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KID Konjunktur-Indikator-Deutschland

Quo vadis, Konjunktur und Märkte im Januar 2009?

von Thomas A. Spörer

KID Januar 2009

Chart grösser

2009 - Jahr der Wende(n)

Die Überschrift deutet den möglichen Plural bereits an.
Das "Große Bild" besteht diesmal (leider und noch) aus einer Vielzahl kleiner Einzelfacetten, aus der nur mit etwas Mühe eine klare zukünftige Tendenz abzulesen ist. Der KID startet mit deutlichen Hoffnungszeichen ins Neue Jahr, aber ein echtes Wendesignal ist heute noch nicht zu erkennen - allerdings zahlreiche Ansätze dazu. Die nächste Wende kommt mit Sicherheit, in Form einer möglicherweise kräftigen Stimmungserholung. Wie weit und dauerhaft sie trägt, wird aber erst später festzustellen sein. Die "plötzliche Krise" war ein heftiger Schock, um so heftiger, je mehr der Einzelne vorher die sich verdichtenden Warnsignale übersehen oder verdrängt hat. Daraus resultierend folgt gesetzmäßig fast immer zunächst ein "Pullback" zurück an den (unteren) "Rand der Normalität". Erst hier wird sich dann die langfristig weitere Grundrichtung entscheiden: Entweder Fortsetzung der laufenden positiven Bewegung zur endgültigen Wende - oder eine erneute "Echo-Welle" der Krise. Wer zu den langjährigen KID-Lesern gehört, mag sich vielleicht noch an die "Schockwellen des 11. September 2001" erinnern, die den zyklischen Verlauf der Wirtschaftsentwicklung über die Folgejahre nachhaltig und sichtbar verändert bzw. gestört haben. Prof. van Suntum prägte hierfür den trefflichen Begriff der "Wellblech-Konjunktur". Sie ist u.a. ursächlich für das letztendliche Versagen der traditionellen Prognose-Modelle: Permanent kurze Zwischen-Schwankungen führen jedes prinzipiell trendfolgende System mehr oder weniger schnell in ein Chaos aus Richtungswechseln, Fehlprognosen und folgenden Korrekturen. Inwieweit zwischen dem 11. September, der nachfolgend blasenbildenden US-Niedrigstzinspolitik, den teuren wie fragwürdigen Anti-Terror-Kriegen der Bush-Administration und schließlich der Schulden- und Weltfinanzkrise ein mehr oder weniger (in)direkter Zusammenhang oder durchlaufender "roter Faden" besteht, überlassen wir den erklärten Verschwörungstheoretikern. Wenden wir uns stattdessen den sichtbaren und messbaren Facetten des Jahresanfangs halbwegs chronologisch zu:

Systematisch gefährliche Selbsttäuschung

Inzwischen wurden staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen einige deutsche Banken eingeleitet. Was dabei am Ende Sinnvolles herauskommt, wird man sehen. Die mögliche Erkenntnisspannweite reicht je nach Bohrtiefe von "Menno, warum habts ihr die Prospekte denn nicht gelesen?" bis "Boah, das war ja eine einzige riesige Betrugsnummer!". Eindeutig ist jedoch auch dies ein klares Zeichen, dass die eigentliche Krise "durch" ist. Bei jedem katastrophalen Großereignis wiederholt sich stets der gleiche Ablauf: Zunächst erscheinen die Retter und Nothelfer (Feuerwehr, THW, Katastrophenschutz u.a.), anschließend erfolgt die sachliche "Beweisaufnahme" (Polizei, SpuSi/KTU, Gutachter, etc.), und erst ganz zum Schluss folgt, falls die Umstände es erfordern, mit gebührendem Abstand schließlich die Staatsanwaltschaft. Somit sind wir faktisch inzwischen schon von der akuten Gefahrenbekämpfung und Tatsachenermittlung zur abschließenden juristischen Aufarbeitung vorangeschritten.

Auch der "Anonyme Systemfehler" wurde zwischenzeitlich näher erläutert: "Zuwenig Eigenkapital der Banken!" lautete die nachgereicht einfache Erklärung. Wenn also jemand mit hundertachtzig durch die Innenstadt rast und dabei einen Großschaden verursacht, lässt sich das natürlich auch mit "zuwenig Hubraum" erklären - anstelle der ursächlichen Erklärung krass überhöhter Geschwindigkeit. Wenn eine Bank x-fach über das wirtschaftliche Eigenkapital hinaus, zusätzlich noch auf Kredit und "außerbilanziell", ein hochgehebeltes Riesenrad dreht und damit einen gewaltigen volkswirtschaftlichen Schaden anrichtet, liegt das ganz sicher nicht am Mangel an Eigenkapital, auch wenn dieser sich als unausweichliche Folge überdimensionaler Spekulationsverluste am Ende gravierend bemerkbar macht.

Durchaus erstaunlich (oder auch nicht?) ist es, hier einem Phänomen zu begegnen, das eigentlich eher aus dem Bereich Trading bekannt ist: Von Trading-Anfängern, die ihr Depot in kurzer Zeit hochspekulativ vor die Wand gefahren haben, hört man neben allerlei Verweisen auf "externe Ursachen" und "sonstige Gründe" häufig den gleichen Satz "Ja, wenn ich mehr Kapital gehabt hätte, dann ..." - ganz einfach, dann wäre schlicht auch dieses Kapital längst komplett mit über die Wupper gegangen. Verlustrisiko und reale Verluste werden in Prozent beziffert, und prinzipiell ist es dabei völlig wurscht, ob 95% Verlust von 10.000.-, 100.000.- oder 50 Milliarden Euro. Wer sich nur ein wenig mit Markt- und Händler-, sprich Trader-Psychologie, auskennt, weiß dass es sich bei dem Satz vom "zu geringen Eigenkapital" um eine gefährliche Selbsttäuschung handelt, die in Wahrheit jede Eigenverantwortlichkeit ablehnt Und sich trotz bitterer Verluste, wegen Mangels an Risikomanagementfähigkeit weiter der illusorischen Hoffnung hingibt, mit einfach noch mehr Spekulationskapital wäre man trotz allem zum garantiert sicheren Gewinner geworden.

Es fehlt in diesem Fall jeder Ansatz zu Selbstkritik und heilsamer Selbsterkenntnis - der ersten Voraussetzung für zukünftig durch bewusst verarbeitete Erfahrungen entweder risikobewusst erfolgreicherer Marktteilnahme oder entsprechend konsequenter kompletter Marktabstinenz im hochspekulativen Bereich. Der besagte Satz gehört übrigens auch zum klassischen verbalen Standard-Repertoire von therapieresistenten Automaten-, Roulette- und Poker-Spielern. Ihn zur entschuldigenden Erklärung der Weltfinanzkrise öffentlich anzuführen, heißt prinzipiell, den therapiereifen Alkoholiker unterwegs zum abendlichen Gruppentreffen auf einen tröstenden Schluck einladen.

Prognose-Abstinenz

... dagegen wollten sich unter Führung von Prof. Zimmermann (DIW) die deutschen Konjunkturforscher freiwillig auferlegen. Seltsame Idee - nach dem früheren gymnasialen Lateinschüler-Motto: "Wer arbeitet, macht Fehler. Vermeidet Fehler!". Dabei ist es doch gar nicht so schwierig: Statt ewig vergeblich nach dem akademisch heiligen Gral einer exakt vorhergesagten, später im Zeitlauf ohnehin noch etliche Male revidierten Prognose eines kommenden BIP hinterher zu jagen, einfach den prozyklisch und trendfolgend denkenden Ansatz aufgeben. Praktisch heißt das: In möglicher Gipfelnähe eines laufenden Aufschwungs nicht in allgemeine Euphorie verfallen, sondern bereits nach Risiken und eventuellen Zeichen eines folgenden Abschwungs suchen. Im Verlauf eines fortschreitenden Abschwungs eben nicht prozyklisch ins kollektive Jammern verfallen, sondern dort bereits beginnen, nach dem wiederum nächstmöglichen zyklischen Wendepunkt Ausschau halten.

Und dabei den Satz "Diesmal ist wirklich alles anders!" tunlichst vermeiden - der reale Unterschied zwischen Housing-Bubble und Tulpenzwiebel-Rallye ist trotz ca. 375 Jahren Zeitdifferenz in Wirklichkeit nur marginal - da sich die Naturgesetze seitdem nicht großartig verändert haben. Auch wenn Al Gore und seine IPCC-Klima-Apostel hartnäckig weiter das Gegenteil behaupten, egal wie viel hunderte Unterschriften seriöser Wissenschaftler dagegen auch geleistet und gesammelt werden. Natürliche und zwischenmenschliche Vorgänge ergeben sich stets aus einem Zusammenspiel kurzer, mittlerer und langer Zyklen - sowohl bei der messbaren Sonnenaktivität als auch beim Entstehen und Vergehen einer Spekulationsblase. Zudem hat jedes deterministische Chaos-System von sich aus die starke Neigung, sich an bestimmten Punkten von selbst wieder zu stabilisieren. Die Januar-Rekordkälte in Deutschland spricht damit ganz natürlich und mehr als deutlich für zunehmend dramatischer simulierte Erderwärmung durch "Treibhauseffekt" und "Klimakillertomatengas". Selbst sibirische Kältegrade in Mitteleuropa ändern praktisch nichts am tiefverwurzelten Glauben ans kommende höllische Klimafegefeuer, verursacht durch menschliche Ur- Erbsünden wie Brötchenholen im Geländewagen. Parallel liegt die etablierte deutsche Konjunkturforschung heute irgendwo verteilt zwischen "Wende 2009" und minus zwei, minus drei oder minus mehr Prozent, verloren im wissenschaftlich so tief wie breit gesicherten Prognosespektrum.

"Banker wollen Giftmüll auslagern"

Während an den Märkten vor Weihnachten fast feiertägliche Stille einkehrte, wurde hinter den zeitweise schneebedeckten Tannen weiter fleißig gewerkelt und dazu auch noch brutalstmöglichst verbalisiert. Frau und Herr Dill-Ypsilanti-Schäfer-Gümbel verkündeten ihre ganz persönliche frohe Weihnachtsbotschaft: Nicht nur die bösen Reichen, Superreichen und "Millionäre", nein, ein jeder, der es mit Fleiß und Anstand zu Haus und einigen Rücklagen gebracht hat, soll demnächst per "Zwangsanleihe" für 15 Jahre (grobe Richtung Staatsbankrott) staatlich teilenteignet werden - allein zu guten wohltätigen Zwecken selbstverständlich, und möglicherweise auch etwas weit abseitig vom Grundgesetz. Aber der gute Zweck heiligt bekanntlich jedes Mittel. Das "Projekt 18" der SPD läuft vorwärts, und einmal pro Jahrhundert muss schließlich auch Gelegenheit sein, sich dem heimlich geliebten Steinzeit-Kommunismus anzunähern und eine quasi sanfte traditionelle "politische Säuberung" durch entsprechende Reduktion bei Mitgliederzahlen und Wählerstimmen durchzuführen.

Ein weiteres Mittel der aktuellen Wahl: Zusammenfassung sämtlicher teuer eingekaufter Giftmüllbestände in einer großen "Bad Bank" von 800 Mia. Euro oder mehr. Zum einen würde dies mal Klarheit schaffen, wie hoch der kostenträchtig importierte Kreditgiftmüllberg pro Bank und summa summarum tatsächlich ist. Zum anderen könnte dabei, unterstützt von den staatsanwaltlichen Bemühungen, tatsächlich die weiterhin offene Frage nach Verantwortlichkeiten, nach Schadensersatz, möglicherweise sogar nach konsequenter Rückgabe bzw. Rückabwicklung des gesamten steuermilliardenfressenden, weltweit systemgefährdenden und ansonsten wertlosen Drecks an den Absender, Verteiler und Hersteller dieser derivativen "Ware" aufkommen. Wie weit die juristische und öffentliche "Aufarbeitung" der Krise gehen wird - man darf gespannt sein.

Interessant in diesem Zusammenhang ferner, dass erste Diskussionen um eine "Bad Bank" bereits vor Anfang 2003(!) ganz im Verborgenen geführt wurden und nur durch eine "höchst ärgerliche Indiskretion" damals ans Licht kamen. Der heutige angeblich "Anonyme Systemfehler" im Vorfeld der schon seit Jahren aus den USA aufziehenden Katastrophe war also schon vor fast sechs Jahren sowohl dem BAFin als auch der KfW, anderen Banken und der damals verantwortlichen Politik zumindest vom Grundprinzip her bekannt. Behaupte also niemand mehr, das Problem sei plötzlich "wie aus dem Nichts" aufgetaucht oder von seiner Entstehung bis zum maximal krisenhaften Heranwachsen nicht erkennbar oder in seinen im Zeitlauf dramatisch steigenden Ausmaßen nicht vorhersehbar gewesen. Heute durchaus aufschlussreich, was damals zur "Bad Bank" geschrieben und kommentiert wurde (Zitat Auszug):

"Diese Kreditwerkstatt wird auch als Bad Bank bezeichnet und soll dazu dienen, die Kredite Not leidender Banken zu bündeln, als Wertpapier zu verpacken und wieder zu verkaufen. Zur Entlastung solle der Staat für die Risiken einstehen und eine Garantie abgeben, hieß es weiter. Die Großbanken und Berlin sind über die Veröffentlichung massiv verärgert. "Damit ist der deutschen Finanzindustrie ein Bärendienst erwiesen worden", kommentierte ein Banker. Das sei eine massive Rufschädigung. Der Sprecher der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Matthias Fritton, wies Spekulationen, die bundeseigene Bank arbeite am Aufbau einer Bad Bank, kategorisch zurück: "Die KfW ist an derartigen Überlegungen nicht beteiligt." Aus Berlin war zu hören, dass die Kreditinstitute ihre Probleme selbst schultern müssten. Sie könnten nicht beim Staat abgeladen werden." (Zitat Ende)

Wie gesagt: vom Februar 2003. Zusammen mit dem schon im Dezember-KID erwähnten Protokoll des Federal Advisory Council vom Dezember 2002 an die FED ergibt sich das klare Bild einer den Verantwortlichen schon seit Jahren bekannten, sich Jahr für Jahr weiter krisenhaft zuspitzenden Entwicklung, begleitet vom wachsenden Risiko der Housing Bubble sowie immer höheren Kapitaleinsätzen der beteiligten Banken in ihren zahlreichen Zweckgesellschaften - bis man schließlich von der finalen Entwicklung urplötzlich überrascht und getroffen wurde?

"Verbraucher trotzen der Krise"

Welch schönes vorweihnachtliches Bild in der Presse: Uneinsichtige, geradezu kindisch trotzige und naive Verbraucher in Deutschland konsumieren unbelehrbar einfach weiter, als ob nichts gewesen wäre. Der Umsatz im Weihnachtsgeschäft lag gut auf Vorjahreshöhe, Steigerung im Versandgeschäft plus knapp vier Prozent, im Online-Handel gar plus satte 23 Prozent. Jammern ist bekanntlich normalerweise das Lied der Kaufleute. Diese frohlockten jedoch 2008 widerrechtlich sogar noch und überließen das Jammern allein den verantwortungsbewussten Medien: "Deutsche Wirtschaft rast auf den Abgrund zu" schrieb z.B. das Handelsblatt angesichts der erneut schwachen ifo-Dezember-Zahlen. Im evtl. angstbesetzt persönlichen vorweihnachtlichen Kaufrausch verwechselten dabei die Journalisten zwar erneut (ifo-)Stimmung und Realwirtschaft, dafür übersahen sie aber wenigstens geflissentlich sowohl die weitere Annäherung von Lage, Klima und Erwartung als auch die schon deutlich sichtbare Bremswirkung beim diesmal nur kleinen Rückgang der Zukunftserwartungen - beides frühe Anzeichen einer kommenden Stabilisierung und erste Vorbedingung zur späteren Wende, siehe z.B. im langfristigen Chart der drei ifo-Komponenten regelmäßig vor bislang jedem Umschwung in der Historie.

Die USA und ihre Wirtschaft mitsamt ihrem zu 70 Prozent konsumbedingten und stark dienstleistungsorientierten Bruttoinlandsprodukt haben auch in Zukunft ein primäres Problem, der Rest der Welt lediglich ein sekundäres. Ferner hat die weltweite Bank- und Finanzwirtschaft ein primäres Problem, die sonstige reale Wirtschaft jedoch ebenfalls nur ein sekundäres. In erster Linie ist es dabei Aufgabe der Banken, den Kapitalfluss für die Wirtschaft wieder wie gewohnt und wie erforderlich zu gewährleisten. Unsere mit 60 Prozent am BIP beteiligte Binnenkonjunktur ist jedenfalls stabil: Der GfK-Konsumklima-Index blieb auch für Januar 2009 mit +2.1 nach revidierten +2.1 für Dezember 2008 konstant. Das Wort "überraschend" darf hier nur verwenden, wer grundsätzlich Anderes erwartet und die psychologischen Komponenten dieser Krise noch immer nicht kapiert hat.

Rezession (Zurückgehen) ist ein eindeutig wirtschaftlicher und klar definierter Vorgang, Depression (Niedergedrückt sein) hingegen ein überwiegend psychologischer Zustand (aus Angst plus unterdrückter Wut) - der durch entsprechend destruktives Zureden natürlich herbeigeführt und weiter verschlimmert werden kann. Eine Volkswirtschaft kann sich rückläufig entwickeln, sie kann aber nicht depressiv werden. Dies wäre kollektiv nur mit den beteiligten Menschen machbar - sofern man sie lange genug mit Parolen von Katastrophen-, Angst- und Untergangsfantasien malträtiert. Leckere Rezepte dafür finden sich z.B. bei Gustave Le Bon ("Psychologie der Massen"), Elias Canetti ("Masse und Macht") oder Alphons Silbermann ("Propheten des Untergangs - das Geschäft mit den Ängsten") - für Investoren und Unternehmer grundsätzlich interessante Lektüre.

Vielerlei erste Anzeichen zur möglichen Stabilisierung

Auch sonst zeigte der Datenkranz über den Jahreswechsel weitere erfreuliche Anzeichen zu einer möglichen Stabilisierung im Jahresverlauf 2009: Für Volkswirte sehr überraschend stieg der Index des Konsumentenvertrauens der Uni Michigan nach zuvor schon in der Mittmonatsumfrage deutlich verbesserten Werten zum Jahresschluss auf 60.10 nach 55.30 im November. Dennoch blieb die Erwartung der Volkswirte negativ: für den Januar-Mittmonatswert wurde ein erneuter Rückgang unter 59.- im Konsens vorhergesagt - heute nun kletterte der Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan ebenso "überraschend" wie munter zum dritten Mal weiter auf 61.90 Punkte. Bei schlechter Stimmung liegt das Überraschungspotential eben doch oft genug auf der Positivseite - anders hält das auf Dauer einfach niemand aus. Zitat aus dem KID dazu: "... der Rest ist Psychologie.", schlichte zwischenmenschliche sowie Marktpsychologie, von der viele Volkswirte anscheinend herzlich wenig verstehen. Auch beim TCB Konsumentenindex scheint demnach eine parallele Bodenbildung sehr bald wahrscheinlich - wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als beim stabilen deutschen GfK-Index. Selbst das superflaue US-Weihnachtsgeschäft zog zum letzten Vorfeiertagswochenende an, mit von den Tiefstständen erholten Chain Store Sales (Verkaufumsätze der großen Warenhausketten). Mögliche Bodenbildung zeigte sich zuletzt auch bei der US-Kapazitätsauslastung, die erst im Dezember traditionell wieder zur Schwäche neigte, und ebenso bei den Baltic-Frachtraten-Indices, die von knapp oberhalb 600 vor Jahresende wieder 850 Punkte erreichten.

Der ECRI WLI (Weekly Leading Indicator) schloss zwar per Ende Dezember erneut unter seinem November-Schlusswert, verzeichnete dabei und danach jedoch fünf Anstiege in Folge gegenüber seinem anfänglichen Tiefststand: noch keine endgültige Wende - aber schon eine deutliche Stabilisierung und ein inzwischen wieder positives Momentum. Der aktuelle Wert liegt oberhalb dem von Ende November. Ende Dezember nochmals schwächer reagierten unisono die Einkaufsmanager - in Deutschland, wie in Europa, wie in Amerika, überall jedoch mit gebremster Fallgeschwindigkeit. Und auch hier ist der Stimmung der Einkäufer nicht wirklich zu trauen: Wer "überkauft", riskiert möglicherweise sogar den Job. Wer hingegen vorsichtig agiert, erhält maximal eine Kopfnuss und darf anschließend fleißig nachbestellen. Vorsicht ist also zur Zeit die Mutter der Einkaufsmanagerkiste. Trotzdem ist in deutschen Geschäften und Warenhäusern hoffentlich dafür gesorgt, dass sich aus weiterhin stabilem Binnenkonsum bei parallel stark rückläufiger Aktivität der zuständigen Einkaufsmanager keine ernste Nachschub- und Versorgungskrise entwickeln kann.

We are really amused, aren´t we?

Regelrecht "entzückt" (amused) reagierte die britische Insel. Hier hatte man, ähnlich wie in den USA, mit einem absolut katastrophalen Weihnachtsgeschäft gerechnet. Alkoholwirtschaftliche Experten hatten zusätzlich noch für große Aufregung gesorgt, indem sie die zukünftig krisenbedingte Schließungsrate britischer Pub´s auf Jahre voraus hochrechneten (was die traditionell gemütlich trinkfreudige Insel dann quasi in Kürze komplett trockengelegt hätte). Dazu noch Woolworth - und dann die große Überraschung beim Zusammenrechnen: Das Weihnachtsgeschäft der Insulaner gab 2008 nur um sieben Prozent nach, was spontan zu Kurssprüngen zuvor total niedergeprügelter Konsumaktien bis über 30% an der London Stock Exchange führte. Die Briten hatten weitverbreitet schlimmste Befürchtungen wegen des "Economic Meltdowns" gehegt, allein schon wegen ihrer Erinnerungen an das vorherige schmerzhafte Housing-Debakel - und wurden folgerichtig antizyklisch entsprechend positiv überrascht.

Die nächste Überraschung des jungen Jahres kam aus Amerika: Der Einkaufsmanager-Index des Dienstleistungsgewerbes brach nicht auf die im Konsens erwarteten 36.8 Punkte ein, sondern stieg stattdessen auf 40.6 nach 37.3 Zählern. Prompt holten die Amerikaner auch einen Teil des verpassten und verpatzten Weihnachtsgeschäfts mit stark rabattierten Jahresanfangskäufen nach, der Index der Weekly Chain Store Sales schoss in der ersten Januarwoche gleich bis auf den Wert vom August 2008 nach oben - ermäßigte sich aber danach wieder deutlich. Deutlich positiv auch die erste Schätzung der deutschen Gesamtjahres-Einzelhandelsumsätze 2008: ein erfreuliches Plus zwischen 1.9 und 2.4 Prozent gegenüber 2007 wird erwartet.

Hier "rast also nichts auf den wirtschaftlichen Abgrund zu", wie die Experten vom Handelsblatt meinten, vielmehr zeigen sich jetzt erste Möglichkeiten der zukünftigen Stabilisierung der US-, der Welt- und der deutschen Wirtschaft - sichtbar und messbar, und nicht nur als Idee einer antizyklischen Sicht der Dinge. Dass die Aktienmärkte bis dato erstaunlich stabil verlaufen sind, sollte den Chaos-Propheten ebenfalls endlich zu Denken geben - auch wenn hier im ersten Quartal noch etliche "nachlaufende Risiken" bestehen. Zwar wird bei Konjunktur-Indikatoren und ihren Charts stets das Mögliche getan, um den Verlauf statistisch weitestgehend "glatt" zu gestalten - dennoch gilt auch dabei, was sich in der technischen Analyse ungeglätteter Kursverläufe immer wieder zeigt: Nach einem starken Absturz folgt zunächst meistens eine Phase langsam rückläufiger Volatilität (der V-DAX z.B. ging noch im Dezember erstmals wieder unter 40) und anschließender Seitwärtskonsolidierung, die oft bis mindestens an den (fallenden) gleitenden 100-Tage-Schnitt führt, um erst dann in eine neue Trendrichtungsbewegung zu münden. Insofern sollte man zunächst eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage erwarten, erst später folgt die neue Richtungsentscheidung.

"In den Fängen des Monsters"

... befand sich offenbar sogar über die Feiertage die gesamte Expertenredaktion der Handelsblatt-Finanzzeitung. Jedenfalls betitelte sie mit dieser fachlich hochqualifizierten Headline ein sieben Seiten starkes Special zum aktuellen Panikstand der Finanzkrise. "Überschießender Pessimismus" nennt man dieses Phänomen, das die Chancen in der Krise negiert. Bis Jahresende brachte der DAX eine Performance von plus 25% ab Tiefstand. Ungefähr genau so viel legte sogar die neue Bundesanleihe mit Laufzeit 2040 im Kurs zu, beides in nur wenigen Monaten, wohlgemerkt. Annualisiert in der Tat schon eine fast "monströse" Rendite - sofern man sie handelt, statt zu jammern. "In den Fängen des Monsters" befindet sich allenfalls, wer momentan Geld leihen oder seinen Dispo in Anspruch nehmen möchte. Manches scheint derzeit auf den Kopf gestellt, bzw. bedürfte dringend einer Neu-Justierung: So haben die Banken die neuen Niedrigzinsen noch in keiner Weise an ihre (Kredit-)Kunden weitergegeben. Sie fügen damit (schon wieder) der gesamten Volkswirtschaft Schaden zu. Dabei liegt doch, wie die jüngste Vergangenheit überdeutlich gezeigt hat, das eigentliche Bonitäts- und Kreditrisiko gar nicht beim Kunden, sondern stattdessen massiv in der jeweiligen Bank selbst!

Sylvesterknaller am 5. Januar

Als First Mover mit einem (Zitat) "Paukenschlag" zum 5. Januar eröffneten die sentix-Konjunkturindices das Jahr 2009: "Stärkster Anstieg seit August 2005" lautete die knallige Botschaft. Damals hatte die Nachricht über vorgezogene Neuwahlen zum Bundestag eine grundsätzliche Stimmungswende eingeleitet, der später der DAX-Wiederausbruch über 5000 Punkte und nach einem Jahr zäher Lethargie die anschließende Hausse über 8000 Zähler gefolgt war. Nachdem beim "K-sentix" im Dezember 2008 schon die Annäherung von Lage- und Erwartungswerten als notwendiges Vorsignal vollzogen worden war, stiegen die neuen Umfragewerte zur Lage um 5.25, die der Zukunftserwartungen um 10.5 Punkte. Alle 6 Weltregionen zeigten dazu mehr oder weniger stark ausgeprägte Pluszeichen. Dieses bestätigt eindrucksvoll, was hier beim KID seit über drei Monaten fast mantra-ähnlich ständig wiederholt wurde: Bei extrem schlechter Stimmung liegt das Überraschungspotential kurzfristig immer auf der Positivseite!

ifo-Chef Sinn sieht dagegen noch nichts: keinen Aufschwung sogar bis übers Jahr 2010 hinaus, für 2009 und 2010 die schärfste Rezession aller Nachkriegszeiten und offenbar nicht einmal die begonnene Annäherung der drei ifo-Komponenten im eigenen Index, die regelmäßig vor jeder Wende stattfindet. Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter spricht zum Jahresbeginn sogar von "Schockstarre" bei Konsumenten und Unternehmen angesichts der dramatischen Lage, verweist aber dabei auch (zu Recht) auf die speziellen deutschen Strukturprobleme - die mit der Krise selbst nichts zu tun haben. Bei Stollwerck steckte man einst "keine Mark in die Werbung und dafür alles in die Schokolade", bei uns fliesst dagegen seit Jahren fast alles in "Arbeit und Soziales" und vergleichsweise kaum eine müde Mark in die Bildung. Im langfristigen Ergebnis wird das mindestens heftig "zartbitter" ausfallen, solange man weiter brav am veralteten Modell einer Massenindustriegesellschaft festhält und die Arbeitslosigkeit weiter "massiv bekämpft" statt die Bildung massiv zu fördern.

Der nächste ZEW-Index wird am kommenden Dienstag, 20. Januar, veröffentlicht, der neue "ifo" folgt dann eine Woche später am Dienstag, 27. Januar. Nach den Konjunktur-Sentix-Vorgaben droht Pessimisten bei beiden möglicherweise eine kräftige Überraschung. Weiter erfreulich tendierten auch die Baltic-Frachtraten-Indices: Nach der Bodenbildung oberhalb 600 wurde nach kurzer Konsolidierung zum Jahresbeginn schon fast eine Wende nach oben eingeleitet. So stieg der Baltic Dry inzwischen wieder auf 920 Punkte an. HIer läuft die Bodenbildung bereits seit einem guten Vierteljahr. Der Welthandel wird also auch 2009 voraussichtlich nicht zum Nulltarif durchgeführt oder tief im Abgrund ganz eingestellt werden müssen.

Bail me out, Scotty!

Nicht erst die 5 Milliarden schwere Forderung nach einem "Bailout-Plan" für die amerikanische Porno-Mafia zeigt: Die Krise ist jetzt längst für alle da, sie ist inzwischen komplett in Volkseigentum überführt. Gar viele Seelen sind zu retten, finanzielle Hilfe wird nun wirklich überall dringendst gebraucht, querbeet bis quer Bett, vom vertikalen bis zum horizontalen Gewerbe, egal ob unternehmerisches Miß-Mangement oder kummergebeugte Miss Silikon. Vom Klimaphobiker bis zum Pornografiker wünscht sich jeder ein klein wenig Verstaatlichung und eine doppelte Portion mehr wärmende Eigenkapitaldecke. Wir lieben diese Krise inzwischen regelrecht, ist sie doch einmalige Gelegenheit, alle Fehler und Versäumnisse der Vergangenheit unter einem großzügig sozialgerechten Rettungsschirm verschwinden zu lassen. Aber nehmen wir sie auch wirklich noch ernst, oder handelt es sich inzwischen um einen Selbstbedienungsladen diverser langgehegter Begehrlichkeiten, vorgezogener Wahlgeschenke und parteiideologisch motivierter Zuwendungen mit fragwürdiger Sachdienlichkeit? Von Haushaltsdisziplin ist endlich keine Rede mehr.

Durchaus ernst fielen einige der letzten "harten" Daten aus: Der Auftragseingang rutschte deutlich in den Keller, was zu erwarten war - aber diesseits des Atlantiks noch heftiger als in den USA selbst, krisenhaft übertrieben vorauseilender Gehorsam? Dennoch wurde damit in einem Einzelmonat zunächst nur das Niveau von 2005 wieder erreicht, nicht etwa das von 1929. Der Maschinenbau verbuchte ein Rekordminus von 30 Prozent - jedoch auch dies ist nur relativ zu sehen zur permanenten Rekordfahrt der letzten drei Jahre. Auch die deutschen Exporte zeigten einen krassen Einbruch, ebenso die Industrieproduktion. Allerdings handelte es sich dabei jeweils um November-Daten, die in direkter Folge des vorangegangenen "Schocktober" möglicherweise stark verzerrt wurden, und die sich deshalb kurzfristig bald wieder erholen sollten. Auftragseingänge und Exporte neigen häufig zu schnellen und hohen Monatsschwankungen, weshalb sie statistisch meist mit kräftiger Glättung betrachtet werden müssen. Es darf hier also der nächste Monat mitsamt Revisionen abgewartet werden um eine eindeutige Einschätzung treffen zu können. Erneut bestätigt sich: "Stimmung zieht Realwirtschaft". Fortgeschrieben heißt das, dass die zunehmende und jetzt folgende leichte Stimmungsentspannung auch erst mit kommenden Daten wirksam werden wird - noch tobt hier der erste Schock der späten und plötzlichen Bewusstwerdung.

Zweimal nacheinander Totgesagte leben doppelt länger

Angesichts der aktuell sinkenden Preissteigerungsraten haben führende Experten die Inflationsgefahr erneut als "erledigt" erklärt. Wir erinnern uns: nur wenige Monate nach der letzten sinngemäß gleichlautenden Erklärung stöhnten die Verbraucher in Deutschland unter real zweistellig gestiegenen Lebenshaltungskosten im Alltagskonsum von Lebensmitteln, Benzin und Energiekosten. Wiederholt sich damit die Geschichte, ohne dass expertenseits aus ihr gelernt wurde? Selbstverständlich, wenn man z.B. auf den aktuellen "Super-Contango" beim Crude Oil Future schaut. Rohöl im laufenden Kontraktmonat kostet ca. 36.- USD, der Liefertermin Dezember 2009 liegt bei 58.-. Schon Dezember 2010 kostet aktuell 65.-, per Dezember 2014 werden stolze 75.- gefordert, Dezember 2017 schließlich notiert bei 79.- USD und hat auf die zwischenzeitlichen Rückgänge am Spotmarkt fast überhaupt nicht reagiert. Hier wird Konjunkturerholung und Wiederkehr der Inflation anschaulich sichtbar bereits längst eingepreist. Einen Contango in dieser Größenordnung hat es im Rohöl noch niemals zuvor gegeben. Inflationstreibend hinzu kommen, ebenfalls volkswirtschaftlich nachvollziehbar, natürlich noch die so oder so erheblichen Kosten zur Bewältigung der Krise. Dieses Geld wächst nicht auf Bäumen, es wird mitsamt Zins und Zinseszins aufgebracht werden müssen. Das treibt die zukünftige Schulden-, Zins-, Steuer- und Abgabenlast sowie dazu die krisenbedingt kurzfristig gesunkenen Preise der privaten Lebenshaltung. Jedes Konjunkturpaket ist kein Geschenkpäckchen aus Utopia, sondern eine vorgezogene Anleihe auf die danach folgende Zeit. Auch Niedrig-Zinsen sind auf diesem Hintergrund in ferner Zukunft absolut nicht mehr zu erwarten. Momentan profitieren die Verbraucher jedoch noch kräftig von der deflationären Preisentwicklung: für Dezember belief sich die Teuerung in Deutschland nur noch auf +1.1 Prozent, die Einzelhandelspreise verzeichneten +0.9 Prozent, die Großhandelspreise fielen kräftig um -3.3 Prozent gegen Vorjahresmonat. Erzeugerpreise für Dezember folgen am Dienstag. Die US-Konsumenten wurde gleich von einem Doppelminus erfreut: Verbraucherpreise -0.1%, Erzeugerpreise -1.2% gegenüber dem Vorjahresmonat.

Virtuelle Prozentrechnungen

Am Mittwoch wurde die mit Spannung erwartete erste Schätzung zum deutschen BIP im Gesamtjahr 2008 veröffentlicht. Mit plus 1.3 Prozent Wachstum kann man zufrieden sein. Das vierte Quartal fiele damit, anders als es die Medienberichte vermuten lassen, eben nicht grottenschlecht aus. Aus den noch nicht revidierten drei Einzelquartalen lässt sich, wie jedes Jahr, ein voraussichtliches viertes Quartalsergebnis vorab kalkulieren. Danach hätten wir im letzten Quartal 2008 eine "rote Null", etwas kräftiger rot nur dann, falls die ersten Quartale noch höherrevidiert werden sollten. Wie hier vermutet, ist dies auf Basis des vorangegangenen "Oktoberschocks" durchaus eine, den Umständen entsprechend, positive Nachricht.

Wir leben in einer grundsätzlich wachstumsorientierten Gesellschaft, mitsamt einer Fixierung auf die "Wachstumskurve" als allein selig machender Gradmesser des kollektiven Wohlbefindens im relativen Vergleich zu Vorjahr oder Vorquartal. Das ist per se nichts Schlimmes, man erinnert sich aus Kindertagen doch gern an die Frage der drallen Fleischerei-Fachverkäuferin "Darfs ein bissel mehr sein?", sowie die anschließende "Extrascheibe" fürs Kind gratis dazu. Jedoch führt diese mentale Wachstumsorientierung leicht auch zu einer prozentual stark verzerrten Wahrnehmung, der der realistische Blick auf die absolute Höhe teils abhanden gekommen ist. Der Medienkommentar zum deutschen BIP 2008 lautete zusammengefasst: "Deutsche Wirtschaft schrumpft dramatisch!". Kompletter Blödsinn, sowohl grammatisch als auch mathematisch: Nicht die deutsche Wirtschaftsleistung ist im viertem Quartal (im relativen Vergleich zum Vorjahr) geschrumpft, sondern (lediglich) die Wachstumsrate dieser deutschen Wirtschaft. Entsprechend hatte Destatis mit "nur noch moderatem Wachstum 2008" getitelt. Selbst die Wachstumsdynamik (von Quartal zum Vorquartal) ist (noch) nicht abgestürzt, sondern sie bröckelt müde dahin: 2./3./4. Quartal 2008 mit den Werten -0.42, dann -0.52, zuletzt -0.57. Beim 1. Quartal 2009 scheint hier der Absacker aber schon vorprogrammiert.

Die Wirtschaftsleistung selbst (in Mrd. Euro statt in Prozent) stagnierte zuletzt knapp unter dem Niveau des damals sehr erfreulichen Vorjahres 2007, und liegt damit heute noch immer weit über dem Niveau des Jahres 2006. Das "Nullwachstum" ist ergo noch keine "rasende Fahrt in den wirtschaftlichen Abgrund", sondern ein Verharren auf dem (absolut erträglichen) hohen Vorjahresniveau. Nur wer sehr tief verschuldet ist, braucht permanenten Zuwachs, um die dynamisch fortlaufenden Kreditmehrkosten noch weiter schultern zu können. Nullwachstum ist zwar nicht grundsätzlich erfreulich, aber eben auch noch keine Katastrophe. Oder erinnert sich jemand, das Jahr 2006 im wirtschaftlichen Abgrund verbracht zu haben? Selbst ein krasser Rückgang des Jahres-BIP 2009 um über drei Prozent würde uns nur auf einen Wert in der volkswirtschaftlichen Gesamtleistung in jeweiligen Preisen aus der Zeit 2006-2007 "zurückwerfen" - trotz dabei sinkender und deutlich negativer Wachstumsraten. Eine "Great Depression" sah und sieht aber völlig anders aus. Wers nicht glaubt, rechnet einfach X plus 3% (2006) plus 2.5% (2007) plus 1.3% (2008), zieht anschließend seine maximale Negativerwartung für 2009 ab und findet sich beim Ergebnis zwar in den Abgründen angewandter Mathematik wieder, nicht jedoch mitten in der wirtschaftlichen Katastrophe.

Damit im Fazit zum KID und den Märkten

Natürlich wäre es schön gewesen, mit einem ganz klaren starken Wendesignal ins Neue Jahr zu starten. Doch die zeitlich nachlaufenden harten Daten des Novembers haben dem Indikator diesmal wortwörtlich noch zu sehr "ordentlich eins auf den Deckel gegeben". So bleibt es vorerst bei den oben ausführlich beschriebenen vielen kleinen Hoffnungszeichen und Ansätzen. Bei den vier Vorlaufkomponenten zum KID liefert eine bereits eine klare Wende nach oben, zwei eine schon fortgesetzte bzw. eine eben beginnende Bodenbildung, nur eine rutscht momentan mit gebremstem Schaum noch weiter südwärts. Beim KID-Oszillator sehen wir diesmal ein etwas robusteres Hoffnungshäkchen, das sich immerhin nun schon über zwei Monate erstreckt. Somit besteht die eindeutige Möglichkeit einer Stabilisierung im weiteren Jahresverlauf, möglicherweise sogar zu einer baldigen überraschenden Wende, nachdem wir das erste Quartal mit allen Auswirkungen des Krisenschocks überstanden haben.

Bei der langfristigen technischen Analyse vieler klassischer Märkte ist ein Phänomen zu beobachten, das man als "Shadow" oder "Mirror" eines ehemaligen, nach oben oder unten verlassenen Trendkanals bezeichnen könnte. Parallel über oder unter dem alten Kanal findet sich ein gespiegelter "Schatten" dieses Trendkanals, mit dem man verblüffend zuverlässig arbeiten kann, insbesondere bei schnellen starken Marktbewegungen. Versuchsweise wurde dieses Prinzip in der heutigen KID-Grafik angewandt. Dazu wurden die ehemaligen, nach unten verlassenen Trendkanäle A und B nach unten gespiegelt, sie ergeben das Kreuz aus schwarzen Linien, rechts unten im Bild mit "sA" und "sB" bezeichnet. Zusammen mit einer der blauen Linien des Abwärtstrends C bilden sie eine mögliche "technische Auffang- und Wendezone" für den Indikator und die künftige Wirtschaftsentwicklung. Ob dieses technische Experiment funktioniert, wird sich in den nächsten Wochen erweisen - zumindest bietet es sich als Möglichkeit hier direkt an. Schlimmstenfalls droht bei weiter nachgebenden harten Daten noch der Touchdown auf den untersten Rand des C-Kanals, trotz sehr wahrscheinlich bald einsetzender Stimmungswende.

Sie steht uns als Gegenreaktion auf den Krisenschock zunächst, und eigentlich auch sehr gut passend zum bevorstehenden Karneval, als ein kollektiv erleichterter Akt rheinischer Fröhlichkeit ins Haus: "Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel", weil Vater Staat uns rettet aus der Not - inclusive der Gierigen, wirtschaftlich tief Versündigten, aller Verlorenen, Dummen, Betrüger und Betrogenen. Erst später im Jahr mag dann noch eine erneute Ernüchterung einsetzen - nach dem ebenfalls bekannt ur-rheinischen Motto: "wer soll dat bezahlen, wer hat sooo viel Geld?" - also eine Bewusstwerdung aller Folgekosten und resultierenden Lasten, mitsamt erneuter Stimmungseintrübung nach endgültigen Ende von Krisenparty und finanziellem Nachdurst. Eventuell wird auch dann erst die offenen Frage nach Verantwortlichen, Verursachern und tieferen zusammenhängen wirklich gestellt. Die derzeit mangelnde Krisentransparenz wurde schon kürzlich hier beklagt - im weiteren Jahresverlauf dürfte sie deutlich zunehmen und ihrerseits zu neuen Erkenntnissen beitragen, entweder für eine wirkliche Wende der Wirtschaft oder, bei einem reinen Pullback an den unteren Rand der bislang gewohnten "Normalität", zu einer mindestens zeitweiligen, mehr oder minder kräftigen Rückkehr der Krisenstimmung. Erst mit dem Überwinden dieser "Echo-Welle" des ursprünglichen heftigen Schocks dürfte der Weg frei werden für eine grundsätzliche Neuorientierung - und für einen neuen, dann wahrscheinlich, wie gehabt, aber noch verschärft, inflationsgetriebenen Boom.

Wichtiger Angelpunkt dieser Bewegung dürfte die mit einem roten Pfeil am Bildrand bezeichnete Zone werden, wo sich einerseits die Untergrenze der bisherigen Vor-Krisen-Normalität, dazu die ursprüngliche Linie B sowie der oberste Rand des Abwärtstrendkanals C im Jahresverlauf annähern. Frühestens da wird sich auch, mit dem üblichem Zeitverzug, zeigen und herausstellen, was die einzelnen Maßnahmen, die Konjunkturpakete, Rettungsschirme und Garantien, das viele ins System gepumpte Kapital, die möglichen strukturellen veränderungen, tatsächlich real bewirkt haben. Dann lässt sich erst abschätzen, was diese Krise an Kosten und Folgen, negativ oder positiv, wirklich verursacht hat, und welcher Preis dafür u.a. in dauerhaft deutlich anziehender Inflation, sowie in kräftigen Steuer- und Abgabenerhöhungen zu zahlen sein wird. Dies ist zwar heute noch Zukunftsmusik, aber die Melodie ist bereits hörbar: Beim Öl ist es aufgrund des oben schon beschriebenen Super-Contango nicht ganz einfach, mittel- und langfristig tatsächlich Geld zu verdienen. Die Futures nehmen zukünftige Anstiege bereits gewaltig vorweg - wer heute auf Termin kauft, erhält sie bereits jetzt mit eingepreist: reinkarnierte Inflation vom Feinsten, sobald der Abschwung zu Ende geht. Der heutige Kontraktwechsel machte dies mehr als deutlich: zwischen auslaufendem Februar- und dem März-Kontrakt lagen zeitweise volle 8.- USD, bzw. über zwanzig Prozent!

Beim Bund-Future sehen wir dagegen wieder eine, wenn auch wenig dramatische Backwardation. Der September-Kontrakt notiert über 100 Ticks unter dem laufenden März. Bei insgesamt nur jeweils drei laufenden Kontrakten reicht der Future zwar hier nicht wirklich weit in die Zukunft, dennoch besteht eine leichte Tendenz, die wirtschaftliche Gegenkorrektur mitsamt einem möglichen Ende der Niedrigzinsphase abzubilden. Die erwähnte Unterstützungszone bei der durchschnittlichen Umlaufrendite zwischen circa 2.80 und 3.00 Prozent hat bis dato wacker gehalten. Damit ist eine Umkehr im in sich inzwischen völlig uneinheitlichen Rentenmarkt wahrscheinlich: baldiges Ende der Kursgewinne bei (westlichen) Staatsanleihen (Bund-Future um 126.50), dafür Erholung bei den arg gebeutelten Unternehmensanleihen. Die Emerging Market Bonds haben diesen Weg bereits beschritten. Eine klare Trennung zwischen Spreu und Weizen wird aber in beiden Segmenten weiter bestehen bleiben, während bei den bis dato krisengewinnlerisch übermäßig bevorzugten Staatsanleihen West mehr und mehr die Frage nach langfristiger Bonität und Zahlungsfähigkeit wegen kurzfristig dramatisch ansteigender Verschuldung auf den Tisch kommen wird. Die Schuldenuhr beim Bund der Steuerzahler wurde gestern auf eine entsprechend höhere Laufgeschwindigkeit umgestellt.

Der DAX hatte zwar über den Jahreswechsel die 5000 Punkte wieder überwunden, ein baldiges Ende war aber absehbar. Zu schwach war die Nachfrage, zu winzig die begleitenden Umsätze, um den bei gut 5100 Punkten verlaufenden gleitenden 8-Jahres-Schnitt in einem Rutsch zu überwinden. Die Aufwärtsbewegung endete ganze zwölf Punkte oberhalb dieses GD´s, danach ging es abwärts - ein verpatzter Start ins Jahr 2009. Während die Bewegungen an den US-Börsen mit mindestens durchschnittlichen, teils sogar hohen Umsätzen abliefen, verharrten die Daxionäre überwiegend passiv an der Seitenauslinie, resp. in Tagesgeld oder Bundesanleihen. Die Investitions- und Risiko-Bereitschaft scheint hier noch sehr dürftig ausgeprägt, man wartet ab, was passiert. Und wenn die meisten abwarten, passiert nichts Weltbewegendes. Die zuletzt sehr schlechten harten Daten sowie Meldungen und Schätzungen zu sinkenden Unternehmensgewinnen trugen und tragen dazu bei, dass die Investoren noch große Vorsicht walten lassen. Außerdem fand das oben erläuterte Prinzip der Annäherung zunächst an die 100-Tage-Linie nach starken Bewegungen seine Bestätigung auch im DAX, bevor eine neue Trendrichtungsentscheidung ansteht. Seit Oktober befinden wir uns in einer Seitwärts-Range zwischen 4000 und 5100 bis 5400 Punkten.

Immerhin wird sich das gesamte Jahr 2009 voraussichtlich auf sehr vertrautem Terrain abspielen: besonders langjährige Buy-and-Holder sind den Weg bis über 8000, wieder herunter Richtung 2000 und erneut auf über 8000 und zur Hälfte wieder zurück, ja schließlich schon mehrmals gegangen. Das ist nicht etwa reiner Zynismus, vielmehr bietet diese quasi "6000 Punkte breite Seitwärtszone" ein tatsächlich sehr übersichtliches Feld, in dem Horizontal-Unterstützungen und -Widerstände, die langen gleitenden Durchschnitte sowie markante langfristige Trendkanäle und -Linien sehr viel sinnvolle Orientierung geben können. Insofern steht uns, egal ob im Markt tendenziell aufwärts oder abwärts, ein "Jahr der Techniker" bevor. Parallel dazu tritt China in wenigen Tagen ins "Jahr des Büffels" ein, dem "Winter im Norden" zugeordnet, mit den Eigenschaften Bescheidenheit, Geduld und Sanftheit - außer, wehe, man reizt das friedfertige (Bullen-)Tier. Geduld dürfte 2009 durchaus erforderlich sein, wie schon das mühsame Warten auf kräftige Signale der Wende andeutet. Die Überschrift weist daraufhin, dass wie schon oben erläutert, durchaus auch mehrere größere und teils büffelmäßig wild heftige Wenden anstehen könnten. Ein Timing dazu wäre jetzt noch ebenso verfrüht wie vermessen. Die etwas verängstigt am Rande reglos zusammenstehende Anlegerherde kann, nach langem geduldigen Warten einmal durch ein positives oder negatives Signal in plötzliche Bewegung versetzt, durchaus stampede-ähnliche Reaktionen zeigen.

Vielen Markt- und Sentiment-Technikern und einigen Elliott-Wavern fehlt noch "die Welle Fünf" resp. der "finale Ausverkauf" mit Angst und Volumen. Er ist in der psychologischen Situation des ersten Quartals absolut nicht auszuschließen, die Drei ist so plötzlich möglich wie eine relativ schnelle Sechs vorne beim DAX, sie könnte aber genau so gut erst mit der Echo-Welle des Schocks im späteren Jahresverlauf massiv auftreten. Bleibt man stattdessen bei der Markttechnik, so teilt sich das "Operation Theatre 2009" wie gehabt in schön gestaffelte Zonen auf: Unter dem 20-Jahren-Schnitt als Untergrenze der aktuellen Seitwärts-Range droht die mehr oder wenige rote Drei, darüber der Deckel zwischen knapp 5100 und 5200 mitsamt dem bei 5090 verlaufenden 8-Jahres-Schnitt. Die 200-Tage-Linie rutscht stark fallend zwischen aktuell noch knapp 5900 und schon bald 5700 Punkten abwärts. Zwischen 6100 und 6200 DAX-Zählern findet sich der obere Rand des laufenden Haupt-Abwärts-Trendkanals sowie der 4-Jahres-Schnitt. Der 500-Tages-Schnitt schließlich beschließt dann fast die aktuelle Palette naheliegender Möglichkeiten bei ca. 6800 Punkten.

Dem S&P 500 misslang der Ausbruch zurück über die 900er Marke, resp. den aktuell bei ca. 916 Punkten verlaufenden gleitenden 20-Jahres-Schnitt. Nur für die ersten vier Handelstage des Jahres und um maximal knapp 28 Punkte am 6. Januar wurde diese wichtige Entscheidungsmarke kurzfristig überboten. Sie dürfte zum Zünglein an der waage für die Entwicklung der nächsten Wochen, vielleicht auch Monate werden, indem hier eine Grundsatz-Entscheidung über die zukünftige Laufrichtung der amerikanischen Buffalo´s im neuen Jahr des Büffels fällt. Dem Charakter eines 20-Jahre-GD´s entsprechend kann dies aber durchaus noch sehr viel Geduld erfordern - und man darf trotzdem den entscheidenden kurzen Moment nicht verpassen.

Dollar und Gold pendelten sich in ungefährer Waage ein, der Goldpreis in Euro liegt dementsprechend nach einem langen konsolidierenden Rundbogen heute wieder ungefähr da, wo er vor einem Jahr schon einmal neue Hochs ausgebildet hatte. Die technische Situation sieht positiv aus, sofern die Spitzen der vergangenen Hochs überboten werden. Parallel dazu sollte/müsste auch der Abwärtstrend beim Goldpreis in Dollar überwunden werden. Platin zeigte nach langem steilen Fall eine erste positive Reaktion und arbeitete sich von unter 750.- zuletzt wieder an die 1000er Marke heran. Aber wo die Inflation doch schon wieder endgültig "tot" ist, wer investiert da schon freiwillig in langweilige Edelmetalle !?

Im Dollar selbst setzte die im Dezember hier erwartete kräftige erste Korrektur praktisch schon fast mit dem Schreiben des Artikels ein. Sie fand ihr vorläufiges Ende um die 200-Tage-Linie und egalisierte in einem Rutsch die gesamte Bewegung seit September. In ihrer Heftigkeit aus Stärke und Schnelligkeit zusammen, war dies eine der schärfsten Bewegungen seit langem, angekündigt und begleitet von der Korrelation in der ebenfalls heftig schwankenden Zinsdifferenz. Momentan sehen wir die Korrektur der Korrektur, brav begleitet wieder von der Zinsdifferenz und dem präventiven Obama-Wunderglauben, der erst in Zukunft auf seine realen Fähigkeiten zum Wandeln über das große tiefe Krisenwasser getestet werden muss und wird.

Zum Schluss: Ein historisches Datum ...

... im Berichtszeitraum stellte schließlich der 1. Januar 2009 dar: endlich hielten mit der Abgeltungssteuer deutliche Steuervereinfachung und absolute Gerechtigkeit ihren triumphalen Einzug ins deutsche Steuerrecht. Für den aktiven Investor bedeutet "deutliche Vereinfachung" praktisch den Rollentausch mit Smörrebröd, dem bekannten Koch aus der Muppet-Show: umgeben von einem Wirrwarr aus Pfannen und Töpfen für Altverluste, Neuverluste, Alt- und Neubestände, kostenfreie Zweitdepots bei Banken und Brokern, bis heute weitgehend unklaren Regelungen zu "Finanzinnovationen", Zinsen und Anleihekursverlusten, fiktiven Quellensteuern und so weiter und so fort. Einige Broker stellten die Zinsgutschrift und -verbuchung präventiv und bis heute zunächst einmal ganz ein.

Auch wer aus früheren Jahren über einen mehr oder weniger hohen festgestellten und bescheinigten Verlustvortrag verfügt, bekommt trotzdem zukünftig alle neuen Gewinne erst mal pauschal besteuert und darf dann 18 Monate oder später bei der nächsten, nach wie vor unvermeidlich noch komplexeren Steuererklärung gegenrechnen - so was erfreut das Herz des Vieltraders, manche wechseln vor schierer Begeisterung über das bürokratistische Vereinfachungsmonstrum direkt zu ausländischen Banken ab. Wenigstens der Gerechtigkeit wurde mächtig zum Sieg verholfen: Passive oder unterdurchschnittlich aktive Anleger werden durch das neue Finanzmarktbehinderungsgesetz entlastet, dynamisch und erfolgreich agierende private Investoren dagegen mit noch mehr unnützer Bürokratie überfrachtet und bei der Performanceleistung durch fortlaufende Zwischengewinnbesteuerung zulasten von Ergebnis und daraus resultierender Steuersumme gebremst. Im Ergebnis bedeutet dies weniger Ertrag für den Anleger und weniger Steuern für den Staat - aber es dient, wie vieles andere hier sicher auch, allein dem Wohl des deutschen Volkes.

Thomas A. Spoerer
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