von Thomas A. Spörer

... verunsichert ins neue Jahr
In Wellen ging es aufwärts, in Wellen geht es jetzt anscheinend auch wieder abwärts, und hoch volatil sowie mit entsprechend großer Verunsicherung hinein ins Neue Jahr 2008. Die einzig wirkliche Überraschung im Berichtszeitraum lag bei den Auftragseingängen, neben einem leichten Anstieg in USA dabei vor allem in Deutschland, wo ein überaus kräftiger Schub weit oberhalb der gedämpften Erwartungen zu verzeichnen war. Der KID-Indikator erlebte dadurch eine kurzzeitig scharfe Bremsung im relativen Freifall vom November und bildete nun oberhalb der 50%-Mittellinie B sogar wieder ein "Hoffnungshäkchen" aus. Ebenso verfestigte sich im KID-Oszillator der im November begonnene Ansatz einer möglichen erneuten Aufwärtswende auf jetzt etwas höherem Niveau (roter Pfeil). Am Basisszenario einer noch ausstehenden zweiten Abwärtswelle hat sich jedoch dadurch nichts geändert. Relative Änderungen werden demnächst aber durch die anstehenden alljährlichen Datenreihenrevisionen ergeben.
Zudem sprechen gewichtige Gründe gegen einen plötzlichen Konjunkturfrühling kurz vor dem amtlichen Winteranfang: erstens handelte es sich bei den jetzt im Dezember veröffentlichten Zahlen noch um Oktoberwerte, zweitens wirkte sich diesmal wieder (Zitat BMWi) "ein überdurchschnittlicher Umfang an Großaufträgen begünstigend" (und erfahrungsgemäß teils leider auch verzerrend) auf das Gesamtauftragseingangsvolumen aus (starker Anstieg bei der Investitionsgüternachfrage aus dem Ausland gegenüber einem Rückgang ins Minus bei den Konsum- und Vorleistungsgütern), und drittens ist seit dem Oktober deutlich noch einiges mehr an Stimmung und Kapital buchstäblich "den Bach runtergegangen". Abgesehen vom ohnehin stets stark volatilen Auftragseingang trübte sich der Datenkranz im gewohnten Tempo weiter ein, so brach z.B. das Vertrauen der US-Konsumenten beim TCB-Index von 95.20 auf 87.30 und beim Uni-Michigan-Survey von 80.90 auf 76.10 bis an die Tiefs von Herbst 2005 ein. Auch der mit 50.80 nach 50.90 veröffentlichte US-Einkaufsmanager-Index brachte keine Wende, während im Euroland-EMI immerhin ein Anstieg von 51.50 auf 52.80 zu verzeichnen war.
Der deutsche GfK-Konsumklima-Index strebt nach deutlicher Erholung im Sommer inzwischen und zum Weihnachtsgeschäft wieder dem "Mehrwertsteuer-Tief" vom Jahresanfang zu, der Handel hofft bis zum Fest wenigstens noch auf ein "positives Null-Wachstum" im Jahresvergleich. Der dynamische deutsche Aufschwung ging am Bürger selbst schlicht gänzlich spurlos vorbei: Im Quartalsvergleich 2007 zu 2005 stieg das verfügbare Einkommen der Privathaushalte zwar nominal um 3.2%, real schlägt jedoch ein Rückgang von -0.4% trotz zwischendrin kräftigem Konjukturboom zu Buche. Mit bange gemischten Gefühlen begann auch in den USA das Weihnachtsgeschäft, dort fielen die Umsätze der Warenhausketten an den ersten beiden Adventswochenenden im Jahresvergleich deutlich flauer aus. Der ZEW-Index schließlich markierte im Dezember mit -37.20 ein 15-Jahrestief, während der ifo-Index fast sinnesfroh einen leichten Anstieg vermeldete. Sehr hoch dabei weiterhin und immernoch die Schere zwischen aktueller Lage-Einschätzung und Zukunftserwartungen.
Vor möglichen weiteren Frühlingsgefühlen muß also unbedingt und hauptsächlich jetzt der November-Auftragseingang abgewartet werden, denn zu groß ist hier noch die Gefahr, daß es sich lediglich nur um einen einmaligen "Ausreißer" gehandelt hat, zumal die gewichtet mehrmonatige Glättung im Auftragseingang auch weiterhin Abwärtsrichtung zeigt. Schon beim Januar-KID sollte aber klar erkennbar werden, ob wir hier nur ein kurzes Intermezzo erlebt haben, oder Konjunktur und Indikator ernsthaft versuchen werden, den intakten Abwärtstrend (Linie C) zu überwinden. Dann wäre im Frühling 2008 mit einer neuerlichen Belebung zu rechnen, andernfalls droht in Folge weiteres Abgleiten sogar in eine mögliche dritte Abwärtswelle. Fazit in zwei Worten: unsichere Gesamtlage.
Sicher und nicht wirklich überraschend dagegen die aktuelle Schlagzeile
"Wirtschaftsforschungsinstitute senken Wachstumsprognosen".
Sechs Monate altes Zitat dazu aus dem Juni-KID:
Zwar haben einige (trendfolgende statt trendfindende) Institute ihre Wachstumsprognosen nochmals weiter erhöht, man spricht inzwischen von Jahresdurchschnittsraten von +3.2 % für 2007, das Überraschungspotential liegt aber, wie hier schön öfter angesprochen, eindeutig auf der Negativseite. So wie die seinerzeitige "Unterbewertung" schon einen Treibsatz für den folgenden dynamischen Aufschwung enthielt, liegt heute der Sprengstoff in der sentimentalen "überbewertung" der konjunkturellen Möglichkeiten und einer möglicherweise nachfolgenden übertriebenen (und eigentlich gänzlich unnötigen) Enttäuschung aufgrund zu hochgesteckter Erwartungen. Wer angesichts dessen also von einer "noch viel dynamischeren Fortsetzung des deutschen Aufschwungs für 2007/2008" spricht, hat die Position des nüchternen Beobachters eigentlich schon verlassen und sich stattdessen der sentimentalen "Euphorie der Massen" (frei nach Gustave LeBon) angeschlossen. Und wird seine hoffnungsfrohen Prognosen in den nächsten Quartalen relativ wahrscheinlich wieder korrigieren müssen."
Quod erat demonstrandum - insofern taugt der KID als schnellster und weitreichendster deutscher Konjunktur-Indikator offenbar nicht nur zur frühzeitigen Prognose der kommenden Konjunkturtrends, sondern vermag zuweilen auch die späteren Aktionen bzw späten Reaktionen der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute mit sechs Monaten Vorlauf vorherzusagen. Treffsicher zeigte sich zuletzt auch Alan Greenspan, der die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA mit 50% bewertete - und auch sofort die Hypothekenkrise als Hauptursache dafür ausmachen konnte, schließlich hat er sie mit seiner jahrelang praktizierten Notenbankpolitik einerseits selbst heraufbeschworen, andererseits dazu auch noch persönlich die Förderung variabel verzinster Hypotheken kräftig propagiert.
Ein weiteres Zitat aus dem Juni-KID:
"Im Auge behalten sollte man in näherer Zukunft auf jeden Fall auch die Inflationsraten diesseits und jenseits des Atlantiks. Totgesagte leben bekanntlich länger..."
Am Freitag gab das BLS die US-PPI-Daten (Produzentenpreise) für November bekannt: +7.67% im Jahresvergleich und damit der höchste einzelne Jahreszuwachswert seit Oktober 1982 (!). Der US-CPI (Verbraucherpreise) wurde zuvor trotz hedonistischer Preisverfälschung mit +4.29 im November festgestellt (alternative Inflationsberechnungen liegen dagegen im Bereich 9-10%). Für Deutschland weist das statistische Bundesamt destatis eine November-Teuerungsrate von +3.09% zum Vorjahr aus, Erzeugerpreise für November stehen noch an.
Dennoch geben Experten in den Medien fleissig Entwarnung: Inflation sei absolut kein Thema, es handele sich hier ausschließlich um "Einmal- und Sondereffekte". Der Bürger, dessen spürbare Verteuerung der sichtbaren Lebenshaltungskosten täglich real und nicht etwa "einmalig" oder als Sonderfall stattfindet, siehts mit Grausen und jenseits synthetischer Warenkörbe. Gern benutztes Argument ist, daß die MwSt-Erhöhung ja 2008 wieder aus der statistischen Berechnung "herausfalle". Dem Konsumenten nutzt dies wenig, zudem wurde die erhöhte Mehrwertsteuer nur zögerlich und quasi schleichend weitergegeben - sodaß ein nachwirkendes "Überschiessen" durchaus nicht auszuschliessen wäre. Hinzu kommt, daß die jahrelang inflationsdämpfende "Globalisierung" sich nun langsam umzukehren beginnt: in den Schwellenländern steigt die Nachfrage nach höherwertigen Konsumgütern, denn aus ehemaligen Billigstlohnarbeitern werden zunehmend konsumhungrige neue Verbraucher mit dem unbändigen Wunsch nach mehr westlichem Lebensstandard. Diesen noch jungen Trend sollte man keinesfalls unterschätzen. Ausserdem treibt die Subprime-Krise das Geldmengenwachstum und wirkt zusätzlich kräftig inflationsbeschleunigend, indem die Folgen monetärer Übertreibungen weiter mit der Geldspritze kuriert werden sollen. Zusammengenommen könnte sich dadurch langsam ein neuer langfristiger Inflationszyklus heranbilden.
Damit bewegen wir uns schon im diesmal besonders schwierigen Bereich der unvermeidlichen "geflügelten Jahresendfigur" des engelsgleichen Jahresend-Prognostikers. Relativ einfach schaut es bei Gold und Öl aus: Öl hat die psychologische Marke von 100.- USD kürzlich fast erreicht, beim Gold dasselbe mit den alten Höchstständen von 1980. Beide Marken sollten zunächst erheblichen Widerstand und Gelegenheit zur möglicherweise ausgiebigeren Korrektur geben, falls nicht unerwartet externe Ereignisse dazwischenkommen. Vice versa hat Euro/US-Dollar 2008 längst überfälliges Korrekturpotential, sowohl technisch als auch im doppelten Sinne aus Sentimentgründen. Einmal sind die Euro-Sentiments inzwischen klar überzogen und dazu wird der konjunkturelle "Verzögerungseffekt" USA/Europa irgendwann wieder egalisiert sein, zum anderen können die USA den Dollar nicht permanent weiterfallen lassen, weil ihre fleissigen Lieferanten von Konsum- und anderen Gütern gegen grünes Papier sonst den Spaß an der Sache verlieren. Last but noch least ist 2008 Wahljahr in Amerika, da neigt der Dollar schon aus Patriotismus meistens zu mehr Stärke.
Ungleich komplizierter sieht es für die Aktien- und Rentenmärkte 2008 aus. Für beide gilt, daß speziell nach den Erfahrungen der letzten Monate 2008 deutlich mehr Wert auf Qualität und Auswahl gelegt werden wird bzw werden muß. Bei den Renten gibt es jetzt schon keinerlei einheitliche Tendenz mehr, die einzelnen Segmente verhalten sich unterschiedlich, sodaß AAA-Souvereigns, Emerging Markets und Corporates jeweils ihr zeitweise konträres Eigenleben führen. Besonders bei Unternehmensanleihen wird die Entwicklung von Qualität und Bonität des Schuldners im kommenden Jahr mehr denn je entscheidend für das Anlage-Ergebnis sein. Ausnahmsweise könnten wir hier dieses Jahr einmal ein umgekehrtes Saisonmuster sehen, also nicht das Frühjahrs/Frühsommer-Tief mit anschließend in der zweiten Jahreshälfte mehr oder weniger freundlicherer Tendenz - sondern genau umgekehrt.
Für den Aktienmarkt gilt zunächst als Motto die heutige KID-Überschrift. Man geht verunsichert auf den Jahreswechsel zu, und bei jedem weiteren Mal wo der Dax erneut kurzzeitig die 8000plus erreicht, wird der Jubel verhaltener. Konjunktursorgen, US-Rezessionsangst, Banken-Krise, Euro-Höhenflug, Rohstoff- und Energiepreise, negative Stimmung in den Zukunftserwartungen, allgemeine Verunsicherung - kein Stoff aus dem die Träume sind. Zudem ist der DAX nach fast fünf Jahren Hausse eben heute nichtmehr wirklich "billig". Kurzfristig erscheint die weitere Entwicklung daher extrem stimmungsabhängig. Gelingt ein Ausbruch, kommt sicher neue Freude auf, während umgekehrt ein fortgesetztes Scheitern an den alten Höchstständen immer stärker zermürbend wirken sollte.
Zusätzlich verunsichernd wirkt das relative Abweichen von (durch erhöhte Publizität möglicherweise teils grade erst erlernten) saisonalen Verlaufsmustern. Sollte diesmal die Jahresendrally 2007/2008 gar ganz entfallen, dürfte noch mehr Verunsicherung und schließlich sogar Enttäuschung um sich greifen. Dann wäre (im Konjunktiv und möglicherweise) der Weg frei für ein reinigendes Gewitter und (im Idealfall ?) neue Einstiegskurse mit einer rundlichen "6" vorne im/am Dax. Siehe dazu ganz oben auch das verschärfte Augenmerk auf die kurzfristig weitere Konjunkturentwicklung. Auch hier käme es damit ggf zu einer Umkehr der gewohnten Saisonmuster, mögliches Jahrestief also grobe Richtung Frühjahr mit einer deutlich "besseren Hälfte" im späteren Jahresverlauf. Ebenso denkbar (jedoch ausser für Daytrader eigentlich wenig erfreulich) eine längere hochvolatile Phase mit entsprechend vielen mittelfristigen Fehlsignalen und ohne reinigendes Gewitter.
Vor lauter Beschäftigung mit Subprime- und Bankenkrise scheint die sonstige Weltlage momentan eher etwas in den Hintergrund geraten. Dabei war es doch eigentlich eine echte Sensation, daß die US-Geheimdienste plötzlich dem Iran einen "Quasi-Persilschein" ausgestellt haben mit der Mitteilung, das iranische Atomwaffenprogramm sei bereits seit 2003 komplett eingestellt. Eine solche "konzertierte Aktion" der Geheimdienste nimmt natürlich den US-Falken einerseits mächtig Wind aus den Segeln - zeigt aber andererseits auch deutlich an, daß dies offensichtlich dringendst notwendig erschien, um weiteren möglichen Kollateralschaden im letzten Amtsjahr der derzeitigen US-Regierung mit einem mutigen öffentlichen Schritt nach Möglichkeit doch noch zu verhindern.
Abschließend zu dem Thema, das uns mit Sicherheit auch 2008 noch vermehrt weiterbeschäftigen wird - Zitat dazu aus der Presse:
"Niemand weiß, wieviel die Banken noch abschreiben müssen - nicht einmal die Banken selbst."
In den Köpfen mag die Subprime-Krise inzwischen angekommen sein, in den Bilanzen ist sie es eindeutig noch nicht. Während die internationalen Großbanken ziemlich konsequent reinen Tisch machen, hält man sich hierzulande noch weiter vornehm genierlich bedeckt. Oder glaubt jahreszeitlich verklärt irgendwie doch noch weiter an den Weihnachtsmann. Deutschland ist nach kurzem Blick auf den Globus ja ein ziemlich großes Land, mit entsprechend im internationalen Vergleich sehr mächtigen Banken. Entsprechend haben wir vom leckeren Welt-Subprime-Gesamtkuchen auch gleich ein überdimensional großes Stück genommen, was einerseits den im Inland eher dürftigen Margen, andererseits der überragenden Intelligenz unserer Bankführungseliten aus welterfahrenen Ex-Politikern und Finanzfunktionären zu verdanken ist.
Diese wurden und werden auch heute nicht müde darin, öffentlich und sich selbst zu erklären, man habe schließlich doch nur "erstklassige AAA- und AA-Bonitäten" im Bestand. Falsch, denn "Subprime-AAA" ist allenfalls nur Kreditmüll allererster Güte in hübscher derivativer Umverpackung - wie der Name schon sagt. Verzweifelt wird noch auf eine baldige Erholung der unverständlicherweise "völlig zusammengebrochenen Märkte" gesetzt, von den circa 300 Milliarden (Zum Vergleich: die deutsche Staatsverschuldung beträgt derzeit knapp 1500 Mia) direkten und indirekten SIV-Engagements deutscher Banken sind lt Capital per Ende November grade mal 2-3 % abgeschrieben. Niemand, nichtmal die sonst überall schnell auftauchenden "Resteverwerter" zeigt hier momentan spekulatives Interesse. Und vorgeblich sind die "Strukturen" schlicht zu komplex für eine realistische Bewertung - fast wie im (durchaus artverwandten und ebenfalls eher rein deutschsprachigen) Zertifikatemarkt.
Dabei ist es doch in Wirklichkeit garnicht sonderlich kompliziert:
Man hat schlicht geringwertige (subprime) Immobilien auf Fantasiepreise
in die Höhe getrieben, anschließend den (rein fiktiven) "Mehrwert" großzügig
zwecks fortgesetzt sorglosem Konsum beliehen, bzw.
zusätzlich in großem Umfang via Internet oder per Drückerkolonne
geringwertige Häuser zu völlig überhöhten Preisen
mitsamt variabel zunächst extrem niedrigverzinslichen, später
entsprechend explodierenden Hypotheken an Bevölkerungsschichten
verkauft, die sich weder Immobilien leisten konnten noch jemals dafür
Zins oder gar Tilgung aufbringen werden können. Hinzu kamen noch
Kreditkarten-, Autofinanzierungs- u.v.a. überwiegend fast unwiedereinbringliche
Verbindlichkeiten. Das ganze dann "leveraged" verpackt in
Derivatekonstruktionen, bei denen die jeweils unterste Tranche beim
geringsten Anlaß bereits fast sicher zum Totalausfall führt
und aufwärts das gesamte Gebilde in Brand setzt. In Zeiten der
extremen Niedrigstzinspolitik ein wunderbares System zur Förderung
weiter munteren uS-Konsums auf Pump und damit der kräftigen Stützung
der angeschlagenen US-Konjunktur.
Aber Kartenhäuser sind nunmal leider innen hohl, ergo mußten fortlaufend genügend neue Dumme gefunden werden, die noch bereit waren in wachsende Risiken angesichts der schon seit Jahren öffentlich bekannten US-Housing-Bubble einzusteigen. Man hat sie offenbar trotzdem gefunden. Dazu auch Wege, sich und die betroffenen US-Bürger gegen daraus resultierende Forderungen wirksam zu schützen: Unter dem Aktenzeichnen 1:07-CV-03029 schmetterte der zuständige Richter des US District Courts of Ohio Ende Oktober eine Vollstreckungsklage der Deutsche Bank Trust Company gegen zahlungsunfähige Hausbesitzer ab, da sie als Treuhänder verbriefter Anleihederivate überhaupt nicht als Gläubiger anzuerkennen ist, da sie weder im Grundbuch noch in den Darlehensverträgen irgendwo namentlich steht oder erwähnt wird. Juristisch ist das nur schwer angreifbar, und selbst im unwahrscheinlichen Erfolgsfall stünde man am Ende zum Teil doch nur völlig verarmten Schuldnern und inzwischen fast wertlos verfallenen Schrottimmobilien gegenüber - die "werthaltig verbrieften" Forderungen damit praktisch völlig wertlos bis hin zur Unverkäuflichkeit. Sodaß man wohl nur noch verzweifelt auf eine wundersame "Markterholung" für explosiven Kreditgiftmüll hoffen kann. Die unter den gegebenen Umständen natürlich schwerlich kommen wird. AAA-Bonitäten bewegen sich zur Zeit zwischen 70 und 80%, AA um die 50%, BBB-Bonitäten schon unter 20%.
Entsprechend besteht hier noch reichlich hoher Abschreibungsbedarf und man darf auf die betreffenden deutschen Bankbilanzen des Jahres 2007, vorläufig voraussichtlich ab Ende Februar 2008, zurecht sehr gespannt sein. Und selbst damit wäre das grausame Spiel noch lange nicht zuende, die Höhepunkte bei der Zahl der US-Subprime-Hypotheken mit fälliger Zinsanpassung nach oben fallen erst auf März bzw Juni 2008, und die Gesamtsumme addiert sich natürlich aus Millionen von Verträgen kontinuierlich auf. Insofern sollte, wer mit großem Optimismus ins Neue Jahr startet, zumindest anfangs noch mit evtl zwischenzeitlich heftigen Nackenschlägen rechnen, bevor auch diese Kreditkrise mit reichlich neuer Liquidität aus noch viel mehr neuen Schulden erfolgreich in die Zukunft vertagt ist. Grade hier sind wir, ähnlich wie beim besten Klimaquatschprogramm der ganzen Welt, jetzt schon besonders richtungweisend unterwegs: denn während die US-Regierung danach strebt, ihre Bürger nach Kräften zu schützen und Ihnen weiterhin ungestörten Konsumgenuß besonders im Wahljahr zu garantieren, haben die Rettungspläne deutscher Politiker natürlich sofort einen passenden "Lender of the last Resort" zur Rettung der Verantwortlichen parat: den Staatsbürger, inform entsprechender Milliardenbürgschaften bzw "Kapitalerhöhungen" bei den betroffenen Landesbanken.
Wer sich das Subprime-Thema nochmal sehr offen, unkompliziert und anschaulich erklärt zu Gemüte führen möchte, sei auf das folgende Schmankerl zum Jahresabschluß (ca. 9 min youtube-video, englisch) verwiesen:
Bremner, Bird and Fortune - The Long Johns: "The Last Laugh - George Parr on Subprime"
In diesem grundoptimistischen Sinne allen Lesern vielen Dank für Interesse und Aufmerksamkeit, besinnliche Feiertage und ein gesundes, erfolgreiches und glückliches Neues Jahr 2008 !
Thomas A. Spörer
Kontakt oder Kommentare
direkt im Blog plazieren (Registrierung erforderlich)