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KID Konjunktur-Indikator-Deutschland

Quo vadis, Konjunktur und Märkte im Mai 2007?

von Thomas A. Spörer

 

kid chart

 

.... mit nachlassender Dynamik

Zitat aus dem KID vom 14.4.07:

"Richtig spannend sollte als Nächstes die für den 15. Mai angekündigte Veröffentlichung des deutschen BIP für das erste Quartal 2007 werden. Hier dürfte sich zeigen, wo das angezeigte "Mittelmaß" für 2007 tatsächlich so ungefähr verläuft, wie klein oder groß die als möglich erwartete "Delle" real ausgefallen ist und auf welchem Niveau sich die deutsche Konjunktur für den Gesamtjahresverlauf einpendeln könnte."

Seitdem ist einiges an Erfreulichkeiten passiert.
Wir sehen zwar in der Grafik eine leichte Abschwächung im BIP, jedoch hält sich diese eindeutig bislang in klaren Grenzen. Die erste "Überraschung" fand 2007 also auf der Positivseite statt, mit stabilen +3.60% nach erneut revidierten +3.94% im Vorquartal. Im "Mittelmaß" sind wir damit erstmal noch nicht wieder angekommen.

Auch sonst gibt es diesmal rundum einiges Positives zu berichten.
Der amerikanische Einkaufsmanagerindex ISM-NAPM, eins der erklärten "Sorgenkinder" noch im letzten Monat, meldete sich mit 54.70 (nach zuvor 50.90) mehr als eindrucksvoll zurück und ließ die ohne Zweifel unerwartet schwachen US-BIP-Zahlen (nur +1.30% Wachstum nach der amerikanischen Sichtweise "Seasonal Adjusted Annual Rate" im 1. Quartal) rasch wieder vergessen. Auch der ECRI Leading Indicator tat einen Sprung nach oben, sodaß die Rezessionswahrscheinlichkeit entsprechend stark rückläufig gesehen werden kann, so wie es auch von Alan Greenspan kürzlich kommentiert wurde. Der US-Auftragseingang erholte sich ebenfalls, bleibt aber nach wie vor ebenso wie der US-Konsum und die Verbraucherstimmung noch weiterhin in labiler Lage. Insofern bleibt für die US-Konjunktur noch vorsichtig abzuwarten, ob das spontane Frühlingserwachen am bisherigen Tiefpunkt tatsächlich auch von Dauer ist.

Etwas abseits des Konjunkturdaten-Mainstreams auffallend stark ferner die "Baltic"-Indices (Frachtraten), die ihren steilen Anstieg der letzten Wochen jetzt mit einem klaren Ausbruch nach oben über die alten Hochs fortsetzten.

Der deutsche Auftragseingang überraschte erneut positiv, wiederum aber mit einem hohen Anteil einzelner Großaufträge. Der zuletzt abgeschwächte Handelsbilanzsaldo wurde rückwirkend kräftig nach oben revidiert und schloß mit einer kräftigen neuen März-Zahl wieder an die guten Werte zuvor an. Es läuft also immernoch alles recht zufriedenstellend, eindeutig jedoch, siehe Überschrift, mit inzwischen deutlich nachlassender Wachstumsdynamik. Die, siehe Tabelle und Erläuterung im KID vom Januar 2007, in der Vergangenheit oft ein frühes Zeichen für eine zeitverzögert nachfolgende Abschwächung darstellten.

Die aktuellen Wachstumsdynamikwerte mit frisch revidierten Zahlen sehen aus wie folgt:

1-2006: +0,84
2-2006: +1,23
3-2006: +0,82
4-2006: +0,98
1-2007: +0,51

Anders als noch bei den im Januar vorgeführten "theoretischen Rechenexempeln" hat sich durch das superstarke vierte Quartal 2006 und die jüngste relativ stabile Fortsetzung damit zwar das Gesamtbild für 2007 verbessert, dennoch ist die (Pressezitat) "Rekord-Stimmung in der Industrie" inzwischen auch fleissig weiter mit angestiegen. Bereits das zweite Quartal 2007 muß sich bei der Veröffentlichung in drei Monaten mit dem absoluten Wachstumsdynamik-Topquartal des Vorjahres messen. Das hier seit längerem angeführte mögliche Enttäuschungspotential ist insofern nicht etwa aufgehoben sondern hat sich nur im Zeitlauf weiter nach vorn verschoben.

In der KID-Grafik ist der blaue Seitwärtspfeil damit verschwunden, dem vorlaufenden Oszillator brav folgend sehen wir nun wieder ein Aufwärtssignal. Jedoch erinnert der Indikatorverlauf dabei bis jetzt noch stark an eine nachrangige Erholung, die aktuell parallel noch klar unterhalb der gebrochenen Aufwärtstrendlinie verläuft. Ein adäquates Bild zeigt auch der "harte" KID aus allein realwirtschaftlichen Daten.

Der KID-Oszillator als reiner "Richtungsanzeiger mit Vorlauf" hat die momentane Abschwächung diesmal sehr frühzeitig angekündigt (roter Halbkreis oben). Ebenso bereits vor Monaten (ab 9/2006) schon die jetzt laufende Frühjahrsbelebung (grüner Halbkreis unten). Das im April hier schon kurzzeitig sichtbare erste kleine Abwärtshäkchen ist einem nun wieder ganz leicht aufwärtsgerichteten Häkchen gewichen (roter Halbkreis rechts mit dem Fragezeichen). Da bleibt eigentlich nur, abzuwarten wie sich das in den nächsten Wochen weiterentwickelt.

Konjunktur ist meistens ein relativ langsam fortlaufender sehr stark zyklischer Prozeß. Seit 2001 sehen wir jedoch in Deutschland bzw. Europa eine aussergewöhnlich verzögerte und stark wellige Zyklik mit ihrem späten Höhepunkt in der "deutschen Sonderkonjunktur" 2006. Auf die letzten beiden Quartale bezogen lautet das Fazit: Die Konjunktur hat abgehoben und bleibt ein kleines Weilchen oben. In einer solchen sehr verzögerten Phase besteht laufend Gefahr, mit der vorlaufenden Prognose eigentlich ein gutes Stück zu früh dran zu sein.

Die US-Konjunktur hat ihr zyklisches "nach-2001-Top" viel stärker und lange vor der "alten Welt" gesehen und verläuft seitdem in einem ganz klaren wiederum zyklischen Abwärtstrend mit den genannten zuletzt noch 1.3% Wachstum, entsprechend dem Stand von 2002. Die momentan entscheidende Frage ist, ob anläßlich dieser zyklischen Divergenz Amerika nun noch weiter auf ein Tief zuläuft, oder mit den jüngsten Zahlen bereits eine neue zyklische Aufwärtswende vollführt. Das erste Quartal 2007 beschert uns zunächst eine skurrile Situation, in der gleichzeitig die US-Konjunktur ein zyklisches Tief durchlaufen hat, während die deutsche (Eurolandzahlen stehen noch aus) einen "verzögert fortgesetzten Gipfel" markiert. Auflösen muß sich diese Divergenz, früher oder später werden sich die Zyklen auch wieder angleichen. Spannend wird im weiteren Jahresverlauf und Richtung 2008, in welcher Form dies geschieht. Gut möglich, daß nach dem Extrem die notwendige Neu-Formatierung der konjunkturellen Zyklik im Bereich des hier schon zitierten ausgleichenden Mittelmaßes stattfindet.

Thomas A. Spörer

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