von Thomas A. Spörer

Ausbruch nach oben ?
Die 43. KW
... führte laufende Trends fort: Öl schwang sich zum ersten Mal seit Mitte Oktober 2008 mit dem Kontraktwechsel über 80.- USD, der S&P500 überstieg seit Anfang Oktober 2008 wieder die 1100-Punkte-Marke und näherte sich damit seinem Zweijahresschnitt und dem oberen Rand des Abwärtstrendkanals vom Top mit 1576 Punkten Mitte Oktober 2007 auf unmittelbare Schlagdistanz. Der Index der deutschen Erzeugerpreise für September gab geringfügig nach, im Jahresvergleich resultiert ein Rückgang von -7.6%, was man gegenüber den Juli- und August-Werten von -7.8 und -6.9% inzwischen als stabil bezeichnen kann. Ex Energiekosten ergab sich eine Stagnation gegen August, sowie eine Jahresveränderungsrate von insgesamt -3.3%, bei Verbrauchsgütern von nur noch -2.5%.
Auch bei den US-Erzeugerpreisen gab es für September einen kleinen Rücksetzer im Index, die Jahresvergleichsrate sank von -4.3 auf -4.7%, was überwiegend den Energiepreisen zu verdanken war - die Kernrate stieg dagegen im Jahresvergleich um 1.8%. Die wöchentlichen US Chain Store Sales verbesserten sich weiter. Ebenso stieg der TCB Leading Index Germany kräftig von 88.9 auf 90.1 Punkte, allerdings wurde mit der üblichen Verzögerung leider hier jetzt erst der Augustwert veröffentlicht. Stagnation und leichter Rückgang bestimmten das Bild des US-Immobilienmarkts im September. Der NAHB-HMI (Housing Market Index) gab von 19 auf 18 nach, konnte also die 20er Grenze noch nicht überwinden. Die Neubaubeginne hielten sich mit 590.000 nach abwärts revidierten 587.000 eher enttäuschend aber stabil, die Baugenehmigungen gingen mit 573.000 nach aufwärts revidierten 580.000 im September ebenfalls in eine Konsolidierung.
Als nächstes gab es Euro/Dollar erstmals seit langem wieder über 1.50 und Öl bei 82.- USD zu sehen. Anschließend folgten leider nicht so begeisternde Wochenzahlen zu den Unemployment Claims, die mit 531.000 in dieser Woche wieder etwas von der 500.000er Marke abrückten. Voll auf Kurs blieb dagegen die chinesische Wirtschaft, sie meldete für das dritte Quartal 2009 im Jahresvergleich ein Plus von 8.9% nach plus 7.9% im zweiten und plus 6.5% im ersten Quartal - woraus sich eine durchschnittliche Jahresrate von plus 7.7% errechnen läßt. Das urbane Einkommen stieg um 10.5% gegenüber 2008, die Einzelhandelsumsätze bei leicht rückläufigen Preisen um 15.5% und die Industrieproduktion legte im Schnitt 13.9% zu. Mit solchen Zahlen kann man leben - trotzdem herrschte leichte Enttäuschung über "das Ausbleiben einer noch positiveren Überraschung". Dafür sorgte später der TCB US-Leading-Index mit seinem sechsten Anstieg in Folge von 102.5 auf 103.5 Punkte. "These Numbers strongly suggest that a Recovery is developing." kommentierte TCB, verwies aber auf die Notwendigkeit einer weiter anziehenden Nachfrage, um die Aufwärtsbewegung substantiell weiter zu tragen.
"Geschäftsklima leicht verbessert" lautete die Schlagzeile zum ifo-Index im Oktober. Leicht verbessert suggeriert momentan schon Enttäuschung, möglicherweise eine heranziehende, vordergründig psychologische "Echo-Welle". Eben dem Untergang entronnen, tauchen Angst, Zweifel und depressive Gedanken erst mitten in der Erholung und zeitlich nach dem eigentlich dramatischen und krisenhaften Geschehen auf - "Post-Traumatic Stress" nennt es die moderne Pseudowissenschaft. Einfach ausgedrückt: Das Urvertrauen ist in der Krise erschüttert worden, was aber erst in der Ruhe nach dem Sturm praktische Auswirkungen zeigt. Man macht sich plötzlich Gedanken, grundsätzlich in Frage stellender Art, aber eben erst hinterher, und ganz im Sinne von "Denken hilft, nutzt aber nichts". Anstelle von Erleichterung wird Besorgnis empfunden - die eigentlich vor der Krise angebracht und sinnvoll gewesen wäre, aber dort keinen Raum hatte. Kleine Erholungsschritte werden als Enttäuschung bewertet und liefern Anlass zur Unzufriedenheit. Der ifo bringt dies teils trefflich zum Ausdruck, so bewertet der Bausektor seine Zukunftsperspektiven momentan günstiger, ist dabei aber mit der Lage unzufriedener als im Vormonat. Im Großhandel ist dagegen das Klima merklich besser als vorher, man sieht aber der weiteren Entwicklung kritischer entgegen. Summa summarum ergab sich im Geschäftsklima ein Anstieg von 91.3 auf 91.9, bei der Lagebeurteilung von 87.1 zu 87.3 und in den Erwartungen von 95.7 auf 96.8 Punkte - also in allen drei Komponenten zwar eine weitere Verbesserung, aber, wie hier schon erwartet wurde, nun mit deutlich heruntergebremster Dynamik.
Hierin liegt ohne Zweifel eine reale Gefahr, hinsichtlich einer mögliche Wiederholung der "Malaise Allemande", wie wir sie schon nach 2001 bis 2004 gesehen hatten ("Echowellen des 11. September"). Genau hier liegt aber auch der Unterschied zur "Stunde Null" 1945 oder zur Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre. Damals zwang überwiegend echte Existenznot zum aktiven Handeln und direkten Zupacken, heute ist in den postindustriellen westlichen Wohlstandsgesellschaften dagegen sehr viel Raum für persönliche Betroffenheit, intellektuelles Reflektieren und kollektiv passives Jammern und Nörgeln auf hohem Niveau. Dieser Unterschied ist in der Bewertung und Entwicklung deutlich sichtbar beim Vergleich mit z.B. China oder den anderen Schwellenländern. Entfernt Ähnliches gilt auch für die Märkte. Hier haben die unerschrocken Schnellen und Mutigen in kurzer Zeit hohe Gewinne erzielt und brauchen eigentlich keine weiteren Risiken mehr eingehen, die Mehrheit jedoch übt sich in Zweifeln, Unverständnis oder Kritik am Marktgeschehen und will nach der deutlichen Erholung eigentlich auch keine Risiken mehr eingehen. An einem wichtigen Entscheidungspunkt droht damit zwar kein direkt dramatischer Zusammenbruch, es besteht jedoch für Wirtschaft und Märkte die Möglichkeit eines kollektiven Versinkens in müder Zähigkeit, bequemer Perspektivlosigkeit und letztendlich gähnender Langeweile beim langsamen, aber dadurch relativ erträglichen, allgemeinen wirtschaftlichen und sozialen Abstieg - la Malaise Allemande.
Dazu passend wiesen die Vorabschätzungen der Einkaufsmanagerindices für Frankreich erneut dynamische Anstiege in beiden Kategorien deutlich über der 50-Punkte-Marke aus, während für Deutschland nur ein leichter Zuwachs beim verarbeitenden Gewerbe und sogar ein Rückgang bei den Dienstleistern gemeldet wurden. In der Eurozone erreichte der Gesamtindex beim siebten Anstieg in Folge ein neues 22-Monatshoch von 51.1 auf 53.- Zähler, sowohl schwang sich dabei das verarbeitende Gewerbe mit 50.7 nach 49.3 allgemein unerwartet wieder klar über die Wachstumsschwelle, als auch die Dienstleister überraschend von 50.9 auf 52.3 noch weiter in die Höhe. Der Baltic Dry Frachratenindex kletterte die gesamte Woche mit neuem Schwung bis auf 3001 Punkte. Bei den US Hausverkäufen gab es im September einen mächtigen Aufschwung um satte +9.4% gegen Vormonat und +9.2% gegen den Vorjahresmonat, während der ECRI Frühindikator die Woche mit weiterhin ganz leichter Konsolidierung von 128.1 auf 127.9 beendete. Zum zweiten Mal seit vielen Monaten zeigte auch der KID einen Rücksetzer, zurück unter den Entscheidungspunkt. Bis dato bleibt um so mehr offen, in welche Richtung die wahrscheinlich ziemlich sprunghafte nächste Bewegung verlaufen wird.
Die 44. KW
... passte sich zu Beginn dieser Aussage thematisch treffend an. Erstmals seit September 2008 zeigte das GfK-Konsumklima für November überraschend einen leichten Rückgang. (Vielstimmig geschürte) Befürchtungen um den Arbeitsmarkt, das Auslaufen der Abwrackprämie und steigende Öl- und Energiepreise wurden als Gründe genannt. Der Rückgang von 4.2 auf 4.0 Punkte fiel gering aus und entstand durch einerseits weiter optimistisch beurteilte allgemeine Konjunkturerwartungen, denen aber ein Rückgang der ganz persönlichen wirtschaftlichen Perspektiven entgegenstand. Die private Anschaffungsneigung ließ entsprechend damit etwas nach, durch leichte Verunsicherung zwischen den plötzlich überschwenglich optimistischen Prognoserevisionen namhafter Experten, den noch unklaren Erwartungen an die neue Regierung und der nach wie vor breiten Front der Pessimisten, Schwarzmaler und Systemkritiker. So gehen wir offenbar 2009 mit einem Anflug von November-Blues ins Weihnachtsgeschäft. Noch ohne Oktober-Blues verbesserten sich die US Weekly Chain Store Sales marginal weiter. Der Case Shiller HPI zeigte auch im August eine weitere Stabilisierung, die Häuserpreise erholten sich im Vergleich zum Vorjahr von -13.3% auf -11.3% bzw. +1.2% gegen Juli. Einen kräftigen Rücksetzer erlitt dagegen das US Verbrauchervertrauen des TCB, von revidiert 53.40 fiel es zurück auf 47.70 Punkte, der Hauptgrund für diesen klaren Stimmungsdämpfer wurde in den Erwartungen für den Arbeitsmarkt gesehen.
Wie vorhergesagt, stagnierten die vorläufigen deutschen Verbraucherpreise im Oktober gegenüber Vorjahr, was im Preisindex einem minimalen Anstieg gegen September 2009 entspricht. Weiter aufwärts ging es beim vorläufigen September-Auftragseingang langlebiger Güter in den USA, der Anstieg lag mit plus 1% gegen August im Rahmen der Erwartungen. Ex Transport wurden +0.9% gemeldet, der Maschinenbausektor konnte eine überaus erfreuliche Steigerung von +7.9% verzeichnen. Trotz weiterhin stabiler harter Daten setzte sich die Gegenbewegung bei der Stimmung und in den Märkten fort, der DAX sah sich am Mittwoch erstmals wieder unter 5500 Punkten, nachdem der erste Anlauf auf das erwähnte "harte Brett" aus diversen Widerständen erwartungsgemäß nicht erfolgreich verlaufen war. Die hohen Umsätze dokumentierten massive Gewinnmitnahmen, zumal die Abschaffung der Spekulationsfristen 2009 mittelfristig keine generelle Rücksicht auf steuerliche Aspekte mehr erfordert. Um so besser lief es dafür bei den deutschen Arbeitsmarktzahlen im Oktober. Hier hatten Experten gemutmaßt, das Krisenmonster werde auch die saisonale Herbstbelebung "fressen". Stattdessen rutschte die Arbeitslosenzahl im Osten aber erstmals seit 1991 wieder unter eine Million. Norbert Walter hatte zwar noch einmal das Mediengespenst vom Frühsommer reanimiert, dennoch sank die Arbeitslosenrate im Oktober saisonbereinigt "überraschend" weiter auf 8.1% resp. 3.2 statt der erwarteten 3.3 bis 3.4 Millionen, eine klare Verbesserung um immerhin 118.000 Beschäftigungsverhältnisse. Saisonal unbereinigt ging die Arbeitslosenrate sogar auf 7.7% zurück, ein Tiefstwert für 2009. Sofern die Auftragslage stetig weiter vorankommt, gibt es auch keinen Grund für befürchtete Massenentlassungen - stattdessen weisen die fast schon wieder normalisierten Neuanmeldungszahlen von Kurzarbeitern hier den zukünftigen Trend.
Die Sparquote in Deutschland blieb auch im ersten Halbjahr 2009 mit 11.2% des frei verfügbaren Einkommens lediglich stabil, teilte das Statistische Bundesamt mit: "Während die wirtschaftliche Entwicklung einbrach, konnten sich Einkommen, Konsum und Sparen der privaten Haushalte auf dem Vorjahresniveau halten." Das gibt durchaus logischen Sinn, schon der vorherige Boom hatte sich beim Bürger durch staatliche Regulierung nur sehr marginal bemerkbar gemacht, folglich wirkte sich auch die Krise im Durchschnitt nur relativ abgeschwächt auf die persönliche Situation aus. Die US-Wirtschaft betrieb in den vergangenen Quartalen einen gigantischen Abbau der Lagerbestände, woraus sich zukünftig eine deutliche Stütze der Konjunktur entwickeln dürfte. Bereits das US-BIP im dritten Quartal (in erster Schätzung) profitierte hiervon unerwartet klar und überraschte mit annualisiert +3.5% Wachstum nach noch -0.7% im zweiten und -6.4% im ersten Quartal. Gegen das Vorquartal entspricht dies einem Zuwachs von +0.9%, in der hier üblichen, nicht annualisierten, dafür "langsameren" aber weniger schwankungsintensiven, direkten Betrachtungsweise gegen Vorjahresquartal aktuell -2.3% nach -3.8% und -3.3% im Jahresverlauf 2009. Der von der US-Notenbank als Inflationsmaß favorisierte "Deflator" für persönliche Konsumausgaben stieg im dritten Quartal um +2.8% nach +1.4% im Vorquartal. Starke Tage also bei den harten Daten, weitere Normalisierung ist auf breiter Front angesagt. Kräftig verbessert zeigten sich dazu die neuen Oktoberwerte beim Industrie-, Dienstleister- und Verbrauchervertrauen in der Eurozone. Beim deutschen Einzelhandelsumsatz gab es im September einen Rücksetzer von -0.5% gegen August. Das eigentlich Erstaunliche waren jedoch die gleichzeitig veröffentlichten Vergleichszahlen der ersten neun Monate 2009 mit dem Vorjahreszeitraum, hier gab es trotz Krise nur einen Rückgang von real -2.2% und nominal -2.6%, also kein wirklicher Grund zum Jammern für die Kaufleute. Auch der VDMA verkündete offiziell endlich das Ende des Abschwungs im Maschinenbau.
Gegenüber seinem schwachen Wert von 69.40 in der Monatsmitte konnte sich das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan wieder leicht erholen, mit 70.60 lag es aber dennoch deutlich unter dem Vormonatsschluss und Jahreshöchststand von 73.50 Punkten. Ähnlich wie im Deutschland (GfK-Index) wird die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zwar positiver eingeschätzt, die Erwartungen an die zukünftige persönliche Situation jedoch weit weniger. Neben Sorgen um den Arbeitsplatz lautet das Motto Sparen und Abbau privater Schulden - vernünftige Ideen zwar, aber keine wirklichen Stimmungshighlights. Stimmung ist eines, Handlung etwas anderes, zwar liegt die US-Sparquote mit im Jahresschnitt knapp 4% des frei verfügbaren Einkommens heute deutlich höher als in den Vorjahren, dennoch ist sie weitaus geringer als in der alten Welt und der September-Wert der Personal Savings lag mit 3.3% nach 2.9% auch wieder klar unter dem bisherigen Jahresschnitt. Der Baltic Dry beschloss die Woche erneut fester mit einem Stand von 3103. Beim ECRI Leading Index gab es wieder eine Verbesserung von 127.9 auf 128.4 Punkte, die daraus errechnete zukünftige Wachstumsrate begann jedoch, ähnlich wie der KID-Oszillator, eine Konsolidierung von dem riesigen Anstieg der letzten Monate. Der Chicago PMI überwand dagegen mit einem gewaltigen Sprung von 46.1 auf 54.2 Zählern wieder die Wachstumsschwelle und verblüffte volkswirtschaftliche Experten, die im Konsens nur auf 49.- Punkte geschätzt hatten. Insgesamt sahen wir eine Woche mit überraschend sehr robusten harten Daten. Trotzdem reichten diese Zahlen nicht aus, um den aktuellen Stimmungsdämpfer und die laufende Marktkonsolidierung in Aktien oder Rohöl zu kompensieren. Der DAX rutschte zum Wochenschluss intraday kurz unter 5400 Punkte, damit rückte er aber grade erst in die Nähe seines gleitenden 100-Tage-Schnitts und blieb oberhalb des unteren Drittels seines laufenden 2009er Aufwärtstrendkanals.
Die 45. KW
... eröffneten die Einkaufsmanager diesseits und jenseits des Atlantiks. Beim verarbeitenden Gewerbe in der Eurozone blieb es beim Vorabwert von 50.7 nach 49.3 Punkten, auch Deutschland konnte sich mit 51.- nach 49.6 erstmals wieder kräftig zurück in die Wachstumszone aufschwingen. In China stieg der PMI weiter auf 55.4 Punkte und liegt damit seit 7 Monaten im Wachstumsbereich. Nach Vorgabe der Region Chicago vollführte der nationale Einkaufsmanagerindex der USA beim Oktoberwert einen Riesensatz von 52.60 auf 55.70 Punkte, bei dem sogar die Beschäftigungskomponente wieder klar über 50.- nach oben schnellte. Lediglich die Lagerbestände (Inventories and Customer Inventories) liegen jetzt noch mehr oder weniger unterhalb der Wachstumsschwelle. Höher stand der ISM-Index zuletzt im April 2006. Aufwärts ging es auch bei den US Bau-Ausgaben, die per September +0.8% gegen August zulegen konnten, während im Konsens ein leichter Rückgang erwartet worden war. Ebenso nahmen die offenen Hausverkäufe in Amerika erneut deutlich zu. Der australische Häuserpreisindex verblüffte sogar mit einem Anstieg von +6.2% - gegen Vorjahr! Von einer Immobilienpreiskrise ist Downunder außer einer längst vergessenen zeitweiligen Delle nichts mehr zu erkennen. Hier ist offensichtlich die Abkoppelung von den USA in Richtung China und den südostasiatischen Schwellenländern erfolgreich gelungen. Der KID lieferte zum Monats-Rollover in den November noch keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse, sondern ging direkt "am Entscheidungspunkt" zunächst leicht in die Waagrechte. Es bleibt also das Warten auf neue Daten, und die mögliche Erkenntnis, dass der Wiedereintritt in die normale Umlaufbahn für Wirtschaft und Märkte sowohl Geduld erfordern wird, als auch mit verstärkten Turbulenzen einhergehen dürfte.
Die australische Zentralbank erhöhte erneut die Leitzinsen um einen Viertelpunkt und machte damit klar, dass die wirtschaftliche Talfahrt endgültig beendet ist und der Schutz vor Inflation nun wieder Vorrang genießen wird. Die US Chain Store Sales kletterten auch in der letzten Oktoberwoche leicht weiter und haben inzwischen die Delle seit August kompensiert. Das ICSC meldete dazu für Oktober einen soliden Gesamtmonats-Umsatzanstieg von +1.9% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der endgültige US-Auftragseingang für September überraschte ebenfalls positiv mit +0.9% insgesamt und +0.8% ex Transport. Sowohl bei Durables wie Nondurables hat sich die Trendwende im Ordereingang damit weiter bestätigt. Als nächstes standen die Daten der Einkaufsmanager aus dem Dienstleistungssektor auf dem Programm. Hier wiederholte sich die zuvor gesehene positive Tendenz des verarbeitenden Gewerbes, in der Eurozone sprang der DL-Index von 50.9 auf 52.6 kräftig höher im Wachstumsbereich. Frankreich mit einer kleinen Explosion von 53.2 auf 57.7 und Italien mit schwungvollem Return in die Wachstumszone von 48.5 gleich bis auf 52.2 waren hier treibende Kräfte. Nur Deutschland verzeichnete einen zweiten Rückgang auf 50.7 nach 52.1, blieb aber damit auch weiter über der magischen 50er Schwelle. Ähnlich verhielten sich die Einkaufsmanager der US-Dienstleister, hier gab es einen marginalen Rückgang von 50.9 auf 50.6, erwartet worden waren 51.50 Indexpunkte. Der Dienstleistungssektor, der rund 80% der US-Wirtschaft ausmacht, hielt sich nach zuvor elf schwachen Monaten aber auch im zweiten Monat oberhalb der 50er-Wachstumsgrenze. Der Challenger Report berichtete von der niedrigsten Zahl an Entlassungsankündigungen seit 17 Monaten. Allein von September auf Oktober halbierte sich diese Anzahl, ein gutes Zeichen für den zukünftigen Arbeitsmarkt und eine Bestätigung dafür, dass die Unternehmen in Erwartung einer weiteren Erholung der US-Konjunktur ihre Arbeitnehmer verstärkt halten wollen.
Der Offenmarktausschuss der FED kam zu dem Schluss, dass die US-Leitzinsen trotz erkennbarer wirtschaftlicher Erholungstendenzen und aufkommender Inflationsängste wohl "noch für längere Zeit" auf dem Rekordtief-Niveau verbleiben werden. Wie lange die Politik des billigen Geldes fortgesetzt werden soll, blieb damit ohne interpretierbare Andeutungen völlig offen. Möglicherweise sind es also ausgerechnet die Skeptiker, die einen frühen Richtungswechsel oder ein Rückzugs- bzw langsames Ausstiegs-Szenario verhindern. Der Sitzung der US-Notenbank folgte tags drauf die der EZB sowie der englischen Notenbank. „Es bleibt alles wie es ist“, lautete auch hier das unspektakuläre Ergebnis wie erwartet, man wartet noch auf die Nachhaltigkeit. Die US Unemployment Claims wurden für die letzte Oktoberwoche mit 512.000 gemeldet. Weiter kräftig aufwärts ging es auch bei den OECD-Frühindikatoren, leider jedoch relativ spät und nur parallel zur ohnehin sichtbaren Wirtschaftsentwicklung.
Nächstes Highlight waren die deutschen Auftragseingänge für September, sie setzten ihre Aufholjagd wacker fort, mit gesamt +0.9% gegen Vormonat, bei durchschnittlicher Anzahl an Großaufträgen. Erst auf den zweiten Blick erkennbar, handelte es sich jedoch um einen leichten Rückgang der Inlandsnachfrage mit -2.3%, der von einem noch deutlicher kräftigen Anziehen der Orders aus dem Ausland von +3.7% überkompensiert wurde. Volkswirte sprachen angesichts der Daten von einer "beeindruckenden Rallye" bei der wirtschaftlichen Erholung. Der KID übersprang mit diesen Zahlen nach zuvor kurzer Korrektur erstmals den "Entscheidungspunkt" und kletterte vorläufig über den Abwärtstrendkanal in die Normalzone zurück. Weniger Begeisterung lösten die US-Arbeitsmarktzahlen vom Oktober aus. Die durchschnittlichen Stundenlöhne zogen zwar um 0.3% gegen Vormonat an, beim Nonfarm Payroll Employment wurden August und September kräftig positiv revidiert, die Oktoberzahl von noch -190.000 Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft schreibt den seit Januar 2009 laufenden Rückgang beim Stellenabbau fort, dennoch löste der Anstieg der US-Arbeitslosenrate über zehn auf 10.2 Prozent leisen Schrecken aus, da im Konsens mit 9.9% kein Überschreiten der 10-Prozent-Marke erwartet worden war. Der wöchentliche ECRi Leading Indicator stieg weiter auf 128.80 Punkte. Das monatliche ECRI USFIG, ein Barometer der zukünftigen Inflationsentwicklung, wurde für September von 90.6 auf 91.- herauf revidiert und kletterte im Oktober weiter auf 91.70, was nach der kurzen Phase "statistischer Scheindeflation" auf eine baldige Rückkehr zur zyklischen Normalität auch bei den Inflationsraten schließen läßt. Der Baltic Dry kletterte in dieser Woche kräftig weiter auf 3393 Punkte, Gold kratzte erstmals an 1.100.- USD, der Dow vorsichtig erneut an 10.000 Punkten.
Die 46. KW
... begann mit dem monatlichen Konjunktur-Sentix. Hier setzte sich, wider Erwarten des zunehmend kritischer gewordenen Mainstreams, die positive Tendenz weiter fort. Der Euroland-Gesamtindex stieg von -12.6 auf -7 Punkte, wobei sich die Lagebeurteilung von -29.25 auf -24.25 und die Erwartungen von +5.75 auf +12.- verbesserten - ein immer noch kräftiges, aber nicht bedrohliches Erwartungs-Gap solange die harten Daten weiter brav liefern. Bemerkenswert war der kräftige Anstieg in der Lagebeurteilung der US-Wirtschaft von -37.75 auf -29.50 sowie als echtes Highlight das erstmalige Überschreiten der Null-Linie beim globalen Gesamtindex, der sich von -4.5 auf +2.4 im November steigern konnte. Die Weltwirtschaft wird nach Rückkehr in die Normalzone insgesamt also weiter wachsen, wobei Asien und Lateinamerika ganz klar die Führungsposition innehaben werden. Die insgesamt erfreuliche Tendenz wurde sofort bestätigt durch die neuen deutschen Außenhandelszahlen für September, gegenüber dem Vormonat legten die Exporte um 3.8, die Importe sogar um 5.8 Prozent zu, der Saldo gab entsprechend leicht nach. Dem deutschen Export gelang im dritten Quartal also eine klare Trendwende. Zusätzlich wurde vom produzierenden Gewerbe im September ein Anstieg von 2.7% gegen Vormonat gemeldet, die Erholung zeigt sich damit auch bei den späten Nachläufern unter den Konjunkturdaten-Zeitreihen.
Als nächstes stand der ZEW-Index auf dem Programm. Hier gab es die kleine Korrektur, die im KID zwischenzeitlich auch schon zu sehen war. Die Konjunkturerwartungen gaben von 56.- auf 51.10 Punkte nach, der historische Mittelwert von 29.60 liegt weit darunter. Umfragebasierte Stimmungsindikatoren sind mit ihren Teilkomponenten und wegen der unterschiedlichen Zielsetzung der Erhebungen eher schwierig miteinander zu vergleichen. Beim ZEW scheint momentan evtl. ein Phänomen vorzuliegen, dass auch im KID Oszillator auftaucht, nämlich die notwendige Korrektur eines Überschießens. Vergleicht man die ZEW-Erwartung auf zuletzt sehr hohem Niveau mit der Lage-Bewertung, die aktuell erst von -72.20 auf -65.60 angestiegen ist, so läßt sich daraus schließen, dass die Befragten die aktuelle Lage pessimistisch noch viel zu schlecht einschätzen, bei ihrer Zukunftserwartung jedoch deutlich zu optimistisch reagieren. Der Weg zurück in die Normalität müßte ergo zwangsläufig über ein Aufholen bei der Lage-Beurteilung parallel zum Stagnieren oder korrigierenden Auspendeln der Erwartungen erfolgen. Die Relevanz zum Aktienmarkt ergäbe sich damit weniger als sonst allein aus der Erwartungskomponente, sondern aus diesem notwendigen Annäherungsprozess - der DAX arbeitet schließlich auch momentan weiter am "harten Mittelstück" seiner breiten Range.
Insofern zeichnet der ZEW als Befragung zu den Konjunkturerwartungen von Finanzmarktteilnehmern ein treffendes Bild von der aktuellen "Population der Marktteilnehmer". Eine kleine optimistische Gruppe ist über die "Wall of Worry" 2009 überdurchschnittlich gut gefahren, die überwiegende Mehrheit hat im Mainstream-Pessimismus daran aber kaum oder nur wenig profitiert oder sogar mit Short-Engagements erfolglos gegen den Trend gehandelt. Die Zahl privater Investoren an den Aktienmärkten ist über die Krise deutlich zurückgegangen, ein Teil dieser "Marktabstinenten" wird aber prozyklisch wahrscheinlich später zurückkehren, sofern im medialen Mainstream das Erreichen der alten oder gar neue Höchststände in den Bereich vorstellbarer Möglichkeiten rücken. Diese Mischung von emotionalen Extremen nach ebenso real extremen Bewegungen aus krassem Absturz und unerwartet schneller V-förmiger Erholung bietet für die Zukunft in sich hohe Spannung und, je nach weiterer Entwicklung der jeweiligen Gruppendynamik, die Möglichkeit zu unerwartet heftigen Reaktionen mit entsprechenden Marktturbulenzen. Die Aktie an sich scheint derzeit noch ein sehr unsicherer Kandidat mit zudem sozialmoralisch überaus fragwürdigem Image zu sein, von euphorischer Verehrung durch die Medien und die breiten Massen sind wir weit entfernt.
Das Handelsblatt titelte "Deutsche Wirtschaft holt rasant auf" und präsentierte mit dem Barclays-Frühindikator sowohl ein zu erwartendes starkes viertes Quartal 2009 als auch gleich noch +2.5% Wachstum für 2010. Der Begriff "Aufholjagd" taucht, für Leser und Investoren zwar leider deutlich zu spät, dafür aber prozyklisch zunehmend häufiger auf, während das kleine "Krisenmonster" offiziell ausgedient und hoffentlich ein warmes Plätzchen zum Überwintern als Kuscheltier am trendigen Bioethanol-Gel-Kamin einer knuddeligen Redakteurin mit entsprechender Herzensbildung gefunden hat. Als zumeist nachtaktiver kleiner Kontra-Indikator hat es Rohstoff-, Aktien-, Index- sowie Tier- und Hybridkapital-Investoren 2009 ungewollt treue und ertragreiche Dienste geleistet. Da wärs doch schade, wenn es im Frust über verpasste Chancen der Redaktion deswegen im Tierasyl landet. Methodisch ganz neue Wege gehen, um das Klassenziel im nächsten Jahr nicht erneut zu verfehlen, liegt nach dem Prognose-Desaster der etablierten Konjunkturforschung der letzten zwei Jahre ohnehin im Trend. Die lebendigen Nachfahren der großen Wirtschaftstheoretiker des ökonomischen Spätmittelalters im letzten Jahrtausend haben aus der unübersehbaren Diskrepanz zwischen theoretischen Lehren und praktischer Wirklichkeit vor, in und nach der Krise die Erkenntnis gewonnen, dass eine internetbasierte Schnittmenge von beliebigen Laien letztendlich mehr zu wissen scheint als ein ausgewiesener Experte - auch wenn es mit der massenhaft prognostizierten absoluten Mehrheit der Piratenpartei bei der letzten Bundestagswahl noch nicht so ganz geklappt hat. So entsteht z.B. grade die Handelsblatt-IW-Konjunkturprognosebörse, wo die "Weisheit der Massen" erfasst und zukünftig prognostisch genutzt werden soll, oder der INET-Thinktank "Institute for New Economic Thinking" auf Anregung und mit Unterstützung von George Soros mit einer Masse international hochkarätiger Experten. Hierbei hat man sich allerdings offenbar der verschärften Kontrolle der klassischen Finanzmärkte verschrieben, die, ganz im Gegensatz zu vielen Staatshaushalten, zur internationalen Bankenaufsicht, zu den politisch kontrollierten Landesbanken oder zu den FED-induzierten Subprime-Betrügereien, nach wie vor erfreulich logisch und durchaus effizient zu funktionieren scheinen.
Bei den endgültigen deutschen Verbraucherpreisen im Oktober blieb es noch bei der vorab kalkulierten Null, ex Heizöl, Benzin und Strom betrug die Teuerungsrate aber schon wieder +0.9%. Der Index der US Chain Store Sales dümpelte mit 490.9 nach 491.3 vom Oktober in den November. Weit entfernt vom Dümpeln kamen die jüngsten Zahlen aus China: Industrieproduktion im Oktober +16.1% gegen Vorjahr, ebenso Einzelhandelsumsätze mit +16.2%, Investitionen in den ersten 10 Monaten 2009 +33.1% gegen Vorjahreszeitraum - da geht die Post ab. Die Bank of England hob im jüngsten Inflationsbericht ihre Prognose von 1.1% auf 2.0% an und revidierte gleichzeitig ihre Wachstumsprognose nach oben. Erfreulich starteten die wöchentlichen US Unemployment Claims in den November, mit 502.000 nach revidierten 514.000 ging es haarscharf an die 500.000-Grenze, außerdem durchbrach im Jahr/Jahr-Vergleich der Trend erstmals wieder die Null-Linie beim Momentum, d.h. es darf von einem Rückgang gegen das Vorjahr gesprochen werden.
Ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr blieb logisch auch beim deutschen BIP für das dritte Quartal 2009. Er betrug aber preisbereinigt nicht minus sieben, sechs oder fünf, sondern noch -4.79%. In jeweiligen Preisen gerechnet lag der Rückgang gegen Vorjahr nur noch bei -2.95%. Gegen alle Expertenprognosen ist die deutsche wirtschaft damit zwei Quartale nacheinander wieder gewachsen, mit +0.44% im zweiten Quartal und +0.73% im dritten. Diese Wachstumsdynamik ist für deutsche Verhältnisse regelrecht ungewöhnlich, sie liegt aktuell fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Vorkrisenzeit und stellte auch die parallel schnellgeschätze voraussichtliche Wachstumsrate in der ganzen Eurozone mit plus 0.4% in den Schatten. Ohne Zweifel sind wir damit nach kurzem tiefen Abtauchen wieder zurück auf dem Weg in die Normalität. Die starken harten Daten der letzten Wochen und das Ausbleiben aller vorhergesagten Folgekatastrophen sprechen dazu für eine weitere Fortsetzung dieser Entwicklung. Nachdenklich stimmt dabei eigentlich nur, dass die Wirtschaftsweisen inzwischen ein "Comeback 2010" vorhersehen - das nach dem Rekordeinbruch des ersten Quartals 2009 mit den aktuell positiven Wachstumszahlen und der kräftigen Erholung vieler Märkte doch sichtlich längst schon stattgefunden hat. Die neue Prognose des Sachverständigenrats geht von 1.6% Wachstum 2010 aus, die Bundesregierung liegt mit +1.2% etwas darunter, ansonsten bewegt sich der trendfolgende Konsens zwischen +1 und +2.5% unisono wieder in dem positiven Terrain, das der KID als früher Trendsetter seit Jahresanfang mit Stimmungswende, Marktwende und folgendem Drehen der realwirtschaftlichen Daten vorgegeben hat.
Wer heute noch von "Scheinblüte" spricht, dokumentiert damit lediglich, den gesamten Trend komplett verschlafen und die Regenerationskraft der Weltwirtschaft, insbesondere (siehe KID Oktober 2008) der meisten Schwellenländer, völlig unterschätzt zu haben. Stetiger Wechsel von Über- mit Unterschätzung prägt das Bild der Expertenmeinungen ebenso wie das des Medien-Mainstreams. Insofern durchaus fraglich, ob die Ultima Ratio der Behavioral Finance von Dr. Conrad Mattern, "Die breite Masse ist nicht lernfähig", nicht viel eher für die relativ kleine Schnittmenge der intellektuellen Meinungsführer und "maßgeblichen Eliten" gilt - erstaunlicherweise sind es z.B. nämlich nicht etwa "die Doofen", sondern überwiegend Bessergestellte und Gebildete, die weltweit auf die verschiedenen Formen der Milliarden-Betrügermasche "Scamming" hereinfallen (Serienbetrug auf Basis von in mancherlei Hinsicht "vielversprechenden" Spam-Mails). Während die "breite Masse" eher ihrem natürlichen Instinkt folgt und damit bislang offensichtlich besser, in jedem Fall aber vergnüglicher über die Krisenrunden gekommen ist, als die aus (angeblich) "höherem Bewusstsein" heraus schwarzmalende, Depression, Angst und Panik verbreitende "geistige Elite" - die offenbar der Shock&Awe-Strategie der heimlichen Krisen-Initiatoren genauso brav und folgsam auf den Leim gegangen ist wie den 419er Scammers.
Eindeutig unterschätzt wurde neben der Erholungsdynamik der gesamten Weltwirtschaft auch die deutsche Wirtschaft, die relativ gelassenen Konsumenten und die sichtlich abmildernde Wirkung von Kurzarbeitsregelungen plus staatlicher Hilfe und Überbrückung - die es nun, nach Wiedereintritt in die Umlaufbahn der Normalzone, mit großer Vorsicht behutsam wieder abzubauen gilt. Mitten ins neue Postkrisen-Bewusstsein ist dabei die Staatsverschuldung gerückt. Die überschrittene 1.600-Milliarden-Grenze wirkt beeindruckend - entspricht aber insgesamt "nur" ungefähr der Summe der bisherigen Transferleistungen in den zwanzig Jahren Deutsche Einheit, wie eins unserer Wirtschaftsforschungsinstitute sinnig passend genau zum Jubiläum der Wiedervereinigung erneut vorrechnete. Zwei Drittel davon flossen für "Soziales", nur ganze zehn Prozent in reale Wachstumsförderung. Dabei geht es weniger darum, einer Beweisführung "ohne Osten wären wir schuldenfrei" das Wort zu reden. Zu den historisch einmaligen Lasten der Wiedervereinigung kommen schließlich noch hunderte Milliarden an Nettotransferzahlungen über viele Jahrzehnte in die Kassen der EU und die alltägliche politische und bürokratische Mißwirtschaft vieler Jahre. Das läppert sich, mit Zins und Zinseszins - zeigt aber auch, dass öffentliche, kommunale und Staatsverschuldung kein unabwendbares oder zwangsweises Schicksal sein muss, sondern absolut zu bewältigen wäre. Wenn statt nur hohler Sparappelle tatsächlich entschlossene Schritte und Reformen in Richtung grundsätzlicher Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und konsequentem Abbau wachstums- und leistungshemmender Überregulierung eingeleitet würden, die anstelle vermeintlicher "sozialer Wohltaten" einen neuen Trend zum allgemeinen sozialen Aufstieg aus dem Krisental schaffen können. Auch dazu bietet der nach der Krise bevorstehende Rückzug des Staates unzweifelhaft Chance und Gelegenheit, wenn man ihn nicht beim vorherigen Status Quo enden läßt, sondern ihn stattdessen konsequent in die Zukunft hinein weiter fortsetzt.
Allein hier, und nicht in einem Revival weiter ausufernder staatlicher Planwirtschaft, allumfassender Überwachung und allgemeiner Grundversorgung mit leistungsverhindernder Bürokratie, liegt der Schlüssel zum relativen "Reichtum für alle". Nach zunächst allgemeiner Erleichterung über die staatlichen Rettungsmassnamen kommt, neben erwartungsgemäß weiter schlechten Neunmonatszahlen der wenigen realexistierenden "Katastrophenbanken" die Erkenntnis auf, das alles seinen Preis fordern wird. Auch die jahrelangen Übertreibungen in den USA, wo es weder eine deutsche, noch eine europäische Einigung zu verkraften gab. Der Index des Verbrauchervertrauens der Uni Michigan gab zur Monatsmitte entsprechend konsumenten-verkatert auf 66.- Punkte nach. Die Weltwirtschaft erholt sich - doch dies bedeutet eben keine Fortsetzung des ungehemmten US-Konsums auf Pump. Auch der in den letzten Wochen regelrecht explodierte ECRI Frühindikator zeigte eine weitere Konsolidierung auf 127.30 Punkte. Der Baltic Dry dagegen legte allein am Donnerstag einen 206-Pluspunkte-Sprung auf 3954 Zähler hin und sattelte am Freitag erneut 157 Punkte auf, sodass zum Wochenschluss mit 4111 die 4000er-Marke klar überschritten wurde. Der neuerlich belebende Schwung im Welthandel zeigte sich auch beim US-Handelsbilanzdefizit für September. Hier gab es mit +18.2% im Saldo den stärksten Monatsanstieg seit zehn Jahren. Die Importe stiegen mit +5.8% so stark wie seit 1993 nicht mehr, während die Exporte um 2.9% zulegen konnten. Neben dem höheren Ölpreis ist eine steigende Binnennachfrage und wachsende Auffüllung der geleerten Lager hier ursächlich. Die Bäume wachsen unzweifelhaft wieder kräftig, aber eben nicht erneut gleich bis in den siebten Himmel, und das drückt speziell in der konsumorientierten Vorweihnachtszeit sichtlich aufs Gemüt.
Fazit: Der KID im November 2009
... zeigt schneller als gedacht den möglichen Ausbruch nach oben durch das mehrfache Linienkreuz in die Normalzone und durch die Abwärtstrendlinie C (gelber Pfeil). Dadurch verbessert sich auch das Gesamtbild, es wurde bereits der grüne Bereich wieder erreicht, und sofern der Indikator hier verbleibt, wird die Abwärtstrendlinie C zunächst vom Widerstand zur neuen Unterstützung (roter Pfeil). Ein echter neuer Aufschwung würde wahrscheinlich erst mit Verlassen des Abwärtstrendkanals D nach oben beginnen (grüner Pfeil), bis dahin stünde 2010 zunächst ein gepflegtes Verbleiben im farblich unterlegten "positiven Erholungsbereich" an. Einziger Wermutstropfen und Grund für das Fragezeichen am Ende der heutigen Headline ist die stark nachlassende Dynamik im Indikator beim "Ausbruch" nach dem erwarteten Ende der extrem steilen V-förmigen Erholung. Diese wird allerdings ganz allein durch die momentan korrigierend nachgebenden Stimmungswerte verursacht, während die harten Daten weiterhin dynamisch ansteigen. Wie oben schon erwähnt, geht der bisherigen Lokomotive emotional ein wenig die Puste aus, die beschleunigt rollenden harten Waggons schieben den Zug aber weiter voran. Das Ganze passiert ausgerechnet in dem Moment, wo der "entscheidende Punkt" erstmals erfolgreich überwunden wurde und bei der Momentaufnahme des aktuellen Datenkranzes der Indikator einen ersten kleinen Stummel als hoffnungsvollen Fühler in den grünen Bereich ausstreckt. Das ergibt im Fazit den "Ausbruch nach oben mit Fragezeichen", da die direkte erfolgreiche Fortsetzung momentan noch nicht wirklich gesichert scheint.
Der KID-Oszillator verdeutlicht diese Problematik, die speziell das Sentiment betrifft. Nach radikalem Unterschießen folgte ebenso radikales Überschießen. Für einen Oszillator in Ausnahmesituationen völlig normal, denn hier wird vornehmlich Richtung angezeigt, die absolute Höhe spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Das gleiche Phänomen ist derzeit bei der zukünftigen ECRI-Wachstumsrate zu beobachten, sie hat einen dynamisch steilen Anstieg "von tief unten" korrekt angezeigt, dies bedeutet jedoch kein sofortiges Wachstum der Realwirtschaft in ungeahnte neue Höhen. Insofern ist früher oder später auch eine Korrektur zwangsläufig. Diese muss jedoch keine grundsätzliche Trendwende bedeutet, sondern sie kann lediglich ein Auspendeln mit schließlicher Rückkehr in die Normalzone bedeuten. Das wiederum kann sowohl relativ "reibungslos" als auch in heftigen Schwüngen und mit intensiven Turbulenzen einhergehen. Momentan spricht der stetige Strom positiver harter Daten und auch der neuerlich dynamische Aufschwung im Baltic Dry mehr für die erste Variante. Ein kurzfristiger Unsicherheitsfaktor bleibt uns aber, ob und wie weit die notwendige Korrektur bei der Stimmung die Realwirtschaft zeitweise mehr oder weniger bremsen oder beeinflussen wird. Möglicherweise wird es dem Fluss positiver realwirtschaftlicher Daten sogar gelingen, die Stimmungskorrektur mit teils sehr hohen Erwartungswerten in ein sanftes Auspendeln zurück in die Normalzone zu bewegen. Hier ist Abwarten das einzig vernünftige Mittel der Wahl.
Einige Bankvolkswirte erwarten aufgrund der zuletzt starken Auftragseingänge ein erneut überraschend noch kräftigeres viertes Quartal 2009. Damit rückt die hier im Mai-KID vorsichtig erwähnte Möglichkeit einer "roten Null" zum Jahresende in greifbare Nähe. Der damalige rote Pfeil in der Grafik als "bestmögliche Zielvorgabe 2009" (am Schnittpunkt von Normalzone mit Abwärtstrendlinie C) wurde vom Indikator bereits jetzt im November erreicht - aber eben bislang nur zaghaft überschritten. In Wachstumsprozentpunkten entspräche dies per Daumen in etwa dem Bereich von unter minus Eins bis maximal rote Null im vierten Quartal. Im Idealfall wird der in den vergangenen Monaten so überaus tragfähige, aber überwiegend sentimentgetragene "Wall of Worry" nun Stein für Stein durch harte realwirtschaftliche "Bricks in the Wall" ergänzt, gestützt und untermauert, um damit zur robust soliden Basis für eine weiterführende Erholung oder sogar einen zukünftigen neuen Aufschwung heranzuwachsen. Diese durchaus sensible Phase mit ihren natürlichen Schwankungen böte aber auch letztmalig Gelegenheit für das destruktive Wirken der ewigen Schwarzseher, Zweifler, Nörgler, späten Mahner und Bedenkenträger, um mit neuerlichen Weltuntergangs- und Zusammenbruchsfantasien eine "Echowelle" der eben erst ansatzweise überwundenen massiven Krisenängste auszulösen und damit die bis heute überaus positive Entwicklung zum Schaden der Allgemeinheit erneut in Gefahr zu bringen. Im Vergleich der letzten Zahlen aus der Eurozone hat sich die deutsche Wirtschaft teils erstmals wieder bis an die Spitze gewagt - höchste Alarmstufe also hinten im Karusselbremserhäuschen, um mit Pessimismus, Novemberdepressionen und Schweinegrippe den letzten Versuch im aktuellen Zyklus zu unternehmen, eine breitere Basis für die geliebte zähe "Malaise Allemande" zu begeistern - die dann, wie gehabt, früher oder später wahrscheinlich doch von einer Stampede wildgewordener Bullen niedergetrampelt wird.
Damit zu den Märkten,
... wo erwartungsgemäß überwiegend weiter "die Welt mit Brettern vernagelt war". Öl hat sich, wie angekündigt, an und unterhalb der 80.- bis 82.- USD festgebissen. Die Lager sind zwar voll, die Investitionen in neue Förderprojekte aber krisenzyklisch stark zurückgegangen, sodass adäquat zum Ausblick der International Energy Agency mittel- bis langfristig eine stabile bis weiter aufwärtsgerichtete Tendenz angenommen werden kann - die sich auch im Contango bestätigt. Euro/Dollar dengelte grade zum zweiten Mal mit Schwung erfolglos an die 1.50er Meßlatte. Trotz aller Untergangsfantasien hat sich der Greenback leise dahinbröckelnd 2009 eigentlich verhältnismäßig wacker geschlagen. Ein kleines Doppeltop ändert zwar noch nichts am intakt laufenden Trend, dennoch schlummert im Kurs erheblich mögliches Überraschungspotential durch den Squeeze von Carrytrades, wenn die 1.50 nicht "nachhaltig" bezwungen werden und eine breitere Gegenbewegung in Gang kommt.
Der Bund-F pendelt nun schon über ein halbes Jahr zwischen knapp 120.- und gut 123.- herum, läuft dabei aber nun langsam in ein Dreieck mit erforderlicher weiterer Richtungsentscheidung. Das Gefahrenpotential liegt hier auf längere Sicht eindeutig in steigenden Zinsen durch wieder aufkommende Inflationsbefürchtungen und deren basisstatistische Bestätigung, fortgesetzte Konjunkturerholung und ein mögliches Ende der Niedrigzinsphase, siehe bereits Australien. Damit könnte zwar eine sprunghafte Reaktion überraschend erfolgen, sie scheint aber insgesamt dennoch in ihrem Kurspotential begrenzt, und man erkennt sie bereits heute im gewachsenen Spread zwischen laufendem und letztem Kontrakt. Intensiv gespannte Versammlung also an richtungweisenden Entscheidungspunkten. Allein die Edelmetalle konnten den saisonal günstigen Wind für kräftige Kursanstiege nutzen, Gold überwand nach klassischem Pullback mühelos die 1000er-Barriere.
Die Aktienmärkte gleichen vor und am Entscheidungspunkt durchaus Heimwerkermärkten. Wer es schonmal zu seinem Projekt gemacht hat, ein längeres dickes Brett bzw einen massiven Balken zu sägen oder zu bohren, kennt die im Material und ggf. in plötzlicher Materialdynamik schlummernden Potentiale, die ein breites Spektrum von Möglichkeiten bereit halten. Das ist zugegeben sehr schwer einzuschätzen. Vom Festfressen an besonders harten Stellen über plötzlich schnelles Durchdringen weicher Zonen bis zum dynamisch spontanen "Durchbruch" mit kräftigem Rückschlag aus der Materialspannung ist alles möglich. Wer erweiterte Erfahrungen sucht, findet diese z.B. im klassischen Stummfilmbereich bei Laurel und Hardy im filmpraktischen Umgang mit Balken und Brettern.
Die Indices stehen nach wie vor an den zuletzt hier schon hinreichend erläuterten mittel- bis langfristigen Entscheidungspunkten. Die fundamentale Ampel zeigt weiter kräftiges Grün auch im herannahenden Winter. Nach Ende der V-förmigen Dynamik und der wirklichen Goldgräberzeiten 2009 haben sich, wegen der permanenten Aufwärtsdynamik fast nur am oberen Rand nicht auf den ersten Blick erkennbare, aber solide breite Aufwärtstrendkanäle ungefähr parallel zu den steigenden 200-Tage-Linien gebildet, die von den technischen Nebenindikatoren (AD´s, Highs/Lows, Demand) eindrucksvoll bestätigt wurden. Somit befinden wir uns, neben der oben geschilderten akuten Stimmungsverwirrung, eigentlich an einem Punkt, wo grundsätzlich weiter "freie Bahn" angesagt wäre - wenn nicht die besagten grundsätzlichen und charttechnischen Bretter oder Balken wie ein massiver Deckel über den Märkten liegen würden. Dadurch besteht nun jederzeit auch Gelegenheit, beim heftigen Abprallen oben die unteren Ränder dieser Kanäle austesten zu können - was wiederum leicht mit einer generellen Trendwende zu verwechseln ist. Hier die wahrscheinliche Reaktion einer überwiegenden Mehrheit von privaten und institutionellen Heimwerkern präzise vorherzusagen, bleibt ein Ding der Unmöglichkeit. So bleibt die einfache Faustformel: sofern es der Konjunktur resp. dem KID gelingt, ohne große Turbulenzen im grünen Bereich zu verweilen und/oder langsam weiter zu klettern, wird früher oder später auch das Balken-Projekt an den führenden Aktienmärkten mit einem erfolgreichen mehr oder weniger kräftigen Ausbruch nach oben folgen.
Die Börsen der Schwellenländer haben hier die besten Voraussetzungen, als mögliche Trendsetter zu wirken. Japan´s Heimwerker dagegen haben eine bereits wochenlange Pause eingelegt und bröckeln eher passiv langsam aber sicher einem Test der Nikkei-200-Tage-Linie entgegen. Die meisten anderen Welt-Indices begannen nach kurzer Korrektur den zweiten Anlauf gegen das über ihnen schwebende Brett, er findet jedoch mit bislang sehr dürftigem Umsatz statt. Der S&P500 hat bei seinem zweiten Versuch den deutlich fallenden Zweijahresschnitt bei aktuell 1090 erstmals kurz überwunden, ohne dabei aber die 1100-Punkte-barriere und die parallel darüber verlaufende Abwärtstrendkanallinie ernsthaft mit volumen anzugehen. Ein ähnliches Bild bietet der DAX, dessen fallender Zweijahres-Schnitt um 5600 Punkten die Mittelmarke im steigenden Trendkanal zwischen ca. 4600 und 6600 Zählern bildet. Einen Vorgeschmack auf die mögliche Zukunft bietet uns der MDAX, er hat seinen Zweijahresschnitt schon vor Wochen erstmals überwunden, fiel dann kurz zurück, schwang sich erneut mit Volumen deutlich darüber, sackte aber sofort wieder um so heftiger tief nach unten durch und hat jetzt im nächsten Anlauf den dritten versuch in Arbeit.
Steigender 200-Tage- und fallender 500-Tage-Durchschnitt laufen in ein mögliches Dreieck langsam aufeinander zu. Der aktuell angezeigte fiktive Schnittpunkt datiert waagrecht aber grobe Richtung Anfang März bereits fast schon ins nächste Frühjahr. Es bleibt uns also eventuell sehr viel Zeit und Gelegenheit zum fleißig verschärften Heimwerken, falls die allgemeine Wahrheits- und Entscheidungsfindung das Verfahren nicht abkürzt und vorher schon in Konjunktur und Märkten richtungsweisende neue Impulse generiert. Allein unser kleiner TecDAX hält sich da fein heraus, er hat seine eher leichtgewichtigen mehrschichtigen Balsahölzer ohne großen Radau einfach glatt durchschnitten. Selbst an der jüngsten Korrektur nahm er danach nur geringfügig teil und hielt und hält sich weiter oberhalb des Gebälks aus langen gleitenden Durchschnitten und Horizontalwiderständen zwischen 630 und 730 Punkten auf. Bei ihm findet das absehbare Treffen zwischen 200er- und 500er-Schnitt sicher noch in diesem Jahr statt. Ob er aufgrund seiner gesunkenen Bedeutung als Leichtgewicht noch Vorreiter- oder Vorbildfunktion für die Gesamtmarktentwicklung der schweren Brüder hat, wird sich zeigen.
Auf jeden Fall also Vorsicht beim vorweihnachtlichen Basteln und Werkeln, speziell mit dem Sägen und Bohren dicker Bretter und Balken. Bleiben Sie gesund!
Thomas A. Spoerer
& Team