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KID Konjunktur-Indikator-Deutschland

Quo vadis, Konjunktur und Märkte im Oktober 2009?

von Thomas A. Spörer

KID Oktober 2009

Chart grösser

Auf dem Entscheidungspunkt

Die 39. KW

... hat mit dem TCB US Leading Indicator begonnen. Sein ohnehin kräftig gestiegener Juli-Wert wurde von 101.60 weiter auf 101.90 aufwärts revidiert, für August folgte ein erneuter Anstieg des Frühindikators auf 102.50 Punkte. Von der weltweiten Stahlproduktion kamen erfreulich erholte Zahlen, und die deutsche Bundesbank teilte mit, dass sie jetzt mit einer Belebung der Wirtschaft rechnet und aktuell eine allgemeine Kreditklemme überwiegend für den Mythos von Lobbyisten halte - die Krise war und ist halt vielerlei Zwecken nützlich. Der TCB Leading Index Germany verbesserte sich zum vierten Mal in Folge, allerdings erst beim jetzt veröffentlichten Juli-Wert, sodass hier noch einiges Nachholpotential bleibt. EuroStat meldete einen um 2.6% gestiegenen Auftragseingang für die Eurozone im Juli, die Flash-Vorabschätzungen für die Einkaufsmanagerindices stiegen ebenfalls weiter an, jedoch mit leicht verringerter Dynamik. Dies bestätigt die beim letzten KID getroffene Annahme, dass die Wirtschaft nach der V-förmigen Erholung langsamer, aber stetig und in der Breite weiter wachsen wird. Auch das FOMC der FED bescheinigte der US-Konjunktur ein "better", ließ die Niedrigstzinsen aber unverändert.

Der ifo-Index kletterte im September erwartungsgemäß in allen Komponenten stetig weiter aufwärts, das Klima verbesserte sich von 90.5 auf 91.3. die Lage von 86.2 auf 87.0 und die Erwartungen von 95.0. auf 95.7. Selbst Hans Werner Sinn musste nun endlich einräumen, dass dies (Zitat) "gemessen an der katastrophalen Entwicklung der vergangenen zwölf Monate gute Nachrichten sind". Parallel verlangte er vom Weltfinanzgipfel deutlich mehr weltweite Kontrollen - nicht jedoch der Manager oder der politisch besetzten Aufsichtsräte, sondern der Anleger, deren Gier die gefährlichen Geschäftsmodelle vieler Banken quasi erst erzwungen hätte (!). Wegen des kompletten Versagens der staatlichen Bankenaufsicht forderte er außerdem deutlich mehr direkte Eingriffsmöglichkeiten eben dieser Bankenaufsicht sowie eine temporäre staatliche Zwangsbeteiligung an schwächeren Banken im Kampf gegen die (siehe Bundesbank oben, eher fiktive) Kreditklemme. Sonst würde die (mit soviel Mühe inszenierte) Krise nutzlos "vergeudet" und die Welt stünde bald wieder am nächsten Abgrund. Sinngemäß zusammengefasst: staatliche Kontrolle funktioniert nachweislich nicht, deshalb brauchen wir unbedingt noch viel mehr davon - eine in sich schön geschlossene Argumentationsspirale der Kontrollfreak-Lobby für den (früher mal von ihm selbst als hochgradig ineffizient kritisierten) staatlichen Überwachungs-, Regulierungs- und Umverteilungs-Moloch.

Verbessert zeigten sich erneut die US Unemployment Claims mit 530.000 nach 551.000, hier wäre zu hoffen, dass die 500.000er Schwelle bald nach unten durchschritten wird, wie es der Challenger Report bereits andeutet. Eine leichte Enttäuschung waren dagegen die US-Auftragseingänge für August bei den langlebigen Wirtschaftsgütern. Durch einen erwartungsgemäßen Rückgang im Transportsektor sanken sie insgesamt um 2.4% gegen Vormonat, ohne den Transportbereich blieben sie jedoch auf Vormonatsniveau stabil - es gehen eben nicht jeden Monat Flugzeug-Großaufträge ein. Die weitere Entwicklung muss man im Auge behalten. Auch die US-Hausverkäufe stagnierten mit 429.000 nach 426.000 revidiert von 433.000 Einheiten. Deutlich positiv überraschte das endgültige Verbrauchervertrauen der Uni Michigan für September, hier folgte auf 70.20 zur Monatsmitte nach 65.70 Ende August eine weitere kräftige Steigerung auf 73.50 und damit auf ein 20-Monats-Hoch. Auch der wöchentliche ECRI Frühindikator beschleunigte weiter auf ein neues 60-Wochen-Hoch mit 127.80. Die Wachstumsrate generierte dadurch ein neues All-Time-High. Der BDI sagte einen kommenden "Exportschub" bevor. In Deutschland ging im Lauf dieser Woche die Revision der Fehlprognosen weiter, das Kölner IW sagte für 2010 wieder ein Wachstum von +1.5% voraus und korrigierte für 2009 aufwärts auf -4.5%. Weiterhin bedenklich bröckelte dagegen der Baltic Dry, er beendete diese Woche mit 2163 Punkten. Hier baut sich zunehmende Divergenz zu den Aktienmärkten auf.

Die 40. KW

... begann wieder mit einem positiven Signal. Das GfK-Konsumklima für Oktober legte erneut kräftig zu auf 4.3 Punkte, der Septemberwert wurde dabei von 3.7 auf 3.8 nach oben revidiert. Die Anschaffungsneigung verbesserte sich abermals, die Konjunkturerwartungen stiegen erstmals wieder über ihren statistischen Mittelwert und die Einkommenserwartungen der Bundesbürger kletterten kräftig auf ein neues Hoch seit August 2007. Vom vielstimmig vorhergesagten "Herbsteinbruch" beim Konsum also bislang und weiterhin keine Spur. Ebenso sachlich falsch die Schlagzeile "Verbraucherpreise erneut gesunken" zu den veröffentlichten vorläufigen Daten für September. Der Preisindex des statistischen Bundesamtes stagniert seit über einem Jahr zwischen 106.30 (März-Tief 2009) und 107.30 (August 2008 und ebenfalls August 2009), der aktuell vorläufige Septemberwert liegt mit 106.90 dabei gut in der Mitte, gesunken ist lediglich noch der ausgewiesene Jahresvergleich, der folglich seit einem halben Jahr eher zufallsbedingt um Null pendelt. Nicht zufallsbedingt, sondern erwartungsgemäß kündigte der IWF eine Aufwärtsrevision seiner 2010er-Prognose für die Weltwirtschaft auf +3.1% an, da die Erholung stärker als zunächst angenommen ausfallen werde. "Die Daten zeigen im Wochenrhythmus weiter nach oben", lautete der Kommentar. Auch für Deutschland wurde wieder ein moderates Wachstum für 2010 vorhergesagt - was dem "grünen Bereich" beim KID entspräche.

Der Case Shiller Hauspreisindex legte (für Juli) zum dritten Mal in Folge stärker zu als erwartet, gegen Vorjahr ergab sich lediglich noch ein Minus von -13.3% nach -15.4%, erwartet worden waren -14.2%. Die US Weekly Chain Store Sales schwächelten zum Monatsende weiterhin leicht. Nach dem großen Sprung im vergangenen Monat konsolidierte auch das US Verbrauchervertrauen des TCB, der August wurde noch weiter nach oben revidiert, für September folgte ein leichter Rückgang von nun 54.50 auf 53.10 Punkte. Mit etwas Fantasie ist hier quasi ein "kräftiger charttechnischer Widerstand" zwischen 55 und 61 vor weiteren Anstiegen zu überwinden. Der deutsche Arbeitsmarkt zeigte sich nach Expertenaussagen auch im September "unerwartet robust" sowie als "einer der Lichtblicke der deutschen Wirtschaft", dennoch rechnen sie, wie schon seit Monaten, weiter mit zukünftiger Eintrübung. Das US-BIP im zweiten Quartal wurde in der "finalen" dritten Version erneut aufwärts korrigiert, es verblieb (nach zuvor -1.0%) in der Seasonal Adjusted Annual Rate noch ein Rückgang gegen Vorjahr von -0.7% (nach -6.4% im ersten), bzw. in der hier üblichen Berechnungsweise -3.8% gegen Vorjahres- resp -0.2% gegen das erste Quartal 2009.

Die US Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung stiegen in der letzten Septemberwoche wieder leicht an und konnten die 500.000er Marke mit 551.000 nach revidiert 534.000 noch nicht knacken. Auch die US Einkaufsmanager legten nach acht Anstiegen in Folge im September eine winzige Konsolidierung ein, der ISM Index gab von 52.90 auf 52.60 nach. Wichtig ist, dass es oberhalb der Wachstumsgrenze von 50 bleibt und die zurückhängenden Komponenten Arbeitsmarkt und Lagerbestände nachziehen. Die Märkte reagierten dennoch enttäuscht auf diese 52.60 Punkte, der Tiefstand im letzten Dezember betrug immerhin nur 32.90. Die mit +1.8% überraschend gestiegenen Bauausgaben sowie die mit +6.4% sehr kräftig gestiegene Zahl offener Hausverkäufe fanden wenig Beachtung. Die Einkaufsmanager in der Eurozone erhöhten ihre Aktivitäten seit der Vorabschätzung erneut, der Index arbeitete sich von 48.2 auf 49.3 weiter an die 50er-Wachstumssschwelle heran. Er steht somit, wie der September-KID, nun direkt vor dem Entscheidungspunkt.

Das gleiche gilt für den deutschen PMI im verarbeitenden Gewerbe, der sich von 49.2 auf 49.6 steigern konnte, während der französische mit einem großen Satz von 50.8 auf 53.- Punkte im September nach oben sprang. Die deutschen Einzelhandelsumsätze vom August zeigten dagegen ein deutliches Minus von -1.5% (nominal -0.7%) gegenüber Juli, im Vergleich mit dem Vorjahr ergab sich ein Rückgang von real -2.6% und nominal -3.5%, wobei Versandhandel und Kaufhäuser die stärksten Einbußen zu verkraften hatten. Der VDMA sieht inzwischen wieder bessere Zeiten auf den Maschinenbausektor zukommen, eine statistische Normalisierung ergibt sich schon quasi von selbst, sobald der Jahresvergleich beim Auftragseingang im Zeitlauf nicht mehr mit Rekordwerten konkurriert. Beim Challenger-Report ergab sich eine erneute Verbesserung von nur noch 66.404 für September nach zuvor 76.456 Entlassungsankündigungen. Nachzutragen wäre noch der vierteljährliche japanische Tankan-Bericht. Er zeigt die bekannten Erholungsansätze, verbesserten Export und weiter schwache Binnenkonjunktur. In der hiesigen Kommentierung jedoch auch schon wieder Enttäuschung, dass der Erholungsweg mühsam von unten nach oben verläuft - aber wie sollte er denn wohl sonst gehen? Entscheidend in jeder Hinsicht wird sein, wie ein allgemeiner Wiedereintritt in die wirtschaftliche "Normalzone" incl. vorsichtigem Rückzug staatlicher Stützungs- und Belebungsmaßnahmen sich in Zukunft gestalten und auswirken wird - genau vor dieser Phase stehen wir jetzt.

Die datenreiche und insgesamt recht gut durchwachsene Woche schloss mit wichtigen US-Daten: Die US Average Hourly Earnings (Stundenlöhne) verbesserten sich nur geringfügig. Die Arbeitslosenrate stieg von 9.7 auf 9.8 Prozent, beim Nonfarm-Payroll-Employment gab es erstmals wieder einen Rücksetzer von revidiert -210.000 im August auf -263.000 abgebauten Stellen im September. Auch hier waren inzwischen aufgebaute Erwartungen zu erkennen, erhofft worden war ein Rückgang unter -200.000 Jobs. Der Challenger-Report verspricht weiter leichte Verbesserung in der Zukunft. Leichte Enttäuschung auch bei den endgültigen US-Auftragseingängen im August, wo insgesamt ein kleiner Rückgang gegen den starken Vormonat zu verzeichnen war. Dieser ergab sich, wie oben schon erwähnt, aus dem Transportsektor, ex Transport und bei den Nondurable Goods war jedoch ein weiterer moderater Anstieg von +0.4 bzw +0.8% zu verzeichnen. Die V-förmige Erholung geht mit gemischtem Datenbild unter sichtlich gestiegenen Erwartungen in eine moderatere, breitere Aufwärtsbewegung über - die jedoch in Zukunft nicht abreißen darf. Dies zeigte sich auch beim ECRI Frühindikator, er wurde für die Vorwoche von 127.80 auf 127.90 aufwärts revidiert und gab in der laufenden Woche etwas auf 127.10 nach. Das ECRI USFIG (Future Inflation Gauge oder "Inflationsbarometer") wurde für August von 89.6 auf 89.7 revidiert und stieg im September direkt weiter auf 90.60 Punkte und ein 11-Monats-Hoch. "U.S. Inflation is on the Cusp of a cyclical Upswing", lautete der Kommentar - auch hier also offenbar ein "Scheitelpunkt" erreicht. Der Baltic Dry tendierte Richtung Wochenschluss nach dem Tief bei 2163 wieder etwas erholt und schloss mit 2284 Punkten.

Die 41. KW

... startete mit dem monatlichen Konjunktur-Sentix. Mit Ausnahme von Japan gab es dabei in allen Regionen sowie global einen weiteren Anstieg. Im Euroland kletterte die Lage-Komponente um 3.50 Punkte von -32.75 auf -29.25, während die Erwartungen mit +0.25 von +5.50 auf +5.75 quasi stagnierten - ergo zwar noch immer ein kräftiges Gap, aber mit etwas weiter gesunkenem Enttäuschungspotential. Asien und Lateinamerika notieren in diesem Monat als Erste sowohl beim Gesamtindex als auch bei Lage und Erwartung wieder im positiven Terrain, wie es auch hier beim KID für die Emerging Markets schon vor langer Zeit erwartet wurde. Der Index für die USA verharrte auf Vormonatsniveau. Wie ebenfalls erwartet, generierte unsere Bundestagswahl trotz der Wende von Schwarz-Rot auf Schwarz-Gelb diesmal keinen positiven Stimmungsimpuls in die Zukunft. Das Erwartungs-Gap (Zukunftserwartungen minus Lage) ist mit 35 ohnehin doppelt so hoch wie im Oktober 2005 mit damals 17 Punkten. Die Lage muss somit möglichst konstant und kräftig "liefern", um über den beim letzten KID beschriebenen wichtigen Entscheidungspunkt weiter zu tragen. Die direkt nächste Lieferung brachte der Baltic Dry mit einem kräftigen Sprung aufwärts nach längerer Lethargie auf 2357 Punkte. Anschließend folgte der Einkaufsmanagerindex der US-Dienstleister, hier wurde mit 50.9 nach 48.4 erstmals wieder die Wachstumsschwelle erfolgreich überschritten. Dienstleistungen machen rund 80% der US-Wirtschaft aus. Bei den Teilkomponenten sprang die Business Activity auf 55.1, der Auftragseingang auf 54.2, lediglich die Beschäftigungslage hängt mit 44.3 noch nach. Ein guter Wochenstart für die Konjunktur.

Auch dem Einkaufsmanagerindex der Dienstleister in der Eurozone gelang anschließend der klare Sprung über die magische Wachstumsschwelle mit 50.9 nach 49.9 Punkten und damit zum ersten Mal seit Mai 2008 wieder zurück in den "Grünen Bereich". Der Gesamtindex kletterte dadurch auf 51.1 Zähler, sodass bei den Einkaufsmanagern im Euroland die Rezession ebenfalls als beendet angesehen werden darf, sofern auch mit dem langsamen Auslaufen staatlicher Stützungsmassnahmen ein weiterer Verbleib in der Wachstumszone stattfindet. Etwas schwierig zu beurteilen waren die deutschen Auftragseingänge für August. Hier wurde allgemein ein korrigierender Rückgang nach dem starken Vormonat erwartet. Dennoch konnte das BMWI überraschend einen weiteren Anstieg von +1.4% unter Revision des Vormonats (von +3.5 auf +3.1%) vermelden. Im Jahr/Jahr-Vergleich war der Vergleichsmonat August 2008 jedoch schon relativ schwach ausgefallen, der September 2008 wieder deutlich stärker, und erst danach begann die eigentliche Talfahrt. Wir geraten beim (sonst durchaus sinnvollen) Jahresvergleich also ab jetzt bis Richtung Jahresende in turbulentes Fahrwasser - wie es bei den Inflationsraten im "Vergleich der Extreme" schon etwas länger zu beobachten ist. Hinzu kommt beim Auftragseingang noch die jeweils unterschiedliche Berechnungsweise von Bundesbank- und Destatis-Zahlen. Hilfreich ist hier der leicht geglättete Mehrmonatstrendverlauf und der zeigt weiter ganz klar nach oben. Erfreulich ist ebenfalls die aufwärts gerichtete Tendenz bei den Auslandsorders, die sich mit Zeitversatz beim Export sehr positiv bemerkbar machen wird.

Bis Jahresende "kollidieren" nun voraussichtlich zwei interessante Phänomene: bei der Stimmung befinden wir uns eindeutig in einer weiteren Phase des skeptischen Zweifelns ob der "Nachhaltigkeit" der Erholung, der durch die Berufs-Pessimisten noch fleißig weiter beflügelt wird, während bei den Statistiken der harten Daten ein gewisses "erholtes Überschießen" im Jahr/Jahr-Vergleich zu erwarten ist. Zusammengenommen könnte sich daraus früher oder später ein unerwartet kräftiger Treibsatz entwickeln. Angeheizt wird dies noch durch ein weiteres aktuelles Phänomen: Die versammelte Garde der sowohl vor dem krassen Absturz als auch bei der folgenden schnellen V-förmigen Erholung systematisch versagenden etablierten Wirtschafts- und Konjunkturexperten flüchtet sich zum Teil vor der schonungslos offenliegenden Blamage in eine Art "hilfloser Arroganz" gegenüber Märkten, Marktteilnehmern, Investoren und Verbrauchern, indem sie das ihnen offensichtlich unverständliche Geschehen an den Märkten und in der Wirtschaft auf die Richtung "Dummheit, Spielerei, Spekulation oder Spiel und Wette" abzudrängen sucht - dem die ernste und entsprechend auch weiter ernstzunehmende theoretische Wissenschaft natürlich logisch garnicht sinnvoll nachzufolgen im Stande sein kann oder darf. Dies gipfelt dann in sinnleer abgehobenen Allgemeinplätzen wie (Pressezitate) "Anleger sollten vorsichtig sein", "Der Aufschwung könnte nicht nachhaltig ausfallen" oder "Nach dem Crash ist vor dem Crash".

Überaus sinnvoll ergänzt (und dazu dem scheidenden Finanzminister zum Abschied dick mit Rot hinter die Ohren zu schreiben) wird dies durch die inzwischen weitgehend abgeschlossene Aufnahme der Schäden und Schadenersatzforderungen aus der Lehman-Pleite: Hierbei haben sich nämlich weder die Kleinanleger, noch die privaten Investoren, noch die Banken, sondern vielmehr die politischen Funktionäre der Kommunen und kommunalen Verbände als mit Abstand größte Spekulanten, verantwortungslose Zocker und letztendlich Verlierer des ihnen anvertrauten Kapitals der steuer- und abgabenzahlenden Bürger erwiesen.

Australien erhöhte als erstes großes westliches Industrieland am Dienstag seine Leitzinsen um +0.25 auf 3.25% mit der Begründung einer wieder anziehenden Wirtschaft und Weltkonjunktur. Die EZB ließ den Leitzins am Donnerstag erwartungsgemäß unverändert, betonte die demnächst nur moderat wieder anziehende Inflation im Einklang mit dem EU-Zielkorridor und bescheinigte der Euroland-Konjunktur eine unübersehbare Stabilisierung und weiterhin langsam fortschreitende Erholung. Der Baltic Dry kletterte weiter kräftig auf 2546 Punkte. Erfreulich starteten auch die US Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den Oktober, hier wurde mit saisonbereinigt 521.000 nach revidiert 554.000 der nächste Versuch eingeleitet, die 500.000er Marke nach unten zu durchbrechen.

Alix Partners veröffentlichte eine Studie, in der den deutschen Konsumenten weiterhin überaus gute Stimmung trotz Krise attestiert wurde. Das hauptamtliche Handelsblatt-Krisenmonster nahm dies zum Anlass, die Verbraucher deswegen ganz offen direkt zu bedrohen, denen "die gute Laune bald noch vergehen werde". Auch bei Bankanalysten sowie privaten und institutionellen Anlegern ist anhand von Shortquoten, rückläufigen Aktieninvestitionsgraden und allgemeiner Erwartungshaltung Richtung 2010 relativ hohe Skepsis festzustellen - solange dies so bleibt, dürfte der Markt auf der Unterseite wie gehabt einigermaßen solide abgesichert sein. Die deutsche Produktion stieg im August um 1.7% gegen Vormonat. Der Handelsblatt-Barclays Frühindikator prognostiziert inzwischen für das dritte Quartal ein Wachstum von +0.90% gegen Vorquartal. "Die Erholung der deutschen Wirtschaft gewinnt deutlich an Fahrt," lautete der Kommentar. Die endgültigen Verbraucherpreise in Deutschland verblieben auf dem Stand der Vorabveröffentlichung mit -0.3% gegen Vorjahresmonat. Bei den deutschen Exporten gab es im August nach drei Anstiegen in Folge einen unerwarteten leichten Rücksetzer. Da die Importe gleichzeitig zunahmen, ging der Überschuss im Handelsbilanzsaldo ebenfalls zurück. Parallel reduzierte sich entgegen der Konsensprognosen auch das August-Handelsbilanzdefizit der USA etwas, bedingt durch die leicht rückläufigen Importe. Der ECRI Leading Index kletterte zum Wochenschluss weiter von 127.10 auf 128.30 Punkte und generierte damit ein neues Rekordhoch bei der zukünftigen Wachstumsrate. Der Baltic Dry beendete nach dem September-Tief von 2163 die Woche mit einem weiteren Anstieg auf 2647 Zähler und überwand dabei wieder vorsichtig den seit Mai laufenden konsolidierenden Abwärtstrend.

Die 42. KW

... brachte am Dienstag den neuen ZEW-Indikator, der mit einer winzigen Konsolidierung von 56.- nach 57.7 Punkten gemeldet wurde. Die aktuelle Lage setzte dabei ihre schrittweise Verbesserung mit +1.8 Zählern fort, während die Erwartungskomponente im Gesamtindex um -2.7 Punkte nachgab. Möglicherweise dämpfend könnte der Ausreißer bei den August-Exporten gewirkt haben. Der ZEW-Index bleibt auch im Oktober mit 56.- weit über seinem aktuellen historischen Mittelwert von 26.7 Punkten. Schon am Montag hatte sich der DAX (nach TecDAX und MDAX erstmals) seit einem Jahr erstmals durch die 5800er Marke gewühlt und dabei nach wochenlangen Versuchen den Zweijahresschnitt wieder überklettert. Mehr als 60% oder 2200 Punkte Plus seit März-Tief stehen damit innerhalb 7 Monaten im Buch. Der Markt scheint damit überkauft, dennoch steht noch reichlich Liquidität und zweifelnde Unentschlossenheit am Rand des Marktgeschehens. Jedoch liegt unmittelbar über dem DAX jetzt ein "Brett" aus Widerständen, bei dem u.a. der fast waagrechte Vierjahresschnitt mit derzeit 6160 Punkten als ungefähre Mitte der Seitwärtsrange zwischen 4000 und 8000 Zählern wartet. Ebenfalls im Wartestand die deutschen Großhandelspreise, deren Index seit Dezember 2008 seitwärts in seiner Range herumpendelt. In drei Monaten dürfte der Jahresvergleich sich wieder Richtung Null normalisieren.

Die wöchentlichen US Chain Store Sales erholten sich auch in der zweiten Oktoberwoche weiter kräftig vom schwächeren September. Ebenfalls kräftig sprudelten die Gewinne beim Bankenrettungsfonds SOFFIN, bis dato sind hier aus Gebühren und Zinsen für Risikoübernahmen, Garantien oder Kapitalbeteiligungen satte 513 Mio € zusammengekommen. Pro Monat treffen zur Zeit weitere etwa 100 Mio ein, ohne dass bislang Ausfälle zu verzeichnen waren. Das genutzte Volumen innerhalb des 480-Mia-Gesamtrahmens beläuft sich noch auf knapp 156 Mia, überwiegend bestehend aus Garantien mit ca. 128 Mia. Wegen der hohen Kosten nimmt das Volumen durch Rückgaben bereits wieder ab, mit Ausnahme allerdings der HRE/Depfa, da Refinanzierung für viele Banken inzwischen zunehmend auch wieder auf "normalem Weg" über den Märkt möglich wird. Die US Einzelhandelsumsätze September fielen gut durchwachsen aus, schwächer wie anhand der Chain Store Sales und mit Auslaufen der Abwrackprämie zu erwarten war, aber längst nicht so schwach wie es deshalb erwartet wurde. Der Trend bleibt auch hier positiv. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlichte eine Konjunktur-Umfrage mit dem überaus optimistischen Fazit, dass für 2010 wieder von einem Wachstum von satten zwei Prozent in Deutschland auszugehen sei. Die 2009er Prognose wurde von -6% im Juni auf jetzt noch -4.8% fürs Gesamtjahr heraufrevidiert. Sämtliche pessimistischen Prognosen vom Jahresanfang werden nun eine nach der anderen zu dem, was sie immer schon waren: Makulatur.

Auch bei den anlaufenden Quartalsberichten gab es positive Überraschungen. Die Industrieproduktion in der Eurozone stieg zum vierten Mal in Folge, diesmal um +0.9% (August). Der DAX nahm Kurs auf 5900, der Dow eroberte die 10.000-Marke zurück, Öl kletterte über 75.- USD direkt bis fast 78.-, was aber mit auf die Dollarschwäche zurückzuführen ist. Die Riege der sog. "Top-Ökonomen" ist inzwischen erwartungsgemäß auch wieder bei einer Prognose von 1.2% Wachstum für 2010 angekommen - entsprechend dem "grünen Bereich" in der KID-Grafik. Die angekündigte "Unter-Minus-Sechs-Veranstaltung" der deutschen Wirtschaft 2009 wurde sang- und klanglos abgeblasen. Stattdessen wird expertenseits plötzlich striktes Sparen empfohlen. Fragt man sich nur, warum diese Forderung nicht (antizyklisch) bereits zu Boom-Zeiten ausgesprochen wurde, wo eine Konsolidierung der Haushalte sehr viel leichter vonstatten gegangen wäre als ausgerechnet jetzt auf dem Weg zurück aus der Krise, wo radikale Sparmaßnahmen eher wenig bringen und allenfalls noch die laufende Rückkehr in die Normalität unter vorsichtiger Rücknahme der Stützungsmaßnahmen gefährden würde. Aber nach so viel Falsch- und Fehlprognostik in Folge ist offenbar im Bereich allgemein populistischer Trendaussagen noch am ehesten wieder zu punkten. Ansonsten beschränkt sich das Herbstgutachten auf die Revision der Fehlprognosen des Frühjahrsgutachtens. Selbst die lang und breit angekündigte Katastrophe am Arbeitsmarkt mit anschließendem Einbruch des privaten Konsums wurde (zum Glück und endlich) auch wieder abgesagt. Prof. Dr. Joachim Scheide vom IfW Kiel kommentierte das Desaster im TV lapidar: "Ein bisschen danebengelegen." DIW-Präsident Klaus Zimmermann wurde konkreter: "Das Frühjahrsgutachten war Quatsch, eine Anmaßung von Wissen." Wieviele Arbeitsplätze die pessimistischen Fehlprognosen und inhaltslosen Drohungen vom Jahresbeginn einschließlich der direkt daraus entstandenen monatelangen Massenmedien-Panikmache unnötigerweise gekostet haben, bleibt wirtschaftswissenschaftlich wohl leider unerforscht.

Die wöchentlichen US-Erstanträge verbesserten sich mit 514.000 nach revidiert 524.000, näherten sich damit weiter der magischen 500.000er Grenze und erreichten den besten Wochenwert der letzten neun Monate - ein gutes Omen für künftige US-Arbeitsmarktdaten wie für die arbeitende Bevölkerung. Der Index der US-Verbraucherpreise stieg per September zum fünften Mal in Folge an, die Jahresvergleichsrate legte erneut leicht von -1.4 auf -1.3% zu. Der Empire-State-Index, der die Geschäftsaktivität des produzierenden Gewerbes im Großraum New York misst, zeigte einen Rekordanstieg von 18.9 Punkten auf ein Fünf-Jahres-Hoch von 34.57 Zählern. Null Punkte bedeuten hierbei reales Nullwachstum, das Rekord-März-Tief 2009 hatte bei -38.20 gelegen - so sieht in der Tat eine V-förmige Erholung aus. Der Empire-State-Index gilt als relativ zuverlässiger Vorlaufindikator für die nächsten nationalen Einkaufsmanagerindices. Der ebenfalls regionale Philadelphia-FED-Index fiel hingegen leicht von 14.1 auf 11.5 bei Konsenserwartung von 12.- Punkten. Sparvorschläge hinsichtlich der oben genannten Expertenratschläge kamen prompt vom Bund der Steuerzahler. Er stellte für die vergangenen zwölf Monate trotz Krise eine Rekordverschwendung von 30 Mrd Euro in seinem neuen Schwarzbuch fest. „Das Ausmaß der Fehlleitung öffentlicher Mittel ist so groß wie nie zuvor“, sagte Verbandspräsident Karl Heinz Däke und forderte endlich schärfere Kontrollen der Ministerialbürokratie einschließlich eines unabhängigen Amtsanklägers für offensichtliche Verfehlungen zu Lasten der Steuerzahler, um der "kameradschaftlichen" politischen Selbstkontrolle ein Ende zu setzen.

Die neue Konjunkturprognose der Bundesregierung blieb mit -5% für 2009 und +1.25% für 2010 direkt an den Vorgaben des Herbstgutachtens, rechnet aber für 2010 weiter vorsichtig mit einem Plus von 640.000 Arbeitslosen auf dann im Jahresschnitt 4.1 Mio, wegen des Auslaufens der Kurzarbeitsregelungen. Hier bleibt uns die spannende Frage, ob die harten Daten ausreichend stetig weiter liefern werden, um durch weitere Anstiege des Auftragseingangs und der Produktion dieses Auslaufen teilweise oder möglichst weit abfedern zu können. Auch die angestrebte Entlastung von Wirtschaft und Bürgern seitens der neuen Bundesregierung könnte dazu beitragen - wenn sie denn konsequent mutig umgesetzt wird. Konsequent stieg die US-Industrieproduktion im September und überraschte die Experten, die mit plus 0.2% gerechnet hatten. Tatsächlich betrug der Zuwachs +0.7%, der Vormonat wurde gleichzeitig von 0.8 auf +1.2% heraufrevidiert. Gegen Vorjahr beträgt das Minus bei der Produktion noch 6.1%. Die Kapazitätsauslastung legte ebenfalls unter Aufwärtsrevision des Vormonats über Konsens-Erwartung zu und kletterte zum ersten Mal seit sieben Monaten wieder über die 70%-Schwelle. Einen unerwarteten Dämpfer gab es hingegen beim Oktober-Mittmonatswert des Verbrauchervertrauens der Uni Michigan, wo nach dem kräftigen Anstieg im September auf 73.50 aktuell wieder ein Rücksetzer auf 69.40 folgte. Auslöser waren Befürchtungen, dass die persönliche finanzielle Situation sich, anders als die Gesamtwirtschaft, nicht so schnell wie erwartet von der Krise erholen werde. Der Baltic Dry beendete die Woche mit 2688 Punkten. Beim ECRI Leading Index gab es eine Aufwärtsrevision des Vorwochenwerts von auf 128.30 auf 129.10, dem in dieser Woche ein Rückgang auf 128.10 folgte, die daraus berechnete zukünftige Wachstumsrate bleibt weiterhin auf Rekordniveau.

Fazit: Der KID im Oktober 2009

Im letzten Monat standen wir fast direkt vor dem Entscheidungspunkt. Inzwischen sind wir einen kleinen Schritt weiter, nämlich mitten auf dem Entscheidungspunkt angekommen, bzw. aktuell sogar schon ein winziges Stück darüber auf dem Weg in den zartgrünen Wachstumsbereich. Zum Jubeln ist es aber eigentlich noch klar zu früh, es wird nun ein, in der ersten Jahreshälfte mehrheitlich unerwartet, versöhnlicher Jahresausklang 2009 angezeigt und die Trendrichtung sieht momentan nach moderater Fortsetzung dieser Bewegung auch im Jahr 2010 aus. Nach dem Ende der V-förmigen Erholung zurück bis an die wirtschaftliche Normalzone nimmt die Dynamik momentan aber wieder ab - wie es der Normalität eigentlich nach zwei Steilflügen in Absturz und Erholung auch entspricht. Sie darf in Zukunft nur nicht einknicken oder langsam verkümmern. Insofern ist die Wachstumsprognose des Herbstgutachtens für 2010 schon wieder eher nur hoffnungsvolle Trendfortschreiberei, denn der Eintritt in die Wirtschaftliche Normalzone mitsamt Überwinden des kurzfristigen Abwärtstrends C ist zwar sichtlich in Arbeit, aber eindeutig noch nicht vollbracht, geschweige denn stabilisiert oder gesichert. Noch besteht die akute Möglichkeit eines Rücksetzers, einer "Echo-Welle" auf den Krisenschock vom letzten Herbst, sodass dann zunächst noch ein Verweilen in der rötlichen Zone unterhalb des Normalbereichs angesagt wäre. Um dieses Risiko zu vermeiden, müssen die harten Daten weiter stetig liefern, die nachlaufenden Arbeitsmärkte stabil bleiben, der langsame Rückbau der Staatshilfen allmählich gelingen und die Divergenz zwischen realer Entwicklung mit Stimmung und Erwartung darf nicht zu groß werden und in Enttäuschung umschlagen. Dies alles scheint nach erfolgreichem Überwinden der Krise machbar, birgt aber trotzdem noch einige Risiken in sich, bevor ein "kleiner Aufschwung" mit moderatem Wachstum im Normalbereich beginnen kann. Ein "richtiger" Aufschwung wird erst dann wieder wahrscheinlich, wenn die hellgrüne Zone aufwärts durchschritten und der mittelfristige Abwärtstrend D erfolgreich überwunden wäre. Aber das ist Zukunftsmusik, noch stehen wir mit einigen Unsicherheiten mitten auf dem Entscheidungspunkt.

Der KID-Oszillator setzte die erwartete Korrektur im Oktober fort. Einerseits ist er nach zunächst kräftigem Unterschießen, gefolgt von einem ebenso kräftigem Überschießen, als Indikator zunächst "verbrannt" und moralisch erstmal zur baldigen Rückkehr in die Normalzone verpflichtet, bevor wieder aussagefähige Trendsignale zu erwarten sind. Andererseits mahnt er damit jedoch auch zur Vorsicht, erinnert daran, dass weder Bäume noch Wirtschaft direkt weiter ungebremst in den Himmel wachsen werden und deutet zumindest die Möglichkeit einer "Echo-Welle" auf den Krisenschock des vergangenen Herbstes mitsamt möglicher Gegenreaktion an. Ein abschwächendes Auspendeln nach extremer Schockstarre und anschließend großer Erleichterung findet in den Märkten bereits statt, sowohl dadurch, dass viele an beiden Extrembewegungen nur eher passiv beteiligt waren und mitsamt Unsicherheiten und Zweifeln weiter am Rand des Geschehens abwarten, als auch durch die evtl. ernüchternde Erkenntnis, dass der Wiederaufstieg nach der Krise nicht quasi ganz von selbst, sondern nur mit dem üblichen Maß an Mühe, Anstrengung und Risikobereitschaft zu bewältigen sein wird. So steckt das Leben doch immer wieder voller Gemeinheiten: Erst fällt man unvorbereitet plötzlich tief in eine Grube, und dann muss man als armes Häschen auch noch mühselig selbst wieder herausklettern. Nur mutige Springer, die 2009 rechtzeitig entschlossen zugepackt und (Nachkrisen-)Gewinne eingefahren haben, werden (als quasi sozialneidgerechter Ausgleich dafür) öffentlich-medial als "Zocker und Casino-Spekulanten" abqualifiziert - hauptsächlich von denen, die trendgerecht ängstlich, depressiv und passiv nur zugeschaut und um so fleißiger vor sich hin gejammert haben.

Wenigstens hat dabei das Bewusstsein deutlich zugenommen, dass auch ein bequem überteuerter Vollkaskostaat offensichtlich doch noch natürliche Grenzen hinsichtlich Gesamtbelastbarkeit und im Verhältnis Leistungsträger zu Leistungsempfänger bei der politischen Umverteilung aufweist. Mehr und öfter als früher richten heute viele den Blick sorgenvoll auf die Bundesschuldenuhr des Steuerzahlerbundes: Sie zeigt nach rund -1.500 Mrd vor der Krise und entgegen aller Adhoc-Untergangsprophezeiungen und populistischen Megamilliardenthesen aktuell "nur" ein Minus von 120 auf -1.620 Mrd an, von denen ein Teil vermutlich auch ohne Krise im zyklischen Abschwung entstanden wäre. Dies entspricht bei ca. 82.2 Mio Bundesbürgern aktuell rund 20.000.- € Staatsschulden pro Kopf und Nase - worüber der Durchschnittsamerikaner nur müde lächeln kann. Immerhin sind zumindest die Schuldigen öffentlich schnell erkannt und häufig genug benannt: Banken, Bankmanager, Steueroasen und Spekulanten - wer´s nicht glaubt, wirft z.B. einen kurzen Blick auf den verantwortlichen "Aufsichtsrat" der KfW vor der Krise oder den nach wie vor kritischen Zustand mitsamt aller offensichtlichen sonstigen "Zustände" einiger großer Landesbanken vor und nach der Krise. Da macht es Sinn, endlich konsequente "Nachhaltigkeit" mitsamt wirksamer Kontrolle derselben zu fordern - die im beständig zyklischen Auf und Ab des Lebens, der Märkte und der Wirtschaft aber auf ewig nur Illusion bleiben wird.

Damit zu den Märkten

... wo es dem Kommentar vom letzten Monat eigentlich wenig Neues im Oktober hinzuzufügen gibt. Vieles befindet sich weiterhin vor, am, auf oder kurz oberhalb eines wichtigen Entscheidungspunkts für die zukünftige Entwicklung. Der DAX hat sich mit einigem Umsatzvolumen in das "Brett" zwischen 5800 und 6160 Punkten hineingebohrt und seinen Zweijahres-Schnitt erstmals seit Frühjahr 2008 wieder von oben gesehen. Beim Abstieg hatte er damals unter wilden Schwankungen mehrere Monate mit dieser Linie zugebracht. Darüber liegt um 6160 noch der Vierjahres-Schnitt. Ungefähr parallel zur 200-Tage-Linie hat sich ein solider Aufwärtstrendkanal etabliert - der möglicherweise oben noch ein "Stockwerk" frei hält, sodass das denkbare Maximum zunächst bei ca. 6600 Punkten anzusiedeln wäre. Aber bis dahin liegt eben noch ein dickes Brett im Weg. Lediglich der Tec-DAX hat seine entsprechend breite, quasi "dreistufige" Widerstandszone zwischen 630, 680 und 730 Punkten bereits erfolgreich unter sich gelassen. Beim S&P500 schwebt der Balken derzeit zwischen 1100 und 1170 Zählern, der Index notiert also noch knapp darunter, "ganz oben" würden 1250 Punkte als nächste Belohnung warten. Aber noch wird überall am Holz gesägt, ohne dass eine definitive Entscheidung abzusehen wäre, unter zweifelnden Blicken vieler "Außenstehender", die wahrscheinlich allenfalls bei sich abzeichnendem Erfolg bereit wären, auf dem Trittbrett noch mit einzusteigen. Gelingt dies jedoch, könnte es im Zuge einer Jahresendrally eventuell auch schnell wieder euphorische Züge annehmen - wir stehen an der Trennlinie zwischen gut und böse.

Für radikale Geister gab es vor einigen Monaten nur zwei denkbare Alternativen: Sudden Death per Deflation oder Sudden Death per Hyperinflation. Der Bund-Future, der inzwischen eigentlich nur noch reale Benchmark-Funktion für Bunds selbst hat, sah das eher ganz gelassen und pendelte als "Living Sudden Boredom" einfach weiter in seiner Seitwärts-Range zwischen 120.- und 123.50 Punkten. Ungefähr bei der 120er Marke verläuft auch der untere Rand des derzeitigen Aufwärtstrendkanals. Aber selbst ein Durchbruch nach unten würde nur begrenztes Potential freisetzen, da zwischen circa 116.-, 117.- und 118.50 charttechnisch ebenfalls harte Stützbretter angebracht sind. Die Wirtschaft kratzt am Rand der Normalzone, Zinserhöhungen sind aktuell eher noch tabu und von Deflation keine Spur. Abzusehen ist statistisch demnächst wieder ein moderater Anstieg der Inflationsraten im Jahresvergleich. Erst ein richtig dicker Aufschwung würde stärkere Inflation und entsprechende Zinserhöhungen generieren - davon sind wir aber noch weit entfernt. Hyperinflation (durch heimliches Gelddrucken) ist ebenfalls kein Thema - warum würden sich Finanzminister wohl mit Haushalten, Defiziten und Staatsverschuldung herumschlagen, wenn Gelddrucken im stillen Kämmerlein tatsächlich eine so einfache Alternative darstellen würde. So bleibt die Möglichkeit einer längeren Seitwärts- oder in Zukunft ganz leichter Aufwärtstendenz bei den Zinsen, et vice versa bei den Anleihekursen.

Euro/Dollar hat die genannte 1.48/1.50er Zone erreicht - "Wat nu?" fragt der Devisenhändler, ohne eine Antwort zu bekommen. Von dieser hängt jedoch letztendlich auch die weitere Entwicklung der Edelmetalle und Rohstoffe mit ab. Crude Oil hat zwar im stabilen 2009 Jahresaufwärtstrend (Spot Richtung Terminkurs im Contangoschritt rollend) mit zuvor sehr viel Mühe die 75.- USD überwunden, findet aber bereits zwischen 82.- und 85.- neuen Widerstand. So bleibt "Make it or break it" ohne Richtungsentscheidung einfach weiter das Gebot der Stunde, und nicht einmal die himmlischen ökologischen Heerscharen bieten klimatisch nachhaltig unterstützende Entscheidungshilfen: Im CO2-Emissionsrechtehandel als möglichem neuem Gradmesser unserer wirtschaftlichen und sonstigen sündigen Aktivitäten zeigt sich seit Jahresanfang eine rasiermesserscharfe Kante, an der bislang jeder Ausbruch nach oben noch gnadenlos erfolgreich gescheitert ist. Auch der relativ geringe Spread auf den 2010er Jahrgang gibt momentan leider keine neue Tendenz und Richtung vor. Da hilft also nur noch Geduld und ggf. verhaltener Optimismus.

Korrigierend nachzutragen wäre ggf. noch die kräftig in Richtung Privatanleger verbreitete Meldung, die Deutsche Bank hätte kürzlich eine "Anleihe mit 9.75% Coupon" überaus erfolgreich platziert. Standard-Anleihen gehören generell zum Fremdkapital einer Bank oder eines Unternehmens. Hier handelte es sich jedoch um nachrangiges Eigenkapital (Tier1), was den optisch hohen Coupon bei gleichzeitig allgemein niedrigen Marktzinsen erklärt. Den Preis dafür bestimmt momentan u.a. der Staat - mittels der Zinsen und Gebühren des SOFFIN. Den akuten Marktbedarf schafft neben den Übertreibungen der Vorjahre ebenfalls der Staat - mittels seiner Anforderungen an eine höhere Eigenkapitalausstattung der Banken (Kern- und Ergänzungskapitalquoten). Eingriffsmöglichkeiten bis zur zwangsweisen Nichtbedienung von Zinsen, ggf. auch Nennwertreduzierung im Fall von Jahresfehlbetrag oder Bilanzverlust sowie bei zu geringer Eigenkapitalquote liegen zum Teil heute ebenfalls beim Staat bzw. bei der EU. Insofern werden Tier-1-Anleihen trotz ihrer Charakters einer quasi-direkten Kapitalerhöhung zwar zu den festverzinslichen Wertpapieren gerechnet. Sie weisen aber höhere Risiken (oft noch in Form einer zwischengeschalteten "Capital Funding Trust LLC", also als stille Beteiligung), teils aktienähnlichen Strukturen (daher Tier-1 oder Hybrid-Anleihen bzw. Preferred Securities, mit bzw. ohne direkte Verlustbeteiligung) und sehr unterschiedlich komplex gestalteten Konditionen auf (z.B. Zins- bzw. Nachzahlung kumulativ oder nonkumulativ) sowie häufig nach Festzinsphase mit späterem Übergang zu schwerer kalkulierbar variabler Verzinsung (z.B. als Euro-Midswap-Satz), dazu mit einseitiger Schuldnerkündbarkeit bei sonst endloser Laufzeit (Perpetuals).

Der markthistorisch mehr als außergewöhnliche "2009er Hype" in Hybrid-, T1- sowie UT2- (=Genussrechts-) und LT2- (=Nachrang-) Kapital neigt sich bei inzwischen halbwegs wieder risiko-adäquaten Renditen und normalisierten Marktverhältnissen ohnehin langsam dem Ende zu (eher "Hold" statt "Strong Buy"). Dies aber typischerweise ausgerechnet in dem Moment, wo die Medien das Thema in der Breite auch zu entdecken scheinen. Zusätzlich werden die zukünftig gültigen Regularien zu Bilanzierung und Kernkapitalquoten der Banken momentan mit noch offenem Ausgang kontrovers diskutiert und neu verhandelt. Nach dem Grundsatz "Kaufe nur, was Du selbst auch verstehst" ist diese Assetklasse, entgegen solcher meist oberflächlicher Medien-Empfehlungen, aber nur für Privatanleger geeignet, die auch wirklich bereit sind, sich mit der Materie grundsätzlich intensiver zu befassen. Angesichts der umfangreichen, teils kompliziert formulierten Emissions-Prospekte gruselt es manchem dabei relativ schnell mit heftig glühendem oder rauchendem Kürbis - ganz in diesem Sinne also: Happy Halloween!

 

Thomas A. Spoerer
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