfreulich fiel der kräftige Anstieg der Binnennachfrage bei insgesamt durchschnittlicher Menge an Großaufträgen aus. Deutlich stärker als erwartet verbesserte sich das Industrie-, Konsumenten-, Einzelhandels- und Dienstleister-Vertrauen in der Eurozone bei den jetzt gemeldeten Dezemberwerten. Der Sammelindex-EU27 legte dadurch einen kräftigen Neujahrs-Stimmungs-Sprung von 87.9 auf 92.- Zähler aufs Parkett.

Ebenfalls einen großen Sprung aufwärts gab es beim deutschen Außenhandelssaldo für November. Die Exporte konnten weit über Erwartung zulegen, sodass sie beim Jahresvergleich jetzt nur noch -3.1% unter Vorjahr landeten. Die Importe gingen parallel etwas zurück, im Gesamtbild entstand dadurch ein dickes Plus in der deutschen Außenhandelsbilanz mit dem höchsten Monatswert seit Mitte 2008. Die Exporteure rechnen für 2010 schon wieder mit einem vierprozentigen Jahreszuwachs, hier hält also die wirtschaftliche Normalität ebenfalls wieder Einzug, auch wenn China der zukünftig globale "Exportweltmeister" sein dürfte. Einen gleichfalls unerwarteten Rücksetzer gab es dagegen bei den deutschen Einzelhandelsumsätzen mit -1.1% im November. Die Schätzungen fürs Gesamtjahr gegen damit nun von einem Rückgang real von -2.0% und nominal -2.5% aus. Das ist zwar nicht erfreulich, dennoch meilenweit entfernt vom prophezeiten völligen Zusammenbruch des deutschen Konsums und Einzelhandels. Die deutsche Industrieproduktion holte im November einen Teil des überraschenden Rückgang von Oktober wieder auf und stieg um +0.7%. Der grundsätzliche Aufwärtstrend seit dem Einbruch ist aber intakt und ab Januar wird wieder mit Pluszeichen im Jahresvergleich gerechnet. Der japanische Leading Indicator wurde mit 91.2 nach 89.4 gemeldet, es war der neunte Anstieg in Folge. Dem KID weiter folgend, zeigten auch die stets etwas späten OECD-Frühindikatoren (aktuell veröffentlicht für November!) allesamt weitere Anstiege, sie liegen inzwischen für sämtliche führenden Industrienationen wieder über 100.- und über dem langfristigen Trend. In der Eurozone stieg der OECD-CLI von 103.50 auf 104.60, für Deutschland wurden 103.90 nach 102.50 und für die USA 100.90 nach 99.80 gemeldet. Für die G7-Staaten ergaben sich 102.50 nach 101.40, der OECD-Gesamt-CLI kletterte von 101.40 auf 102.30 Punkte.

BLS meldete für das vierte Quartal aufwärts revidierte bzw. steigende durchschnittliche Stundenlöhne. Beim Nonfarm Payroll Employment wurde der November revidiert, nach einem kurzen Verweilen oberhalb der schwarzen Null bei +4000 ging die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft im Dezember wetterbedingt aber wieder leicht um vorläufig -85.000 Stellen zurück. Dennoch ist dies der drittbeste Monatswert der letzten zwei Jahre und selbst Ökonomen erwarten inzwischen eine beginnende Erholung (aufgrund der schon erwähnten dem Arbeitsmarkt vorlaufenden Zeitreihen), zumal. Die US-Arbeitslosenrate blieb zum Dezember unverändert bei 9.97% und wartet auf kommende bessere Zeiten. Der ECRI Leading Index wurde zum Dezemberschluss auf 130.70 abwärts revidiert, zog aber beim ersten Januar-Wert gleich auf eine neues 78-Wochen-Hoch von 131.50 an. Das neue USFIG (US Future Inflation Gauge) als Früh-Barometer der zukünftigen Inflation zog im Dezember kräftig an und erreichte mit dem neunten Anstieg in Folge 98.2 nach revidierten 95.6 Punkten. Der Baltic beendete die restliche Woche wieder leicht rückläufig mit 3140 Punkten. Diese erste Woche 2010 mit einer relativ geballten Ladung neuer Daten kann man insgesamt und unterm Strich als überaus gelungenen Start ins Neue Jahr 2010 zusammenfassen. Der KID stieg dadurch dynamisch weiter und berührte unerwartet früh erstmals die letzte blaue Abwärtstrendlinie D, ganz gemäß der Dezember-Headline "... und weiter aufwärts!", sodass wir bereits jetzt direkt vor dem nächsten wichtigen Entscheidungspunkt stehen, wo es um die Frage "erstmal weiter nur Erholung" oder möglicher Beginn eines "echten neuen Aufschwungs" geht.

Als letztes kamen aus den USA noch die auch im November weiter rückläufigen "Consumer Credits". Dazu ist eigentlich nur anzumerken, dass man wohl reichlich mit dem Klammerbeutel gepudert sein muss, um erst den rasanten Anstieg der Verbraucherkredite in den USA als wachsende Bedrohung der westlichen Zivilisation zu beschwören, um anschließend den sichtlichen Rückbau eben dieser hohen Kreditvolumina als neuerlich klares Zeichen wachsender Bedrohung der westlichen Zivilisation anzuführen. Vice versa gilt dies für die US-Sparquote im Umkehrschluss - es ergibt keinen logischen Sinn, dass der sorglos auf Pump konsumierende Amerikaner die USA und ihre Wirtschaft ebenso gefährdet wie der neuerdings marginal vorsorgend sparende Amerikaner. Und wenn man schonmal dabei ist, gilt Ähnliches noch viel mehr für die zahllosen i.d.R. meist wenig qualifizierten, eher ideologisch geprägten Thesen zu den sog. "Geldmengen". Diese werden beim KID nur relativ selten erwähnt, sie sind als überaus schwammige Aggregate für Konjunktur und Märkte sowie für Inflationsprognosen eher bedeutungslos, im Wert ihrer Aussagen und daraus gezogener Schlussfolgerungen regelmäßig ziemlich unzuverlässig und werden somit in ihrer Bedeutung grundsätzlich und speziell in Europa überschätzt.

Die 2. KW

... eröffneten die US Chain Store Sales sowie die US-Handelsbilanz für den November. Bei den US Konsumenten war in der zweiten Jahreswoche offensichtlich nachfeiertagsbedingte Ebbe, die Chain Store Sales gaben entsprechend kräftig nach. Im quasi logischen Gegenzug wurde ein deutlich größeres US-Handelsbilanzdefizit für November gemeldet. Neben den Energiepreisen waren hierfür die im Vergleich zu den leicht zunehmenden Exporten stark angestiegenen Importe bei der Warenhandelsbilanz ursächlich. Am nächsten Tag folgte die erste Vorabschätzung für das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr 2009. Es lag bei der vorläufigen Schnellschätzung mit -5% nah an der Konsensschätzung von -4.8%, was von den Medien noch einmal rückwirkend als größte Rezession der deutschen Nachkriegsgeschichte entsprechend abgefeiert wurde. Wieviel von diesen -5% auf das Konto der Finanz- und Bankenkrise und wieviel auf die dazu fleißig geschürte Weltuntergangsstimmung und sinnlose Panikmache gehen, wurde nicht separat ausgewiesen, ansonsten lagen die stärksten Einbrüche erwartungsgemäß bei Export und Import sowie bei den (Ausrüstungs-)Investitionen, während der private und öffentliche Konsum gänzlich unberührt durchs Geschehen verlief. Nimmt man die bis dato noch unrevidierten ersten drei Quartale mit -6.72%, -5.78% und -4.79% und die -5.0% im Gesamtjahr als Basis für eine Grobschätzung des vierten Quartals, ergäben sich -2.71% gegen das Vorjahresschlussquartal. Somit ist auch hier die V-förmige Erholung sichtbar auf dem Weg, die Minus-Sechs-und-schlimmer-Prognosen haben sich im Jahresverlauf selbst erledigt und es wurde in Quartal 4/2009 wieder fast die erste noch optimistische (Gesamtjahres-)Schätzung der Bundesregierung von -2.25% erreicht. Wegen der noch folgenden Gesamtjahres-Revision mit Veröffentlichung der neuen Einzelquartals- sowie Detailergebnisse im Februar sind diese Rechnungen aber eher theoretisch. Dennoch wurde das "rechnerisch konstruierte 4. Quartal" wie jedes Jahr auf vorläufiger Basis mit in die KID-Grafik aufgenommen, um die ungefähre Tendenz Ende 2009 zu verdeutlichen. Die meisten vorlaufenden Indikatoren haben inzwischen längst die Null-Linie erreicht oder überschritten, was sich neben dem statistischen Basiseffekt (im Vergleich der Extreme) mit Zeitversatz positiv auswirken sollte. T-Shirts mit dem Aufdruck "I survived the 2009 Recession" sind seit 4. Januar 2010 im Fachhandel erhältlich.

Das US Beige Book brachte keine Überraschungen, bestätigte aber die weiteren leichten Verbesserungen zum Jahresende. Erwartungsgemäß verlief auch die EZB-Sitzung, die Leitzinsen blieben unverändert. Die deutschen Verbraucherpreise für Dezember wurden endgültig mit +0.94% gegen Vorjahresmonat gemeldet, was wie hier angekündigt einen ordentlichen Sprung nach oben im Preisindex gegenüber November bedeutete. Der Gesamtjahresvergleich ergab für 2009 noch einen Preisanstieg von +0.4%, dies ist zwar der niedrigste Wert seit der deutschen Wiedervereinigung, jedoch keine Deflation. Bei den US Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung war ein moderater Anstieg auf 444.000 nach revidiert 433.000 zu verzeichnen. Zu den US Einzelhandelsumsätzen wurde wieder Unsinn gemeldet, zwar lag der minimale Rückgang von -0.3% im Dezember gegen November jenseits der Erwartungen von +0.5%, dennoch wurde der November diesmal vorher sehr stark aufwärts revidiert. Gegenüber Vorjahr lagen November und Dezember 2009 erstmals seit 14 teils tiefroten Minus-Monaten mit +1.5% und +3.3% wieder erfreulich im Plus, sodass hier kein Grund für "Enttäuschung" bestand.

Bei den deutschen Großhandelspreisen gab es, rückblickend aufs Gesamtjahr 2009, mit -7% noch einmal einen Rekord zu feiern, der nicht ganz an den scharfen Rückgang Anno 1986 auf 1985 mit -7.4% heranreichte. Der direkte Monatsvergleich ergab hier den Tiefpunkt schon im Juli 2009 mit -10.6% gegen Vorjahresmonat, inzwischen liegen wir per Dezember mit +0.2% beim Preisindex längst wieder in der waagrecht stabilen Seitenlage. Dazu passend zog die Kerninflationsrate im Euroland "überraschend" auf 1.1% im Dezember an. Ein ähnliches Bild boten die US-Verbraucherpreise im Dezember, hier fiel der Monatsanstieg mit +0.1% zwar gering aus, beim Vergleich mit dem Vorjahresmonat schlugen aber +2.82% zu Buche und die Kernrate kletterte mit +1.8% auch weiter. Mit einem deutlichen Anstieg startete der regionale Empire State Index ins Neue Jahr, er kletterte von revidiert 4.5 auf 15.9 Punkte. Die US-Industrieproduktion legte wie erwartet +0.6% zu, die Kapazitätsauslastung schloss den Dezember auf Jahreshoch und die vorherigen sechs Monate wurden aufwärts revidiert. Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan wurde zur Januarmitte leicht verbessert mit 72.80 nach 72.50 Ende Dezember festgestellt. Die aktuelle Lagekomponente stieg dabei von 78.- auf 81.- Punkte, die Erwartungen gaben dagegen von 68.90 auf 67.50 nach. Beim ERCI WLI folgte ein erneuter Anstieg auf 132.1 nach revidiert 131.6 Zählern. Der Baltic Dry bewegte sich im Neuen Jahr noch wenig, blieb mit 3140 bis 3270 aber oberhalb seines Dezemberschlusswerts von 3005 Punkten. Insgesamt also ein durchaus erfreulich gelungener Start ins Jahr 2010.

Fazit: Der KID im Januar 2010

... bietet die übliche Gelegenheit zum Rückblick, hier speziell auf die Überschrift "2009 - Jahr der Wende(n)". Addiert ergeben sich genau zwanzig Buchstaben und Zeichen, von denen 85% sich als absolute Volltreffer erwiesen haben. Seit Anfang 2009 vollführten Stimmung, Realwirtschaft und Märkte beeindruckende und für viele völlig überraschende Aufwärtswenden, die mehr oder weniger schnell V-förmig verliefen. Selbst die im letzten Quartal erwartete Korrektur fiel bislang aus, sodass 15% der Aussage, nämlich das "(n)" am Ende der Überschrift, doch deutlich zu früh und damit zu skeptisch gegriffen waren. Eine "Echo-Welle" der krisenhaften Abwärtsbewegung blieb bis heute völlig aus, was sehr wahrscheinlich auf die weit verbreitet übergroße Angst und Zurückhaltung einerseits, und auf die relativ gelassene Vernunft vieler Bürger und Unternehmer anderseits zurückzuführen ist, die sich trotz übertrieben pessimistischer und inzwischen revidierter Prognosen nicht zu einer allgemeinen Panik mit absehbar hohen unnötigen Folgeschäden verleiten ließen. Im Schatten mehr oder weniger aufgeregter öffentlicher Diskussionen entwickelte sich hinter und auf der "Wall of Worry" beeindruckende Investmentgelegenheiten mit geringem Risiko und teils dreistellig möglichen Erträgen - die nur von wenigen erkannt und konsequent genutzt wurden. In der Medienlandschaft wurde 2009 als "schweres und schwieriges Jahr" beschrieben, für Investoren waren es dagegen regelrechte "Goldgräberzeiten", wo Antizykliker relativ leicht und risikoarm Renditen weit über dem gewohnten Durchschnitt erzielen konnten. Das ist vorbei.

Inzwischen ist der Weg zurück in die Normalität unerwartet zügig gelungen, der KID hat den steilen Abwärtstrend (C) und die Null-Linie erfolgreich überschritten, die Expertenprognosen weisen für 2010 unisono wieder positive Zeichen vor dem wirtschaftlichen Komma aus. Zurück in der Normalität heißt aber auch, aus krasser Fehleinschätzung und resultierend sehr starker Unterbewertung (Rohöl und Energie, Rohstoffe, Emerging Markets, Aktienindices, Bankaktien sowie Tier-Kapital und zahlreiche Unternehmensanleihen), wieder in der Realität angekommen, wo Chancen und Risiken relativ normalverteilt auftreten. Nach der großen Frühjahrs-Wende 2009 mit nachfolgend nur kurzzeitig geringfügig korrigierten Trendrichtungsbewegungen, die zudem meist im oberen Teil der neu entstandenen mittelfristigen Trendkanäle stattfanden, dürfte 2010 uns wieder eine deutliche Zunahme der Richtungsschwankungen bescheren. Der KID-Oszillator deutet bereits seit längerem an, dass die Bäume nicht endlos in den Himmel wachsen, sondern auch kräftigere Korrekturen unabdingbar Teil jeder Entwicklung aus langen, mittleren und kurzen Zyklen sind. Niemand kann und sollte erwarten, dass mit dem erfolgreichen Eindämmen und Bewältigen einer Krise fortan alle Probleme gelöst oder etwa leicht lösbar seien - im Gegenteil. Neben den üblichen Risiken, Nebenwirkungen und Nachwehen findet stets auch eine Klärung statt.

Bei den Expertenprognosen sehen wir, dass nach euphorisch völliger Übertreibung und anschließendem Absturz in halt- und hemmungslose Schwarzmalerei nun eine Rückkehr zum vorsichtig moderaten Ausblick sowie eine gewisse Selbsterkenntnis der offensichtlich gewordenen eigenen Grenzen und Möglichkeiten stattgefunden hat. Ebenso ist die Staatsverschuldung natürlich nicht in der Krise, sondern überwiegend in den sorglosen Jahrzehnten von Fehlplanung und Misswirtschaft davor entstanden und gewachsen - wie auch die Krise selbst, deren wahre Wurzeln spätestens schon ab 2001 identifiziert werden können. Die Rückkehr zur Normalität nach der Krise bedeutet also auch einen allgemeinen Zuwachs an Realität - querbeet, denn anders als vor einem Jahr ist z.B. selbst das Bewusstsein gestiegen, dass wir uns am Hindukusch mitten in einem realen Krieg befinden und nicht auf einer "Friedensmission". Ebenso erscheint das manipulative Monopol der vermeintlichen "Klima-Experten" mitsamt aller Katastrophenthesen plötzlich entblättert und damit ansatzweise in Richtung wissenschaftlicher Normalität und messbarer Realität zurückgezwungen. Viele Dosen Schweingrippe-Impfstoff blieben panikfrei unbenutzt in den Regalen stehen. Die realitätsnah vernünftige Wahrnehmung unzweifelhaft vorhandener Probleme ist also gewachsen, damit erhöht sich jenseits des einfachen Verdrängens automatisch auch die praktische Fähigkeit zu möglichen konstruktiven Lösungsansätzen und -Schritten, sofern die Konsequenz im Mut zu aktiver Veränderung und kreativer Neugestaltung statt defätistischem Zukunftspessimismus, populistischen Volksreden und politischer Kleinquerelen liegt.

Das chinesische "Jahr des Tigers" entspricht sowohl diesem Ideal von Mut und Tatkraft, ist aber ebenso auch mit Nachdenklichkeit und einem gewissen Misstrauen verbunden. Es verspricht eine hohe Dynamik, die aber zuweilen sowohl von zu langem Zögern, als auch von ungeduldig überhasteten Aktionen geprägt ist. Insofern wird 2010 nach dem "Jahr der (einen) Wende 2009" sicherlich zu einem realen "Jahr der Wenden" werden, in dem es statt monatelang gradlinig laufenden Trends vermehrt zu stärkeren Schwankungen in voller Breite der vorhandenen Trendkanäle kommen kann. Und wie üblich, liegt dabei das Überraschungspotential immer genau auf der anderen Seite vom Zaun. Noch ist davon zu Jahresbeginn aber nichts zu sehen, der KID hat über den Jahreswechsel seine Aufwärtsbewegung unerwartet gradlinig weiter fortgesetzt und damit bereits im Januar den nächsten wichtigen Entscheidungspunkt (grüner Pfeil) erreicht, wie oben bereits erläutert. Hier wird die erste und eine wahrscheinlich für 2010 grundsätzlich richtungsbestimmende Entscheidung getroffen werden, anhand der sich erweisen dürfte, ob im Jahresverlauf eher die vorsichtigeren oder die optimistischen Prognosen insgesamt Recht behalten werden. An diesem Punkt fällt sehr wahrscheinlich und unter verschärften Bedingungen die bereits am steilen Abwärtstrend (vergeblich) erwartete Entscheidung über eine mögliche "Echo-Welle", eine allgemeine Seitwärtstendenz unter starken Schwankungen oder einen momentan nur von wenigen für möglich gehaltenen Nach-Krisen-Boom.

Damit zu den Märkten,

... die weiterhin erstaunlich beständig im Hartholz am Dickbrett bohren und sich trotz der beiden extralangen Feiertags-Wochenenden und dadurch bedingt mit überaus mäßigen Umsätzen stetig weiter nach oben gearbeitet haben. Damit rückt nun der obere Rand der breiten und harten Widerstandszonen in unmittelbare Schlagdistanz. Gleichzeitig gilt, was hier schonmal gesagt wurde, dass man sich nun auf schwer kalkulierbare Turbulenzen einstellen sollte. Denn vom heftigen Abprallen über längeres ermüdend auf der Stelle Verharren bis zum spontan dynamischen Durch- und Ausbruch ist an dieser Stelle praktisch alles möglich, und das resultierende Folgeverhalten einer bislang eher noch "abwartenden Masse" könnte dabei die bekannt große Wucht des plötzlich in eine Bewegung geratenden Mainstreams entfalten. Fehlsignale und/oder Long/Short-Squeezes sind jetzt leicht möglich, können aber genauso gut durch ihre eventuelle Eigendynamik einfach "neue Fakten" schaffen, denen der Markt dann in die eine oder andere Richtung zunächst weiter folgt. Als ödeste Möglichkeit steht den Aktionären in dem Fall, dass es weiter bei relativer Markt-Abstinenz bleiben sollte, eine Wiederholung der 2004er Entwicklung in den Sternen, wo es erst im späteren Jahresverlauf wieder zu entschlossenen Trendbewegungen kam.

HSBC Trinkaus hat sich freundlicherweise die Mühe gemacht, das Prognosespektrum dieses und der Vorjahre aus etlichen Quellen einmal zusammenzufassen. Hier zeigt sich, dass Ende 2006 das Folgejahr 2007 grundsätzlich sehr stark unterschätzt wurde, dagegen lagen die Prognosen Ende 2007 für 2008 allesamt krass viel zu hoch. Ende 2008 für 2009 zeigte sich die Mehrzahl aller Jahresausblicke wiederum viel zu skeptisch, zum Jahresende 2009 für das begonnene Jahr 2010 ergibt sich eine relativ putzige Schwerpunktbildung bei "praktisch unverändert" um 6000/6100 sowie "im Plus zwischen 6500 und 6900 Punkten". Dies entspräche mitsamt dazwischen möglichem Verlauf genau den oben genannten "2004er Verhältnissen" (erst lange seitwärts und dann zum Schluss aufwärts). Lässt man Plus- und Minuszeichen außer Acht, wurde die Stärke der Jahresbewegungen stets ganz klar viel zu gering eingeschätzt, und eine deutliche Mehrheit aller Voraussagen verfehlte jedesmal den späteren Zielkorridor, lag also beim Ergebnis komplett daneben. Dies unterstreicht die These, dass das Überraschungspotential immer auf der eigentlich unerwarteten Seite liegt und die Mehrheit (der Erwartungen) immer wieder auf der falschen Seite vom Zaun. Für die aktuellen 2010er Prognosen ergäbe dies, dass ein DAX-Schluss unter 6000 oder über 7000 drei Viertel der vorab geäußerten Erwartungen quasi "auf dem falschen Fuß erwischen würde". Wie hier beim KID schon ausführlich erläutert, bildet die 6000er-Plus-Minus-X Marke im DAX einen breiten Balken aus charttechnischen und Trend-Widerständen sowie sehr langen gleitenden Durchschnitten, der die "Schwelle zwischen Gut und Böse" markiert und abbildet. Dass wir das ganze Jahr 2010 über weiter an diesem Balken sägen, erscheint zwar äußerst unwahrscheinlich, aber, siehe 2004, trotzdem nicht völlig ausgeschlossen. Wahrscheinlicher ist jedoch, auch unter dem Aspekt der zusammengefassten 2010er Prognosen, dass die grundsätzliche zukünftige Richtungsentscheidung früher fällt. Sodass der DAX nicht in der vorhergesagten Zielzone landen wird und im Jahresverlauf mitsamt der stets unterschätzten Dynamik eher in Richtung höher oder tiefer marschiert.

Der eben erreichte neuerliche Entscheidungspunkt bei der Konjunktur könnte hierbei den entscheidenden Ausschlag geben - aktuell ist die weitere Entwicklung an genau dieser Stelle aber natürlich noch nicht absehbar, sodass Geduld und weiter aufmerksames Beobachten angesagt sind. Beim DAX liegt der nächste harte Widerstand um bzw knapp unter 6200 Punkten, wo bei 6170 der 4-Jahres-Schnitt mit einer kräftigen Horizontalen zusammenfällt. Der überwundene 2-Jahres-Schnitt trifft sich darunter mit dem steigenden 200-Tage-Kollegen bei 5500 Punkten, während der ansteigende 8-Jahres-Schnitt langsam auf 5100 Zähler zumarschiert. Es läuft somit alles im gut gestaffelten und wohlbekannten Terrain. Der MDAX arbeitet bereits an der 8000er Marke, der kleine TecDAX hat sein "Widerstands-Brett" zwischen 630 und 740 Punkten nach fast 120% Anstieg seit März 2009 bereits bequem unter sich. Beim S&P 500 wurde grade der 8-Jahres-Schnitt bei 1157 wieder fast erreicht, darüber wartet noch der Vierjährige um 1235 Punkte, darunter stützt der Zweijährige bei inzwischen 1065 Zählern. Nach langen zähen Mühen ist der Nikkei zuletzt endlich doch über 10.600 bzw. über seinen 2-Jahres-Schnitt geklettert, er strebt nun, aktuell an der 11.000er Marke, auf den 8-Jahres-Schnitt bei 12.250 zu. Erwähnenswert noch, dass unser VDAX zuletzt bis unter 20 abgerutscht ist. Dies bedeutet eher Ruhe vor dem möglichen Sturm eines späteren Vola-Breaks - in welche Richtung auch immer.

Vice Versa gilt das oben Gesagte natürlich auch für die Zinslandschaft. Hier sind derzeit Inflationsbefürchtungen und vorsichtige erste Ideen vom möglichen Ende der Niedrigstzinsphase dominierend. Sollte der letzte Abwärtstrend der Konjunktur aber verzögert, nur kurzzeitig oder sogar dauerhaft nicht überwunden werden, und die Inflationsraten nach dem Wiedererreichen normaler Verhältnisse auf moderatem Niveau verharren oder erneut sinken, würden auch diese dominanten Themen sehr schnell auf dem falschen Fuß erwischt und anschließend ins Gegenteil gedreht werden müssen. Noch aber dreht sich vieles auf der Stelle, die deutsche durchschnittliche Umlaufrendite bewegt sich seit anderthalb Jahren praktisch nur noch in kleinen Schwüngen um 3% plusminus 30-40 Ticks. Ein klares Zeichen von Unsicherheit, deutlich wirtschaftlicher Skepsis und, ergänzt mit den Kapitalflüssen, von der Suche nach (vermeintlicher) Sicherheit trotz des neuen Trendthemas Staatsverschuldung und Staatsbankrotte. Crude Oil stand am 11. Januar nur noch wenige Cents vor dem Ausbruch durch einen wichtigen Kreuzwiderstand, brach dort aber ab und rutschte prompt sofort wieder unter 80.- zurück. Bei den Edelmetallen performte Palladium in aller Stille weiter aus, auf Jahressicht nun mit deutlich über 100% Plus, gefolgt von Silber und Platin, die dem Gold 2009 klar den Rang abliefen. Wenig Neues oder gar Aufregendes gab es am Devisenmarkt.

Nachtrag in eigener Sache
(Chart und Kommentierung stammen zeitlich, erkennbar beim Vergleich mit dem obigen neuen KID-Chart, noch vom Jahreswechsel)

Risiken liegen stets vor, Chancen dagegen meist in einer Krise. Für den KID ergab sich aus dieser Krise die Möglichkeit eines unteren Justierungspunkts deutlich südlich der Wachstumsschwelle, nicht ganz aber doch halbwegs symmetrisch zum Top beim deutschen BIP. Ein solcher fehlte in den vergangenen Jahren stabilen Wachstums bis dato und war auch nicht rückwärts zu generieren, da aussagefähig verwendbare gesamtdeutsche Daten erst nach Anfang der Neunziger vorliegen. Mit dem Krisentiefpunkt ist nun eine ungefähre Justierung von KID und deutschem BIP auf beiden Seiten der Wachstumsgrenze möglich, die in Zukunft auch Prognosen zur zukünftigen Wachstumsrate möglich machen wird. Zwar bleiben nach wie vor die oberen und unteren Wendepunkte sowie Trendrichtung und Trendstärke in allererster Linie maßgeblich für Wirtschaft, Märkte und Politik, zusätzlich sind nun aber wahrscheinlich einigermaßen treffsichere Aussagen auch zur zukünftig zu erwartenden deutschen Wachstumsrate möglich, die im Frühjahr ggf. noch etwas vage, im Herbst dafür relativ zielsicher ausfallen könnten.

Im Bild unten sehen wir eine normale, oberhalb der Wachstumsschwelle schwingende Konjunkturzyklik bis 2001. Diese geht mit dem Tief nach September 2001 in eine "Wellblech-Konjunktur" über und bleibt dabei in D depressiv und lethargisch weit unter ihren vorhandenen Möglichkeiten. Die damalige "Malaise Allemand" endet dennoch plötzlich euphorisch mit Bundestagswahl und Fußball-WM in den "deutschen Boom", der prompt in ein längerfristiges Überschießen führt, während der KID bereits mit den folgenden drei Abwärtswellen frühzeitig den steilen Abschwung anzeigt. Vom folgenden Krisentiefpunkt führt die steil V-förmige Erholung zum Jahreswechsel wieder bis an die Wachstumsschwelle und durchschreitet danach die Null-Linie, wie hier im Mai schon vorsichtig als "bestmögliche Option zum Jahresende 2009" angedeutet. Das deutsche BIP wird dieser Bewegung mit entsprechendem Zeitversatz durch den starken Vorlauf des Indikators folgen, noch im vierten Quartal 2009 oder im Verlauf des ersten 2010.

Erste Zahlen zum vierten Quartal 2009 sollen am 12. Februar veröffentlicht werden. Erst dann und mit der Revision aller Quartalsdaten wird man sehen, wie nahe das endgültige Jahres-BIP der "alten" Prognose der Bundesregierung vor den katastrophal falschen Minus-Sechs- und Minus-Sieben-Vorhersagen der Institute für das Gesamtjahr 2009 kommen wird. Zwar hat das Jahr eben erst begonnen, dennoch liegen die für 2010 vorsichtig mehr oder weniger optimistischen Prognosen ausnahmsweise diesmal garnicht so verkehrt, sie laufen in den hier bereits im September 2009 angedeuteten "grünen Zielbereich" oberhalb der Wachstumszone. Das ist deutlich mehr, als es sich die meisten im ersten Halbjahr 2009 auch nur ansatzweise zu erträumen wagten. Ein echter neuer Aufschwung setzt dennoch zuvor noch das erfolgreiche Überwinden auch der zweiten Abwärtstrendkanal-Linie D im weiteren Jahresverlauf voraus. Hier stehen wir aktuell zur Januarmitte direkt am Punkt.

Thomas A. Spoerer
& Team

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