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KID Konjunktur-Indikator-Deutschland

Quo vadis, Konjunktur und Märkte im Oktober 2007?

von Thomas A. Spörer

KID Oktober 2007

 

Die zweite Abwärtswelle

Im September-KID gab es an dieser Stelle noch "Good News, Bad News", inzwischen sind die mittelbaren und unmittelbaren Folgen von Subprime-Krise, liquiditätsgetriebenen Übertreibungen und allgemeinem Abschwung voll auf Stimmung und harte Daten durchgeschlagen, sodaß der KID heute einen unzweifelhaft sauberen zweiten Absturz vorzuweisen hat. Was auch die beim letzten Mal gestellte Frage "Gut gehts uns, aber wielange noch?" ungefähr beantwortet. Da aber die Hoffnung bekanntlich immer als letztes stirbt: Eine winzige Chance besteht noch darin, daß es sich beim aktuellen Datenkranz um eine "in den Zahlen angekommene erste Schockwirkung" handelt, der im kommenden Monat möglicherweise ein erleichterter Rebound folgen könnte. "Könnte" wohlgemerkt, denn die Wahrscheinlichkeit hierfür ist nicht sehr groß.

Relativ hoffnungsvolle Wahrscheinlichkeit besteht da schon eher darin, daß uns die Statistik im grauen November noch einmal ein Stück Herbstsonne mit erträglichen Zahlen zum dritten Quartal 2007 nachreicht. Voraussichtlicher Veröffentlichungstermin ist der 14. November, mit etwas Glück in der "zeitlichen Verteilung" von Monatsdaten auf Quartale reicht die kleine Zwischenerholung im KID sowie der kurze Aufwärtsbogen im Oszillator aus, um nochmal neue Hoffnungen zu wecken. Danach und über den Jahreswechsel hinaus ins Jahr 2008 hinein droht jetzt die zweite Abwärtswelle. Ab Ende Oktober bzw. Anfang November werden auch viele Banken ihre Zahlen zum dritten Quartal präsentieren - man darf gespannt sein.

Verschärftes Bröckeln herrscht bereits bei einem Teil der Dauerkonjunkturboom-Optimisten. Überraschend früh äußerte das Bundeswirtschaftsministerium Sorgen über "dunkle Wolken am Konjunkturhimmel", während das ifo-Institut trotz inzwischen vier schwächeren Monaten in Folge gegen die eigenen Grundregeln zwar "Erste konjunkturelle Bremsspuren, aber noch keine Trendwende" erkennen konnte. Überwiegender medialer Konsens ist derzeit noch die gute alte "Wachstumsdelle". Lediglich der Internationale Währungsfonds (IWF) spricht bereits von "Risiken eines Abwärtstrends". Setzt sich die sichtbare Bewegung im KID auch im kommenden Monat weiter fort, wird ein Abschwung unvermeidlich folgen. Der aktuelle Datenkranz läßt den Indikator schon heute deutlich unter das statistische "Mittelmaß" abtauchen - momentan auf den tiefsten Stand seit Anfang 2003.

In der nächsten Woche erscheinen die Herbstgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute - auch hier dürfte interessant werden, welche Reaktion die jüngste breite Abschwächung in den Zahlen hervorgerufen hat. Allgemeiner Konsens besteht (jedenfalls noch) bei der Ursachenforschung - nämlich die "Turbulenzen an den Kredit- und Finanzmärkten". Eigentlich schon Schnee von gestern und vorgestern, auch wenn sich die Folgen in der realen Wirtschaft noch über lange Zeit bremsend auswirken werden. Dies festzustellen reicht ein Blick auf die kurzfristigen Interbankzinsen, die weiter deutlich oberhalb des EZB-Satzes liegen und trotz der Tender auch beharrlich dort verbleiben. De Facto entspricht dies einer Zinserhöhung mit entsprechender Bremswirkung, ergänzt durch eine deutlich restriktivere Kreditvergabe vieler Banken.

Weitere wirksame Kräfte auf dem Bremspedal werden bislang relativ ignoriert, egal ob ein exportbelastend hoher Eurokurs oder Ölpreise oberhalb der 80-Dollar-Marke. Die private Anschaffungsneigung ist nach dem Einbruch zu Jahresbeginn mit anschließend zögernder Erholung erneut unter Null gerutscht, das Konsumklima und die Stimmung im Handel befinden sich ebenfalls im freien Fall. Wen wunderts, zumal der vielgepriesen boomende deutsche Aufschwung beim Bürger selbst real garnicht stattgefunden hat - die Nettorealeinkommen nach Abzug von Steuern, Sozialbeiträgen und unter Berücksichtigung der Preisentwicklung sind stattdessen auch im Boomjahr 2006 noch weiter und sogar schon bis auf den Stand von 1986 (!) zurückgefallen.

Da kommt grundsätzlich kaum Freude und Zuversicht auf, eher neue Zweifel an der realexistierenden Diskrepanz zwischen privaten Lebenshaltungskosten und amtlich ausgewiesener Inflation im statistischen Warenkorb. Wirtschaftswoche titelte kürzlich dazu "Die globale Inflation kehrt zurück", mit dem Bild eines ganz erheblich dahingeschmolzenen Euro. Parallel zum Konsumenten traten auch die Einkaufsmanager kräftig auf die Bremse und beförderten den Euroland-Index direkt auf ein Zweijahrestief. Stärker ist ein Monatseinbruch bislang nur direkt nach dem 11. September 2001 ausgefallen. Für die Ökonomen der zuständigen EU-Kommission dennoch kein Grund, sich um die robuste Euro-Konjunktur grundsätzlich Sorgen zu machen. Zumal die EZB ja heute noch garnicht in die Zwickmühle aus einerseits steigenden Inflationsraten, andererseits drohender wirtschaftlicher Stagnation geraten ist - sondern erst demnächst.

Der Bund der Steuerzahler hatte zum 1. August angesichts der geringeren Nettokreditaufnahme des Bundes 2007 eine Halbierung des bisherigen verschuldungstempos durchgeführt, sodaß die unter dem Motto "Die Schulden von heute sind die Steuern von morgen" tickende Bundesschuldenuhr nun erst zum Anfang 2008 die 1.500-Milliarden-Marke passieren wird. Auf die tatsächliche Halbwertzeit dieser optimistischen Maßnahme darf aber jetzt schon gewettet werden, ebenso wie auf die politischen Träume von boombedingt ausgeglichenen Haushalten oder gar zukünftig möglichem Abbau der Verschuldung. Droht doch passend zur Gefahr eines möglichen Abschwungs schon Verdi für Dezember mit einem "Großkonflikt" bei den kommenden Tarifverhandlungen des öffentlichen Dienstes, während die Politik selbst mit dem wiederentdeckten sozialen Füllhorn schlagkräftig Schröder´s Agenda 2010 zu demontieren beginnt.

Viele verschiedene Füße drängeln sich also inzwischen um das konjunkturelle Bremspedal und erhöhen damit deutlich die Wahrscheinlichkeit einer tatsächlichen zweiten Abwärtswelle. Allein die Märkte spielen momentan noch ungebremst die Karte des fortgesetzt liquiditätsgetriebenen Aufschwungs. Auf den zweiten Blick aber auch dies noch mit leicht gebremstem Schaum, erkennbar sowohl an den dabei relativ unterdurchschnittlichen Umsätzen als auch an der diesmal eher zähen Würgerei um die 8000er Marke im DAX sowie einem Zurückbleiben des breiteren M-DAX. Der Markt hat grundsätzlich zwar immer Recht - ausser wenn er sich täuscht. Diese Gefaht besteht zur Zeit, falls in den nächsten Monaten dem Aufschwung der realwirtschaftliche Boden zunehmend unter den Füßen entgleitet. Verschärfend kommt ein gewisser Konsens hinzu, daß mit Ablauf des Oktobers die saisonal "gefährliche Zeit" ganz sicher erstmal vorüber sei. Saisonal so sicher wie die Hitzewelle im August.

Thomas A. Spörer

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