von Thomas A. Spörer

.... zurück zum Mittelmaß!
Vor einem Monat noch mit einem schüchternen Fragezeichen versehen,
bestätigt der April-KID jetzt eindrucksvoll die Mittelmaß-These
des letzten Monats. Von aprilesker Wetterwendigkeit dabei jedoch keine
Spur, schon vor Ostern verlief der Indikator die meiste Zeit waagrecht
und direkt auf seinem inzwischen ebenfalls parallel zum Horizont verlaufenden
gleitenden Durchschnitt. Signale lassen sich hieraus auch in bester
Absicht nicht generieren, sodaß der bekannten Pfeilreihe im Bild
aus gegebenem Anlaß (und hoffentlich wiederum ausnahmsweise)
folgend auf das nach wie vor gültige sehr frühe Abwärtssignal
nun der blaue langgezogene Seitwärtspfeil hinzugefügt wurde.
In der Farbenlehre steht Blau für ruhig, kühl, fern und passiv.
Relativ ähnliche Attribute treffen auch auf einen dynamisch fortgesetzten Aufschwung mit dem momentan aktuellen Anstiegswinkel Null zu. Die weichen Stimmungskomponenten sind stabil, genauso verläuft zur Zeit die Entwicklung bei den harten Daten, wo die steile Abwärtsbewegung vornehmlich durch den jüngsten deutschen Auftragseingang mit Revision der Vormonatsdaten zunächst gestoppt wurde. Bedenklich dabei aber der zuletzt hohe Anteil von einzelnen Großaufträgen, der möglicherweise über eine allgemein eher schwächere Tendenz hinwegtäuschen könnte.
Ebenso bedenklich der jüngste Rückgang im deutschen Außenhandelssaldo. Weiterhin bedenklich der gestrige erneute Rückgang im US Consumer Sentiment. Bereits zum Monatsanfang hatte ein mit nur 50.90 nach 52.30 wieder deutlich rückläufiger Wert im US-Einkaufsmanagerindex die Frühlingshoffnungen des Vormonats zunichte gemacht. Die 50 stellen hier die Schwelle zwischen Wachstum und Rezession dar, nach zweimaligem Unterschreiten im November 2006 und Januar 2007 pendeln also auch die US-Einkaufsmanager weiterhin um diese Mittelmaßlinie.
Sichtbar neues jedoch beim KID-Oszillator:
Hier deutet sich im weiten zeitlichen Vorgriff erstmals wieder eine
mögliche Wendekonstellation nach unten an, die sofern sie sich
weiter verfestigt und fortsetzt, die Idee einer nur nachrangigen
Sekundärerholung 2007 nach dem Boomjahr 2006 sowie damit einer
im weiteren Jahresverlauf bestehenden kräftigen Enttäuschungsgefahr
im Hoffnungsbereich bestätigen würde. Abwarten lautet also
in vieler Hinsicht das konjunkturelle Gebot der Stunde.
Richtig spannend sollte als Nächstes die für den 15. Mai
angekündigte Veröffentlichung des deutschen BIP für
das erste Quartal 2007 werden. Hier dürfte sich zeigen, wo das
angezeigte "Mittelmaß" für 2007 tatsächlich
so ungefähr verläuft, wie klein oder groß die als möglich
erwartete "Delle" real ausgefallen ist und auf welchem Niveau
sich die deutsche Konjunktur für den Gesamtjahresverlauf einpendeln
könnte. Wir bewegen uns derzeit mit dem KID-Seitwärtstrend
zum Glück noch deutlich am obersten Rand des "blauen Bandes",
sodaß günstigenfalls trotz Richtung Null laufender Wachstumsdynamik
das BIP erstmal noch etwas mehr oder weniger oberhalb des statistischen
Mittelmaßes bleiben könnte. Warten wir´s also ab und
lassen uns überraschen!
Thomas A. Spörer