von Thomas A. Spörer

.... erste Zeichen kommender Herbststürme?
Diesmal konnte der KID einen First-Mover-Advantage-Punkt verbuchen. Sowohl IFO- in allen drei Bereichen als auch ZEW-Indikator fielen im Berichtszeitraum schwächer aus.
Grafisch zusammengefasst sehen wir derzeit folgende Lage-Entwicklung:
Die deutsche Sonderkonjunktur (X) ist beendet, der Aufwärtstrend
(A) seit Ende 2001 wurde klar gebrochen. Wir befinden uns inzwischen
wieder im blau markierten langfristig statistisch durchschnittlichen "Mittelmaß-Bereich".
Inzwischen hat der KID eine zweite Abwärtswende bestätigt
vollzogen und pendelt um die beiden Unterstützungen (Linien B
und C) sowie dem unteren Rand des "Mittelmaßes".
Beim KID-Oszillator haben sich ebenfalls zwei Abwärtsschwünge herausgebildet, von denen der zweite deutlich tiefer liegt als der erste. Dies kann man für der weiteren Jahresverlauf 2007 durchaus schon als erstes Anzeichen möglicherweise später folgender Herbststürme werten, auch wenn ein zu befürchtender "Durchrutscher zunächst ausgeblieben ist. Denn zwischenzeitlich hatte der KID sogar schon kurz die Linie "C" erreicht, bevor von dieser Unterstützung wieder eine Rückkehr in den "blauen Bereich" erfolgte. Wir kippeln also weiter so dahin, im Wechsel von guten mit schlechten Zahlen. Erwähnenswert hier z.B. der sehr schwache US-Auftragseingang, gefolgt von einem deutlich über Erwartung freundlichen US-Verbrauchervertrauen der Uni Michigan.
Der Handelsblatt-Barclays-Indikator prophezeit der deutschen Wirtschaft denn auch weiter ein schwächelndes zweites Quartal 2007, mit einer Wachstumsdynamik von jetzt nur noch +0.15%. Jedoch bislang nur als zwischenzeitliche "Delle". Per voraussichtlich 14. August mit Veröffentlichung der nächsten BIP-Quartalszahlen sollte sich entscheiden, ob das im KID seit langem angezeigte "Mittelmaß" eher optimistisch, noch durchschnittlich oder gar schon enttäuschend ausfällt.
"Volkswirte für das Gesamtjahr 2007 weiter sehr optimistisch"
vermelden dazu die Medien. Der KID zeigt voraus ein eher zweifelhaftes Bild. Neben der äußerst mauen Zwischenerholung ohne echten Pullback unter den alten Trend (A) mit nun zwei fallenden Spitzen birgt grade der immer noch sehr hohe Optimismus das schon mehrfach hier zitierte Enttäuschungspotential. Nicht zuletzt die Politik hat sich "wegen der weiterhin stark boomenden Konjunktur" und des (unverdienten weil allein vom Bürger erarbeiteten) plötzlichen "Steuersegens" bereits vorsorglich die halbherzige sog. "Haushaltsdisziplin" aufgegeben und plant unverdrossen gleich 10% mehr Staatsausgaben für 2008. Dazu passend verkündet Peer Steinbrück auf Pressefotos den optimistischen Slogan "Wir schaffen die Null!". Zusammengefaßt nach geltender politischer Logik also in etwa so: "Ein Stop der Neuverschuldung liegt derzeit unerreichbar in direkt greifbarer Nähe."
Zwar wissen wir realistisch betrachtet noch sehr sehr wenig über die wirkliche 2008er Konjunktur, aber aufgrund bekannt zuverlässig trendfolgender Stimmungsprognosen darf man doch locker schon mal 10% mehr ausgeben als man noch gar nicht eingenommen hat. Die Bundesschuldenuhr zeigt derweil 1.500 Milliarden Defizit, also noch deutlich unter NUll.
Der Steuerzahlerbund bezifferte die gesamte Steuer- und Abgabenlast kürzlich im Schnitt auf mehr als 53%. Wacker hält das Bundesfinanzministerium dagegen, daß die Staatsquote stattdessen überaus erfreulich auf 47% abgesunken sei. Kein Wunder, und kein herausragender finanzpolitischer Verdienst, wird diese doch direkt am BIP gemessen. Da das unerwartet dynamisch zugelegt hat, ist sie mathematisch folgerichtig entsprechend auch etwas gesunken. Aber, siehe oben, die erforderliche politische Anpassung ist bereits auf dem Weg. Dazu kommt dann noch der unvermeidliche Klimahysterie-Cent.
Vom Optimismus unbeeindruckt hat der Ölpreis (Crude) am Freitag
erstmals wieder 74.- USD (ohne Klimacent) erreicht. Lohnforderungen
von 30% nähren sich ebenso von überschwenglicher Lageeinschätzung.
Und die Zinsen steigen. Auch sonst zeigen sich hier und da immer deutlichere
Anzeichen möglicherweise kommender Herbststürme. Die Schlüsselbegriffe
lauten hier Asset Backed Securities und Collateralized Debt Obligations,
im Zusammenhang mit den US Subprime Mortgage Loans. Wie weit mögliche
Folgen eines beginnenden Kollapses hier Konsum, Konjunktur und Märkte
erschüttern könnten, wird sich erst noch zeigen. Das Grundprinzip
ist aber dem obengenannten Optimismus bzgl. unserer zukünftigen
Staatsfinanzen nicht unähnlich: vermeintlich "sicheres" Kapital
bereits jetzt offensiv großzügig verplanen obwohl es noch
gar nicht verdient ist ...
Thomas A. Spörer