von Thomas A. Spörer

Aufwärts wie erwartet
Der sonnige Konjunkturfrühling setzte sich nach dem letzten KID hinter der grünen Ampel erwartungsgemäß ungebremst fort. Die nächste positive Überraschung lieferte direkt am 20.4. der ZEW-Index der Konjunktur-Erwartungen. Hier sah es zunächst eigentlich nach Konsolidierung auf die vorhergegangenen kräftigen Anstiege aus. Stattdessen schoss der Index direkt über die Null-Linie um weitere 16.5 Punkte nach oben. Er verbesserte sich von -3.5 auf +13.- Zähler und erreichte damit nach 22 Monaten wieder das Terrain von Sommer 2007. Damit ist er zum sechsten Mal in Folge gestiegen und befindet sich nur noch wenig von seinem langfristigen Mittelwert um +26.- Punkte entfernt: die hier frühzeitig angekündigte Rückkehr zur Normalität. Das Handelsblatt fragte so erschrocken wie verspätet: "Ist die Talsohle erreicht?"
Einige Tage darauf folgte der ifo-Index mit dem unvermeidlichen wie unübersehbaren Turnaround. Die Erwartungskomponente stieg zum vierten Mal in Folge, diesmal von 81.6 auf 83.9 Punkte. Erstmals seit einem halben Jahr verbesserte sich auch die Einschätzung der aktuellen Lage. Der textliche Kommentar dazu ist lesenswert (www.cesifo-group.de), denn er strotzt weiter von grammatischem Pessimismus, in Form eindeutig nicht positiver, sondern dafür verneint negativer Formulierungen: Statt "erstmals leicht verbessert" heißt es "kaum weniger ungünstig", statt einfach "optimistischer" im gleichen Satz "erneut spürbar weniger pessimistisch". Lesen Sie den Kommentar einfach selbst, ein lebendiges Schwarz-Weiß-Dokument real existierender depressiv-fatalistischer "Malaise Allemand".
Bei dieser Gelegenheit kurze Antwort auf die Zwischenfrage "Was unterscheidet den ifo-Index heute vom ifo-Index im März 2008?". Antwort: ein neutrales bzw. mit +0.2 inzwischen leicht positives Erwartungs-Gap zwischen Geschäftsklima und Zukunftserwartung heute im Vergleich zu einem stark negativen von -6.40 im März des vergangenen Jahres. Das negative Maximum lag hier schon im Oktober 2008 mit einem Wert von -8.60 Punkten. Setzt sich diese hoffnungsvolle Entwicklung in Zukunft weiter fort, wird auch Herr Sinn in zwei bis vier Monaten nicht mehr umhin können, überraschend "grünes Licht" zu verkünden. Selbst der zuletzt arg gebeutelte deutsche Maschinenbau zeigte deutlich mehr Mut zur möglichen Wende, der VDMA erwartet bereits ab Jahresmitte 2009 eine Verbesserung bei den Auftragseingängen.
Weiter erfreulich hielt sich die Stimmung der deutschen Verbraucher, der GfK-Index verharrte für Mai stabil bei 2.5 nach 2.5 Punkten im April. Der mediale Mainstream konnte es dennoch erneut nicht lassen, obligatorisch aus "stabil" ein pessimistisch verwundertes "noch stabil" zu machen und dazu die schon seit Monaten laufende Leier von den später noch aufmarschierenden Millionenheeren an Arbeitslosen erneut herunterzubeten. Parallel zum deutschen Konsum verhielten sich auch die amerikanischen Chain Store Sales über den April stabil erholt und bewegten sich entgegen aller Unkenrufe ungefähr auf Vorjahres-Level. Die Baltic-Frachtraten-Indices setzten ihre Konsolidierung nach der kräftigen Erholung fort, von nach dem Tiefpunkt bei 600 zuvor erreichten 2300 Punkten ging es zunächst südwärts bis unter 1500, anschließend wieder bis knapp 1870 herauf, der Monatschluss April lag um 1800 Punkte. Die stark volatile Entwicklung sollte man aufmerksam weiter verfolgen.
Den nächsten Sonnenstrahl knallte das US-Verbrauchervertrauen des TCB zum Monatsende mitten ins düstere Bild der grauen Pessimisten: Er schoss, optisch dem KID-Oszillator folgend, von revidiert 26.90 gleich bis auf 39.20 Zähler in luftige Höhen - also wenn das kein Frühlingserwachen ist! Einen größeren Monats-Anstieg beim TCB-Verbrauchervertrauen gab es in den USA zuletzt im November 2005. Noch etwas zaghaft auf den ersten Blick entwickelten sich die US-Auftragseingänge für den März. Zwar war die Erwartung im Konsens noch deutlich negativer gewesen, auf den zweiten Blick ergab sich der leichte Rückgang insgesamt auch nur aus einem kräftigen Einbruch im Defense-Sektor, die Rüstungsaufträge fielen um -14.4%, während der zivile Nondefense-Bereich weiter leicht zulegen konnte. Stimmung zieht Realwirtschaft. Gelegenheit, eine Frage aus dem markt-daten-Blog zu beantworten: Der TCB Leading Indicator läuft zwar "optisch zeitnah" im Langfrist-Chart, wird aber jeden Monat rückwirkend erst mit dem errechneten Vormonatswert publiziert, ist also, ähnlich OECD, unter den frühen Vögeln der Konjunkturprognostik eigentlich ein eher etwas spätes Mädchen. ECRI WLI schlägt ihn wöchentlich um Längen.
Als echtes "Lowlight" erwies sich das Non-Event des "Grossen deutschen Konjunkturgipfels" mitten im tiefen Tal der Superprognostiker. "Düstere Prognosen, ratloser Gipfel": Minus sechs Prozent Wachstum 2009 sind inzwischen heiliger Konsens aller ängstlich rückwärtsgerichteten Theoretiker - völlig losgelöst davon, was in der Praxis inzwischen geschieht. Der IWF bescheinigte schön dazu passend sogar "Depressionsgefahr", die in den (meinungs)führenden Köpfen längst akute Realität ist. Dafür blieb leider inzwischen keine Spur mehr vom löblichen Vorsatz, wegen erwiesener Unfähigkeit doch wenigstens eine Weile ganz die Klappe zu halten, wie es vom DIW zu Jahresanfang vorgeschlagen wurde um weitere Schäden durch neuerlich krasse Fehlprognosen zu vermeiden. Aber wer nach dem oberen Wendepunkt die deutsche Wirtschaft mit stur hochgehaltener grüner Ampel ohne jede Vorwarnung in die Katastrophe geschickt hat, hat schließlich auch das Recht und dazu die heilige Pflicht, die Wende zurück zur Normalität, möglicherweise sogar eine resultierende Chance auf Beginn eines neuen Aufschwungs mit der erneut nur stur trendfortschreibend hochgehaltenen tiefroten Ampel zu verzögern oder ganz zunichte zu machen. Kurzes Fazit als Schulnote: "Setzen! Sechs Minus! Dazu Eintrag ins Klassenbuch wegen fortwährender Störung des zyklisch orientierten, realwirtschaftlichen Anschauungsunterrichts!"
Mit Spannung erwartet folgte als Nächstes die erste Schätzung zum US-BIP im Eröffnungsquartal 2009. Mit real -2.62 gegen Vorjahresquartal und -1.57 gegen Vorquartal nun wahrlich absolut keine Riesenkatastrophe. Selbst die amerikanische "Seasonal Adjusted Annual Rate" verbesserte sich dabei noch leicht von -6.3 auf -6.1. Auffällig vor allem der Abbau von Lagerbeständen, der aber nun mal keine grenzenlos verfügbaren Reserven bietet, wenn nicht früher oder später entsprechend kräftig nachbestellt und nachproduziert wird. Passiert das nicht umgehend, droht tatsächlich noch eine von Pessimisten herbeigeredete echte Versorgungskrise. Denn der private Konsum in den USA wuchs im ersten Quartal um beachtliche 2.2%, er trägt rund 70% des amerikanischen Brutto-Inlandsprodukts. Als überaus tragfähig erwies sich auch die verlängerte deutsche Regelung zur Kurzarbeit. Die vorhergesagte Katastrophe am deutschen Arbeitsmarkt blieb auch im April 2009 aus. Zwar hat der Abschwung den positiven Effekt der saisonalen Frühjahrsbelebung in diesem Jahr überwiegend geschluckt - mehr aber auch nicht.
Der 1. Mai brachte in Deutschland die traditionellen Krawalle, in den USA dagegen sofort den ersten "Knaller des Monats": Der Index der nationalen Einkaufsmanager sprang mit Schwung auf den höchsten Stand seit September 2008, trug damit dem zügigen Abbau der Lagerbestände wie erwartet Rechnung und leitete mit einem kräftigen Anstieg auf 40.10 nach 36.30 Punkten die breite Wende zurück in Richtung Normalität ein - denn bis auf die Lagerbestände trugen sämtliche Einzelkomponenten mit teils dicken Pluszeichen zum plötzlichen Wieder-Aufschwung bei. Dem ersten folgte umgehend der zweite Knaller des Monats: Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan explodierte gegen alle Erwartungen von 57.20 im März auf 65.10 zum Monatsschluss April, nachdem schon der Mittmonatswert sich zuvor stark verbessert hatte. Das ist ohne Zweifel die hier frühzeitig angekündigte Stimmungswende, als logisch vorhersehbare Reaktion und Rückkehr zur Normalität nach dem vorausgegangenen Schock.
Der Monatswechsel führte außerdem, von vielen beim Tanz in den Mai gänzlich unbemerkt, zu einem plötzlich emotional krassen Missklang in den transatlantischen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika. Der nur noch blamabel peinlichen "Elite" der etablierten deutschen "Konjunkturforscher" war es mit kollektiv destruktiver Zähigkeit endlich doch gelungen, nun auch die amtliche Prognose der Bundesregierung von noch halbwegs vorsichtig realistischen -2.25% Gesamtjahres-Wachstum 2009 auf die geliebte "Sechs-Minus" einzuschwören - gegen heftigen Widerstand einer längst sichtbaren allgemeinen Stimmungswende, gegen die nun langsam einsetzende Erholung in den harten Wirtschaftsdaten sowie gegen einen sich heftig gegen noch weitere Vertrauenszerstörung sträubenden Wirtschaftsminister zu Guttenberg, der inmitten der tiefschwarzmalenden "Expertenriege" einsam Mut und Realismus einforderte. Eins scheint damit inzwischen fast sicher: in Deutschland wird spätestens zum Jahresende 2009 der Bedarf an grauen akademischen Eselsmützen und dicken grünen Prognose-Korrekturstiften wieder deutlich anziehen.
Denn ausgerechnet in diesem historischen Moment kündigten die USA auch ganz "amtlich" den internationalen Schulterschluss mit den deutschen Horrorprognostikern. FOMC, der Offenmarktausschuss der FED, hatte zuvor bereits erstmals offen von einem "moderat optimistischen Ausblick" aufgrund deutlich nachlassender Abwärtsdynamik gesprochen. Danach vermehrten sich schlagartig die vorsichtig optimistischen Kommentare und Stellungnahmen zur möglichen weiteren Konjunkturentwicklung. Federführend dabei einmal mehr das ECRI-Institut, das, im Gegensatz zur verschlafenen deutschen Drittklassigkeit, sämtliche letzten vier Rezessionen treffsicher und jedes Mal auch frühzeitig genug vorausgesagt hatte.
"End to U.S. Recession Now in Clear Sight" bzw. "U.S. Recession Likely Over by End of Summer" titelten die entsprechenden, in vielen US-Medien sofort heftig diskutierten Schlagzeilen, die zeitlich fast entlarvend parallel zur Sechs-Prozent-Bankrotterklärung der deutschen Konjunkturprognostik erschienen, nachdem der ECRI Leading Indicator weiter auf ein Sechs-Monats-Hoch bei der annualisierten Jahreswachstumsrate geklettert war. "The Giant Error of Pessimism is now rampant. This is why many will be blind to the Light at the End of the Tunnel that marks the Exit from this Recession!", lautete das Fazit der aktuellen Analyse. Der April entwickelte sich zudem in den US-Aktienidices zum besten Monat seit vollen neuen Jahren. Eindrucksvoller läßt sich eigentlich kaum noch bestätigen, dass die Risiken stets vor, die Chancen aber bereits mitten in einer Krise liegen - was hier beim KID bereits vor Monaten zu lesen war. Selbst die US-Bauausgaben stiegen erstmals seit Monaten wieder an und signalisierten damit mindestens eine Stabilisierung des amerikanischen Immobiliensektors.
Der Mai begann entsprechend prall sonnig, als Nächstes folgten die europäischen Einkaufsmanager erwartungsgemäß ihren US-Kollegen. Der Index für die Eurozone stieg beim verarbeitenden Gewerbe von 33.90 auf 36.80 Punkte und damit auf ein Sechs-Monats-Hoch. Der deutsche Index verzeichnete mit +3 Punkten den kräftigsten Einzelanstieg seit sieben Jahren. Die Wende ist auch hier gelungen, wenn auch etwas weniger dynamisch als in den USA. Ein ganz ähnliches Bild lieferte der Konjunktur-Sentix. Der Euroland-Gesamtindex legte hier einen weiteren Punkt zu, bei schwächerer Lage-Einschätzung und erneut verbesserten Zukunftserwartungen. Weitaus optimistischer präsentierten sich jedoch die internationalen und US-amerikanischen Ergebnisse, der globale Index stieg um satte 3.9 Punkte. Dass hier Lage und Erwartung parallel zulegten, spricht für eine gut mögliche Verbesserung der weltwirtschaftlichen Situation bereits in der zweiten Jahreshälfte 2009 und nicht erst später im Verlauf 2010. Es demonstriert aber auch das erfolgreich bremsende Wirken des speziell westeuropäischen Schwarzmalens, Zweifelns und Jammerns auf hohem Niveau mitten auf der "Insel der Seeligen" bei einem Großteil unserer vielbeachteten "Meinungsbildner".
Ihnen verblieb als letzter Halt im aktuell fast durchweg positiven Datenkranz lediglich ein leichter Rückgang von real -1.5% im März beim deutschen Einzelhandelsumsatz. Am 5. Mai folgte nach dem verarbeitenden Gewerbe der ISM-Einkaufsmanagerindex der US-Dienstleister. Wie schon zuvor bei den Industrie-Daten war auch hier ein kräftiger Zuwachs von 40.80 auf 43.70 zu verzeichnen. Noch einen Tuck höher landeten die Zahlen der deutschen und europäischen Einkaufsmanager im Dienstleistungssektor, mit jeweils 43.80 nach 42.30 bzw nach 40.90 Punkten. Damit rückt beiderseits des Atlantiks nun sogar die magische 50%-Marke wieder ins erweiterte Blickfeld. Reuters Deutschland sah jedoch, zusätzlich angeregt vom IW Köln, die Hoffnung auf eine baldige Konjunkturwende stattdessen schwinden - warum, bleibt Geheimnis von Reuters. Selbst die EU-Kommission konnte sich nach den Einkaufsmanagerzahlen durchringen, ein Ende der Rezession für Mitte 2010 vorauszusagen - Deutschland sei hier aber der schwergewichtigste Bremser. Wen wunderts.
Am Donnerstag folgte direkt der nächste Mai-Knaller, die Auftragseingänge schlugen aus - und zwar kräftig nach oben. Mit plus 3.3% im März insgesamt gegenüber aufwärtsrevidiertem Februar und, begünstigt durch Großaufträge, plus 5.6% aus dem Ausland bzw. sogar plus 6.1% aus der Eurozone. Stimmung zieht Realwirtschaft, somit endete eine monatelang andauernde Abwärtstrend-Serie. Die Volumenindex-Originalwerte im Vergleich: Inland 89.8 nach 79.4, Ausland 84.1 nach 70.8, Gesamt 88.8 nach 77.6, alles wohlgemerkt erst für März nach Februar. Volkswirte hatten stattdessen mit einem weiteren Rückgang gerechnet und lagen damit erneut richtig schön falsch. Ölpreis und CRB-Index sowie Industrie-Rohstoffe und -Metalle hatten dies aber bereits vorher angedeutet. WTI beendete den wochenlangen Seitwärtstrend und machte sich Anfang Mai erstmals wieder Richtung 60.- USD auf den Weg, etliche Industriemetalle durchliefen, ungefähr grob parallel mit dem DAX, über Monate einen breiten Rounding Bottom. Der Baltic Dry zog wieder auf knapp 2200 Punkte an. Nur fürs Protokoll: Die EZB-Zinssenkung am unteren Wendepunkt kam wie gewohnt ebenso zu spät wie seinerzeit noch im Juli 2008(!) die letzte absolut kontraproduktive EZB-Zinserhöhung weit nach dem oberen Wendepunkt mitten in der dritten Abwärtswelle.
Auf niedrigem Niveau stabil zeigte sich zum Wochenschluss der deutsche Export, die März-Zahlen verbesserten sich wieder leicht, sodass auch hier mindestens eine erste Bodenbildung realisiert wurde. Der Aussenhandelssaldo stagnierte auf Vormonatswert, da die Importe parallel ebenfalls leicht zulegen konnten. Der ECRI Weekly Leading Indicator startete schwungvoll aufwärts in den Mai, mit 109.30 nach 107.70 Punkten. Selbst ECRI USFIG (U.S. Future Inflation Gauge), ein zuverlässiger Frühindikator der kommenden Inflationsrate in Form einer Maßzahl für den jeweils aktuellen Inflationsdruck ("Gauge" = Druckmesser bzw. Manometer), drehte nach dem Allzeittief im März erstmals wieder nach oben. Die US-Arbeitslosenrate stieg leicht weiter von 8.54 auf 8.87%, dabei war jedoch eine kräftige Abschwächung des negativen Trends beim Nonfarm Payroll Employment zu beobachten. Auch der erste Mai-Wochenwert bei den Erstanträgen auf Arbeitslosen-Unterstützung lag wieder deutlich unter den teils dramatischen Zahlen der Wochen von Januar bis April 2009, der 4-Wochen-Schnitt als Trendanzeiger der "Initial Unemployment Claims" beim U.S. Department of Labor sinkt schon seit einem Monat erfreulich.
Die letzte Woche stand in Richtung Monatsmitte ganz im Zeichen des Wartens auf die deutschen BIP-Zahlen als Schnellschätzung zum "Ersten Allgemeinen Verunsicherungs-, Angst- und Schreckens-Quartal 2009", außerdem lag ein Schwerpunkt auf den April-Preisdaten. Den Anfang machten die deutschen Verbraucherpreise. Der Index stagnierte auf Vormonatsniveau, gegenüber Vorjahr ergab sich erstmals wieder ein prozentualer Anstieg von +0.7 nach +0.5 im Vormonat. Zum ersten Mal seit Juli 2008 war auch ein minimaler Zuwachs beim Index der Großhandelsverkaufspreise zu beobachten, die im Jahresvergleich mit -8.1% zwar gegenüber den Top-Preisen 2008 noch konsumentenfreundlich wirken - aber der "deflationäre Trend" scheint beendet, bevor er, siehe z.B. im (nicht-prozentualen) Chart der Preisindices, überhaupt wirklich begonnen hat. Am 12. Mai überschritt WTI Rohöl im laufenden Juni-Kontrakt erstmals wieder die 60.- USD. Der Index der US-Produzentenpreise stagnierte auf dem Niveau der Vormonate. Er profitiert optisch nach wie vor von den Tops des Vorjahres, der Jahr/Jahr-Vergleich zog dabei erstmals seit September 2008 aber wieder leicht von -3.6% auf -3.5% an. Bei den Konsumentenpreisen ein ähnliches Bild, der Preisindex selbst stagniert seit sechs Monaten zwischen 213.25 und 211.50, zuletzt 212.671, die Inflationsrate dümpelt um Null, zuletzt -0.62%, und von Deflation erkennbar keine Spur.
Einen kurzen Schauer, ähnlich wie zuvor in Deutschland, verursachten die US-Einzelhandelsumsätze, die im April bei unveränderter Erwartung um 0.4% nachgaben. Ursächlich dafür waren jedoch zu mehr als einem Drittel allein die gesunkenen Benzinpreise. Optisch negativ wirkte außerdem, dass in der Revision der Daten seit 2002 ab dem Jahr 2006 eine überaus deutliche Abwärtskorrektur zu den vorher unrevidierten Werten festzustellen war. Sie aktuellen wöchentlichen Chain Store Sales zusammen mit den deutlich verbesserten Werten beim Verbrauchervertrauen zeigen aber hier, dass bald mit einer generellen Trendumkehr zu rechnen ist. Auch der gestiegene Ölpreis wird sich zeitverzögert natürlich auf den zukünftigen Benzinpreis und damit auf die kommenden EH-Umsatzzahlen auswirken. Dem Baltic Dry gelang zum Ende des Berichtszeitraums erstmals nach Konsolidierung der Ausbruch nach oben über die Tops vom Februar 2009, er notierte am Freitag bei 2.432 Punkten.
Der Handelsblatt-Barclays-Indikator hatte zu Wochenbeginn das erste Quartal 2009 mit -3.3% prognostiziert und für das zweite erstmals nach vier Quartalen Abschwung wieder ein erstes minimales Wachstum von +0.1% gegen Vorquartal vorhergesagt, womit der "Sturzflug der deutschen Wirtschaft gestoppt scheint". Nicht schlecht getroffen, das deutsche Anfangsquartal 2009 wurde in der ersten Schätzung mit minus 3.8% gegenüber Vorquartal veröffentlicht. Gegen das Vorjahresquartal ergibt sich daraus ein Rückgang von -6.92% für das Angst- und Schreckensquartal 1/2009 - die im Mai 2008 erstmals angekündigte und per August 2008 konsequent nach unten fortgesetzte "Dritte Abwärtswelle". Das klingt auf den ersten Blick überaus dramatisch, in jeweiligen Preisen lag die deutsche Wirtschaftsleistung mit 591 Mia Euro auf den zweiten Blick jedoch fast exakt auf dem Niveau des Boom-Quartals 4/2006. Auffällig ist der gewaltige Unterschied zu den USA im ersten Quartal: -6.92 zu -2.62% bei gleicher Berechnungsweise, obwohl es in Deutschland keinerlei nennenswerte Immobilienblase oder gar Subprime-Hypothekenkredite gegeben hat. Es macht anscheinend doch einen Unterschied, auf welcher Seite vom Zaun man sich hinsichtlich Betrügern und Betrogenen jeweils befindet.
Geht man für den Rest dieses Jahres von absoluter "Null-Dynamik" beim Wirtschaftswachstum aus, also vom Szenario einer "endlos breiten Talsohle", so lässt sich daraus ein theoretischer Gesamtjahreswert von -5.78% für 2009 errechnen - selbst der läge noch etwas besser als die Sechs-Minus-Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute. Preist man die unübersehbare Wende mit Chance auf Fortsetzung im Jahresverlauf ein, fällt das Ergebnis in jedem Fall deutlich viel besser aus als "Sechs Minus" und sollte sich mehr oder weniger stark eher der eben erst gekippten ehemaligen Prognose der Bundesregierung von -2.25% in der Richtung annähern. Die erfreulichen Schlusspunkte des Berichtsmonats lieferten das US-Verbrauchervertrauen der Universität Michigan, mit einem (Mittmonats-)Anstieg auf 67.90 nach 65.10 im Vormonat, sowie der wöchentliche ECRI Leading Index, der sich erneut weiter kräftig von 109.30 auf 111.- verbessern konnte. "Crystal Clear Recovery Signs" lautete der Kommentar auf Bloomberg. Zuvor hatten in der Eurozone die Stimmungswerte bei Industrie und Verbrauchern erstmals nach Monaten wieder nach oben gedreht.
Im Fazit nochmal zur Verdeutlichung: Es handelt sich bei der obigen chronologischen Aufzählung um reale Wirtschaftsdaten des Berichtszeitraums, nicht um "vor Optimismus strotzende" subjektive Wahrnehmungen oder persönliche Meinungsäußerungen. Die frühzeitig angekündigte "Rückkehr zur Normalität nach der Krise" hat sich mit Stimmungswende und anschließendem Durchschreiten des unteren konjunkturellen Wendepunkts mehr als eindrucksvoll bestätigt. Die ausgerechnet genau zu diesem Zeitpunkt veröffentlichten, blindwütig trendfortschreibenden Sechs-Minus-Prognosen der "Experten" für das Gesamtjahr sind bereits jetzt schon nur noch Makulatur. Eine minimale Chance auf die für viele momentan noch völlig unvorstellbare "rote Null vor dem Komma" oder auf die ehemalige Prognose der Bundesregierung zum Jahresende 2009 besteht nun zumindest theoretisch. Wie weit und wie kraftvoll die jetzt begonnene Erholung tatsächlich tragen wird, hängt u.a. maßgeblich davon ab, mit wie viel Mut und Realismus die deutsche Volkswirtschaft jetzt das laufende Jahr weiter in Angriff nimmt.
Jeder neue Aufschwung beginnt zunächst unscheinbar winzig mit einem zyklischen unteren Wendepunkt. Was daraus wird, liegt neben dem allgemeinen Weltgeschehen überwiegend an den Konsumenten, Unternehmen, Investoren und ihrer psychologischen Grundeinstellung zur näheren Zukunft. Hier hat Deutschland in der Krise gegen alle Unkenrufe robuste Substanz gezeigt, ganz im Gegensatz zum panischen Gejammer im Mainstream der Experten und medialen Meinungsmacher, das bislang nichts Nennenswertes zur Krisenbewältigung beigetragen hat - ganz im Gegenteil. Anläßlich des Jubiläums "60 Jahre Bundesrepublik" geistert vermehrt ein Vergleich durch die Medien, die aktuelle Situation in der Krise gleiche der Lage in Deutschland direkt nach dem Krieg. Freilich, alle großen und mittleren deutschen Städte liegen unbewohnbar in Trümmern, Industrie und Infrastruktur sind großflächig zerstört, Nahrungsmittel und Heizmaterial sind so knapp dass viele verhungern oder erfrieren, Millionen Obdachlose und Flüchtlinge irren umher, viele Männer sind entweder tot, vermisst oder in Gefangenschaft. Wie weich in der Birne muss man eigentlich sein, um allen Ernstes derartige historische Vergleiche zu ziehen?
Die diesmal absichtlich ausführliche Dokumentation der (überaus positiven) aktuellen Wirtschaftsdaten schreibt natürlich auch die im KID begonnene Erholung nach der grünen Ampel kräftig fort. Das Signal selbst sowie seine sehr frühzeitige Ankündigung in den letzten KID-Ausgaben wurden damit eindrucksvoll bestätigt. "Zurück zur Normalität" nach der Krise ist zwar noch ein längerer Weg, aber der Anfang ist erfolgreich gemacht. Selbst die charttechnische "Auffangzone" der Shadow-Trends hat sich im Prinzip bewährt. Charttechnik ist auf einen möglichst stark geglätteten Kursverlauf ohne extreme Spitzen zwar nur begrenzt anwendbar - doch sie funktioniert. Nächste Hürde ist die 50%-Linie des Abwärtstrendkanals (grüner Pfeil), oben wartet weiter hoffnungsvoll die "Rückkehr zur Normalität" (roter Pfeil). Der KID-Oszillator, der erstmals schon im November 2008 ein "Hoffnungshäkchen" für dieses Frühjahr angezeigt hatte, ist fast beängstigend schwungvoll zurück in den Normalbereich geschossen und zeigt nach dem steilsten Absturz seiner Geschichte nun die dazu passend steilste Erholung in Richtung Jahresende 2009. Man sollte dabei aber bedenken, dass es sich um einen vorlaufenden Oszillator handelt, der manchmal auch zum "Überschießen" (in beide Richtungen) neigen kann. Trotzdem ist die realistische Chance auf eine wirkliche Erholung der deutschen Wirtschaft noch in diesem Jahr nun nicht mehr wegzuleugnen.
Ähnliches gilt für die Aktienmärkte. Der DAX legte vom Tief über 30 Prozent zu, der MDAX mit über 45 und der TecDax mit über 50% Plus sogar noch deutlich mehr. Für etliche Börsen-Indices war der April 2009 der beste Monat seit fast einem Jahrzehnt. Der Rentenmarkt gab nach zwei Tops im Bund-Future um jeweils 126.50 im Januar und März zuletzt bis fast 120.- nach. Wer also mit den Zeichen der Zeit und antizyklisch gegen den Meinungs-Mainstream investierte, kann dem Rest des Jahres schon jetzt eher gelassen entgegen sehen. Die überwiegende Mehrheit dagegen hat zunehmend ein Problem. Viele Aktien haben seit Tief schon 100 Prozent und mehr zugelegt, mancher schreitet bereits zu Gewinnmitnahmen oder beobachtet wenigstens sorgfältig den laufenden Aufwärtstrendkanal - wer aber mit dem Mainstream skeptisch abwartete, steht direkt wieder vor erneuter Skepsis mit der Frage "Etwa jetzt noch einsteigen?". Mehrfach wiederholtes KID-Zitat der letzten Monate: Risiko ist oben, die Chancen liegen (bzw. lagen) unten.
Bereits im KID-Text des letzten Monats wurde eine Konsolidierung mit Erreichen der fallenden 200-Tage-Linien bei den meisten Aktienindices angekündigt. Zumal hier einiges an Widerstand zusammenkommt. Beim DAX bildet die psychologische 5000er Marke mit dem 200-Tage- bei jetzt ca. 4860 und dem 8-Jahres-Schnitt bei 5035 Punkten zusammen mit der 75%-Linie des mittelfristigen Abwärtstrendkanals und den darüber liegenden Horizontalwiderständen einen kräftigen Riegel, der erstmal geknackt werden will. Es war abzusehen, dass die geringe Zahl aktiv engagierter Investoren dies nicht im ersten Anlauf schaffen wird. Außerdem hat die Abschaffung der Spekulationsfrist dafür gesorgt, dass in Zukunft viel mehr aktive, kurzfristig orientierte Anleger viel schneller Gewinne mitnehmen, da das steuerlich ohnehin egal ist. Wir stehen damit aktuell einer kuriosen Situation gegenüber: Die Schnellen steigen bereits zum Teil wieder aus, während die eher Langsamen noch garnicht drin sind. Nach unten bestehen im 200-Punkte-Takt Unterstützungen bis zum 20-Jahres-Schnitt bei 4050, die kurzfristig noch durch ehemalige Abwärtstrendlinien verstärkt werden, auf denen sich ein Pullback anbietet. Die Zone 4800 bis 5200 Punkten mit 200-Tage- und 8-Jahres-Schnitt in der Mitte wird mittelfristig zur Wetterscheide für die weitere Aktienmarktentwicklung. Weit oben warten bei ca. 6250 bzw 6150 Punkten der gleitende 2- und der 4-Jahres-Schnitt auf ein versöhnliches Jahresende, wie es grade in Rezessionsjahren schon ebenso häufig wie unerwartet zu sehen war.
Beim S&P500 wurde wie vorhergesagt der inzwischen bei rund 925 Punkten aktuell als sehr "harte Nuss" direkt zusammen liegende "entscheidende Widerstand" aus 20-Jahres- und 200-Tages-Schnitt erreicht. Hier stellt sich, charttechnisch noch stärker als beim DAX, die entscheidende Frage der grundsätzlichen Zukunftserwartungen einer großen Zahl von Anlegern Richtung Hausse oder Baisse. Möglicherweise ist beim S&P500 noch am ehesten und deutlichsten eine ausgedehnte klassische Kopf-Schulter-Formation erforderlich, um das Terrain oberhalb des 20-Jahres-Schnitts zurück zu erobern. Nur falls dies gelingt, wäre weiteres Potential bis grob gerechnet 1200 Punkten erschlossen. Etwas leichter hat es der Nikkei in seiner momentanen Seitwärts-Range zwischen 7.000 und 10.000 Punkten, hier wartet erst bei 12.500 ein Kreuzwiderstand aus zwei langen Schnitten auf einen möglichen Test in der Zukunft.
Euro/Dollar bewegt sich nach wie vor mit abnehmenden Schwüngen in einem breiten Dreieck, das wie momentan so vieles, auch von der 200-Tage-Linie mit dominiert wird. Gold macht nach dem Hype von November bis Februar mehr oder weniger verdient Sommerpause bei seit Jahresanfang seitwärts laufender 200-Tage-Linie, bei den Renten ist mit Erreichen der 120.- im Bund-Future wohl zunächst die Fantasie nach unten heraus, Konjunktureuphorie und Inflationsängste scheinen noch nirgends wirklich in Sicht, weitere Konsolidierung bei den Aktien würde den Rentenmarkt eher stabilisieren. Insgesamt ist damit die anregende Spannung eigentlich schon ziemlich aus den Märkten gewichen, zumindest bis neue grundsätzliche Richtungsentscheidungen sich ankündigen oder ggf. sogar plötzlich fallen. Bleibt also Zeit, sich vermehrt intensiv mit dem verbliebenen Winter-, ggf. auch Krisenkummerspeck zu beschäftigen, denn ab Sommeranfang wird es für eventuelle Rettungsringe garantiert keine zusätzlichen staatlichen Rettungsschirme mehr geben. Und wer hätte dann schon Lust, möglicherweise noch belastet von einem Konjunkturpaket der dritten Art, freiwillig auf einer Bad Bank ganz hinten im Stadtpark allein auf bessere Zeiten zu warten ...
Thomas A. Spoerer
& Team