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KID Konjunktur-Indikator-Deutschland

Quo vadis, Konjunktur und Märkte im Januar 2007?

von Thomas A. Spörer

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Dance at the Razors Edge ...

Der KID startet mit freundlichem Gesicht ins Neue Jahr.

Zur näheren Betrachtung empfiehlt sich wiederum die Konjunkturlupe. Die beiden altbekannten Trendlinien wurden diesmal unterbrochen dargestellt, damit man den Indikatorverlauf überhaupt erkennen kann. Das unterstützende Linienkreuz (A) hat definitiv den ersten "Ansturm" abwärts aufgehalten, was eindeutig ein positives Zeichen zu Jahresbeginn darstellt - wie es der KID-Oszillator bereits seit längerem ankündigte. Momentan hat sich ein klares "Hoffnungshäkchen" gebildet, das jedoch noch recht schwach nach oben ausgeprägt ist. Der Indikator verläuft damit exakt parallel auf seiner Aufwärtstrendlinie seit Ende 2001 - er tanzt z.Zt. quasi auf der Rasierklinge, zwischen der Fortsetzung dieses positiven Konjunkturtrends und einem möglichen Absturz in tiefere Gefilde nach Süden.

Im Vergleich zum letzten Monat hat sich die Situation damit leicht verbessert, das konjunkturelle Signal (Pfeile unten über dem BIP) ist von rot (bzw. unentschlossen "farblos" definiert) auf gelb umgesprungen. Ob daraus ein wirkliches Grün wird, und wie mittelfristig nachhaltig sich der positive Jahresanfang im weiteren Verlauf gestaltet, bleibt noch ebenso offen wie eine Antwort auf die Frage, ob es sich bei dem gelb unterlegten "Gipfel" (zwischen den Punkten A1 und A2) nur um eine deutsche "Sonderkonjunktur 2006" gehandelt hat. Die deutsche Konjunktur wandelt zunächst weiter auf dem schmalen Grat, während die Märkte "kleine Delle und munter voran" spielen, mit neuen Aufwärtsversuchen am Aktienmarkt und neuen Tiefs bei den Renten.

Am Donnerstag wurde die erste Schnellschätzung für das deutsche Jahres-BIP 2006 veröffentlicht. Aus dem Gesamtjahreswachstum läßt sich zumindest eine ungefähre Ableitung auf das vierte Quartal 2006 treffen (die exakten Quartalszahlen werden erst in einem Monat publiziert). Rein rechnerisch (und ohne eine bis Februar mögliche und wahrscheinliche Revision der bisherigen Quartalszahlen) ergibt sich aus +2.5% Jahreswachstum 2006 ein viertes Quartal mit +2.65% gegenüber Vorjahresquartal, wie bei der heutigen KID-Grafik bereits mit eingezeichnet. Ein wenig schwächer als das dritte Quartal, aber doch insgesamt offensichtlich noch sehr erfreulich.

Dennoch erkennt man auf dem Bild des KID-Oszillators unten, daß die seit Monaten angekündigte Wende (roter Bogen) nunmehr eingesetzt hat. Im jetzt laufenden Quartal wird sich der angezeigte "Absturz" (Pfeil) vollziehen - wie stark er ausfällt und damit auch, wie gut die Volkswirtschaft die politische Entscheidung "Steuererhöhungen statt Sparen und Reformen" verkraften wird, kann der Indikator nicht anzeigen, da er auf Früherkennung von Wendepunkten und Trendrichtung ausgelegt ist und politische Experimente grundsätzlich nicht einkalkulierbar sind. Zudem zeigt sich ja auch bereits wieder eine neuerliche Trendwende im Oszillator nach oben (grüner Bogen).

Also alles im Grünen Bereich für 2007 ?

Mit Ausnahme eines rebellischen kleinen Dorfes, in dem nur ein paar unbelehrbar depressive Skeptiker hausen, an denen die "neue deutsche Welle" völlig vorbeigeschwappt ist ? Trotz inverser Zinsstrukturkurve und stark fallender Rohstoffpreise - beides relativ sichere Anzeichen für eine zeitversetzt wahrscheinlich mögliche Rezession ...

Natürlich kann man der Neujahrsansprache der Kanzlerin folgen und sich auch 2007 wieder einfach überraschen lassen. Man könnte allerdings auch das oben begonnene Zahlenspiel etwas weiterrechnen. Das Wachstum definiert sich bekanntlich aus der prozentualen Veränderung zum Vorjahresquartal, aktuell also aus dem Gesamtjahreswachstum 2006 herausgerechnete ca. +2.65%.
Die Wachstums-Dynamik jedoch läßt sich besser aus der Veränderung von Quartal zu Vorquartal ersehen. Hier ergäbe sich für das vierte Quartal 2006 nur noch eine dürftige Steigerung von +0.12% nach +0.63%, +1.07% und +0.80% jeweils davor. Übersichtlicher wird das Ganze in Tabellenform:

Spalte 1 = Jahr und Quartal
Spalte 2 = Wachstumsdynamik im vergleich zum Vorquartal in Prozent
Spalte 3 = Wachstum im Vergleich zum Vorjahresquartal in Prozent

2002 I.:
-0,38
-0,24
2002 II.:
+0,10
-0,18
2002 III.:
+0,42
+0,40
2002 IV.:
-0,11
+0,03
2003 I.:
-0,42
-0,01
2003 II.:
-0,36
-0,46
2003 III.:
+0,39
-0,50
2003 IV.:
+0,57
+0,18
2004 I.:
+0,38
+0,99
2004 II.:
-0,11
+1,24
2004 III.:
-0,15
+0,70
2004 IV.:
+0,03
+0,16
2005 I.:
+0,65
+0,42
2005 II.:
+0,26
+0,79
2005 III.:
+0,52
+1,46
2005 IV.:
+0,27
+1,71
2006 I.:
+0,80
+1,86
2006 II.:
+1,07
+2,68
2006 III.:
+0,63
+2,81
2006 IV.:
+0.12
+2.65

Neben zunächst vielen Nullen rechts und dem erfreulichen Aufschwung 2006 läßt sich erkennen, daß die Wachstumsdynamik dem Wachstum oft ein bis zwei Quartale vorausläuft. Den dynamischen "Höhepunkt" sahen wir also in diesem Jahr bereits im zweiten Quartal vor der Fußball-WM, danach ließ die Wachstumsdynamik bereits wieder deutlich nach, bis zuletzt knapp über Null, sodaß eine folgende weitere Abschwächung des Quartalswachstums möglich scheint.

Wie schon einmal hier erwähnt, ist das Wachstum eine relative Größe, jeweils gemessen am Vorjahr bzw. Vorjahresquartal. Ergo hatte das Jahr 2006 hier gute Karten, zumal 2005 im Verlauf noch weiter herunterrevidiert worden ist. 2007 muß sich jedoch an einem für neue deutsche Verhältnisse überdurchschnittlich starken Vorjahreswachstum messen lassen. Unter Vorbehalt möglicher Revision der letzten Quartale läßt sich auch dies zumindest theoretisch weiter vorausberechnen:

  • Schriebe man die aktuell abgeschwächte Wachstumsdynamik von +0.12% linear auf 2007 fort, ergäbe sich daraus ein rechnerisches Quartalswachstum von +1.96%, +1.00%, +0.49% und nochmal +0.49% für die kommenden vier Quartale, resp. nur noch ganz knappe +1% fürs Gesamtjahr 2007.

  • Geht man von einer nur marginalen "Delle" in der Wachstumsdynamik 2007 aus und schreibt daraus eine Quasi-Null-Dynamik linear fort, errechnen sich noch +1.84%, +0.76%, +0.12% sowie folgerichtig 0.00% für die folgenden vier Quartale. Sinkt die Dynamik gar unter Null, fällt das Ergebnis im Vergleich entsprechend noch deutlich schwächer aus.

  • Nimmt man stattdessen zuversichtlich den langjährigen Durchschnittswert der Wachstumsdynamik von +0.34 (aus überwiegend besseren Zeiten, die letzten 6 Jahre seit der Jahrtausendwende liefern nur noch einen Schnitt von +0.29) und schreibt ihn ebenso linear fort, errechnet sich aus vier Quartalen (+2.18, +1.44, +1.15 und +1.37) noch eine Jahreswachstumsrate für 2007 von +1.54%.

  • Natürlich sind dies linear nur theoretische Rechenexempel, trotzdem zeigen sie drei durchaus reale Sachverhalte recht deutlich auf:
    1. die angenommene Fortsetzung des deutschen Aufschwungs 2007 in gleicher Stärke setzt eine erneut überaus deutliche Erhöhung der Wachstumsdynamik voraus, die momentan nicht zu erkennen ist - nach den aktuellen Zahlen eher im Gegenteil, siehe dazu die Grafik ganz unten mit um 2 Quartale zeitversetzter Dynamikkurve.

    2. Die "Wachstumsdynamikspitze" mit nachfolgend stärkerem Quartalswachstum war eventuell wirklich nur ein Sommernachtstraum anläßlich der Fußball-WM.

    3. Eine nur leicht zunehmende, nur gleichbleibende oder sogar weiter nachlassende Wachstumsdynamik würde im Verlauf 2007 ganz schnell wieder die Eins oder möglicherweise sogar eine neue Null vor dem Komma im deutschen Wachstum der nächsten Quartale generieren - mit entsprechender Wirkung auf die positive Stimmung. Der KID gibt momentan, siehe Bildunterschrift, noch immer den "Tänzer auf der Rasierklinge" und die Würfel sind hier ganz offensichtlich noch nicht gefallen.

Trotzdem sollte sich niemand wundern, falls im Sommer 2007 "plötzlich und allgemein unerwartet" nur noch stagnierende oder mehr oder weniger stark rückläufige Wachstumsraten zu verzeichnen wären, bzw. das R-Gespenst (Rezession) "völlig überraschend" in den Medien wiederaufersteht. Und dazu die Institute ihre grade erhöhten, teils sogar gleich verdoppelten Prognosen immer schön hinter dem Trend her wieder runterfahren.

Doch soweit sind wir jetzt noch lange nicht, und da die Veröffentlichung von Quartalszahlen stets mit kräftigem Zeitversatz erfolgt, bleibt zwischendurch noch genügend Frühling, Zeit und Raum für eine (im KID-Oszillator angezeigte) Zwischenerholung zu Genießen, sowie für die sicherheitshalber genau zu beobachtende überfällige Annäherung von Stimmung und Lagebeurteilung mitsamt Zukunftserwartungen und natürlich erst recht für die Beobachtung der weiteren Wachstumsdynamik.

Nur eins steht jetzt schon fest, und darauf verwies auch die Kanzlerin schon in ihrer Neujahrsansprache: Wenn wir dem erfreulichen Jahr 2006 wirklich ein konjunkturell ebenso erfolgreiches 2007 folgen lassen wollen, ist mindestens das Doppelte an Anstrengung dafür erforderlich.

Hoffen wir also, daß irgendjemand demnächst schonmal zügig damit anfängt, also daß uns die Politik hier z.B. mit gutem Beispiel dynamisch vorangeht - und daß die Weltpolitik mit ihren "neuen alten Strategien" derzeit keine allzu bösen Überraschungen oder konjunkturelle Kollateralschäden für 2007 vorbereitet ...

 

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