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KID Konjunktur-Indikator-Deutschland

Quo vadis, Konjunktur und Märkte im September 2009?

von Thomas A. Spörer

KID September 2009

Chart grösser

Vor dem Entscheidungspunkt

Die 34. KW

... begann erneut mit einem bereits im K-Sentix zuvor angekündigten Knaller: Der ZEW-Index sprang nach nur kurzer Konsolidierung um weitere 16.6 Punkte von 39.5 auf nun 56.1 Zähler nach oben. Er liegt damit weit über dem historischen Mittelwert von aktuell 26.5 und generierte ein neues 40-Monats-Hoch seit Anno 2006 - damals wurde damit der "deutsche Boom" eingeleitet. "Zur Euphorie besteht allerdings kein Anlass", lautete der Kommentar - korrekt, denn der Indexwert ist an sich bereits Euphorie. Zum Glück zog auch die Lage-Komponente wieder kräftig mit. Bedingt durch geringere Energiekosten sank der US-PPI nach dem Aufwärts-Sprung des Vormonats im Juli wieder -0.9% gegen Vormonat ab. Der Jahr/Jahr-Vergleich wirkt mit -6.40% gewaltig, hat aber das PPI-Top des Jahres 2008 als aktuellen Gegenpart. Der TCB Leading Indicator Germany zog dagegen zum dritten Mal in Folge an und holte damit nur nach, was andere längst erfolgreich vorgeturnt hatten. Parallel zu den USA fielen auch die deutschen Erzeugerpreise im Juli wieder zurück, der Vorjahresvergleich ergab -7.8%, jedoch steht auch hier das 2008er Top im direkt prozentualen Monatsvergleich. Es war der statistisch stärkste Rückgang seit 1949, dennoch die Verursacher eindeutig zuzuordnen: Heizöl -49.8%, Erdgas -21.8%, Diesel -30.9% und Benzin -17.2%. Elektrischer Strom kostete für Verteilunternehmen -22% weniger, private Verbraucher durften jedoch trotzdem +5.9% mehr bezahlen als im Vorjahr.

Der TCB US Leading Indicator stieg per Juliwert zum vierten Mal in Folge kräftig auf 101.60 nach 100.90 im Vormonat. Der Baltic Dry gab dagegen am Freitag noch ein Stück unter Vorwochenschluss auf 2534 Zähler nach. Zum Abschluss dieser eher ereignislosen Woche stieg der ECRI Weekly Leading Indicator auf ein weiteres neues Hoch von glatt 125 Punkten und deutete mit seinem 26-Jahres-Hoch bei der zukünftigen Wachstumsrate auf eine weiter sehr stark fortlaufende Erholung der US-Wirtschaft. Die recht solide Lieferung weiterer harter Daten sowie die Frühindikatoren trieben den DAX erneut bis an sein Top vom 7. August, obwohl der Bund-Future parallel auch bis 122.85 kletterte. Crude Oil generierte nach dem Kontraktwechsel ein neues Jahreshoch mit Intraday 74.72 direkt unter der 75er Marke.

Die 35. KW

... startete schon wieder mit guten Nachrichten. Bis dato gestaltet sich die Stützung angeschlagener Banken für den Bund weiter als lukratives Geschäft. Trotz aller populistischen Phrasen über die hemmungslose Verschwendung fiktiver Steuermilliarden stehen bis heute nur einige hundert Millionen positive Erträge aus Gebühren und Zinsen für die staatliche Risiko-Übernahme in den Büchern. Genauere Zahlen werden nicht veröffentlicht, schließlich geht es den Steuerzahlern grundsätzlich eher nichts an, wofür er da eigentlich bürgt und wie sich das Ganze im Zeitlauf finanziell im Einzelnen gestaltet. Auch die deutsche Defizitquote hielt sich mit lediglich 1.1% im ersten Halbjahr 2009 weitaus besser, als es sich die Freunde des baldigen Untergangs erträumt hatten - hier bleibt nur noch trübe Hoffnung auf das "später garantiert noch kommende dicke Ende" als gerechte Strafe für fundamental realitätsnahen Optimismus.

Aber auch in dieser Hinsicht entstand prompt weiterer Frust, denn (Pressezitat) "die Reihe unerwartet guter Konjunkturdaten reißt nicht ab" - erwartungsgemäß. Ausgerechnet für Deutschland wiesen die veröffentlichten Vorab-Schätzungen zu den Einkaufsmanagerindices für August fast Sensationelles aus: Mit einem mächtigen Plus übersprang der Dienstleistungsindex mühelos wieder die 50-Punkte-Barriere und wurde mit vorab 54.1 Zählern erstmals wieder weit oben im Wachstumsbereich festgestellt. Die deutschen Einkaufsmanager im Verarbeitenden Gewerbe beschleunigten ebenfalls radikal von 45.7 auf glatt 49.- Punkte. Auch die Indices für die gesamte Eurozone zeigten kräftige Anstiege pünktlich zum Rezessionsende in Richtung der 50-Punkte-Schwelle. Freundlicherweise bestätigt dies eindrucksvoll die hier im KID schon vor Monaten aufgestellte These zum gewaltigen Nachholbedarf der deutschen und europäischen Einkaufsmanager, um damit zukünftig drohende Versorgungsengpässe grade eben noch zu verhindern.

Der DAx sprang erneut über 5500 erneut Richtung oberer Rand seines mittelfristigen Aufwärtstrendkanals - dies entspricht seit dem März-Tief einem Zugewinn von 54% in nur fünf Monaten. Im Gleichklang mit Medien und Experten entdeckt jetzt auch die Öffentlichkeit endlich den Aufschwung - reichlich zu spät, denn das Partizipieren am weiteren Anstieg der Aktienmärkte findet nach fast "sicheren" Gewinnen nun unter ständigem Korrekturrisiko (siehe China) und mit verminderter Dynamik statt. Der Baltic Dry begann die Woche mit erneut schwächerem Indexstand - ein deutliches Warnzeichen. Alle erwarten nun schon seit längerem die große Korrektur zum Einstieg - aber genau deswegen findet sie nicht statt. Als nächstes folgte das monatliche TCB US-Verbrauchervertrauen. Hier wurde die leichte Korrektur der letzten beiden Monate (nach vorheriger Verdoppelung) praktisch in einem Rutsch wieder aufgeholt. Der Index sprang auf 54.10 und der schwache Vormonat wurde dazu aufwärts revidiert. Die Erwartungen schossen dabei um 10.1 Punkte in die Höhe, mit denen die +1.6 Punkte der ebenfalls verbesserten Lage-Einschätzung nicht annähernd Schritt halten konnten - auch ein Warnzeichen, in Form einer wieder neu und überaus kräftig aufklappenden Divergenz-Schere mit möglichem späteren Enttäuschungs-Potential.

Öl erreichte erstmals seit Oktober 2008 wieder glatt 75.- USD, gefolgt von einem sofortigen Rücksetzer. Der Case-Shiller HPI setzte den begonnenen Erholungskurs der US-Immobilienwirtschaft deutlich über Konsenserwartung weiter fort. Den nächsten Meilenstein setzte der ifo-Index mit einem kräftigen Sprung nach oben, wie es nach den Vorgaben von KID, K-Sentix und ZEW nicht anders zu erwarten war. Das Geschäftsklima stieg um 3.1 Punkte von 87.40 auf 90.50, die Lage-Einschätzung verbesserte sich von 84.40 auf 86.10, die Erwartung sprang um 4.6 Zähler von 90.40 auf 95.- glatt. Dazu wurden etliche vorherige werte geringfügig aufwärts revidiert. Der Text troff dennoch nach wie vor von Negativismen, "sichtlich weniger negativ" statt sichtlich positiver, "weniger skeptisch" statt optimistischer, "weniger ungünstig" statt günstiger.

Auch die alte "ifo-Grundregel", nach der drei Anstiege in Folge eine klare Trendwende nach oben (und umgekehrt) bedeuten, scheint inzwischen längst in Vergessenheit geraten. Selbst nach dem fünften Klima-Anstieg und acht Anstiegen der Erwartungen in Folge ist kein Wort von positiver Trendwende, vom Ende der Rezession oder gar von Aufschwung zu lesen. Mit kurzem Blick aus dem Fenster auf den strahlend blauen Sommerhimmel läßt sich mit adäquater Skepsis dazu nur noch konstatieren, dass es heute doch etwas weniger kalt und weniger regnerisch ist als noch vor sechs Monaten. Der ifo ist nach wie vor ein wichtiger Frühindikator, offen bleibt, wie man ihn kontinuierlich derartig zerreden kann - zuerst durch permanentes Schönreden des in der ifo-Grafik sichtbaren Abschwungs seit Anfang 2007 und anschließend durch ebenso permanentes Schlechtreden der bildlich sichtbaren Erholungs- und Aufwärtsbewegung seit Anfang 2009. Der Index selbst und seine Chartdarstellung bleiben damit klare Wegweiser, die Kommentierung dazu stellt sich jedoch nur noch als rückwärtsorientiert lahme Trendfolgerei dar, die mit sprachlich suggestiven Mitteln mehr Schaden bei Unternehmen und Investoren anrichten dürfte als noch praktischen Nutzen zu bringen.

Das eigentliche Warnzeichen, nämlich das auch beim ifo nun wieder anschwellende Erwartungs-Gap zwischen Zukunftserwartung und aktueller Lage-Einschätzung, verschwindet unter dieser negativistischen Grundhaltung. Es stellt sich im Zeitlauf 2009 so dar: Jan -7.1, Feb -3.3, Mar -1, Apr +0.5, Mai +3.5, Jun +7.2, Jul +6.0 und August +8.9 Punkte. Damit sind, parallel zum TCB-Verbrauchervertrauen, die Lage und damit alle harten sowie die nachlaufenden Daten quasi verpflichtet, zukünftig weiter fortgesetzt deutlich stärker zu liefern, um mittelfristig kein gefährliches Enttäuschungspotential aufkommen zu lassen. Hierhin sollte man seinen derzeitigen Beobachtungs-Schwerpunkt legen, um auf dem Weg zurück zur Null-Linie und zum Rand des Abwärtstrends möglichst frühzeitig Schlüsse auf das dann folgende mögliche Bewegungsmuster an diesem für die Zukunft so entscheidenden Punkt zu gewinnen.

Bei vielen, die die Erholung in Konjunktur und Märkten komplett oder teils verpasst haben, grassiert inzwischen noch eine weitere zeitgemäße Form von inhaltsleer intellektuellem Dummgeschwätz, nämlich die richtungweisend neue Erkenntnis, dass "der aktuelle Aufschwung garantiert nicht nachhaltig sei". Dieser tröstlich schöne Satz entstammt grüner Ideologie und täuscht geschickt über die Realität hinweg, dass praktisch alle irdischen Bewegungen naturgegebenen zyklischen Schwankungen unterliegen. Egal ob Wirtschaft und Konjunktur, Stimmung, Wetter, Klima, Aktien-, Renten- oder andere Märkte - ihnen fehlt grundsätzlich jede reale ""Nachhaltigkeit" in Form endlos fortgesetzt starrer Beständigkeit ihres Seins. Stattdessen unterliegen sie permanent zyklischen Schwankungen zwischen oberen und unteren Wendepunkten. Zunächst war aktuell nur der rezessive Abschwung absolut nicht nachhaltig, außerdem von überaus kurzer Halbwertszeit. Wer das nicht oder viel zu spät erkannt hat oder bis heute immer noch nicht wahrhaben will, darf auf Spekulationen zur Nachhaltigkeit des nächsten Aufschwungs auch gern gleich ganz verzichten - er wird nämlich in jedem Fall weder nachhaltig noch endlos ausfallen. Über 50% Plus im DAX in fünf Monaten hingegen sind eine Tatsache, die realisiert oder abgesichert sogar nachhaltig bleibt.

Die eigentliche Frage lautet heute, ob und wann aus der bisher gesehenen dynamischen Erholung ein neuer Aufschwung im Wachstumsbereich werden wird - sie läßt sich momentan noch nicht ansatzweise seriös beantworten. Daran unter fiktiven "Nachhaltigkeitsgesichtspunkten" destruktiv herumnörgeln geht aber freilich schon. Entscheidend werden die Erwartungs-Gaps der Stimmungs-Indikatoren im Zusammenspiel mit der zeitnahen Nachlieferung real harter Wirtschaftsdaten sein. Nächster Meilenstein auf diesem Weg waren die US-Auftragseingänge für Juli. Sie legten mit plus 4.9% bei den Durable Goods den höchsten Anstieg seit Juli 2007 aufs Parkett, bei den Nondefense Capital Goods fiel das Plus mit 8.6% und im Defense-Bereich mit plus 14.8% sogar noch deutlich höher aus. Steigende Auftragseingänge speziell in langlebigen Investitionsgütern sprechen klar für eine weiter robust positive Einschätzung der Weltkonjunkturlage. Auch die US New Home Sales schlugen alle Erwartungen um Längen mit aktuell 433.000 bei einer Konsensschätzung von 390.000 und einem aufwärtsrevidierten Vormonat von 395.000 nach zuvor 384.000 verkauften Einfamilienhäusern.

Auch das GfK-Konsumklima für den kommenden September setzte seinen Aufwärtstrend mit dem fünften Anstieg in Folge von 3.4 auf 3.7 Punkte ungebremst fort. Konjunktur- und Einkommenserwartungen sowie die Anschaffungsneigung konnten zulegen. Nicht zulegen konnte die zweite Schätzung zum US-BIP im zweiten Quartal 2009, sie blieb praktisch fast unverändert zur ersten. Praktisch unverändert lag auch die Stimmung der US-Verbraucher beim Sentiment der Uni Michigan. Nach 63.20 zur Monatsmitte und einer Konsensschätzung von 64.50 stieg der Index zum Monatsende wieder auf 65.70 und damit fast an den Vormonatswert von 66.- glatt. Der ECRI WLI gab erstmals wieder minimal nach und wurde mit 124.40 nach 125.- ermittelt, ECRI schätzt die Chancen eines wirtschaftlichen Double-Dip-Szenario´s aber "slim" und "out of the question" ein. Der Baltic Dry gab im Lauf dieser Woche weiter bis 2388 nach und schloss leicht erholt bei 2425 Punkten. Der DAX konnte die 5500er Marke in dieser daten- und ereignisreichen Woche erobern und bis zum Freitag erfolgreich behaupten.

Die 36. KW

... wurde mit neuen deutschen Arbeitsmarktdaten eröffnet. Im August ging die Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern erneut sogar leicht zurück, bundesweit war ein Anstieg der Arbeitslosenzahl von ca. 9000 und bei der Arbeitslosenrate von 0.1% zu verzeichnen. Wahrlich keine Katastrophe, schon kurz vor amtlicher Veröffentlichung dieser Zahlen begann daher das offizielle prognostische Zurückrudern vieler krisenbewusster Experten. Aber als intellektuell überlegener Katastrophobiker weiß man natürlich, dass erst direkt nach der Bundestagswahl aufgrund zuvor kollektiver Volksunternehmersolidarität spontane Massenentlassungen größten Ausmaßes bevorstehen, gefolgt vom totalen Zusammenbruch des privaten Konsums und anschließsendem Spontan-Untergang des gesamten christlichen Abendlands. Soziale Unruhen und weltweite Bürgerkriege von ungeheuerlicher Dimension leiten dann endlich die "Größte Depression aller Zeiten" ein - sofern man Gerald Celente, dem neuen Stern am internationalen Weltuntergangshimmel glauben darf. Der Mann hat schließlich über 30 Jahre lang alle wichtigen Ereignisse in der Wirtschaft und an den Märkten rechtzeitig kommen sehen und zutreffend vorhergesagt - muss aber trotzdem noch weiter Börsenbriefchen zu siebzehn Euro monatlich per Abo auch in Deutschland vertickern.

Ebenfalls überaus rücksichtsvoll hinsichtlich Angela Merkel und der bevorstehenden Bundestagswahl legten die chinesischen Einkaufsmanager den größten Anstieg der letzten sechzehn Monate vor, dazu kamen positive neue Daten zur weiter gestiegenen Produktion im Reich der Mitte. Diese Vorlage nutzten die Einkaufsmanager im deutschen "Reich der mittelfristigen Konjunkturpessimisten" zu einem neuerlich gesteigerten Einkaufsmanager-Index, der nach 45.7 Punkten im Juli bis 49.2 im August anzog. Damit führt Deutschland die laufende Erholung in der Eurozone an, wo man aber mit 48.2 für August ebenfalls die Wachstumsschwelle wieder in unmittelbare Schlagdistanz gebracht hat. Nur kurz unterbrochen von zum Monatsende etwas abgeschwächten US Chain Store Sales schlossen sich die US-Einkaufsmanager mit einem großen Satz aufwärts diesem Trend sowohl wieder an der Spitze als auch deutlich über der 50er-Wachstumsschwelle an. Der Manufactoring ISM stieg volle 4 Punkte auf 52.90 nach 48.90 im Vormonat. Im Endergebnis wurde damit sogar noch der Chicago-PMI getoppt, der schon am Vortag mit einem sensationellen Rekordsprung von 43.40 auf glatt 50 geglänzt und die Konsensprognose von 46 weit überboten hatte. "Bye bye, Recession!" lautete das eindeutige Fazit an diesem internationalen Tag des nationalen Einkaufsmanagers. Saisontypisch zeigten die Aktienmärkte aber keinerlei Euphorie, sondern teils dicke rote Minuszeichen. Auch Crude Oil notierte Spot deutlich unter 70.- USD.

Wer noch immer nicht von der Trendwende der Weltkonjunktur überzeugt ist, kriegt dafür anschließend die neuen BIP-Zahlen im zweiten Quartal der südostasiatischen Tigerstaaten übergebraten: Philippinen +7.0 nach -13.9%, Malaysia +4.8 nach -7.8%, Singapur +4.8 nach -3.2%, Taiwan +4.8 nach -2.6%, Thailand +2.3 nach -1.9% und Indonesien +2.4 nach +1.7%. Mancher wird sich hierbei an die KID-Prognose vom Oktober 2008 erinnern, nach der die Schwellenländer am schnellsten aus der Krise zurückkehren und damit viel zur allgemeinen Stabilisierung der Weltwirtschaft beitragen werden. Erstaunliches wurde im Handelsblatt auch zur tatsächlichen Realität der staatlichen Bankenrettungspraxis mit gebührenpflichtigen Garantien und teils hochverzinslichen Kapitalbeteiligungen berichtet: Die Staaten und ihre Steuerzahler verdienen daran prächtig. Die US-Investitionen in acht der zehn größten Finanzinstitute des Landes brachte dem Finanzminister bis dato eine Rendite von satten 15%. Sogar doppelt so stark profitierte die Schweiz von ihrem stattlichen staatlichen Pflichtwandler-Engagement bei der UBS - nach Umwandlung in Aktien und anschließendem Verkauf blieb unterm Strich eine realisierte Rendite von rund 30% im eidgenössischen Staatssäckel - steuerfrei, versteht sich. Selbst der Subprime-Junk in Bad Banks und ähnlichen Konstrukten findet zunehmend offenes Interesse internationaler Investoren, die hier ein zukünftig evtl. sehr lukratives Milliardengeschäft wittern. Und, wie schonmal erwähnt, wer 2009 rechtzeitig in Nachrangkapital deutscher Banken resp. deren Capital Funding Trusts investiert hat, erlebte längst sein persönliches, absolut anleihemarkt-unübliches Renditewunder.

Von den Wundern zurück zu den harten Daten. Neben erwartet positiven Zahlen zum deutschen Einzelhandel im Juli (+0.7% gegen Vormonat) standen hier als Nächstes die endgültigen US-Auftragseingänge für Juli auf dem Programm: Nicht Fisch, nicht Fleisch, lautete das Fazit - zwar gestiegen (+1.3%), aber unterhalb der Erwartungen. Der Challenger Report, ein monatlicher Bericht zu den in den USA zukünftig geplanten Stellenstreichungen, wies dagegen ein erfreuliches Minus von 13.8 nach zuvor minus 5.7% aus - das ist wegen des gegebenen Vorlaufs ein beschleunigt gutes Omen für kommende US-Arbeitsmarktzahlen. Ein gutes Omen identifizierte auch die EZB im aktuellen Konjunkturverlauf. Ohne drängenden Inflationsdruck beließ sie die Leitzinsen zwar auf Rekordtief, äußerte aber die hier schon vor Monaten angekündigte notwendige Aufwärtsrevision der bisherigen Experten-Jahresprognosen. Selbst die OECD traute sich schon, eine zumindest vorsichtige Krisen-Entwarnung auszusprechen. Aufwärts ging es auch bei den Einkaufsmanagern der US-Dienstleister, der Index kletterte zwei Punkte von 46.4 auf 48.4, wobei der Bereich "Business Activity" über und "New Orders" mit 49.9 direkt an der Wachstumsschwelle festgestellt wurden. Auffällig waren auch die stark anziehende Preiskomponente bei allen Einkaufsmanager-Indices.

Am Freitag veröffentlichte BLS die US-Arbeitsmarktdaten für August. Die Arbeitslosenrate stieg erneut leicht von 9.4 auf 9.7%, beim Nonfarm Payroll Employment hat sich der negative Trend dennoch inzwischen im positiven Sinn übers Jahr 2009 permanent zunehmend abgeschwächt, nur noch 216.000 Stellenstreichungen standen jetzt im August den 741.000 im Januar gegenüber. Der Challenger Report zeigte außerdem vorab, dass die wirtschaftliche Erholung den US-Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten mit der üblichen Verzögerung auch noch erreichen wird. Besonders auffällig nach mehrmonatiger Dümpelei auch der jüngste Anstieg bei den Stundenlöhnen (Average Hourly Earnings of Production Workers) incl. Aufwärtsrevision der Juni- und Juli-Werte - ein wenig beachteter aber sehr aussagefähiger Indikator. Der inzwischen weltweit viel beachtete ECRI WLI stieg nach kurzer Korrektur wieder von 124.4 auf 124.7 - die Wachstumsrate explodierte inzwischen ähnlich wie der KID-Oszillator, ein inzwischen eindeutiges "Überschießen" in logischer Reaktion auf den Einbruch zuvor. ECRI USFIG (US Future Inflation Gauge) kletterte inzwischen von einem 51-Jahres-Tief auf ein neues Zehn-Monats-Hoch. Der Baltic Dry trat in der ganzen Woche praktisch nur auf der Stelle und schloss mit 2414 Punkten.

Die 37. KW

... begann wieder mit dem Konjunktur-Sentix. Hier war eine überaus interessante Reaktion zu beobachten: Rückgang der Erwartungswerte in allen Weltregionen, besonders stark in den USA. Parallel lief aber ein Anstieg der Lage-Einschätzungen, kräftig besonders in Euroland. In der Summe ergaben sich erwartungsgetriebene Rückgänge bei fast allen Gesamtindices. Am stärksten fiel dieser Rückgang wiederum in USA aus, während sich allein der Euroland-Gesamtindex nochmal auf ein neues "Jahreshoch seit Lehmann-Schock" verbessern konnte. In der Summe bedeutet dies Skepsis und Zweifel trotz aller überdimensionalen Gewinne des letzten halben Jahres und trotz der sichtbaren Erholung weltweit in den weichen und harten Daten. Von der allgemein sonst üblicherweise schnell überschäumenden Euphorie keine Rede. Man könnte dies als durchaus erstaunliche "Rückkehr zur Vernunft" nach extremem Schock und anschließend großer Erleichterung bezeichnen - ein in der Realität der Märkte relativ seltenes Reaktionsmuster. Ein möglicherweise überschießendes Erwartungs-Gap entschärft sich auf diese Weise vorab selbst, denn gesunde Skepsis und Vernunft beinhalten i.d.R. kaum hohes Enttäuschungspotential für die Zukunft. Wir sehen erstaunlich klar, dass die Bäume (und Aktienmärkte) nicht sofort wieder weiter in den Himmel wachsen werden, dass Konsolidierungen notwendig sind und die Wirtschaft sich bislang zwar stetig aber nicht überschäumend euphorisch erholt. Zwar müssen erst weitere Monatsdaten abgewartet werden, bis dato zeigt sich jedoch im Fazit eine vorsichtig vernünftige Grundhaltung, die unerwartet stark stabilisierend wirken sollte, sofern sie dauerhaft bleibt. Double-Dip´s entstehen dagegen fast immer aus zu früher und zu schneller neuer Begeisterung und entsprechend verfrüht gewachsener allgemeiner Risikobereitschaft.

Vorsichtige saisonale Absicherung im September macht u.U. Sinn. Stattdessen haben wir jedoch recht hohe, teils offene Shortquoten im Aktienmarkt - da könnte ergo bald ein herbstliches Kartoffelfeuer im trauten Kreis aller verbliebenen Putverbrenner bevorstehen. In dieser Woche folgten weitere wichtige harte Daten, zuerst die deutschen Auftragseingänge für Juli: Hier war erneut ein kräftiger Anstieg von +3.5% mit hohem Anteil an Großaufträgen zu verzeichnen, jedoch diesmal zweigeteilt: Inlandsaufträge +10.3%, Ausland dagegen leicht rückläufig mit -2.3%, insgesamt aber ein überdurchschnittlicher Anstieg vor allem bei Vorleistungs- und Investitionsgütern. Das BMWi schloss daraus auf eine im dritten Quartal erstmals wieder steigende deutsche Industrieproduktion. Die harten Daten lieferten also fleißig weiter Erfreuliches, ausgewiesene Experten hatten wieder nur mit +2.0 statt +3.5% Plus gerechnet und der geglättete Zweimonatsvergleich Juni/Juli gegen April/Mai zeigt inzwischen einen stabilen Zuwachs von +7.8% im Auftragseingang. Stabil blieb auch die Industrieproduktion im Juli, zwar zeigte sich ein ferienbedingt leichter Rückgang gegen Vormonat, der aber durch Aufwärtsrevision der Juni-Zahlen voll kompensiert wurde. Von Bedeutung bei diesem nachlaufenden Indikator ist eigentlich nur, dass auch die Juli-Werte klar über dem Durchschnitt des ersten und zweiten Quartals 2009 liegen.

Anschließend kamen als nächster bedeutsamer Baustein der weltweiten Erholung die neuen deutschen Exportzahlen: Im Juli stiegen sie zum vierten Mal über Erwartung um +2.3%, die Importe stagnierten dagegen, sodass sich beim Aussenhandelssaldo zum sechsten Mal in Folge ein kräftiges Plus ergab. Die Medien sind dennoch dienstbeflissen nimmermüde darin, zu betonen, dass alle positiven harten Fundamentaldaten schließlich "nur auf niedrigem Niveau" wieder kräftig zu steigen begonnen haben - ja von wo denn bitte sonst sollte es denn wieder aufwärts gehen, nach dem zuvor ebenso kurzen wie krassen Absturz und beim weiterhin direkten Prozentvergleich mit Vorjahresrekorden? Wahrscheinlich liegt der eigentliche Grund dafür im dazu zeitgemäß hoch korrelierten niedrigen Niveau deutscher Wirtschaftsberichterstattung und Konjunkturforschung. Anders als in der realen Wirtschaft ist hier von einer V-förmigen Erholung noch nichts zu erkennen, und vor dem Erstellen neuer Zukunftsprognosen wären hier außerdem erstmal noch die zahllosen alten pessimistischen Fehlprognosen vom Jahresanfang zu korrigieren. Den Anfang machte das IfW Kiel ("Der Konjunktureinbruch ist zu Ende") mit der vorsichtigen ersten Revision von -6 auf -4.9% beim Jahres-BIP sowie der zuversichtlichen Prognose, dass die 3%-Defizitquote 2009 nun doch eingehalten werden kann. Der Handelsblatt-Barclays-Indikator stellt inzwischen fürs dritte Quartal ein weiteres Wachstum von +0.9% in Aussicht.

Der Verbraucherpreisindex für August stieg um +0.2 Punkte, der Jahr/Jahr-Vergleich ergab eine runde Null bei der deutschen Inflationsrate nach nur kurzem Abtauchen ins rein statistische Minus. Ab August 2008 hatte der Preisindex kräftig abwärts gedreht, sodass demnächst im Jahresvergleich auch bei weiterhin nur stabilen Preisen wieder mit wachsenden "realen" Teuerungsraten zu rechnen ist. Destatis verwies zudem darauf, dass zur Zeit sehr viel Bewegung bei einzelnen Warengruppen in beide Richtungen herrscht, bei der sich die jeweiligen Effekte in Summe nur gegenseitig aufheben - also keine allgemeine Preisstabilität herrscht. Top-Preisdrücker blieb in diesem Sommer weiter leichtes Heizöl. Am Donnerstag titelte das Handelsblatt überraschend "Kahlschlag bei Jobs bleibt aus", während der DAX mit hohen Umsätzen erstmals seit Anfang Oktober 2008 wieder die 5600 Punkte überwand. Die US Unemployment Claims gingen mit 550.000 unterhalb des 4-Wochen-Schnitts von 570.000 in den September. Bei der US Handelsbilanz legten die Exporte kräftig um 2.2% zu, die Importe jedoch mehr als doppelt so stark, sodass das unverändert erwartete Außenhandelsdefizit überraschend stark wuchs - die Amerikaner konsumieren also sichtlich wieder mehr.

Am Freitag schlossen ECRI und das vorläufige Verbrauchervertrauen der Uni Michigan die Laborday-Woche ab. Beim ECRI WLI gab es einen weiteren Anstieg auf 125.4, damit stehen wir V-förmig erholt praktisch fast wieder auf dem Stand von vor einem Jahr. Das US Verbrauchervertrauen erwischte Skeptiker wie Analysten, die immerhin noch mit einem Plus auf 67.50 gerechnet hatten, erneut total auf dem falschen Fuß mit einem großen Satz aufwärts, hier lautete der Mittmonatswert 70.20 nach 65.70 Punkten. Die aktuelle Lage-Einschätzung lag mit 71.80 nach 66.60 erneut über den ebenfalls kräftig gestiegenen Zukunftserwartungen von 69.20 nach 65.00 - ein negatives Enttäuschungspotential (Erwartungs-Gap) ist demnach nirgends zu erkennen. Der Baltic Dry stabilisierte sich weiter und schloss mit knapp 2500 Punkten leicht verbessert. Der Index der deutschen Großhandelsverkaufspreise stieg von Juli auf August um 0.7% von 104.80 auf 105.50. Damit liegt er fast wieder auf dem Niveau von Dezember 2008 (105.60), und ab spätestens November/Dezember 2009 wird ergo der statistische Vergleichseffekt (August noch -8.3% gegen Vorjahr) auch hier auslaufen.

Ein weiteres Schlagwort geistert im Vorwahlkampf lautstark durch die Propagandamühle: "Burden Sharing". Will sagen, böse komasaufende Spekulanten sollen weltweit sozial gerecht an den von ihnen verursachten Milliardenschäden beteiligt werden. Das klingt gut - sofern man geflissentlich davon absieht, dass das eigentliche "Burden Sharing" mit der erfolgreichen Beteiligung der Restwelt an der heimischen US-Immobilien- und Subprime-Blase längst vorher gelaufen ist, ohne dass jemand es auch nur ansatzweise gewagt hätte, hier hinterher Richtung USA das "Verursacherprinzip" zu erwähnen. Mit Blick auf Deutschland stellt man fest, dass zunächst nur Risiken und ggf. später noch mögliche Folgeschäden hochanteilig im Sektor der politisch kontrollierten Landesbanken, des KfW/IKB-Konstrukts der SPD-Ex-Finanzexpertin Matthäus-Maier und bei Steinbrück´s HRE/Depfa unter strengster Aufsicht komatöser Aufsichtsräte und tiefschlafender staatlicher Bankaufsichtsbehörde entstanden sind. Im krassen Wiederspruch zum verbalen "Burden Sharing" fand und findet hier ein realer "Burden-Squeeze-Out" der institutionellen und demnächst zu 1.30 Euro per Share auch aller privaten Investoren statt. Sodass aus HRE/Depfa neben den politisch kontrollierten Landesbanken eine weitere politisch kontrollierte, zwangsenteignete und allein staatsabhängige quasi neue "Bundesbank" ohne institutionelle oder private Beteiligung und damit nichtstaatliche Einflussmöglichkeit entstehen könnte - teure Erfüllung eines uralten politischen Traums?

Die 38. KW

... eröffnete mit dem ZEW-Index. Hier hatte der K-Sentix bereits ein kleines Warnsignal gegeben, beim ZEW folgte entsprechend nur ein marginal weiterer Anstieg von 56.1 auf 57.7 Punkte. Leicht entspannend im Sinne des Erwartungs-Gaps verbesserte die Lage-Einschätzung stetig um weitere +3.2 Punkte. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für die Eurozone kletterten um 4.7 auf 59.6 Zähler. Bei den US-Produzentenpreisen im August übertraf die Wirklichkeit die Konsenserwartungen um mehr als das Doppelte: gegenüber dem Vormonat erfolgte ein Anstieg von 1.75%, womit sich auch hier langsam die erwartete Trendwende anbahnt. Die US Weekly Chain Store Sales verharrten auf hohem Niveau. Entsprechend lieferten die US-Einzelhandelsumsätze für August die nächste Überraschung mit einem Sprung aufwärts von +2.7%, wobei der Umsatz außerhalb des Automobilbereichs mit +1.1% die stark gedämpften Erwartungen von nur +0.4% ebenfalls deutlich toppte. Reales Enttäuschungspotential gab es in Folge erneut wiederum nur bei den Putverbrennern. Weiteres Enttäuschungspotential entwickelten die US-Verbraucherpreise, sie stiegen im August mit +0.4% stärker als erwartet. Der CPI-Preisindex lag mit zuletzt 215.43 bereits wieder deutlich über dem Wert im November 2008 von 213.26, sodass ab November 2009 sehr wahrscheinlich wieder anziehende US-Inflationsraten zu erwarten sind. Irgendwelche Anzeichen von Deflation oder Hyperinflation sind bislang nirgends auszumachen.

Einen kräftigen Sprung aufwärts legte die Kapazitätsauslastung der US-Industrie hin, dabei wurden per August gleich noch alle Monate seit März 2009 mit nach oben revidiert, sodass auch hier am hinteren Ende der Konjunkturdatenkette die V-förmige Wende unübersehbar ansteht. Parallel kletterte natürlich auch die US-Industrieproduktion mit +0.8% unter Aufwärtsrevision der Vormonate kräftiger an als allgemein erwartet. Der DAX überwand am Mittwoch erstmals seit Herbst 2008 wieder 5700 Punkte, begleitet vom romantisch leisen Knistern verbrennender Puts aus der nach wie vor hohen Short-Quote. Der MDAX kratzte am 2-Jahresschnitt, den der Tec-DAX als eindeutiger Pacemaker bei rund 700 Punkten mitsamt dem ungefähr parallel dazu laufenden Haupt-Abwärtstrend bereits wieder erfolgreich überwunden hatte. Laut einer Handelsblatt-Umfrage erwarten viele Führungskräfte nun wieder ein deutliches Auftragsplus sowie einen regelrechten Exportboom in Deutschland. Weitere Wirtschaftsforschungsinstitute nahmen, wie hier seit langem prognostiziert, ihre rabenschwarzen Prognosen vom Jahresanfang deutlich zurück. Aus Minus Sechs wurde inzwischen eine Spannbreite von -4.9 bis -5.2%. Die Sechs Minus mit übler Kopfnote wegen unmöglichen Betragens und permanenten Störens im Unterricht für schnelle wirtschaftliche Erholung bleibt dennoch im Jahreszeugnis der Institute stehen.

Die Weekly Unemployment Claims gingen mit 545.000 weiter zurück. Dagegen stieg der US Housing Market Index auch im September weiter an und erreichte inzwischen wieder das Niveau von Mai 2008. Bei den Neubaubeginnen wurde ein Zuwachs von 581.000 (revidiert 589.000) auf 598.000 deutlich über den Konsensschätzungen von 580.000 gemeldet. Auch bei den erteilten Baugenehmigungen gab es einen Zuwachs von 564.000 auf 579.000, der jedoch unterhalb der Erwartungen lag. Langsam stabilisiert also sich der US-Immobilienmarkt - natürlich ohne damit (hoffentlich) bald wieder an die früheren Übertreibungen anzuschließen, die im Jahresvergleich (für manche) anscheinend immer noch "Maßstab" sind, wenns der fortgesetzten Katastrophenfindung dienlich ist. Der Index der deutschen Produzentenpreise stieg im August von 106.50 auf 107.- und zeigte damit den ersten Anstieg seit elf Monaten. Im Jahresvergleich ergab sich noch ein Rückgang von -6.9 nach -7.8 zuvor. Der dreifache Hexensabbat im DAX entpuppte sich erwartungsgemäß als Non-Event, die Differenz zwischen September-09 und März-2010-Kontrakt im DAX-Future hatte schon zuvor im Settlement lediglich drei dürftige Pünktchen betragen, dies spiegelt einerseits das Zinsniveau, andererseits aber auch die weiter eher bescheidenen mittelfristigen Zukunftserwartungen der Marktteilnehmer - mit entsprechend positivem Überraschungspotential. Der Baltic Dry zeigte sich auch in dieser Woche träge und dümpelte lustlos ungefähr um die Mitte zwischen 2400 und 2500 herum und bröckelte erst zum Wochenschluss auf 2390 Punkte ab. Das hell aufleuchtende Schlusslicht bildete wieder der ECRI Leading Index, der mit 126.20 ein neues Jahreshoch hinlegte: "No relevant Roadblocks to U.S. Economy Recovery", lautete die dazugehörige Headline.

Fazit: Der KID im September 2009

Schneller als erwartet hat der KID das prognostizierte Jahressoll erfüllt. Er steht nun nach kräftig V-förmiger Erholung unmittelbar vor dem in der Januar-Ausgabe erstmal gezeigten roten Pfeil und damit am maßgeblichen Entscheidungspunkt für die zukünftige Entwicklung von Konjunktur, Wirtschaft und Märkten. Entgegen allen Unkenrufen eines gewaltigen Chors von finsteren Propheten, Quäkern und anderen vergeblich wahrheitssuchenden Freunden des düsteren Lichts hat nicht nur die Stimmung gedreht, sondern die harten Daten haben zur rechten Zeit ebenfalls zu liefern begonnen. Der Zusatzterm "überraschend kräftig" prägte zahllose Meldungen von neuen Wirtschaftsdaten in den letzten Monaten, sodass bis dato kein extrem übertriebenes und damit gefährliches Erwartungs-Gap zu beobachten ist. Im Gegenteil, mit fortschreitender Erholung wurde selbst den Optimisten teilweise mulmig ob der angesammelten realisierten Erträge und/oder Buchgewinne - denen die ängstlichen Pessimisten mit vollen Hosen und leeren Taschen nun teils frustriert, teils neidisch, teils regelrecht wütend hinterher schauen.

Von überschäumender Euphorie ist, abgesehen von kurzfristiger Begeisterung an den Renten- und insbesondere den Hybrid- und Tier-Kapital-Märkten sowie (ausgerechnet) nach vielhundertfachem Anstieg in alten wie neuen Argentinien-Anleihen, mittel- und langfristig weder in der Wirtschaft noch insgesamt an den Märkten etwas zu spüren. Ebenfalls im Gegenteil, die Skepsis überwiegt, die Shortquoten sind hoch, die warnenden Stimmen immer noch überall dominierend. Gewinne werden mitgenommen oder (saisonal) gesichert, dennoch blieb bislang die erwartete große Korrektur aus. Die "frühen Vögel" der Erholung sind müde und satt, sie konsolidieren. Der Ölpreis pendelt seit Monaten unterhalb 75.- USD herum und baut rollend nur noch Contango ab, der CRB-Index tut es ihm gleich, der Baltic Dry hat sich die letzten Wochen kaum noch bewegt und verdaut weiter den vorher gesehenen radikalen Anstieg von knapp über 600 bis über 4000 Punkte. Selbst dem Preis für CO2-Emissionsrechte als möglichem neuen Früh-Indikator der erwarteten weiteren Wirtschaftsentwicklung ist es bislang noch nicht gelungen, den zähen Widerstand einer Anfang und Mitte des Jahres gebildeten Entscheidungszone nachhaltig zu überwinden. Er konsolidiert nach einem weiteren Anlauf grade erneut, man sollte ihn im Auge behalten. Insgesamt ist von dieser Seite noch absolut nichts Weiterführendes festzustellen als eben die Erkenntnis: Wir stehen jetzt direkt vor einem wichtigen Entscheidungspunkt.

In der KID-Grafik leicht erkennbar, treffen sich hier der obere Rand des mittelfristigen Abwärtstrendkanals (Linie C), der untere Rand der wirtschaftlichen "Normalzone" (waagrecht und rot) sowie eine weitere Linie des gemäßigten langfristig leicht abwärts gerichteten Trendkanals (B) - über deren Verlauf als reguläre "Mittellinie" man charttechnisch durchaus diskutieren könnte. Ein kurzer Blick auf den KID-Oszillator bringt keine neuen Erkenntnisse, er zeigt für die Zukunft die seit langem erwartete Konsolidierung (roter Bogen seit zwei Monaten) nach kräftigem Unterschießen und anschließendem Überschießen. Hier ist ergo keine Trendwende, sondern erstmal ein Auspendeln mit Rückkehr in die rot abgesteckte Normalzone zu erwarten. So lange der Strom weiter erholsamer und somit positiver harter Wirtschaftsdaten nicht schlagartig abreißt oder externe Ereignisse unerwartet dazwischen kommen, ist mit hoher Dramatik am Entscheidungspunkt eigentlich nicht zu rechnen. Dies und die allgemein verbreitet weiter hohe Skepsis sprechen überwiegend dafür, dass die Abwärtstrendlinie C tatsächlich im weiteren Jahresverlauf relativ problemlos überwunden werden wird und ein Wiedereintritt zurück in die Normalzone, sprich allgemeine wirtschaftliche Normalisierung gelingen kann.

Hinzugekommen ist ein sich schon länger abzeichnender neuer Trendkanal (D) in gemäßigterer Abwärtsrichtung. Sein oberer Rand bildet zusammen mit der Linie A ein weiteres Ziel für den Verlauf des Jahres 2010 (grüner Pfeil). Wohlgemerkt: noch befinden wir uns VOR dem aktuellen Entscheidungspunkt am Abwärtstrend C - dennoch scheint eine vorsichtige weitere Prognose auf Basis der momentanen Datenlage möglich. In der Form, dass uns im ungünstigen Fall zunächst doch eine Konsolidierung im rosa gefüllten feld erwartet, während wir im günstigen Fall weiter nordwärts in das grün gefüllte Feld vorankommen. Dies würde keinen umgehend gewaltigen neuen Aufschwung generieren - jedoch eine überaus erfreuliche Rückkehr in die wirtschaftliche Normalzone und damit in ein wieder leicht aufwärts gerichtetes positives BIP-Wachstum bereits 2010. Wer damit vor 6 Monaten schon ganz sicher und so schnell gerechnet hatte, steht bitte kurz auf, hebt beide Hände und klopft sich zweihändig anerkennend auf die Schultern. Das heutige Fazit lautet also, unter dem Vorbehalt einer sich wie bislang gesehen weiter fortsetzenden Entwicklung und unter Ausbleiben unkalkulierbarer externer Ereignisse, dass die Bäume auch Richtung Frühling 2010 (noch) nicht wieder in den Himmel wachsen werden - aber sie wachsen langsam wieder. Eine zwar noch etwas vage, dafür aber auch sehr frühzeitige Prognose für 2010.

Damit zu den Märkten

Trockene Schlussfolgerung: Nouriel Roubini lag mit seinen Krisen-Vorhersagen absolut goldrichtig. Wer ihm aber als Investor brav gefolgt ist, hat die gesamte bisherige Rally verpasst. Zunächst war es ja "nur eine technische Erholung", danach lediglich eine "Bearmarket-Rally", inzwischen "fehlt die Nachhaltigkeit". Irgendein Grund, den Trend zu verpennen und stattdessen bei jeder neuen Gelegenheit wieder Puts zu verbrennen, findet sich freilich immer. Gemeinerweise haben genau diese Ängste, Zweifel und die mittel- bis langfristige Skepsis über ein halbes Jahr lang die gesamte Aufwärtsbewegung stabilisiert und relativ risiko-arm ständig mitgetragen. Technisch sind die Aktienmärkte inzwischen einigermaßen "sauber": Die Indices bewegen sich seit Wochen oberhalb steigender 200-Tage-Linien, New-High´s zu New-Low´s liegen wieder im grünen Bereich, die langen Abwärtstrends der Advance-Decline-Linien wurden längst überwunden, das Umsatzverhältnis Upside/Downside ist wieder positiv und ein mittelfristiger Aufwärtstrendkanal wurde etabliert, bei dem wir uns im DAX zuletzt fast nur an seinem oberen Rand aufhielten. Die "große Korrektur" wurde nun schon über Wochen von vielen erwartet - überwiegend jedoch nicht, um mit dem eigenen Pessimismus "doch noch Recht zu bekommen", sondern als heiß ersehnte Gelegenheit, um endlich günstig selbst noch in den Trend der laufenden V-förmigen Erholung einzusteigen.

Zwar ist die saisonal "gefährliche Phase" in den Aktienmärkten noch nicht beendet, und wir stehen vor einer an Brisanz kaum noch zu überbietenden Bundestagswahl - deren Ergebnis nach dem als "großes TV-Duell" angekündigten und als "kleines TV-Duett" zelebrierten orgiastischen Wahlkampfhöhepunkt mehr oder weniger bereits festzustehen scheint. Trotzdem bieten die unzweifelhafte Erholung der Weltwirtschaft, das langsame Drehen auch der Experten und des Medien-Mainstreams und die mittel- bis langfristig noch weit verbreitete Skepsis einen relativ günstigen Boden oberhalb 5000 DAX-Punkten, der zwar eine weiterhin mögliche kräftigere Korrektur erlaubt, nicht jedoch auf eine grundsätzliche Trendwende hindeutet. Im Gegenteil, im günstigsten Fall könnte sogar bei einem vermehrten Umschwenken von bisherigen Zweiflern und Skeptikern zusammen mit einem Squeeze-Out der vielen offenen Shortpositionen und der performance-suchenden freien Liquidität sogar in absehbarer Zeit noch ein ziemlich explosiver Start in eine finale Jahresendrally bevorstehen. Im outperformten Rentenmarkt ist relativ viel Kapital in deutlich gesunkener Yield to Maturity gebunden, dazu hegt man hier bei weiter positiver Wirtschaftentwicklung bereits sehr frühe Inflations- und Zinsbefürchtungen, die im Vergleich der derzeitigen mit der durchschnittlichen Yield-Curve langfristig nicht unberechtigt scheinen. Das Überraschungspotential liegt somit weiterhin mittelfristig überwiegend auf der Positivseite.

Wobei natürlich zu hoffen bleibt, dass mit einer eher trostlosen Wahl, genau umgekehrt zum letzten Durchgang, nicht eine längere Phase von Korrekturen und anschließend lethargisch zäher Seitwärtswühlerei beginnt. Der DAX nähert sich nämlich, der Konjunktur wie üblich brav folgend, schrittweise ebenfalls einem grundsätzlichen Entscheidungspunkt, der weniger wie beim Kid einem konzentrierten Brennpunkt, sondern eher einem schweren Balken ähnelt: dem hier schon seit Monaten immer wieder erwähnten breiten Widerstandsband um 6000 Punkte, das sich im Zeitlauf nur leicht verschoben und dabei etwas verbreitert hat. Aktuell reicht es zwischen dem kräftig fallenden 2-Jahres-Schnitt bei knapp 5800 Punkten bis zum leicht steigenden 4-Jahres-Schnitt mit rund 6160 Punkten. Dazwischen befindet sich neben der psychologisch und technisch wichtigen 6000er-Marke einiges an versammelten charttechnischen Widerständen. Die relative Breite von mittlerweile 250 Punkten mildert allerdings auf natürliche Weise die Härte und Dichte dieses Bretts. Nach unten besteht gestaffelte Unterstützung im 200-Punkte-Rhythmus, die steigende 200-Tage-Linie bei z.Zt. 4800 und der untere Rand des mittelfristigen Aufwärtstrends oberhalb 4500 ansteigend Richtung 4600 bilden die unteren Ränder.

Recht ähnlich verhält es sich beim S&P500, hier liegen der 2-Jahres-Schnitt um 1115 und der 8-Jahres-Schnitt bei knapp 1160 über dem Markt, noch weiter oben wartet der 4-Jahres-Schnitt bei 1250 mitten in der Zone 1200 bis 1300 auf bessere Zeiten. Durchwachsen das Bild bei den asiatischen Indices, Chinas´s Shenzen hat zwar die Hälfte seiner zuletzt gesehenen Verluste wieder aufgeholt, der Hang Seng läuft unbeirrt weiter stabil aufwärts. Der Nikkei neigte zum Kompromiss zwischen beiden und nahm an der jüngsten Aufwärtsbewegung der Welt-Aktienmärkte lieber nicht teil, sondern pendelte nur zwischen 10.000 und 10.600 Punkten herum. Er hat seine langen Schnitte gestaffelt bei circa 11.300 und 12.300 sowie darüber bei knapp 14.000 und den altbekannten "Sargdeckel" bei derzeit 15.900 Zählern. Der russische RTX nähert sich, dem DAX ähnlich, mit gehörigem Respekt den 2000 Punkten. Somit sehen wir insgesamt eine heraufziehende "Make-It-Or-Break-It"-Großwetterlage, deren mögliches Spektrum von Korrektur über zähes Ringen bis zum möglicherweise explosiven Ausbruch alle Wünsche und Optionen offen lässt und nach langem Steigflug seit dem März-Touch-and-Go wieder Gelegenheit für Turbulenzen beim Erreichen der normalen Reiseflughöhe bietet.

Einen hoffnungsvollen Impuls steuern jedoch die weniger beachteten Indices bei: der Tec-DAX hat sich bereits erfolgreich durch sein entsprechendes "Brett" zwischen 640 und 750 Punkten aufwärts gebohrt, beim MDAX lief nach der langen Konsolidierung unter 6000 Punkten die nächste Aufwärtswelle glatt durch den 2-Jahresschnitt und zuletzt bis an die 7500er Marke. Da fehlt seit dem Jahrestief bei 4119 in der 11. KW mit grade nur noch 10% nicht mehr wirklich viel zur tatsächlichen Verdoppelung innerhalb eines guten halben Jahres in der deutschen "zweiten Reihe". Beim Tec-DAX sind es gar nur noch 25 Punkte, bis vom Intraday-Tief von 400 Zählern am 9. März bis zur fleischgewordenen Halbjahres-Verdoppelung. Trotzdem liefen die wirklich extremen Depotrenner ausnahmsweise im Rentenmarkt, von Nachrangkapital bis Argentinien wurde lasziv Tango getanzt. Dem Bund-Future droht hingegen Ungemach, wenn Wirtschaft und Aktienmärkte sich weiter erholen. Noch halten die 120.-, darunter fände sich bei 118, 117 und 116 Unterstützung. Gold begann den fünften ernsthaften Angriff auf die 1000er Marke. Make it or break it - nach oben locken im Meinungskonsens runde 30%, bei kurzfristigem Scheitern warten unten erneut 900.- und 800.- USD. Weit weniger aufregend das Gold in Euro, hier tat sich außer einem kurzen Hoppser wenig, der Löwenanteil der Gold-Bewegung ging folglich aufs Konto des Dollars. Der hätte nach Verlassen des unmittelbaren Dunstkreises seines 2-Jahresschnitts eigentlich deutlich schwächer reagieren sollen. Hat er aber nicht. Wie beim Ölpreis und einigen Rohstoffen sind hier möglicherweise robuste Interessen im Hintergrund am Werk, die größere Turbulenzen vermeiden helfen. Der Bereich zwischen 1.48 und 1.50 scheint hier interessant.

Entscheidungspunkte momentan also voraus in Sicht, wo man nur hinschaut - Sie haben die Wahl!

 

Thomas A. Spoerer
& Team

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